Anabolika - Nebenwirkungen

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Androgene und das kardiovaskuläre System 

Sexualhormone haben einen Einfluß auf die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität - das gilt als weitgehend akzeptiert. Während Androgene (männliche Geschlechtshormone) einen Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen darstellen sollen, wird den Östrogenen (weibliche Geschlechtshormone) eher eine Schutzfunktion zugesprochen. Jedoch gibt es mehrere epidemiologische Studien, die dieser Sichtweise widersprechen: in der Tat zeigen nämlich die meisten Studien an gesunden Männern eine positive Korrelation zwischen endogenem Plasma-Testosteronspiegel und HDL-Cholesterol und eine negative Korrelation mit LDL-Cholesterol. Dies bedeutet, daß hohe endogene Testosteronspiegel mit einem geringeren Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen einhergehen und niedrigere Testosteronspiegel mit einem höheren Risiko. Das mehr atherogene Lipidprofil, das bei Männern mit einem niedrigen Testosteronspiegel diagnostiziert wird, könnte durch eine Insulinresistenz bedingt sein. Diese Insulinresistenz kann ihrerseits zur Absenkung des Plasmatestosterons führen.Während niedrige Testosteronspiegel von erhöhten biochemischen Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen und Myokardinfarkt begleitet werden, scheint es aber kein erhöhtes Mortalitätsrisiko zu geben.Die Verabreichung physiologischer Testosteron-Dosen an gesunde Männer mit niedrigem Testosteronspiegel führt in der Regel zu einer Verbesserung der Insulinsensitivität, einer Abnahme des gesamten und des LDL-Cholesterols und einer Abnahme des viszeralen Fettgewebes. Dies ist gleichbedeutend mit einer Erniedrigung des kardiovaskulären Risikos.Werden für die Substitution jedoch nicht-aromatisierbare Testosteronderivate benutzt, entwickelt sich ein stärker atherogenes Lipidprofil. Ebenso führt die Gabe von supraphysiologischen Dosen an Androgenen oder synthetischen Anabolika, die häufig von Athleten oder Bodybuildern benutzt werden, zu einem eindeutig atherogenen Lipidprofil.Bei Frauen kommen wir zu ganz anderen Ergebnissen: Hyperandrogene Frauen, beispielsweise solche mit polyzystischen Ovarien (PCO-Syndrom), entwickeln häufig eine Insulinresistenz, die ihrerseits wiederum einen Anstieg der Sekretion von Androgenen durch die Ovarien zur Folge hat. Diese Frauen tragen ein erhöhtes Risiko, kardiovaskuläre Erkrankungen zu bekommen. Die Bedeutung erhöhter Androgenspiegel an sich für die Insulinresistenz wird bei Frauen allerdings kontrovers diskutiert. Einige Studien belegen einen kausalen Zusammenhang zwischen erhöhten Androgenspiegeln bei Frauen und Insulinresistenz und andere kommen zu dem Ergebnis, daß die Insulinresistenz eher auf das Übergewicht der Patientinnen zurückzuführen ist. Dieselbe kontroverse Diskussion wird auch über den Zusammenhang von erhöhten Testosteronspiegeln und dem atherogenen Lipidprofil dieser Frauen geführt.Darüber hinaus gibt es Autoren, die von einem normalen Lipidprofil bei normalgewichtigen Frauen mit PCO-Syndrom berichten und andere, die von einem atherogenen Lipidprofil von mageren Frauen mit polyzystischen Ovarien sprechen.Exogene Androgene werden Frauen in der Regel nur gemeinsam mit Östrogenen exogen verabreicht. Diese Androgene erhöhen die Libido und führen zu einer Zunahme der sexuellen Aktivität. Andererseits hemmen sie aber den Anstieg von HDL-Cholesterol, der normalerweise durch die Östrogene verursacht wird.Die Behandlung mit anabolen Steroiden, wie beispielsweise Nandrolon oder Stanozolol, führt zu einem eindeutig atherogenen Lipidprofil.Transsexuelle werden zur Umwandlung von der Frau zum Mann mit Androgenen behandelt, um männertypische Testosteronspiegel zu erlangen. Die Patienten weisen dann ein Lipidprofil auf, das dem "normaler" Männer vergleichbar ist. Das bedeutet, es ist atherogener als bei Frauen.Übergewichtige Frauen mit polyzystischen Ovarien haben eine erhöhtes Risiko, kardiovaskuläre Erkrankungen zu bekommen. Es wurde errechnet, daß diese Frauen ein dreifach höheres Risiko tragen, einen Myokardinfarkt zu erleiden als gesunde Frauen.Wir können also folgende Punkte festhalten:
Männer mit einem erniedrigten endogenen Testosteronspiegel tragen ein erhöhtes Risiko, kardiovaskuläre Erkrankungen zu bekommen.
  1. Die Gabe physiologischer Testosterondosen an Patienten mit erniedrigtem endogenen Testosteronspiegel führt zur Verminderung des kardiovaskulären Risikos.
  2. Werden nicht-aromatisierbare Testosteronderivate, exzessive Testosteron-Dosen oder synthetische Anabolika verabreicht, kommt es zu einem eindeutig atherogenen Lipidprofil.
  3. Bei Frauen üben endogene Androgene keinen schützenden Effekt aus. Sie führen eher zu einem atherogenen
  4. Lipidmuster: Der durch Östrogene erzielte hohe HDLSpiegel wird durch Androgene gesenkt.
  5. Auch exogene Androgene wirken sich bei Frauen negativ auf das Lipidmuster aus. Dieses wird durch Gabe von Androgenen ebenso atherogen wie bei Männern.

    Einflüsse des Testosterons auf das Gefäßsystem sind Gegenstand aktiver Forschung. Wir werden abwarten müssen, was diese Forschung uns in der nächsten Zeit bringt.

    Prof. Dr. med. Alex Vermeulen
    Dept. of Endocrinology
    University Hospital-Ghent
    De Pintelaan 185
    9000 Ghent
    Belgien


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Anabolika-abusus   Erhöhte Infektionsgefahr auch durch unsterile Techniken. Rich J.D. et al. Med Sci sports Exerc 31 (1999) 207-209
2 Wochen nach der Injektion eiens Anabolikum entzündete sich bei dem 26 Jahre alten Bodybuildr die Einstichstelle im Oberschenkel. Im Folgenden entwickelte sich ein schmerzhafter, therapieresistenter, eitriger  Abzeß, der erst viele Wochen nach der Behandlung mit Cefazolin und Vancomycin verheilte. Das Anabolikum war mit unsteriler Technik injeziert worden. Außerdem hatte der Patient das Fläschen mit 2 weiteren Bodybuildern, die ebenfalls Abszesse entwickelten geteilt. Ähnliche Infektionen konnten auch in anderen Fällen von Anabolikaabusus beobachtet werden.


Im Körper verursacht Doping genau jene Schäden, die den plötzlichen Tod vieler junger Athleten erklären würde
Der erste von fünf Spitzensportlern, die dieses Jahr an Herzversagen gestorben sind, war der Kugelstoßer Ralf Reichenbach. Ihm folgten der Eishockey-Profi Mark Teevens, wenige Tages später der Fußballer Axel Jütner, dann sein Düsseldorfer Kollege Markus Packlack, der Bobfahrer Lars Bolte, die ehemalige Topsprinterin Florence Griffith-Joyner und in der letzten Woche der 29jährige Eishockeyspieler Stephane Morin. Nach dieser Reihe von Todesfällen wird nun erneut die Frage aufgeworfen: wie kann es sein, daß ein Mensch, der bis dahin überdurchschnittlich leistungsfähig war, plötzlich tot zusammenbricht?  Darüber, wie es zu den Todesfällen kommen konnte, geht die Meinung weit auseinander. Von den jährlich rund tausend Toten im deutschen Sport sind rund 90 % Herztote. Bei Sportler um die vierzig Jahre sind fast immer krankhaft verengte Blutgefäße (Arteriosklerose) die Todesursache. Bei den unter 35jährigen dagegen ist es in 30 bis 40 % der Fälle eine krankhafte Veränderung des Herzmuskels (Kardiomyopthie), bei weiteren 15 bis 20 % eine akute Herzmuskelentzündung.  Während manche Fachleute nicht ausschließen, daß sich die Zahl der Sporttoten in den letzten Jahren zu zufällig häuft, ist für den Molekularbiologen Werner Franke vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg dagegen unbestreitbar, daß viele der sehr jung verstorbenen Sportler Opfer ihres Anabolika-Konsums sind. Anabolika sind Substanzen, die dem männlichen Sexualhormon Testosteron ähneln und die Bildung von Muskelmasse anregen.  Ein Dutzend Studien in renommierten Fachblättern belegen einen solchen Zusammenhang. Bei den veröffentlichten Tierexperimenten und Einzelstudien an kranken Bodybuildern, Gewichthebern und anderen Athleten sind drei Nebenwirkungen auffallend. Allesamt erhöhten bekanntermaßen das Risiko für die beobachteten tödlichen Herzleiden. Die anabolen Steroidhormone verändern unter anderem die Architektur des Herzmuskels.  Die Substanzen beschleunigen den Aufbau (Anabolismus) von Muskelmasse, sowohl in der Skelettmuskulatur als auch im Herzen. Mit dem unharmonischen Wachstum der Herzwände kann die Bildung von Blutgefäßen jedoch nicht Schritt halten. Die Folge ist eine Störung der Erregungsleitung im Herzmuskel. Jede Muskelfaser macht - statt sich zusammenzuziehen - im schlimmsten Fall, daß was sie will - das Herz versagt den weiteren Dienst.  Anabolika wirken sich aber auch auf die Cholesterinwerte aus. So beeinträchtigen die Substanzen den Stoffwechsel der Leber und verschlechtern so das Mengenverhältnis von "schlechtem" Cholesterin (LDL-Wert) zu "gutem" Cholisterin (HDL-Wert). Das Risiko für Arteriosklerose, eine der Hauptursachen für Schlaganfall, Herzinfarkt und Lungenembolie steigt an.  Der Kugelstoßer Reichenbach hatte kurz vor seinem Tod das Herz eines 80jährigen. Früher gehörte er zu den stärksten Männern der Welt, zum Schluß konnte er angeblich nicht einmal mehr einen Stuhl hochheben. 
Lebensgefährliche Thrombosen
Viele Anabolika erhöhten die Neigung der Blutplättchen, Gerinnsel zu bilden. Zu einer lebensgefährlichen Thrombose kann es kommen, wenn diese sich im Gehirn, in der Lunge oder im Herzen festsetzen.  Die Kombination von Anabolika mit Amphetaminen ist besonders gefährlich. Die Aufputschmittel wirken ähnlich wie körpereigene Streß-Botenstoffe. Sie bewirken, daß das Herz kraftvoller und schneller pumpt. Sie "powern" auf Dauer den Herzmuskel regelrecht aus. Amphetamine erhöhen damit die Gefahr von Herzrhythmusstörungen. Die Risiken der neueren Leistungsförderer Erythropoietin, kurz "Epo" genannt und Perfluorcarbon kommen noch hinzu. 
Erythropoietin
"Epo" regt die Bildung roter Blutkörperchen an und fördert so die Sauerstoffversorgung der Muskeln. Von Epo-Spritzen profitieren insbesondere Ausdauersportler, wie Radfahrer und Langstreckenläufer. Das Blut verdickt sich aber durch Epo. Verliert der Sportler beim Training viel Wasser, können gefährliche Blutgerinnsel entstehen. 
Perfluorcarbon
Perfluorcarbon verbessert ebenfalls die Sauerstoffaufnahme des Blutes. Die Substanz wurde bisher nur in Tierversuchen getestet, daher sind ihre Nebenwirkungen unbekannt. Von einigen Sportlern wird sie trotzdem genommen. 
Doch es müssen nicht immer Anabolika oder Aufputschmittel mit im Spiel sein, wenn ein Top-Athlet auf dem Feld tot zusammensackt. Es gibt auch bei optimal trainierten Sportlern zwei Krankheitsbilder, die ohne Vorboten zum plötzlichen Herztod führen können: eine unerkannte, durch Vieren oder Bakterien hervorgerufene Herzmuskelentzündung oder aber eine unentdeckte, angeborene Herzmuskelverdickung. geld-online vom 21.10.1998
http://www.dopingnews.de/Androgene-Nebenwirkungen.htm


Gefahr für das Herz durch Anabolika
Es ist bekannt, dass die Gabe von Anabolika im Zusammenhang mit körperlicher Aktivität nicht nur das Wachstum der Skelettmuskulatur sondern auch des Herzmuskels fördern kann. Fraglich ist, ob diese kardiale Hypertrophie von einer entsprechenden Zunahme der Kapillardichte begleitet wird. Vor diesem Hintergrund erfasste eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe der Sporthochschule Köln bei Mäusen 3-6 Wochen nach einem Training mit und ohne gleichzeitige Anabolikagabe sowie bei einer Kontrollgruppe Myozytendurchmesser, Kapillardichte und den Abstand zwischen den einzelnen Kapillaren. Nur die Tiere, die unter Anabolikagabe trainierten, zeigten eine Zunahme des Myozytendurchmessers. Im Gegensatz dazu führte ausschließliches Training ohne Anabolikagabe zu einer Zunahme der Kapillardichte  (um mehr als 25%), d.h. die reine körperliche Belastung reduzierte den Kapillarabstand. Die Ergebnisse verdeutlichen die Gefahr für das Herz bei Training unter Anabolikagabe. Bei Zunahme des Myozytendurchmessers und gleichzeitig ausbleibender Anpassung des Kapillarbettes erhöht sich der Diffusionswiderstand für Sauerstoff und die O 2 -Versorgung des Herzens verschlechtert sich.
(
Tagarakis CVM et al.: Anabolic steroids impair the exercise-induced growth of the cardiac capillary bed. Int J Sportsmed 21 (2000) 412-418)


Neue Zahlen: Steigender Anabolika-Konsum in Fitness-Studios: Der Anabolika-Konsum unter Freizeitsportlern steigt. Wie eine aktuelle Studie ergab, schlucken rund 19 Prozent aller Fitness-Studio-Besucher Anabolika. Die Medikamente stammen hauptsächlich vom Schwarzmarkt, zu knapp 20 Prozent wurden sie von Hausärzten verschrieben. In zehn Prozent der Fälle waren die Trainer am Anabolika-Handel beteiligt. Das belegt die neue Studie des Sportmediziners Carsten Boos und seiner Kollegen von der Universität Lübeck. „Sollten die Zahlen auch nur zur Hälfte stimmen, ist bei derzeit 3,5 Millionen registrierten Sportlern in Fitness-Studios von 350 000 Anabolika-Konsumenten in Deutschland auszugehen“, sagte Boos gegenüber NetDoktor. Die Wissenschaftler hatten in Deutschland über zwei Jahre insgesamt 454 Frauen und Männer in 58 kommerziellen Sportstudios zu Dopingmitteln befragt. 22 Prozent der Männer und acht Prozent der Frauen gaben zu, anabolwirkende Substanzen zu nehmen. Anabolika machen offenbar langzeitabhängig: „75 Prozent derer, die sie einmal genommen haben, nehmen sie immer wieder ein“, so Boos. Neben den bekannten Nebenwirkungen anaboler Substanzen gebe es noch andere Gefahren: Der Stoff vom Schwarzmarkt sei nicht immer so sauber wie der aus der Apotheke, erklärten Experten. (netdoktor.de, 18.9.2000)mg 


Kasuistik / 24 Stunden nach einer Knochenbruch-Operation entwickelte sich ein Kompartment-Syndrom  
Anabolika - Body-Builder bekam Muskel-Nekrosen 
Hull (ha). Wer versucht, seinem Traumkörper durch Anabolika näher zu kommen, zahlt dafür unter Umständen einen hohen Preis: Sportler, die intensiv trainieren und zugleich Anabolika einnehmen, können möglicherweise nach Unfällen auch ohne direkte Verletzung ein akutes Kompartment-Syndrom entwickeln.  Zu diesem Schluß kamen britische Ärzte des Kingston General Hospital in Hull. Sie berichten von einem 23jährigen Bodybuilder, der von seinem Motorrad stürzte, nachdem er kurz zuvor eine harte Trainingseinheit absolviert und zusätzlich anabole Steroide geschluckt hatte. (British Journal of Sports Medicine23, 2000, 308).Nachdem die Ärzte bei dem überaus muskulösen jungen Mann die Knochenbrüche operiert hatten, entwickelte sich bei dem Body-Builder innerhalb der folgenden 24 Stunden ein schweres akutes Kompartment-Syndrom in allen Extremitäten - auch auf der Körperseite, die vom Unfall nicht betroffen war. Obwohl die Mediziner schnell Fasziotomien vornahmen, klagte der Patient weiter über Schmerzen in den unverletzten Extremitäten. Der Kreatinin-Kinase-Spiegel stieg kontinuierlich, und die Myoglobin-Konzentration im Urin war erhöht, woraufhin der Mann erneut operiert wurde. Dabei fanden die Chirurgen in verschiedenen Muskeln fleckige Nekrosen, die sie abtragen mußten. Nach drei Tagen, in denen der Patient mit Sauerstoff-Überdrucktherapie behandelt wurde, stabilisierte sich sein Zustand. Aber selbst noch ein Jahr nach dem Unfall zog der junge Mann den linken Fuß beim Gehen nach und den rechten Ellenbogen konnte er nicht mehr vollständig bewegen. Daß dieses lebensgefährliche Kompartment-Syndrom direkt auf den Anabolika-Mißbrauch zurückzuführen war, konnten die plastischen Chirurgen des Kingston General Hospital allerdings nicht beweisen. Sie vermuten aber, daß sich der Patient zumindest erhöht gefährdet hat, indem er das Anabolikum eingenommen und zugleich ein hartes Training absolviert hat. Ärzte Zeitung, 02.10.2000


Kardiale Dekompensation eines Bodybuilders  K. La Rosée, A. Schulz, M. Böhm und E. Erdmann
Klinik III für Innere Medizin (Direktor: Prof. Dr. E. Erdmann) und Klinik I für Innere Medizin (Direktor: Prof. Dr. V. Diehl) der Universität zu Köln.
Anamnese und klinischer Befund: Ein 32jähriger Patient wurde mit hochgradiger Dyspnoe-Symptomatik stationär aufgenommen. Er gab an, zur Gewichtsreduktion
regelmäßig Clenbuterol, Aspirin und Koffein einzunehmen. Bei der klinischen Untersuchung fiel eine extreme Tachyarrhythmie auf. Untersuchungen: Im EKG bestand eine Tachyarrhythmia absoluta mit Frequenzen bis 200/min und ein R-Verlust in V2 und V3. Das Röntgenbild des Thorax zeigte eine globale Herzvergrößerung, Zeichen der pulmonalen Stauung, Infiltrate in beiden Unterfeldern und geringe Pleuraergüsse beidseits. Die transthorakale Echokardiographie ergab einen enddiastolisch mit 71 mm deutlich vergrößerten linken Ventrikel bei diffus hochgradig eingeschränkter Pumpfunktion ("fractional shortening" 10%).Diagnose, Therapie und Verlauf: Unter dem Bild einer kardialen Dekompensation wurde der Patient auf die Intensivstation aufgenommen. Innerhalb weniger Stunden mußte er intubiert und beatmet werden. Es kam zu exzessivem Katecholaminbedarf und nachfolgender Entwicklung eines septischen Krankheitsbildes. Nach Einleiten einer antibiotischen Therapie und elektrischer Kardioversion besserte sich der Gesamtzustand rasch. Fremd-anamnestisch ergab sich eine regelmäßige Einnahme von Stanozolol, Methandienone, Testosteron, Oxymetholon, Gonadotropin, Tamoxifen, Clomifen, Acetylsalicyl-säure, Koffein und Clenbuterol in jeweils unterschiedlicher Zusammensetzung nach festgelegten "Body-building-Steroidzyklen" einer im "Sport Verlag Ingenohl" 1993 gedruckten Publikation. Nach Stabilisierung des Patienten wurde selektiv eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt, die den Ausschluß einer Makroangiopathie und lävokardiographisch eine links-ventrikuläre Auswurffraktion von 25% erbrachte.
Folgerung: Obwohl ein pathogenetischer Zusammenhang zwischen dem betriebenen Arzneimittelabusus und dem in diesem Fall lebensbedrohlichen Bild einer schweren
kardialen Schädigung im Sinne einer Kardiomyopathie schwer zu beweisen ist, scheint es aus präventivmedizinsicher Sicht notwendig, auf den weit verbreiteten Mißbrauch potentiell gefährlicher Medikamente unter Bodybuildern und anderen Kraftsportlern hinzuweisen. Dtsch. Med. Wschr. 122 (1997), 1586-1590


"Muskelmacher" im Internet Schnelle Masse statt Klasse
Als "besorgniserregend" bezeichnet das Bundesinstitut für Sportwissenschaft in Köln die Entwicklung des dopingnahen Medikamentenmißbrauchs mit muskelaufbauenden
Substanzen wie z.B. Steroiden und anderen Anabolika-Präparaten. Die auf der Verbotsliste des Internationalen Olympischen Komitees stehenden Substanzen könnten schwere Gesundheitsschäden hervorrufen, wenn sie für andere als ärztlich indizierte Zwecke mißbraucht würden. Darüber hinaus bestehe durch den Handel mit verbotenen "Muskelmachern" im Internet die Gefahr einer ungehinderten Verbreitung dieser Präparate. Auf eine Reihe von Internet-Seiten werden Bezugsquellen angegeben, Beschaffungsmöglichkeiten beschrieben und Dosierung, Gebrauch und Wirksamkeit der Pharmaka erläutert. Gefährliche Nebenwirkungen und langfristige Folgeschäden werden allerdings verschwiegen. Die Konsumenten der Muskelaufbau-Präparate kommen hauptsächlich aus der Bodybuilding- und Kampfsport-Szene. Im Auftrag der Dachverbände des Sports untersuchen die beiden Doping-Labors der sportwissenschaftlichen Institute in Köln und Kreischa bei Dresden pro Jahr über 7000 Stichproben von Sportlern. Mit ständig verbesserten Nachweismethoden verhindern sie, daß sich die Sportler mit Dopingmitteln in einen ruinösen Wettbewerb hineinsteigern. Und das mit Erfolg: Nur 0,2 Prozent der 6.800 Urinproben deutscher Sportler waren im vergangenen Jahr positiv. Viele Bodybuilder bauen auf Steroide en gros Für immer imposantere Muskelpakete riskieren nicht wenige Bodybuilder offensichtlich bedenkenlos ihre Gesundheit. In einer anonymen Umfrage bekannten sich 80 von 100 britischen Muskelmännern zur Polypharmakomanie. Von den 100 Befragten betrieben 67 Bodybuilding in ihrer Freizeit, 33 wettkampfmäßig. Alle gaben an, seit durchschnittlich ein bis fünf Jahren Steroide einzunehmen, und zwar durchschnittlich 500 mg wöchentlich. In zwölf von 100 Fällen betrug die Steroid-Dosis 1000 mg pro Woche, vereinzelt sogar bis zu 3200 mg! Die Dauer der Einnahmezyklen variierte von vier bis sechs über zwölf Wochen bis ganzjährig. Besonders beliebt war bei den Briten intramuskuläres Nandrolon, Testosteron sowie orales Methandostenolon. Oft nahmen sie u.a. (!) zusätzlich Clenbuterol, Ephedrin, Tamoxifen oder Wachstumsfaktoren ein. Die Folgen des Anabolikamißbrauchs waren 54 Prozent der Bodybuilder ins Gesicht geschrieben: Sie litten unter Akne. 40 Prozent wiesen eine Hodenatrophie auf. Bei 34 Prozent hatten sich Gynäkomastie und / oder Striae entwickelt. Br. J. Sports Med. 31 (1997) 54-58.


Steroide als Todesursache Steroid-Mißbrauch oft nicht erkannt / Studie in Italien   
ROM/ITALIEN (mp). Viele angeblich natürliche Todesfälle bei jungen Menschen gehen auf das Konto von Steroid-Mißbrauch. Das meint die Ärztin Rossana Cecchi, die in der Gerichtsmedizin der römischen Universität "La Sapienza" derzeit mit Kollegen an einer Studie arbeitet. Die Zeitung "Il Tempo" in Rom veröffentlichte kürzlich erste Erkenntnisse. Da wird zum Beispiel ein 22jähriger Mann obduziert, der nach dem ersten Eindruck völlig gesund schien. Doch sein Herz war extrem vergrößert: Es wog 430 Gramm. "Genaue Zahlen gibt es nicht", sagt Cecchis Kollege Domenico Picca. Doch man könne sagen, daß "viele Todesfälle" dem Steroidmißbrauch zuzuschreiben seien, sie jedoch nicht als solche erkannt würden. Junge Männer von 20 Jahren hätten Herzen von 80jährigen, da die Steroide eine Muskel-Hypertrophie bewirkten, die auch den Herzmuskel befällt. Besonders gefährdet sind nach Meinung eines Fitneßclub-Besitzers 16- bis 17jährige, die möglichst schnell mit Präparaten Muskeln aufbauen wollen. Ärzte Zeitung, 03.04.2001


Spermienkiller - Anaolika
Ein 20-jähriger Bulgare, Bodybuilder, schluckte seit 10 Monaten Anabolika. Weil er plötzlich begann, sich aggressiv und destruktiv zu verhalten, wurde eine primäre Borderline-Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Im Blut fand man extrem niedrige Testosteronspiegel festgestellt. Nach Absetzen der Anabolika stiegen sie binnen 10 Monate auf normale Werte. Eine Samenanalyse zeigte anfangs eine Azoospermie ( keine Spermien). 10 Monate später war die Samananalyse und das Sexualverhalten regelrecht.Die Autoren werfen die rage auf ob bestimmte Persönlichkeitsveränderungen einen Anabolikamißbrauch fördern.
Boyadjiev et al., J Sports Med Phys Fitness 40 (2000) 21-274


Neue Studie belegt - anabole Steroide schädigen auch Herz und Gefäße
Professor Axel Urhausen, Verbandsarzt des Deutschen Ruderverbandes und Lehrbeauftragter am Institut für Sport- und Präventivmedizin der Universität Saarbrücken, hat die chronische Gesundheitsgefährdung durch Anabolika in einer durch das BISp geförderten Studie erforscht. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen im Juli veröffentlicht werden, einige Details hat Urhausen auf dem Doping-Seminar in Saarbrücken vorgestellt. Bekannt sind Nebenwirkungen wie Akne, Haarverlust, Vermännlichung bei Frauen oder Gynäkomastie bei Männern, von der über die Hälfte der regelmäßigen Anabolika-Konsumenten betroffen sind. Bei Männern kann es zudem zu einer Hodenatrophie sowie einer Hemmung der Spermienproduktion kommen. Beobachtet worden sind zudem Prostata-Vergrößerungen bis hin zum Prostatakrebs. Bei Kindern und Jugendlichen, die Anabolika konsumieren, kommt es zu einem vorzeitigen Schluß der Wachstumsfugen mit der Folge von Kleinwuchs. Auch mögliche Schädigungen der Leber sind bekannt. Dies hänge jedoch von der Molekülstruktur der anabolen Steroide ab, so Urhausen. Manche Präparate seien so verändert worden, daß sie durch die Leber keine Wirkungsabschwächung erführen, das Organ jedoch schwer schädigten. Folgen seien blutige Zysten, Cholestasen bis hin zu Tumoren, die im Einzelfall auch bösartig sein könnten.Die Nebenwirkungen anaboler Steroide auf die Psyche seien wissenschaftlich widersprüchlich, so Urhausen. Zwar fielen Anabolika-Konsumenten durch aggressives Verhalten auf. Doch gebe es hier keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung. So hätten Studien beispielsweise eine höhere Risikobereitschaft bei Personen belegt, die häufig anabole Steroide nehmen: Sie fuhren   öfter ohne Gurt und hatten häufiger als Normalbürger Geschlechtsverkehr ohne Kondome. Der Konsum von anabolen Steroiden hat erhebliche Nebenwirkungen auf Herz und Gefäße, wie Urhausen in seiner Studie festgestellt hat, an der 32 Männer beteiligt waren, von denen die Hälfte etwa vier Jahre, die andere Hälfte durchschnittlich etwa acht Jahre Anabolika konsumiert hatten. So komme es langfristig zu einem Lipidprofil, das Herz und Gefäße schädigt. Dies sei durch die Studie eindeutig belegt worden, so Urhausen: "Das gefäßschützende HDL-Cholesterin wird abgesenkt, gleichzeitig steigt der Anteil des aggressiven LDL-Cholesterins an." Durch Anabolika-Konsum kann es auch zu einem Vasospasmus kommen, führte Urhausen aus. "Dies könnte erklären, weshalb Personen einen plötzlichen Herztod erleiden, ohne daß man später in der Autopsie eine entsprechende Gefäßverkalkung feststellen kann."
Herzwandverdickung nicht durch Krafttraining bedingt
Eindeutig belegt sei, daß es durch anabole Steroide zu einer linksventrikulären konzentrischen Hypertrophie komme. Die kardiale Wandverdickung sei "mit Sicherheit nicht ganz reversibel", so Urhausen. In der Studie habe man auch nachgewiesen, daß sie nicht durch das Krafttraining an sich, sondern eindeutig durch Medikamente bedingt sei. Beobachtet worden seien sowohl diastolische als auch systolische Funktionsstörungen. Ärzte Zeitung, 13.06.2001 Von Pete Smith


Mehr als illegal: Doping birgt Todesgefahr
Köln (dpa/lnw) - Zunehmende Erkrankungen von Herz, Leber und Nieren, Veränderungen der Sexualorgane, Depressionen und eine wachsende Zahl von Todesfällen: Die gesundheitlichen Nebenwirkungen und Folgen von Doping sind selten so fundiert, plakativ und gebündelt dargestellt worden wie auf dem internationalen, von der EU geförderten Anti- Doping-Symposium an der Deutschen Sporthochschule in Köln. «Was wir zu den biochemischen Nebenwirkungen gehört haben, zeigt, dass das Wissen darüber ausreichend zugenommen hat», resümierte der Organisator der Tagung, Prof. Horst Michna. Für Athleten, die verbotene Mittel zur Leistungsteigerung nehmen oder nehmen wollen, ist dies eine Botschaft, die viele angesichts der Aussicht auf Erfolg, Ruhm und Geld
nicht hören wollten. Neben Stimulanzien, Narkotika und anabolen Steroiden ist die Gesundheit der manipulationswilligen Sportler im besonderen Maße durch Wachstumshormon-Einnahmen gefährdet. «Man kann erwarten, dass die Zahl der Herzinfarkte, Diabetiker, möglicherweise auch Krebskranken unter den Sportlern durch Wachstumshormone steigen wird», warnte Dr. Martin Bidlingmaier. Er gehört zur Forschergruppe um den Münchner Christian Strasburger, die im Auftrag des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ein Nachweisverfahren für Wachstumshormone entwickeln soll. Erste Ergebnisse erwartet Bidlingmaier nicht vor Dezember. Eine Gefahr droht den Sportlern nicht nur dadurch, dass sie etwas nehmen. Oft ist nämlich nicht das in der Medikamenten-Packung, was sie gekauft zu haben glauben. Bei der Untersuchung einer auf dem schwarzen Markt erworbenen Schachtel mit angeblichen Wachstumshormonen war nach Angaben Bidlingmaiers in einer Ampulle der angegeben Stoff, in einer weiteren eine Kombination von Präparaten und in der dritten nichts. «Das zeigt, was für Probleme Athleten haben», meinte der Forscher. Und kostspielig seien diese «Hormon- Kuren» auch: Sportler, die einen Monat lang jeden Tag vier Einheiten spritzen wollen, müssen 5000 Mark für regulär zirkulierende Präparate berappen - auf dem Schwarzmarkt kosten Produkte nur ein Viertel. Die Wissenschaft kann mit immer weit reichenderen Erkenntnissen über die Folgen von Doping und verfeinerten Kontroll-Methoden die verbotene Leistungsmanipulation nur eindämmen helfen. Deshalb blickt Prof. Charles Yesalis von der Universität in Pennsylvania/USA skeptisch in die Zukunft. «Ich bin nicht optimistisch. Es ist zu wenig Geld im Spiel. Wir bräuchten 200 Millionen Mark pro Jahr, um den Kampf gegen Doping voranzubringen, und viel mehr Kontrollen», meinte der Amerikaner. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hat 2001 zehn Millionen Mark für Forschungsprojekte zur
Verfügung gestellt. netdoctor 25. Juli 2001


Von Akne bis KHK: die Folgen des Dopings
Mißbrauch im Breitensport / In jeder Praxis können Patienten mit Nebenwirkungen von Dopingmitteln auftauchen

KÖLN (gün). Die Doping-Welle hat längst den Breitensport erfaßt. Patienten mit Nebenwirkungen von Doping-Mitteln können in jeder Praxis auftauchen. Darauf haben die Experten auf einem Symposium der Deutschen Sporthochschule in Köln hingewiesen. In Fitness-Studios, besonders dort, wo ernsthaftes Bodybuilding betrieben wird, sind die verschiedensten Präparate unter der Hand zu haben. Ein großes Problem: Spitzensportler stehen unter ärztlicher Überwachung, Bodybuilder in Fitness-Studios nehmen dagegen völlig unkontrolliert Dopingmittel ein, meist Anabolika oder Wachstumshormon, oft von zweifelhafter Herkunft und in Dosierungen, die die in der normalen Indikation empfohlenen um bis das Zehnfache überschreiten. Ärzte der verschiedensten Fachrichtungen können heute mit Doping-Nebenwirkungen konfrontiert sein: Anabolika führen zu Akne, zur Schädigung der Leber, aber auch zu Kardiomyopathien oder sogar zu koronarer Herzerkrankung. Der plötzliche Herztod bei Bodybuildern ist keineswegs eine Seltenheit. Leber- und Lipidwerte sind oft pathologisch.  Unfruchtbarkeit, verbunden mit einer Schrumpfung der Genitalien, kann genauso auf Anabolika-Abusus hindeuten wie eine Gynäkomastie.  Wachstumshormon verändert die Glukosetoleranz und kann zu unklarer Müdigkeit führen. Die langjährige Einnahme von Wachstumshormon in sehr hoher Dosis könnte das Risiko für Krebs erhöhen - dieser Verdacht liege aufgrund der Wirkungsweise des Wachstumshormons nahe, so die Experten in Köln. Erythropoietin ist eher im Ausdauersport ein Problem. Es kann zu pathologisch erhöhten Hämatokrit- und Hämoglobinwerten führen, deren Folge eine Thrombose sein kann. Thrombosen sowie Elektrolytverschiebungen sind auch oft die Folge von übermäßiger Diuretika-Zufuhr. Bodybuilder nehmen sie gern vor Wettkämpfen, um die Muskelkontur klarer hervortreten zu lassen, Boxer oder Ringer versprechen sich davon, in eine niedrigere Gewichtsklasse eingeordnet zu werden. Auch scheinbar harmlose Nahrungsergänzungsmittel sind nicht frei von Nebenwirkungen. Muskel-aufbaupräparate enthalten oft - als Kontamination oder nicht deklarierten Inhaltsstoff - Prohormone wie das Androstendion. In den USA wird es in "Health-Food"-Läden vertrieben und heftig beworben als natürlicher Testosteron-Vorläufer. Biochemische Untersuchungen zeigen jedoch
regelmäßig eine Metabolisierung in Estradiol und Estriol. Bei Patienten mit unklaren Befunden, besonders wenn sie auffällig muskulös sind, lohnt sich also die
Suche nach Dopingmittel-Abusus. Ärzte Zeitung, 30.07.2001


Sind die kardialen Nebenwirkungen durch Anabolikamissbrauch bei Kraftsportlern reversibel?*

Urhausen A, Albers T, Kindermann W

Inst. f. Sport- und Präventivmed., Univ. des Saarlandes, Saarbrücken

Bisher existieren keine Studien zur Reversibilität einer konzentrischen linksventrikulären Hypertrophie (LVH) bei Kraftsportlern mit massivem Anabolika(

AS)-Konsum. Bei männlichen Bodybuildern und Powerliftern erfolgte eine  Dopplerechokardiographie (GE System Five): 15 ehemalige AS-Anwender mind. 12Mo, im Mittel 43Mo, nach Absetzen der AS (ExU; Dosierung700mg/Wo an 26Wo/J über 9J; Mittelwerte) und 17 aktuelle User (U; 750mg x 33Wo x 8J) wurden verglichen. Der zur Abschätzung des AS-Missbrauchs aus Dosierung und Dauer ermittelte Punkte-"Score" differierte nicht zwischen U und ExU. Zusätzlich wurden 15 Gewichtheber (GH) des Nationalkaders untersucht. Die körperdimensionsbezogenen Herzvolumina unterscheiden sich nicht zwischen ExU und U, die der GH lagen jeweils signifikant niedriger. Die auf die fettfreie Körpermasse (FFM) bezogene LV Muskelmasse der U (3,32±0,48g/kg) liegt nicht signifikant höher als bei ExU (3,16±0,53) und ist bei GH jeweils niedriger (2,43±0,26; p<0,001). Die mittlere LV Wanddicke unterscheidet sich nur in den Absolutwerten (p<0,05) zwischen U (11,8±1,2mm bzw. 0,14±0,01mm/FFM) und ExU (10,8±0,7 bzw. 0,15±0,02), nicht aber unter Bezug auf die FFM; bei den GH liegt sie jeweils niedriger (9,8±1,0 bzw. 0,12±0,01; p<0,05-0,001). Die mittlere LV Wanddicke der U korreliert schwach signifikant mit dem "Score" (r=0,49, p<0,05). Das LV Wanddicken-Innendurchmesser-Verhältnis liegt bei U (42,1±4,4%) ähnlich wie bei ExU (40,3±3,8) und höher als bei GH (36,5±4,0; p<0,001 bzw. <0,05).

Es bestanden keine Differenzen in der (regelrechten) systolischen und (im Vergleich zu GH eingeschränkten) diastolischen LV Funktion zwischen U und ExU. Schlussfolgernd ist auch mehrere Jahre nach massivem AS (anabole Steroide) Missbrauch  bei Kraftsportlern eine zumindest tendenzielle konzentrische LVH mit beeinträchtigter diastolischer Funktion nachweisbar.

*Mit Unterstützung des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, Köln


Internistische (nicht-kardiale) Langzeitschäden nach Einnahme von anabolen Steroiden bei Kraftsportlern

Albers T, Urhausen A, Kindermann W Institut für Sport- und Präventivmedizin, Universität des Saarlandes, Saarbrücken

Im Gegensatz zum akuten Missbrauch anaboler Steroide (AS) existieren bisher kaum Studien mit ehemaligen Langzeitanwendern. Wir untersuchten daher 15 männliche Bodybuilder und Powerlifter, die AS seit mind. 12 Mo, im Mittel 43 Mo, abgesetzt hatten (ExU) sowie 17 aktuelle Anwender (U). Der systolische Ruheblutdruck war bei U (140±10 mmHg; Mittelw.±SD ) geringfügig höher gegenüber ExU (130±5; p<0,05) bei vergleichbarem diastolischen und Belastungsblutdruck. Hämoglobin (+5%), Leukozyten (+33%) und Thrombozyten (+38%) waren bei U jeweils signifikant gegenüber ExU erhöht.

GPT und GOT (U: 65±55 bzw. 38±27; ExU: 24±10U/l bzw. 18±11; p<0,001) lagen bei U hochsignifikant höher, die Cholinesteraseaktivität (CHE) niedriger als bei ExU bei jeweils unauffälligem Gamma-GT. GPT, GOT und CHE korrelierten signifikant mit dem Ausmaß des AS-Missbrauchs ("AS-Score" nach Punkten für Dosierung und Dauer; r=0,63 bzw. -0,62; jeweils p<0,01). HDL-Cholesterin war bei U deutlich niedriger als bei ExU (17±11 mg/dl bzw. 43±11 mg/dl, p<0,001) bei schwach signifikantem Zusammenhang mit dem "AS-Score" (r=-0,50, p<0,05). Gesamt- und LDL-Cholesterin unterschieden

sich nicht. Testosteron- und Östradiolspiegel lagen bei U signifikant höher, LH und FSH sowie das Trägerprotein SHBG dagegen niedriger (jeweils p<0,001) als bei ExU. Zwei ExU zeigten Gesamttestosteronwerte unterhalb des Normbereichs. Schlussfolgernd führte die massive Einnahme von anabolen Steroiden (AS) zu deutlichen pathologischen Veränderungen des Fettstoffwechsels, der Leberfunktion und Hormonen der Hypophysen-Gonaden-Achse sowie einem leichten Anstieg des systolischen Ruhe-Blutdrucks in den oberen Grenzbereich
der Norm. Die Veränderungen waren nach längerem Absetzen der Präparate meist reversibel. In Einzelfällen blieb die Testosteroneigenproduktion auch Jahre nach dem Absetzen noch supprimiert.

*Mit Unterstützung des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, Köln


Schwere Cholestase mit Nierenversagen durch Anabolika bei einem Bodybuilder
Dtsch.
med. Wschr. 124 (1999), 1029-1032 Deutsche Medizinische Wochenschrift Rubrik: Kasuistiken
W. Habscheid 1, U. Abele 1 und H. H. Dahm 2
1 Medizinische Klinik (Chefarzt: Privatdozent Dr. W. Habscheid) des Paracelsus Krankenhauses Ruit und
2 Institut für Pathologie (Chefarzt: Dr. H. H. Dahm), Esslingen
Zusammenfassung:
 Anamnese und klinischer Befund:
Ein 28jähriger Bodybuilder wurde zur Abklärung eines Ikterus stationär aufgenommen. Bis 3 Wochen vor Klinikaufnahme hatte er über 80 Tage lang höhere Dosen von Anabolika eingenommen: Methandienon 10–50 mg oral täglich und Stanozolol 50 mg als intramuskuläre Injektion jeden zweiten Tag). Bei der klinischen Untersuchung fanden sich außer einer deutlichen Gelbfärbung von Haut und Skleren keine Auffälligkeiten.
Untersuchungen: Laborchemisch zeigten sich bei Aufnahme eine auf 4,5 mg/dl erhöhte Bilirubinkonzentration bei
normalen Cholestasefermenten sowie erhöhte Transaminasenaktivitäten. Die histologische Untersuchung der Leberbiopsie war vereinbar mit dem Bild einer anabolikainduzierten Cholestase.
Therapie und Verlauf: Trotz abgesetzter Noxe verschlechterte sich der klinische Zustand des Patienten über 7 Wochen. Die Bilirubinkonzentration im Serum stieg bis zu einem Maximalwert von 77,9 mg/dl an, zusätzlich entwickelte sich eine Niereninsuffizienz mit einem Kreatininwert von 4,2 mg/dl. Im zeitlichen Zusammenhang mit der Gabe von Ursodeoxycholsäure besserte sich der klinische Zustand des Patienten. Auch die pathologisch erhöhten Laborwerte waren rückläufig, bis sie sich nach mehreren Wochen im Normbereich befanden.
Folgerung: Anabolika können zu einer schweren Cholestase mit akutem Nierenversagen führen.
In dem geschilderten Fall war im zeitlichen Zusammenhang mit der Gabe von Ursodeoxycholsäure eine
deutliche Besserung im klinischen Verlauf bemerkbar.


Sportler mit Muskelschmerzen - Seien Sie auf der Hut!

Vorsicht ist geboten, wenn ein doping-verdächtiger Patient mit ausgedehnten Muskel- und Gelenkschmerzen in der Praxis erscheint. Zwar handelt es sich dabei zumeist um ein harmloses Übertrainingssyndrom, es kann jedoch auch einmal eine beginnende Rhabdomyolyse dahinter stecken - erkennbar an CK-Werten über 1000U/l. Ein solcher Patient muß mit dem Training aussetzen und engmaschig (alle 2 Tage) überwacht werden. Bei CK-Werten über 2000U/l ist evtl. sogar eine stationäre Einweisung angezeigt. Sport ist erst wieder erlaubt, wenn die Kreatinkinase deutlich gesunken ist (unter 600U/l). 16. Februar 2002 von Vau Originalartikel http://www.medical-tribune.de


Anabolika wurden seine schwerste Last  
Originalartikel http://www.waz.de/   24. Februar 2002

WAZ Recklinghausen. Er schluckte seinen Körper kaputt: Gestern musste ein ehemaliger Bodybuilder unters Messer -  ihm wurden Knoten aus der Brust operiert, die Folge von Anabolika-Missbrauch. Doch der Kampf des Jörg Börjesson gegen das Doping hat gerade erst begonnen.  Jahrelang stemmte der Dorstener die Hanteln, 200 Kilo schwer, dazu nahm er Hände voll Hormon-Tabletten. Das Testosteron hatte sich zuletzt in seiner Brust abgelagert - Knoten und Verhärtungen, aus denen Krebs entstehen kann.  "Wenn man draufdrückt, tut das weh, wie bei einer Prellung", erzählt Jörg Börjesson vor seiner Operation in  Recklinghausen. Und holt ein Foto heraus von 1990. Das Bild zeigt einen blonden, braungebrannten Mann, der Muskeln  hat wie aufgepumpt, bis zum Hals. "Das war die härteste Zeit", sagt Börjesson.  Sie fing ganz harmlos an: 1984, da war Börjesson 19 und hatte gerade seinen Sport gefunden: Bodybuilding - das neue  Ding aus den USA. Das geht auch mit Asthma, Börjesson leidet seit jungen Jahren darunter. "Endlich etwas, das mir  Spaß macht", dachte er damals, und ging in Dorsten trainieren.  Wenig später kam einer der ersten Bodybuilding-Stars vorbei, den es überhaupt gab: "Der war damals ein Idol für uns", meint Börjesson, der heute 36 und Vater von drei Kindern ist. Der Bodybuilding-Star gab im Dorstener Fitness-Studio exklusive Tipps. Börjesson erinnert sich: In der Umkleidekabine holte das Idol etwas aus seiner Tasche, ging auf den Jugendlichen zu und drückte es ihm in die Hand: "Hier, schluck´ das mal vor dem Training", habe sein Idol gesagt.  "Da hast du mehr Ausdauer." Zwei kleine, weiße Tabletten, nicht größer als solche gegen Kopfschmerzen.  Das Training lief mit Testosteron tatsächlich besser. Börjesson kriegte Lust auf mehr Training. Und Appetit auf die  Tabletten. Das Idol wurde sein Dealer, erzählt Börjesson. An einer Autobahn-Abfahrt an der A 31, nicht weit von  Coesfeld, wurden windige Geschäfte abgewickelt. "Da hat er mir Tabletten verkauft", erzählt Börjesson. "Ich dachte,  das ist gut für mich. Ich hab´ mir keine Gedanken gemacht."  Wie auch? Börjesson interessierte sich schließlich nur noch für sein Spiegelbild. Kriegte einen Stiernacken, dicke Beine, breites Kreuz. Tägliches Training, drei Stunden lang. Er stemmte 200-Kilo-Hanteln, machte damit Kniebeugen. Morgens zum Frühstück briet er sich zehn Eier, nahm aber die Dotter heraus: "Wegen Cholesterin." Hatte immer Eiweiß-Pillen in der Hosentasche: "Alle zwei Stunden musste man die nehmen. Ich habe mich strikt dran gehalten, Bodybuilding hat mein Leben bestimmt. Ein völlig perverses Schönheits-Ideal hatte ich."  Er gewann Pokale und fuhr immer öfter auf die A 31. Dort kriegte er 300 Tabletten für 500 Mark und plötzlich, beim Training: Nasenbluten. Magenkrämpfe. Sein Dealer schrie am Telefon: "Das darfst du keinem erzählen!"  Doch die Ärzte erfuhren alles, denn Börjesson wurde Dauerpatient: Chronische Magenschleimhaut-Entzündung, die Knie kaputt, außerdem eine Gynäkomastie, eine starke Vergrößerung der Brust. Kranke Jahre waren die frühen 90er für ihn, er verlor seinen Job, die Frau: Sein Leben wurde zum dunklen Loch, Schuld waren die weißen Tabletten.  Doch er ist  heraus gekommen und wagt sich sogar ins Scheinwerferlicht: Im vergangenen Jahr hat das ZDF eine Dokumentation über Jörg Börjesson gedreht. Vor laufenden Kameras verteilte er bei der Sportmesse "Fibo" Zettel, eng bedruckte A4-Bögen, aufgelistet sind Nebenwirkungen. Im Internet klärt er auf, was das Doping anstellt, er gründete auch einen Anti-Dopingverein (www.antidoping.de) und er hat Kontakt mit dem Recklinghäuser Rathaus: "An Schulen würde ich gerne sprechen. Eben da, wo Jugendliche sind."  Heute will er nicht das Bodybuilding verteufeln. Schon gar nicht Fitness-Studios. Trotzdem: "Doping erobert den Breitensport", sagt Börjesson, "gerade das Bodybuilding. Dagegen tue ich etwas." Fachkreise schätzen die Zahl der Betroffenen auf 350 000.  Börjesson hat längst wieder einen Job, er könnte ein ruhiges Leben führen. "Aber", meint der Mann, "ich bin meinen Kindern etwas schuldig." 21.02.2002 Von Martin Spletter


Allein in Deutschland gibt es rund 200.000 Doping-Konsumenten, schätzt die Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium Brigitte Zypres. Bei einer anonymen Umfrage in 58 Fitness-Studios gaben 22 Prozent der Männer und acht Prozent der Frauen zu, zum Muskelaufbau verbotene Medikamente genommen zu haben.

Der Preis für den Körper ist hoch: Unfruchtbarkeit, Herz- und Leberschäden

An den begehrten Stoff zu kommen, ist längst kein Problem mehr. In vielen Fitness-Studios findet ein reger Handel mit muskelaufbauenden Präparaten statt. Eine weitere einfache Möglichkeit, an verbotene Pillen zu kommen, bietet das Internet. Experten schätzen, dass auf dem Schwarzmarkt für Doping-Substanzen mehr als 50 Millionen Euro im Jahr umgesetzt werden.

Doch der Preis für einen mit Hormonen hochgezüchteten Körper ist hoch: Bei Anabolika beispielsweise drohen Nebenwirkungen wie Leberschäden, Unfruchtbarkeit, Verlust der Libido oder Herz-Kreislauf- und Stoffwechselstörungen. Bei Frauen kann es zusätzlich zu Vermännlichungserscheinungen kommen.

"Ich habe in meiner Sprechstunde Bodybuilder, deren Hoden nur noch erbsengroß sind", sagt der ehemalige Weltklasseruderer Professor Horst Michna, Experte für Wachstumshormone an der Sporthochschule Köln, über Anabolika-Konsumenten. Einige Männer neigen unter der Wirkung hochdosierter Testosteron-Abkömmlinge offenbar auch zu erhöhter Gewaltbereitschaft.

Selbst Nachrichten, wie die vom Tod des deutschen Bodybuilding-Meisters Andreas Münzer, scheinen die Pillen-Freaks nicht abzuschrecken. Im Magen des erst 23-jährigen Muskel-Mannes wurden 42 verschreibungspflichtige Substanzen gefunden. Während in anderen Sportarten im Durchschnitt nur einer von 100 Dopingtests positiv ist, werden die Kontrolleure bei Wettkampf-Bodybuildern fast in jeder dritten Urinprobe fündig. "Viele Jugendliche eifern gerade Bodybildern nach", weiß Professor Michna. "Deshalb ist die Aufklärung von Kindern und Halbwüchsigen besonders wichtig." http://www.lifeline.de  26.3.2002


Dopingopfer sollen per Gesetz entschädigt werden

Noch vor der Bundestagswahl im September soll ein Gesetz über die Entschädigung von Dopingopfern der ehemaligen DDR verabschiedet werden. Ein entsprechender Gesetzentwurf ist jetzt vom Bundesinnenministerium eingebracht und im Sportausschuß des Bundestages beraten worden.Das Gesetz sieht vor, daß Betroffene bis zum 31. Dezember dieses Jahres einen formlosen Antrag beim Bundesinnenministerium einreichen und dazu ein ärztliches Gutachten beibringen, das  plausibel macht, daß ihre gesundheitlichen Schäden auf die Einnahme von Dopingmitteln zurückzuführen sind. Ein wissenschaftlicher Beweis ist nicht erforderlich.
Die Liste der Gesundheitsschäden und Langzeitfolgen durch Doping ist lang: Dazu zählen Akne, Hirsutismus, Stimmvertiefung, Muskel-Hartspann, Gynäkomastie und langdauernde Amenorrhoen genauso wie Leberschädigungen, Eierstockerkrankungen, Mammakarzinom, Skelettverformungen, Gefäßerkrankungen und selbst teratogene Schäden. Der Fonds, der beim Bundesverwaltungsamt in Köln eingerichtet wird, ist derzeit mit zwei Millionen Euro aus Bundesmitteln ausgestattet. Der Weinheimer Mediziner Dr. Klaus Zöllig, Vorsitzender des privaten Dopingopferhilfe-Vereins, der sich bislang allein um die Opfer des DDR-Zwangsdopings kümmert, hat nochmals an Sportverbände und Arzneimittel-Hersteller appelliert, den Fonds aufzustocken. Bei erwarteten 500 bis 1000 Anträgen würde derzeit jedes Dopingopfer zwischen 2000 und 4000 Euro erhalten. Der Präsident des Deutschen Sportbundes, Manfred von Richthofen, hatte sich im Dezember vergangenen Jahres bei den Opfern entschuldigt und Versäumnisse des Sports eingeräumt. Doch weder er noch der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Walther Tröger, haben bislang Angaben dazu gemacht, ob und in welcher Höhe sie sich an dem Opfer-Fonds beteiligen. Durch das Dopingopfer-Hilfegesetz (DOHG) wird das Unrecht des systematischen Dopings in der DDR erstmals anerkannt. Betroffene begrüßen das, zeigen sich mit der Ausstattung des Fonds hingegen unzufrieden. Auch die beschlossene Einmalzahlung wird kritisch bewertet. Dopingopfer wie die ehemalige Kugelstoßerin Birgit Boese hätten eine Rentenzahlung bevorzugt. Von Pete Smith Ärzte Zeitung, 29.04.2002


Verweis wegen der Verordnung von Testosteron
Urteil des Bezirksberufsgerichtes für Ärzte in Stuttgart vom
3.3.1999 – BBG 16/98


Die beschuldigte Ärztin verschrieb einem Patienten auf dessen Wunsch Testosteronpräparate, weil er in einem Fitness-Studio Bodybuilding betreiben, seine Muskelmasse aufbauen und gegebenenfalls ein eigenes Fitness-Studio eröffnen wollte. Auf dem Schwarzmarkt sind die verschriebenen Anabolika wesentlich teurer als beim Einkauf in einer (internationalen) Apo­theke.
Mit der Ausstellung des Privatrezepts hat die Ärztin schuldhaft gegen die Pflicht zu gewissenhafter Ausübung des Berufs ver­stoßen (§ 1 Abs. 3 BO a.F.= § 2 Abs. 2 BO n. F., § 29 Kammergesetz). Für die Ver­schreibung der anabolen Steroide bestand keine medizinische Indikation. Wegen der möglichen gesundheitsschädlichen Nebenwirkungen wiedersprach deshalb die Verordnung dieser Mittel dem ärztli­chen Auftrag, die Gesundheit der Patien­ten zu fördern, nicht zu gefährden.
Wegen der gesundheitsschädlichen Wir­kungen einer langzeitigen Einnahme ana­boler Steroide kann auch im Freizeitsport und insbesondere beim Bodybuilding die ärztliche Verschreibung solcher Substan­zen ohne medizinische Indikation nicht verantwortet werden (Löllgen, DÄBL 1995, 950ff.; Boos/Wulff/Kujath/Bruch, DABl. 1995, 953 ff.). Erfahrungsgemäß bleibt es bei Bodybuildern, die mit der Einnahme von Anabolika zum Aufbau von Muskel­masse begonnen haben, nicht bei kurz­fristigem Konsum; gerade bei suchtge­fährdeten Personen ist damit häufig der Weg in die Steroidgewöhnung beschritten (Boos u.a., a.a.O.). Deshalb wäre es die Pflicht jedes Fitness-Studio-Betreibers, streng darauf zu achten, dass ein Miss­brauch von Anabolika nicht stattfindet (so zutreffend Löllgen, a.a.O.).
Arzt Recht 4/2000
S.105


Anabolika
Allgemeine Nebenwirkungen:
Androgene und Anabolika wirken auf die Talgdrüsen der Haut, wobei deren Entwicklung und Aktivität beeinflusst wird. Sie fördern dabei u.a. auch die Ausbildung von Akne.
Eine verringerte Ausscheidung von Natrium bewirkt eine vermehrte Wassereinlagerung im Gewebe und führt somit zu einer Zunahme des Körpergewichts.

Schädigungen des Herz-Kreislauf-Systems:
Unter Anabolikaanwendung wird die Konzentration der Fetteiweiße mit hoher Dichte (HDL = high density lipoprotein) im Blutplasma erniedrigt, während die Fetteiweiße mit geringer Dichte (LDL = low density lipoprotein) sich erhöhen. Damit erhöht sich der Quotient aus LDL zu HDL, was als Risikofaktor zur Entstehung von Arteriosklerose bis hin zum Herzinfarktes angesehen wird.
In weiteren Studien wurde auf mögliche Veränderungen von Faktoren der Blutgerinnung, des Gefäßsystems und Schädigungen der Herzmuskelzelle hingewiesen, die bei Steroid-Benutzern im Vergleich zu Nicht-Benutzern das Risiko einer Thrombosegefahr erhöhen können.

Herzhyperthrophie und Kapillarisierung:
Tagarakis und Addicks wiesen im Tierversuch an Mäusen deutliche Veränderungen am Herzmuskel durch Anabolikaanwendung nach. Dieses führte zu einer Hyperthrophie der Herzmuskelzelle, wobei eine verbesserte Kapillarisierung zur notwendigen
O2-Versorgung aber ausblieb. Bei sportlichen Höchstleistungen könnte somit eine Unterversorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff auftreten und zu Schäden führen.

Leberschäden:
Werden Anabolika über längere Zeit angewendet, können irreversiblen Leberschäden ausgelöst werden.
Hierbei sollen 17-methylierte Steroide wie Methyltestosteron oder Stanozolol toxischer auf die Leberzellen wirken als nichtmethylierte Steroide wie Testosteron. Konsequenterweise werden heute für therapeutische Zwecke bevorzugt Testosteronverbindungen anstelle von 17-methylierten Steroiden angewendet.

Virilisierungen (Vermännlichung) bei Frauen:
Alle Anabolika verursachen bei Frauen aufgrund der androgene Wirkungen Virilisierungen, die sich in Veränderungen der Stimme (irreversibel), des Behaarungsmusters, Störungen des Menstruationszyklus und einer Klitorishyperthrophie (irreversibel) bemerkbar machen.

Gynäkomastie beim Mann:
Eine Anabolikaanwendung über längere Zeit kann zu einer abnormalen Vergrößerung der Brust beim Mann (Gynäkomastie) führen. Es wird angenommen, dass aromatisierbare Anabolika im Stoffwechsel zu Estrogenen metabolisiert werden, die diese Wirkung auslösen.

Beeinflussung des Längenwachstums bei Jugendlichen:
Anabolika können bei Jugendlichen das Längenwachstum beeinflussen, indem ein vorzeitiger Verschluss der Epiphysenfugen die Wachstumsphase verkürzt.

Psychotrope Wirkungen
Zu den psychotropen Wirkungen der Anabolika gibt es zahlreiche Fallstudien und Selbstberichte, aber nur wenige nach wissenschaftlichem Standard durchgeführte Untersuchungen. Die Ergebnisse lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: Psychotrope Effekte treten vor allem bei hohen Dosierungen der Anabolika (oberhalb der therapeutischen Dosen) auf. Während des Anabolikamißbrauchs kann es sowohl zu positiven (Euphorie, sexuelle Erregbarkeit, Energiebereitschaft) als auch zu negativen Veränderungen (Gereiztheit, Gefühlsschwankungen, Gewaltbereitschaft) der Stimmungslage kommen. Ebenso werden negative Einflüsse auf kognitive Faktoren wie Gedächtnisleistung und Konzentrationsfähigkeit beschrieben. Fast alle Autoren berichten von Verhaltensänderungen in Richtung einer Steigerung der Aggressivität, und mehrere Fallstudien bringen schwere Gewaltverbrechen in Verbindung mit Anabolikaanwendung. In neueren Studien wird auf das mögliche Suchtpotential von Anabolika aufmerksam gemacht, das sich u.a. in Depressionen nach Absetzen von Anabolika äußert.
Das Ausmaß der psychotropen Effekte der Anabolika soll neben der Höhe der Dosierung, der Struktur des Anabolikums und der Dauer der Anwendung auch von der Persönlichkeitsstruktur des Mißbrauchers (Grundagressivität, psychische Erkrankungen, gleichzeitiger Alkohol- und Drogenabusus) und den Umgebungsbedingungen (Stressituation, Gruppendruck, Konsequenzen auf Verhaltensänderungen) abhängen.
aus http://www.dshs-koeln.de


Geheimdokument: Doping-Forschung in der Sowjetunion

Düsseldorf (dpa) - In der früheren Sowjetunion hat es seit Beginn der 70er Jahre eine staatliche Doping-Forschung gegeben. Dies geht aus einem Beitrag des Sportwissenschaftlers Michael Kalinski für die Zeitschrift «Sportmedizin» hervor.
Belegt wird dies durch eine geheime 39-seitige Studie des Staatlichen Instituts für Körperkultur im Sport zum Einsatz anaboler Steroide im Sport.
«Die Bedeutung dieses erstmalig im Westen vorgestellten Dokuments besteht darin, dass zum ersten Mal die Existenz eines staatlich gesteuerten Steroideinsatzes im Sport bewiesen wird», schreibt Kalinski. Das Dokument gebe Beispiel für staatlich geförderte Forschung, auf deren Grundlage Empfehlungen an verschiedene Institutionen ausgesprochen worden seien. Die Geheimschrift sei möglicherweise der Ausgangspunkt der raschen Verbreitung einer Verwendung anaboler Steroide unter Athleten der ehemaligen UdSSR gewesen, so der Dozent der Kent State University in Ohio/USA.
Bisher hatte man nur vermutet, dass es neben den flächendeckenden Doping-Programm der DDR - es wurde nach dem Zusammenbruch der DDR 1990 durch Geheimdokumente aufgedeckt - noch andere vom Staat unterstützte Doping-Systeme im Ostblock gab. Der Verdacht eines Missbrauchs anaboler Steroide durch sowjetische Athleten «wucherte» bereits seit den 60er Jahren.
In der geheimen Studie werden Forschungsergebnisse zur Wirkung von Anabolika auf Ausdauer, Kraft, sportliche Leistung und Wettkampfergebnisse dargestellt. Auch konkrete Anweisungen für Dosierung und mögliche Nebenwirkungen gehören zum Inhalt. Bei dieser Doping-Forschung wurde keine Rücksicht auf die Probanden genommen. «Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass irgendeine der erwähnten Untersuchungen den allgemeinen ethischen Richtlinien für Humanversuche entsprach», stellte Kalinski fest. Dabei hatten die sowjetischen Wissenschaftler auch die Gefahren des anabolen Dopings entdeckt und Nebenwirkungen wie Impotenz, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Ödeme oder Gewichtsabnahme für möglich erachtet. 5. Dezember 2002


Empfehlungen zum Einsatz von anabolen Steroiden im Sport aus der ehemaligen Sowjetunion –
Daten aus einem geheimen Dokument

Recommendations for androgenic-anabolic steroid use by athletes in the former Soviet Union: revelations from a secret document
1 Exercise Sciences Laboratories, School of Exercise, Leisure and Sport, Kent State University, Kent, Ohio
2 Exercise Physiology Program, Division of Sports Sciences, School of Health Professions, Long Island University, Brooklyn Campus, Brooklyn, New York

Mögliche Nebenwirkungen   (Ausschnitt)

http://www.zeitschrift-sportmedizin.de/images/heft1102/a03_11_02.pdf
In diesem Abschnitt des Dokument sind die Nebenwirkungen der anabolen Steroide aufgezählt (Tab. 9). Es sollte erwähnt werden, dass nach Meinung der Autoren diese Nebenwirkungen
möglicherweise nur dann auftreten, wenn die empfohlenen Dosierungen oder Einnahmezeiten überschritten werden.
Als ein ostdeutsches Forschungsprogramm zum perfekten Anabolikaeinsatz bei Olympischen Spitzensportlern aufgedeckt wurde, war die Erwartung groß, dass noch mehrere solche Enthüllungen folgen würden (5). Es scheint heute, dass diese Annahme zu optimistisch war. In den vergangenen zwei Dekaden kam es zu keiner einzigen weiteren Enthüllung.
 

Tabelle 9: Zusammengefasste Aufzählung der Nebenwirkungen von oralen
und injizierbaren anabolen Steroiden*

Fortpflanzungssystem

• erhöhte Libido
• verzögerte Spermienproduktion
• Abnahme der Spermienproduktion
• Impotenz
• Sterilisation
• Bei jugendlichen Sportler: vorzeitige Pubertät, vergrößerte Geschlechtsorgane
Leber
• Akkumulation toxischer Stoffwechselprodukte
Andere allgemeine Nebenwirkungen
• Kopfschmerzen
• Schlaflosigkeit
• Gewichtsabnahme
• Hautausschlag
• Ödeme
• tendenzieller Abfall des arteriellen Blutdrucks
• Muskelverletzungen als Folge der Kraftzunahme
• Bänder- und Sehnenschwäche als Folge der relativen Zunahme der Muskelkraft


Einleitung    aus http://www.springbock.de
Schulterbreite wuchs innerhalb von einem Jahr um vier Zentimeter Birgit Matz trainierte von 1973 bis 1978 in der Gruppe von Dieter Krause, Schwimmtrainer in der einstigen DDR. Sie bekam ,,blaue Tabletten" verabreicht, die das Anabolikum Oral-Turinabol enthielten. Sie erinnert sich an die tägliche Einnahme von Tabletten und die Verabreichung von Spritzen - Vitaminpräparate, um die Anstrengungen besser zu verkraften, sagte man ihr. Zur üblichen Praxis gehörten auch Blut- und Urintests. Schließlich berichtete die Sportlerin über körperliche Veränderungen: So nahm sie von 1976 bis 1978 ca. 11,5 kg an Gewicht zu. Der Umfang ihrer Oberschenkel wuchs von 49,5 cm (1977) auf 53 cm (1979), die Schulterbreite von 35 (1976) auf 39 cm (1977). Erstmals im Doping- Prozess gegen ehemalige Trainer und Ärzte des SC Dynamo Berlin ist der Angeklagte Dieter Krause schwer belastet worden. (Keil 1998) Doping, Anabolika, medizinische Eingriffe zur Leistungssteigerung um jeden Preis, Fittmachen durch Spritzen, psychologische Manipulationen u.a.m. In Grundsatzerklärungen des Deutschen Sportbundes (DSB), des Nationalen Olympischen Komitees (NOK), des Deutschen Sportärztebundes wie auch der Wissenschaftlichen Kommission Kirche und Sport der Deutschen Jugendkraft (DJK) wird übereinstimmend festgestellt: ,,Jede medikamentös-pharmakologische Leistungsbeeinflussung und technische Manipulation am Athleten ist abzulehnen. Sie beeinträchtigen seine Würde, widersprechen dem Sinn des Sports und schließen schädigende Nebenwirkungen nicht aus. Chancengleichheit, Würde und Unverletzlichkeit der Person sind zentrale Prinzipien des Sports. Leistungen im Sport sind unter Verzicht auf unerlaubte Hilfsmittel aufgrund persönlicher Anstrengung zu erbringen. (...)"

Anabole Steroide und ihre Wirkungen
Die meisten Menschen diskutieren über anabole Steroide, ohne eine Vorstellung davon zu haben, was diese eigentlich sind. Einfach ausgedrückt, sind anabole Steroide chemische Verwandte des Sexualhormons Testosteron, die im Labor synthetisiert werden. Ein Hormon wie dieses hat zwei unterschiedliche Wirkungen auf den Körper. Die androgene Wirkung beeinflusst die Entwicklung und den Erhalt der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale. D.h. das Wachstum und die Entwicklung von Penis, Prostata, Samenleiter und Samenblasen, sowie Skrotum (gehört zum Hodensack) und Nebenhoden. Sie führt zu zunehmender Talgbildung der Talgdrüsen, zunehmender Körperbehaarung, vor allem
im Gesichts- und Schamhaarbereich und zur Vertiefung der Stimme. Im psychischen Verhalten kann es zur Steigerung der Aggressivität und der Libido führen. Die androgenen Effekte der anabolen Steroide sind mit denen des Testosterons vergleichbar, weisen jedoch ab und zu unterschiedlich starke Ausprägungen auf. Die anabole Wirkung ist als eiweißaufbauende Wirkung zu verstehen, die den Stoffwechsel beeinflusst und die Gewebsbildung fördert, d.h. wachstumsfördernden Einfluß auf Muskeln, Skelett und Organe (vor allem beim wachsenden Organismus) hat. Der anabole Effekt des Testosterons regt primär den Eiweißaufbau (Proteinsynthese), insbesondere im Skelettmuskel, an. Weiterhin ist der Anabolismus (Aufbau körpereigener Substanzen) für die Erhöhung der Zahl roter Blutkörperchen und der Hämoglobinkonzentration im Blut verantwortlich, sowie für die erhöhte Retention von Elektrolyten und Wasser, aber auch für die Kontrolle der Körperfettverteilung und die prozentuale Abnahme des Körperfettanteils. Die anabole Wirkung wurde in den 30er Jahren untersucht, und in der Nachkriegszeit soll Testosteron zur Behandlung von unterernährten Gefangenen eingesetzt worden sein (Kamber 1990, 1.Teil). Durch verschiedene synthetische Abänderungen der Grundsubstanz Testosteron wurde versucht, Wirkstoffe mit einer möglichst großen anabolen und kleinen androgenen
Wirkung herzustellen. Damit sollte eine vermehrte klinische Anwendung vor allem bei Langzeitbehandlungen ohne die vermännlichenden Nebenwirkungen erzielt werden. So hat zum Beispiel das weitverbreitete Stanazolol einen hohen therapeutischen Index. Therapeutische Indikationen für die Anwendung anaboler Steroide können bei Rekonvaleszenz (Genesender) nach größeren konsumierenden Erkrankungen, bei chronischen Anämien (Blutarmut), bei dialysenpflichtigen Patienten, bei Osteoporose und bei Patienten mit hormonellen Störungen (zum Beispiel Mangel an Testosteron) gegeben sein. Einige dieser Indikationen sind aber umstritten, und teilweise stehen heutzutage wirksamere
Substanzen zur Verfügung (zum Beispiel gentechnologisch hergestelltes Erythropoetin zur Behandlung von chronischen Anämien). Neben den medizinischen Indikationen gibt es weitere Indikationen, die als missbräuchlich bezeichnet werden und in Deutschland nicht zugelassen sind. Dazu zählen das Einsetzen von Anabolika in der Viehmast und im Leistungssport zur Leistungssteigerung. 

Anabole Steroide und ihre Nebenwirkungen 

Nebenwirkungen bei Frauen und Männern

  • Akne
  • Wasserspeicherung
  • hoher Blutdruck
  • Störungen der Psyche
  • veränderte Leberfunktion, evtl. Leberkrebs
  • Suppression des gonadalen Regelkreises (Gonadotropine)
  • Glatzenbildung
  • vermehrte Talgbildung (Seborrhöe)
  • Veränderungen im kardiovaskulären System
  • Überlastung des Bewegungsapparates
  • Appetit-Zunahme
  • erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten nach Absetzen 

Zu den wichtigsten Nebenwirkungen der Anabolika gehören die Auswirkungen auf den Hormonhaushalt, auf den Fettstoffwechsel, auf den Bewegungsapparat, auf das Herz-Kreislauf-System, auf die Leber, sowie auf die Psyche. 

Hormonhaushalt
Der Hormonhaushalt des Menschen wird durch komplexe Regelmechanismen über den Hypothalamus, den Hypophysenvorderlappen und periphere Drüsen gesteuert. Durch die Zufuhr von exogenen Anabolika wird dieses Regelsystem empfindlich gestört und durch ein negatives Feedback wird die körpereigene Produktion an Steroidhormonen verringert oder sogar eingestellt. Durch die Hemmung der gonadotrophen Hormone in der Hypophyse kommt es zu einer Verminderung der Spiegel von luteinisierendem Hormon (LH) und Follikel stimulierendem Hormon (FSH), die beim Mann auf die Produktion von Testosteron und Spermien, bei der Frau auf die Eireifung wirken. 

Fettstoffwechsel
Bei Anwendung von Anabolika kommt es beim Fettstoffwechsel zu einer ungünstigen Verschiebung des Risikoprofils: Der Cholesterinspiegel wird nur unwesentlich beeinflusst, dagegen nimmt das LDL-Cholesterin (Low-Densitiy-Lipoprotein) zu, das HDL-Cholesterin (High Density Lipoprotein) ab. Das ungünstige Risikoprofil bleibt bei längerandauernden Applikationen ausgeprägt und normalisiert sich nach Absetzen der Anabolika nur langsam. 

Bewegungsapparat
Die relativ rasche Steigerung der Muskelkraft durch Anabolika Applikation kann zu einer Überlastung des Sehnen- und Bänderapparates führen, der sich aufgrund seines trägeren Stoffwechsels langsamer an die erhöhten Anforderungen anpasst. Die Gefahr von Sehnen- und Bänderrissen sowie Knorpelschäden an den Gelenken und Knochenbrüchen ist deshalb erhöht (Weineck 2000, 681) 

Herz-Kreislauf-System
Anabolika bewirken eine erhöhte Retention von Wasser und Körpergewichtszunahme, was zu einem bis um 15% höheren Blutvolumen führt. Dies kann eine beträchtliche Erhöhung des systolischen Blutdrucks und der Pulsfrequenz verursachen, wobei Dauerschäden nicht ausgeschlossen werden können. Die Applikation anaboler Steroide begünstigen das Entstehen einer Kardiomyopathie (Erkrankung der Muskelschicht des Herzens), z.B. einer Kardiomegalie (Herzvergrößerung) mit Herzhyperthrophie (Herzwanddickenzunahme) und Dilatation (Ausweitung, Ausdehnung) aller Herzhöhlen. Daher lassen sich oftmals frühzeitige Herzinsuffizienzen (Leistungsschwächen des Herzens) und Herzinfarkte auf Anabolika zurückführen. 

Leber
Fehlfunktionen der Leber sind eine verbreitete Nebenwirkung anaboler Steroide (besonders bei oral verabreichten alpha-17-alkylierten Sexualhormonen) und führen zur Erhöhung der Werte in einigen Leberfunktionstests. Die Liste möglicher Leberfunktionsstörungen ist groß. Erhöhte Leberwerte dürfen daher nicht ignoriert werden, da sie Anzeichen für fortschreitende Leberschädigung sein können. Gewöhnlich klingen die Fehlfunktionen der Leber wieder ab. Sogar bei längerfristiger Nutzung anaboler Steroide scheint es bei geringeren bis mittleren Dosierungen kein signifikantes Risiko einer Leberschädigung zu geben. In Fällen mit zurückbleibenden Fehlfunktionen ist dies vermutlich die Folge einer Cholestase (Abflussstörung der Gallenflüssigkeit), bei der sich Gallensaft in den Leberzellen ansammelt und degenerative Veränderungen in Leberzytoplasma (Zellplasma) und Zellmembran stattfinden. Es wurde bereits nachgewiesen, dass eine Cholestase zu histologischen Veränderungen der Leber führen kann. Obwohl die Pathogenese (Krankheitsentstehung und -entwicklung) der Cholestase mittlerweile Gegenstand umfangreicher Untersuchungen ist, sind noch keine befriedigenden Erklärungen verfügbar. Es wird angenommen, dass eine längerfristige Erhöhung der Leberenzyme eine fortschreitende Schädigung der Leber anzeigt, die möglicherweise zur Leberzirrhose (Bindegewebsvermehrung und -verhärtung) führen kann. Studien der vergangenen 15 Jahre deuten darauf hin, dass ein Zusammenhang zwischen Cholestase, Peliosis hepatis (blutgefüllte Zysten in der Leber) und Lebertumoren besteht. Zum komplexen Prozeß der Krebsentstehung in der Leber können viele Faktoren beitragen, doch die meisten Leberkarzinome (bösartige Geschwulste) beim Menschen entstehen durch eine Zirrhose. Lebertumore bei Männern und Frauen als Folge des Gebrauches anaboler Steroide sind weiterhin bekannt (Di Pasquale 1993, 16). 

Psychisches Verhalten
Ohne das bisher systematische Untersuchungen vorliegen, wird immer wieder von Androgen/ Anabolika-induzierten (künstlich hervorgerufen) verändertem Verhalten gesprochen. Anwender betonen psychische Effekte wie Euphorie, Halluzinationen, Größenwahn und vor allem Aggressivität. Bei zu hohen Dosen führt dies im Extremfall bis zu kriminellen Handlungen. Während der Applikation anaboler Steroide, aber vor allem nach Absetzen der Präparate lassen sich Depressionen, starke Stimmungsschwankungen, Angstzustände und Entzugserscheinungen beobachten. Zudem führt der längere Gebrauch von Anabolika zu Toleranzbildung, erhöhtem Verlangen, Verlängerung der Einnahmezyklen und Abhängigkeit. Ein positiver Nebeneffekt dieser Aggressivität ist die meist gesteigerte Trainings- und Wettkampfmotivation, ein Faktor, der in erheblichem Maße die Leistungsfähigkeit beeinflussen kann. 

spezifische Nebenwirkungen bei Männern

  • Abfall der Testosteron-Eigenproduktion
  • Störung der Spermiogenese (Folge: Hodenatrophie, sowie Impotenz/ Unfruchtbarkeit)
  • Feminisierung: Gynäkomastie
  • Veränderung in den Blutfettwerten: Abfall von HDL- Cholesterin
  • gelegentlich Ödembildung

Störung der Spermiogenese
Es konnte festgestellt werden, dass bei Bodybuildern, die über 3 Monate hinweg hohe Dosen von verschiedenen Anabolika applizierten, einerseits die Spermienzahl um über 90% sank und andererseits das Hodenvolumen um etwa 20% abnahm (Kamber, 1990, 213). Nach Absetzen der Anabolika trat eine restitutio ad integrum (vollständige Wiederherstellung des normalen Zustandes) der Spermienzahl, Hodengröße, Gonadotropine und der Synthese von endogenem Testosteron ein. Die Wirkung von Anabolika auf den gonadalen Regelkreis scheint also reversibel. Bekannt ist allerdings auch, dass Anabolikaeinnahme zur Beeinträchtigung der Spermienqualität bis hin zur Impotenz führen kann. Nach einer initialen Steigerung der sexuellen Aktivität kommt es langfristig zu einer Abnahme. 

Feminisierung
Die meisten anabolen Steroide können zu Östrogenen (Östradiol und Östron) aromatisiert (konvertiert) werden. Gynäkomastie (Anschwellung der Brustdrüsen) tritt besonders häufig bei Jugendlichen, bei älteren Patienten und bei exzessivem Gebrauch ein. Außerdem werden Erscheinungen wie übermäßig weiche Muskulatur und verstärkte Neigung zu Fettansatz sichtbar. Nach Absetzen des Anabolikums kommt es in der Regel zur Rückbildung der Gynäkomastie 

spezifische Nebenwirkungen bei Frauen

  • Gonadotropine (Folge: sekundäre Amenorrhöe - Ausbleiben der Monatsblutung)
  • Virilisierungserscheinungen (Folge: tiefe Stimme, Haarveränderungen, Hirsutismus, Kahlköpfigkeit, Klitorishypertophie, Rückbildung der Brust, Verfestigung/Vergröberung des Knochenbaus)
  • bei Schwangerschaft: heterosexuelle Fehlerscheinungen weiblicher Foeten 

Ebenso wie Männer setzen auch immer mehr Frauen anabole Steroide zur Leistungssteigerung im Sport ein; und genau wie Männer sind auch sie anfällig für Nebenwirkungen. Diese sind nicht nur eine direkte Folge des Gebrauchs anaboler Steroide, sondern auch der verringerten Produktion von Östrogenen und Progesteronen in den Ovarien (Eierstöcken) als Folge der Hemmung von LH (lutenisierenden Hormon) und FSH (follikelstimulierenden Hormon) durch Anabolika. Bei Frauen mit genetischer Prädisposition kann sich die Virilisierung, einschließlich Stimmvertiefung, Akne, Hirsutismus, Kahlköpfigkeit und einer Hypertrophie der Klitoris - besonders bei länger dauernder Applikation - als irreversibel erweisen. 

spezifische Nebenwirkungen bei männlichen Jugendlichen

  • vorzeitige Vermännlichung (Virilisierung, Hodenatrophie)
  • beschleunigte Skelettreifung (zunächst Wachstumsschub, dann Epiphysenfugenschluß, Folge: Kleinwuchs)
  • Feminisierung: Gynäkomastie
  • psychische Veränderungen 

Frühzeitiger Wachstumsfugenschluß
Es ist besonders gefährlich Anabolika im Jugendalter zu verabreichen, da es zu einer Beschleunigung und Abkürzung der Knochenreifung führen kann. Diese führt zu einem verfrühten Epiphysenfugenschluß und folglich zu einem frühzeitigen Ende der Wachstumsphase mit einer Verminderung der definitiven Körpergröße.



Anabolika bergen hohes Gesundheitsrisiko

Anabolika, die von Athleten zur Leistungssteigerung missbraucht werden, schwächen das Immunsystem des Körpers gegen Infektionen und Krebs. Australische Forscher haben herausgefunden, dass sogar 50 Mal geringere Dosen als jene, die von den Sportlern verwendet werden, das Immunsystem angriffen. Das berichtet die BBC heute, Mittwoch. Freiwillige, die die Präparate im Auftrag der Southern Cross Universität testeten, berichteten außerdem von Veränderungen in ihrer Persönlichkeit Richtung Aggressivität.
24 Athleten erklärten sich einverstanden für die Dauer von sechs Wochen zum Zweck der Untersuchung Steroide zu nehmen. Zu Beginn der Studie nahmen die Freiwilligen an einer Reihe athletischer Wettkämpfe teil, um persönliche und Wettkampf-Leistungen, Kraft, Geschwindigkeit und Ausdauer zu messen. Dann wurden sie in zwei Gruppen unterteilt, von denen die eine Injektionen des anabolischen Stereoids Testosteron Enathat (3,5 mg/kg KG pro Woche) bekamen, während die andere Gruppe ein Placebo erhielt. Weder die Sportler noch die Wissenschaftler wussten, wer zu welcher Gruppe gehörte. Alle Freiwilligen nahmen an einem Trainingsprogramm teil, das von einem olympischen Trainer beaufsichtigt wurde. Wie erwartet steigerten die Anabolika die Leistung der Athleten, aber sie entwickelten auch Nebenwirkungen.
Die Effektivität eines Typs der weißen Blutzellen, die fürs Immunsystem entscheidend sind, Natural Killer (NK) Zellen, wurde bei der Anabolika-Gruppe um 20% reduziert. Außerdem berichteten die betroffenen Athleten von Veränderungen in ihrer Persönlichkeit. Die Steroide reduzierten ihre Empathie für andere Menschen und machten sie weniger empfindsam für die Auswirkungen ihrer Handlungen auf andere.
Diese Erkenntnisse sind signifikant, weil nur wenige Präparate extremere Stimmungsschwankungen verursachen. Die verminderte Empathie in Kombination mit weniger Verantwortung für die eigenen Handlungen könnte rechtliche Auswirkungen haben, wenn Menschen, die Steroide benutzen gerichtlich belangt werden, auf eine verminderte Schuldfähigkeit argumentieren. Für John Brewer, den Leiter der Sportwissenschaft am Lilleshall Sports Injury and Human Performance Centre in Shropshire sind die Erkenntnisse nicht überraschend. Er weiß im Zusammenhang mit Anabolika-Missbrauch von Problemen mit Herz, Leber und Nieren. "Man kann kurzfristig Steigerungen in der Leistungsfähigkeit erzielen, aber die langfristigen Gesundheitsschäden sind immens und können potenziell sogar zum Tod führen", so Brewer. 11.08.2004 Infos für Ärzte


Atherogene Wirkung von Steroiden -
auch noch längere Zeit nach dem Absetzen

Immer wieder tauchen Ergebnisse auf, die belegen, dass das Risiko für arteriosklerotische Erkrankungen durch Anabolikakonsum zunimmt. Eine aktuelle Untersuchung aus den Niederlanden untersuchte den Einfluss von Einnahmedauer und Art der Verabreichung auf die Blutfette anhand von zwei Studien. In Studie 1 wurden Serumlipoproteine und -Lipide bei 19 Personen bestimmt  die 8 bzw. 14 Wochen lang anabole Steroide eingenommen hatten und mit den Werten von „Non-usern“ verglichen. Eine zweite Studie beurteilte die Auswirkungen einer 8-wöchigen intramuskulären Gabe von Nandrolon auf dieselben Parameter. Durch Einnahme der Anabolika kam es in Studie 1 zu einem deutlichen Abfall von HDL, HDL-2, HDL-3 und Apo- A1, während Apo-B anstieg. Das Serum Lp(a) fiel von 189 U/l auf 32 U/l. Die Einnahmedauer hatte dabei keinen Einfluss auf die Höhe der Veränderungen. Auch 6 Wochen nach Einnahmeende waren die Ausgangswerte noch nicht erreicht, dabei war die Regeneration umso langsamer, je länger die vorherige Einnahmedauer war. Studie 2 ergab keinen Einfluss der Nandrolongabe auf die Lipidparameter. Lediglich die Lp(a)-Konzentration fiel deutlich ab, hatte aber 6 Wochen nach der Intervention den Ausgangswert
wieder erreicht. Die Studien zeigen, dass das atherogene Profil durch Anabolika insgesamt erhöht ist trotz eines positiven Einflusses auf die Lp(a) Konzentration und sich auch 6 Wochen nach Absetzen der Medikamente nicht wieder normalisiert hat. Nandrolon hingegen beeinflusst das Lipidprofil nicht, obwohl Lp(a) selektiv erniedrigt wird.
U.K. (Hartgens T et al.: Effects of androgenic-anabolic steroids on apolipoproteins and lipoprotein (a). Br J Sports Med 38 (2004) 253-259)     Nebenwirkungen und Folgen von Doping


Spermatogenese bei Anabolika und gleichzeitigem HGH-Konsum
Immer wieder wird vermutet, dass die Einnahme anaboler Steroide mit gravierenden Fertilitätsproblemen einhergeht. Diese möglichen negativen Begleiterscheinungen versuchen die Kraftsportler häufig mit der gleichzeitigen Einnahme von humanem Choriongonadotropin (HCG) zu verhindern.
Eine Studie an 18 Kraftfreizeitsportlern zeigte eine deutliche Abnahme der Spermienkonzentration unmittelbar sowie 1,5 Monate nach einem Einnahmezyklus anaboler Steroide, 6 Monate später hatten sich die Werte allerdings nahezu normalisiert. Diese vorübergehende Oligospermie konnte zwar durch HCG abgeschwächt werden, es bestand aber eine positive Korrelation zwischen HCG-Dosis und der Menge morphologisch abnormer Spermatozoen. U.K.(Karila T et al: Concomitant abuse of anabolic androgenic steroids and human chorion gonadotropin impairs spermatogenesis in power athletes. Int J Sports Med 25 (2004) 257-263



Anabolika, Rauchen, Übergewicht und ärztliche Ratschläge – Viele Ursachen der männlichen Infertilität

MONTREAL. Die Häufigkeit von Fortpflanzungsstörungen bei Männern hat zugenommen. Guter Rat muss nicht unbedingt den Besuch einer teuren Fertilitätsklinik bedeuten, zumal viele Störungen selbstverschuldet sind. Aber auch der Rat von Medizinern kann kontraproduktiv sein, wie Vorträge auf einer Tagung nordamerikanischer Fortpflanzungsmediziner zeigen.

Wenn ein junger Mann jahrelang im Fitness-Zentrum an seinem Körper gearbeitet hat und endlich die Traumfrau gefunden hat, scheint er seinem Ziel, der Gründung einer Familie, sehr nahe zu sein. Doch der letzte, eigentlich doch einfache Schritt, die Zeugung eines Kindes gelingt dann vielfach nicht. Jetzt rächt sich die jahrelange Einnahme von Anabolika, deren Missbrauch in den USA weit verbreitet ist.

Die Steroide haben zwar die Muskeln zu imponierender Größe anwachsen lassen, doch im Ejakulat finden sich keine Spermien mehr. Dies scheint an amerikanischen Fertilitätskliniken ein häufiges Problem zu sein. Forscher der Yale Universität und der Universität von Connecticut stellten auf einer Tagung in Montreal exemplarisch die Daten von 15 Patienten mit einer Einnahme von Anabolika in der Eigenanamnese vor.

Elf hatten niedrige Blutspiegel für Testosteron, FSH und LH, wie man es nach der langfristigen Einnahme von Anabolika erwarten kann. Von diesen elf Patienten hatten neun eine vollständige Azoospermie, das heißt ihr Ejakulat enthielt keinerlei Spermien, bei den anderen beiden Patienten bestand eine Oligospermie, die ebenfalls nicht ausreichte, um den Kinderwunsch zu erfüllen. Nach dem Absetzen der Anabolika kam es bei sieben der neun Patienten mit Azoospermie allmählich zur erneuten Produktion von Spermien. Bei zwei Patienten erfolgte die Spermatogenese spontan, bei den anderen fünf hatten die Ärzte mit einer Hormontherapie nachgeholfen.

Nicht nur steroidal gewachsene Muskeln, sondern auch überschüssige Fettmassen können den Testosteronspiegel senken. Eine andere US-Studie zeigt, dass die Hormonwerte bei Übergewicht um 24 Prozent und bei krankhafter Adipositas um 26 Prozent niedriger waren als bei Normalgewichtigen. Männer mit hohem Bodymass Index hatten auch häufiger pathologische Befunde im Spermiogramm.

Neben Anabolika und Übergewicht kann auch jahrelanges Rauchen die Fruchtbarkeit herabsetzen. Obwohl die normale Spermienkonzentrationen haben, gelingt es diesen nach Erkenntnissen von Forschern der Universität Buffalo oftmals nicht, in die Eizellen einzudringen. Die Forscher untersuchten in-vitro die Fähigkeit von Spermien, die Zona pellucida zu permiieren. Zwei Drittel der Spermien von Rauchern, die im Durchschnitt über 15 Jahre mehr als vier Zigaretten pro Tag geraucht hatten, bestanden diesen Test nicht. Für die Raucher bedeutet dies, dass die Fertilität auf 25 Prozent des Normalwertes abgefallen ist. Wie schnell sich die Zeugungsfähigkeit nach dem Verzicht auf Zigaretten erholt, wurde nicht untersucht.

Manchmal ist die männliche Unfruchtbarkeit aber auch Folge einer Empfehlung der Mediziner. Den weiblichen Patienten wird nämlich häufig zu Gleitmitteln (Lubrikanzien) geraten. Das mag gut gemeint sein, doch eine in Montreal vorgestellte randomisierte kontrollierte Studie kam zu dem Ergebnis, dass fast alle dieser Mittel die Motilität der Spermien herabsetzen. Einige schädigten sogar die genetische Last der Spermien./rme
21. Oktober 2005 http://www.aerzteblatt.de

Links zum Thema
Pressemitteilung der American Society For Reproductive Medicine


Studie legt nahe: Anabole Steroide machen süchtig
NEU-ISENBURG (Smi). Anabol-androgene Steroide können nicht nur psychisch, sondern auch körperlich abhängig machen. Das legt eine Studie an Hamstern nahe, die Forscher der University of Southern California’s Keck School of Medicine auf dem 44. Jahrestreffen des American College of Neuropsychopharmacology in Waikoloa auf Hawaii vorgestellt haben.
Die Neurobiologin Ruth Wood implantierte den Hamstern Kanülen ins Gehirn, mit denen sie sich Steroide selbst verabreichen konnten. Die Tiere verbrachten daraufhin vier Stunden am Tag in Räumen mit Zugang zu zwei verschiedenen Mechanismen.
Wenn sie den aktiven Mechanismus betätigten, empfingen sie ein Mikrogramm Testosteron oder ein anderes Steroid wie Nandrolon, Drostanolon, Stanozolol oder Oxymetholon, bei einem inaktiven Zugang erhielten sie nichts.
Ein Computer erfaßte die Versuche der Hamster, den einen oder den anderen Mechanismus zu betätigen. Die Tiere nutzten die Anabolika-Zugänge deutlich häufiger, wobei sie Testosteron, Nandrolon und Drostanolon bevorzugten. Ärzte Zeitung, 19.12.2005
 Nebenwirkungen und Folgen von Doping


Steroidakne bei jedem zweiten Dopingsünder
Anabolika-induzierte Hypertrophie der Talgdrüsen / Zehnfach höhere Dosis als zur Therapie
BERLIN (sko). Wenn junge, muskulöse Männer plötzlich eine Akne entwickeln, kann das bekanntlich ein Hinweis auf einen Anabolika-Abusus sein. Meist überschreitet die Dosis die für eine Substitutionstherapie erforderliche Menge um das Zehnfache.
Therapeutisch genutzt werden die anabolen Effekte der anabol-androgenen Steroide (AAS) in der Dermatologie etwa beim Angioneurotischen Ödem oder bei der Behandlung von HIV-Kranken mit ungewollter Gewichtsabnahme.
"Beim Doping werden die Mittel meistens so eingenommen, daß sie das Zehnfache der Dosis der physiologischen Substitutionstherapie überschreiten", sagte Professor Bodo Melnik aus Osnabrück bei einer Fortbildungsveranstaltung der Bundesärztekammer in Berlin.
Die Body-Builder-Akne sei häufig ein sofort sichtbarer Marker für den Abusus. Denn die Einnahme von AAS führt zu einer Hypertrophie der Talgdrüsen, was wiederum bei 50 Prozent der Nutzer zu einem ersten Aufflammen einer Akne oder auch zur Exazerbation einer bestehenden Akne führen kann.
Wie häufig das Doping in deutschen Fitneß-Studios ist, wurde in mehreren Studien untersucht. Melnik berichtete von einer Studie aus dem Jahr 1998, in der die Besucher von 24 norddeutschen Fitneß-Studios befragt wurden. 24 Prozent der Männer und acht Prozent der Frauen gaben an, anabol wirkende Medikamente zu nehmen.
Eine aktuelle, noch nicht publizierte bundesweite Untersuchung lieferte ähnliche Ergebnisse: 13,5 Prozent der befragten Besucher von 113 Fitneß-Studios gaben an, schon mindestens einmal AAS eingenommen zu haben. Dieser Mißbrauch sei bei 31 Prozent der Betroffenen von Ärzten unterstützt oder geduldet worden, so Melnik. Ärzte Zeitung, 23.01.2006


Anabolika: Zuviel Testosteron zerstört Hirnzellen

Bethesta (ddp). Erhöhte Werte des Geschlechtshormons Testosteron töten Nervenzellen ab. Ein überhöhter Testosteronspiegel, wie er durch den Missbrauch von Anabolika zum Aufbau von Muskelmasse entsteht, kann so zu einem dramatischen Verlust von Hirnzellen führen. Das schließen amerikanische Forscher aus den Ergebnissen ihrer Studien an im Labor gezüchteten Nervenzellen. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher um Barbara Ehrlich von der Yale-Universität in New Haven im Fachmagazin «Journal of Biological Chemistry» (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1074/jbc.M603193200). Hohe Dosen von Testosteron lösten bei den im Labor gezüchteten Nervenzellen den so genannten programmierten Zelltod aus, beobachteten die Wissenschaftler. Dieser Mechanismus ist ein natürlicher Teil vieler wichtiger Lebensfunktionen. Wenn er allerdings gestört ist, kann er auch zu Krankheiten wie beispielsweise Alzheimer führen. Den Neurologen zufolge greift zuviel Testosteron in Signalsysteme der Zelle ein, die schließlich ihr Selbstzerstörungsprogramm einleiten. Normale Konzentrationen von Testosteron beeinträchtigten die Lebensfähigkeit der Nervenzellen dagegen nicht. Testosteron ist das wichtigste männliche Geschlechtshormon und steuert maßgeblich die körperliche Entwicklung, aber auch das menschliche Verhalten. Frühere Studien zeigten bereits, dass die Einnahme hoher Dosen männlicher Geschlechthormone Übererregbarkeit, aggressives Verhalten und die Neigung zu Selbstmord auslösen kann. Auch in Deutschland ist der Gebrauch von Anabolika zum Muskelaufbau verbreitet. Anabolika ist der Oberbegriff für Substanzen, die den Proteinaufbau des Körpers fördern. Neben Testosteron selbst kommen dabei auch künstlich hergestellte so genannte Steroide zum Einsatz, die dem Testosteron ähneln. Den Forschern zufolge könnte die Ursache für die gefährlichen Nebenwirkungen der Anabolika auch die nervlichen Veränderungen sein, die übertriebene Testosteronwerte verursachen.28. September 2006
 

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Hans K. Biesalski, Peter Fürst, Heinrich Kasper
Preis: EUR 50,62 
Taschenbuch (1999) 
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Taschenatlas der Ernährung  
Hans Konrad Biesalski, Peter Grimm
Preis: EUR 25,51 
Taschenbuch (Oktober 1998) 
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