Blutpaß zur Dopingkontrolle
FLORENZ (mp). Ein Mittel im Kampf gegen Doping könnte der Blutpaß
werden, der jetzt bei einem Treffen des Europäischen Verbandes der
Hämatologen in Florenz vorgestellt worden ist. Der Paß zeigt Blutparameter
an, die sich auch bei Anstrengungen kaum ändern - sehr wohl aber bei der
Zufuhr von
Erythropoetin. Finanziert werden soll das Projekt von der
Anti-Doping-Weltagentur.
Ärzte Zeitung, 12.06.2002
Positiver Dopingbefund bei Crosslauf-Weltmeister
(sid)- Dopingverdacht bei einem Europarekordler: Der zweimalige
Crosslauf-Weltmeister Mohamed Mourhit aus Belgien ist bei einer Dopingkontrolle
positiv auf das Blutdopingmittel
Erythropietin (EPO) und ein zur Verschleierung gebräuchliches
Entwässerungsmittel getestet worden. Das gab der Leichtathletik-Weltverband IAAF
am Freitag vor dem Golden League Meeting in Monte Carlo bekannt. Dem 31 Jahre
alten gebürtigen Marokkaner, der die Europarekorde über 3000, 5000 und 10.000
Meter hält droht eine Zwei-jahres-Sperre.
"Spuren von EPO und eines Diuretikums sind in seiner Urin- und Blutprobe
gefunden worden, die am 5. Mai unangekündigt vorgenommen wurde", erklärte
IAAF-Kommunikationsdirektor Nick Davis. Zwei Tage nach der Kontrolle fanden die
Halbmarathon-Weltmeisterschaften in Brüssel statt.
Der belgische Leichtathletik-Verband (LRBA) bestätigte die Positiv-Kontrolle und
erklärte, dass der Athlet für den 1. August zu einer Anhörung eingeladen worden
sei. Während der Prozedur ist Mourhit suspendiert. Wegen angeblicher
Rückenbeschwerden hatte der Belgier seinen Start bei den Europameisterschaften
in München bereits abgesagt. 19. Juli 2002
Winterspiele vor größtem Doping-Skandal: Mühlegg unter
Verdacht
Salt Lake City (dpa) - Die Olympischen Winterspiele stehen offenbar vor
dem größten Doping-Skandal ihrer Geschichte. Der dreimalige
Langlauf-Olympiasieger Johann Mühlegg steht unter dringendem Verdacht, das
Blutdopingmittel Darbepoetin alfa benutzt zu haben. Bei einer
unangemeldeten Trainingskontrolle am vergangenen Donnerstag wurde der
Wahl-Spanier nach einer Mitteilung des spanischen Sportministeriums positiv
getestet. Damit droht ihm möglicherweise die Aberkennung seiner am Samstag
gewonnen Goldmedaille über 50 km. Im Falle einer Disqualifikation würden die
zweit- und drittplatzierten Michail Iwanow (Russland) und Andrus Veerpalu
(Estland) nachträglich Gold und Silber erhalten. Bronze bekäme der Norweger
Odd-Björn Hjelmeset, der Oberhofer Andreas Schlütter würde auf Rang vier
vorrücken. Die zuvor von Mühlegg erkämpften Olympiasiege über 30 km Freistil
und im Verfolgungsrennen sind nach den Regeln nicht gefährdet. «Johann
Mühlegg war völlig überrascht, hat aber gelassen reagiert», berichtete Juan
Antonio Gómez Angulo, Staatssekretär für Sport, in der Nacht zum Samstag auf
einer Pressekonferenz. Der 31- jährige «Juanito» habe das spanische
Nationale Olympische Komitee (NOK) um Beistand gebeten. «Wir werden ihm
helfen», sagte Angulo. Geschockt zeigte sich der deutsche
Langlauf-Koordinator und ehemalige Mannschafts-Kollege, Jochen Behle. «Das
haut mich vom Sockel. Ich bin total konsterniert», sagte Behle, der Mühlegg
nach seinen ersten beiden Triumphen noch mit Ausnahmeathleten wie dem
ehemaligen Rad-Star Eddy Merckxs verglichen hatte. Ähnlich fassungslos
äußerte sich auch der dreifache Rodel-Olympiasieger Georg Hackl: «Das ist
irre. Das kann ich nicht glauben.» Für den Chef de Mission Walther Tröger
ist die unerfreuliche Neuigkeit «ein Schlag zum Ende der Spiele». Bei der
Analyse der Mühlegg-Probe fanden die Kontrolleure das Blutdopingmittel
Darbepoetin alfa, das auch unter dem Begriff NESP bekannt ist. Es ist vom
Erythropoietin (EPO) abgeleitet, wirksamer, aber mit einer Halbwertzeit von
25,3 Stunden drei Mal so lange nachweisbar wie EPO. NESP hatte erstmals im
Zusammenhang mit der Spanien-Rundfahrt für Radprofis im vergangenen Jahr für
Aufmerksamkeit gesorgt. Darbepoetin alfa steht jedoch nicht explizit auf der
Verbotsliste des IOC. Die Medizinische Kommission des IOC muss nun
entscheiden, ob sie zu den EPO artverwandten Substanzen zu zählen ist.
Mühlegg wurde von einer vom deutschen IOC-Vizepräsidenten Thomas Bach
geleiteten Kommission unmittelbar nach der Medaillen- Verleihung angehört.
Endgültig wird über diesen vermeintlichen Fall das Exekutivkomitee des
Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am Abschlusstag der Winterspiele
entscheiden. Mühlegg startet seit Ende 1999 für Spanien, nachdem er 1998 im
Unfrieden den Deutschen Skiverband (DSV) verlassen hatte. Auslöser war die
so genannte «Spiritisten- Affäre» bei der WM 1995, in deren Folge er aus der
deutschen Nationalmannschaft ausgeschlossen wurde. Vor seinem Olympiasieg
über 50 km hatte es bei Mühlegg bereits Irritationen um die obligatorische
Blutkontrolle gegeben. Der Weltmeister hatte nach dem Rennen zugegeben, dass
die erste Probe leicht über dem erlaubten Grenzwert von 17,5 lag. Nach
Angaben des Leiters des Büro Nordisch im Ski-Weltverband FIS, Bengt-Erik
Bengtsson, sei daraufhin ein zweiter Test vorgenommen und ihm Grünes Licht
für einen Start gegeben worden. Mühlegg hatte das erhöhte erste Ergebnis mit
einer Spezial-Diät und Durchfall in der Nacht vor dem Rennen begründet.
24. Februar 2002
Eiskalt erwischt: In allen Wintersportarten wird gedopt
Den größten Skandal erlebte der finnische Skilanglauf bei der Nordischen
Ski-Weltmeisterschaft im eigenen Land
Von Pete Smith
Ärzte Zeitung, 08.02.2002
Der finnische Skilanglauf erlebte bei der Nordischen
Ski-Weltmeisterschaft 2001 in Lahti den Super-Gau: Sechs einheimische Stars,
darunter der Olympiasieger und Weltmeister Mika Myllylä, wurden im Februar
vergangenen Jahres als Dopingsünder entlarvt. Ausgerechnet Finnland. Ein
Mythos wurde zerstört und der weiße Sport endgültig seiner scheinbaren
Unschuld beraubt.
Doping im Wintersport - lange Jahre war das kein Thema für Schlagzeilen.
Dabei lag der Verdacht nahe, daß auch Bobfahrer ihre Muskelkraft mit
Anabolika aufpeppen, Skispringer mittels Diuretika abnehmen und
Skilangläufer ihre Ausdauer mit Hilfe von Erythropoetin (EPO) erhöhen. Erst
mit der Ausweitung der Kontrollen kamen immer mehr Fälle ans Licht.
Betroffen sind nahezu alle Disziplinen - eine Übersicht:
- Snowboard: Die Südtirolerin Carmen Ranigler gibt drei Wochen
vor Olympia zu, Anabolika konsumiert zu haben. Ihr Physiotherapeut habe
ihr ein Präparat verabreicht, ohne sie darüber aufzuklären, was es sei.
- Bob: Nur wenige Wochen vor den Olympischen Winterspielen meldet
der Bob-Weltverband FIBT mehrere Dopingfälle: Bei dem WM-Vierten Sandis
Prusis aus Lettland sind bei einer Dopingkontrolle Anfang Dezember Spuren
von Nandrolon analysiert worden. Prusis wird für drei Monate rückwirkend
gesperrt, darf aber in Salt Lake City starten, weil seine Sperre am 9.
Februar endete (die "Ärzte Zeitung" berichtete). Die ehemalige
Hürden-Weltmeisterin Ludmila Engquist, die in Salt Lake City als
Bobfahrerin an den Start gehen wollte, hat vor wenigen Monaten unter
Tränen zugegeben, bewußt anabole Steroide zu sich genommen zu haben. Sie
war 1993, damals noch als Läuferin, schon einmal gesperrt worden. Der
amerikanische Bobfahrer Paul Jovanovic wird von einem US-Schiedsgericht
für neun Monate gesperrt. Der Anschieber des favorisierten Bobteams von
Todd Hays ist der Einnahme des Anabolikums Norandrostendion überführt
worden.
- Eisschnell-Lauf: Schon im März 2001 protestieren 100 Aktive
gegen den möglichen Olympia-Start der zweimal wegen Dopings gesperrten
russischen 1500-Meter-Spezialistin Swetlana Fedotkina, deren
lebenslängliche Sperre 1999 in eine dreijährige Sperre umgewandelt worden
ist.
- Skilanglauf:Bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft im
finnischen Lahti wird der Finne Jari Isometsä des Gebrauchs des
Blutplasma-Expanders HES überführt. HES steht auf der internationalen
Verbotsliste, damit kann die Einnahme von EPO verschleiert werden. Im Zuge
der Ermittlungen wird der größte Dopingskandal der finnischen
Sportgeschichte aufgedeckt. Im Koffer des Mannschaftsarztes werden
Dopingpräparate entdeckt, sechs Langläufer später für jeweils zwei Jahre
gesperrt. Vier Monate nach dem Skandal wird der ehemalige
Skilanglauf-Cheftrainer Kari-Pekka Kyro wegen des Verdachts, Drogen
geschmuggelt zu haben, verhaftet. Sein Verband hat ihn lebenslänglich
gesperrt.
- Biathlon: Die Internationale Biathlon-Union weitet nach
Gerüchten um eine Zunahme von EPO-Doping ihre Kontrollen aus. Künftig wird
jeder ertappte Athlet für zwei Jahre und im Wiederholungsfall
lebenslänglich gesperrt.
- Skispringen: Im Februar 2001 wird der erste Dopingfall in der
Geschichte des Skisprungs offiziell bestätigt: Der Internationale
Skiverband FIS sperrt den 21jährigen Russen Dmitri Wassiljew wegen der
Einnahme von Diuretika für zwei Jahre.
- Eiskunstlauf: Im März 2000 wird der Eiskunstlauf durch seine
ersten Dopingfälle erschüttert: Der russischen Paarläuferin Elena
Bereschnaja (gemeinsam mit Anton Sicharulidse Welt- und Europameisterin)
wird ebenso wie dem usbekischen Paarläufer Ewgeni Swiridow die Einnahme
verbotener Stimulanzien nachgewiesen. Beide sind geständig und erklären,
eine Erkältung und eine Bronchitis bekämpft zu haben. Beresch-naja wird
später der Europameister-Titel aberkannt.
- Eishockey: Bill McDougal, kanadischer Spieler der Münchner
Barons, wird im März 2000 der Einnahme von Pseudo-Ephedrin überführt. Der
Stürmer erklärt, er habe ein kanadisches Hustenmittel eingenommen.
- Rodeln: Der internationale Rodelsport meldet im September 1999
seinen ersten Dopingfall: Der amerikanische Doppelsitzer-Pilot Christian
Niccum, vierfacher Junioren-Weltmeister, ist ein halbes Jahr zuvor positiv
getestet worden. Unbestätigten Angaben zufolge soll es sich um
Drogenmißbrauch handeln. Niccum wird für zwei Jahre gesperrt.
Erst im Oktober 2000 beschließt der Rodel-Weltverband FIL, auch außerhalb
der Wettbewerbe Dopingkontrollen vornehmen zu lassen.
Spanischer Verband auf
Konfrontationskurs mit UCI
Trotz positivem
EPO-Test keine Sperre für Del Olmo
20.12.01 (rsn) - Der Baske Txema del Olmo
war am 5. Juli in den Voruntersuchungen der Tour de France in einem der
neuen Urintests positiv auf EPO-Doping getestet worden und daraufhin von
seinem Euskaltel-Team suspendiert worden. Der spanische Verband (RFEC)
entschied nun, von einer Sperre abzusehen, weil man Zweifel hat an der neuen
Urinnachweismethode, an der die UCI weiter festhält. "Die Urinmethode steht
nicht in Frage. Ich bin überzeugt von ihr, ebenso wie es das Dopinglabor in
Lausanne ist, das eng zusammenarbeitet mit dem Labor in Châtenay-Malabry
(das die Methode entwickelt hat, die Red.)", hatte vor wenigen Wochen
UCI-Präsident Hein Verbruggen erklärt. Der spanische Verband ist genau
anderer Ansicht und ging jetzt im Fall Del Olmo auf Konfrontations- kurs zur
UCI. Der Baske, der im kommenden Jahr beim portugiesischen "Maia"-Team unter
Vertrag ist, wird trotz positivem Test nicht gesperrt. Eine Kommission des
spanischen Verbands begründete die Entscheidung mit Zweifeln an der neuen
EPO-Nachweismethode. Jacques de Ceaurriz, Chef des Pariser Dopinglabors, das
das Verfahren entwickelt hat, habe selbst eingeräumt, dass die Methode nicht
perfekt sei, so der spanische Verband. Die Entscheidung im Fall Del Olmo
erfolgt wenige Wochen nachdem der Spanier Juan Llaneras und der Italiener
Massimo Strazzer von Dopingvorwürfen freigesprochen worden waren. In beiden
Fällen erwies sich die Urin-Nachweismethode als nicht schlüssig. Nach
Ansicht von UCI-Präsident Verbruggen lag dies jedoch an individuellen
Fehlern im Ablauf des Verfahrens, nicht am Verfahrensprinzip selbst. Auch
der Däne Bo Hamburger war freigesprochen worden, nachdem A-und B-Probe mit
dem neuen Urinverfahren, das die UCI im April als erster Sportverband
einführte, unterschiedliche Ergebnisse erbrachten. Das Internationale
Olympische Komitee erkennt das Verfahren noch nicht in vollem Umfang an. Die
UCI kündigte unterdessen in einer offiziellen Erklärung am Donnerstagabend
an, im Fall Del Olmo den internationalen Sportgerichtshof in Lausanne
anzurufen. Die Entscheidung des spanischen Verbands basiere auf "einer
falschen Interpretation des Reglements und allgemeiner Kritik an der (neuen
EPO-Nachweismethode)", hieß es in dem Statement.
Entsetzen über Finnlands Dopingsystem
02.03.2001
Sportministerin will Rücktritt der Verbandsspitze - Berliner
Zeitung
HELSINKI/BERLIN, 1. März. "Finnlands Skisport wurde beerdigt. " Mit
diesem Nachruf in riesigen Lettern beschrieb die Zeitung "Iltalehti" die
Stimmung im Land nach dem größten Dopingskandal in der Geschichte des
Langlaufs. Die Entlarvung von sechs Athleten, denen die Einnahme des
verbotenen Blutexpanders HES während der WM nachgewiesen wurde, hat die
Öffentlichkeit entsetzt: Die beliebtesten finnischen Sportler mischten mit
beim Blutdoping: Der stets als sauber geltende Olympiasieger und Weltmeister
Mika Myllylä (31), der noch populärere Harri Kirvesniemi (42) sowie die
Weltmeisterin Virpi Kuitonen und Milla Jauho.
Ungläubig hörten die Finnen bei einer auf allen TV-Sendern live
übertragenen Pressekonferenz, wie der finnische Langlauf-Cheftrainer
Kari-Pekka Kyrö bewusstes Doping zugab: "Ja, wir haben HES benutzt, um
unsere Erfolgsaussichten zu erhöhen. " Kyrö, die Ertappten und zwei Ärzte
seien dabei "wie Amateure" vorgegangen, berichtete der suspendierte Trainer:
Man habe der Auskunft von Experten geglaubt, dass nach dem seit 1999
bekannten und seit 2000 verbotenen HES bei der WM nicht gesucht werde. Auch
Kirvesniemi erklärte relativ frank und frei, er hätte das verbotene Mittel
"nie und nimmer" eingenommen, wenn ihm nicht allseits erklärt worden sei,
dass man Tests auf Plasmaexpander ausschließen könne.
Tatsächlich, so erklärte am Donnerstag der Generalsekretär der
Welt-Doping-Agentur (Wada), der Finne Harri Syväsalmi, seien zurzeit nur die
Doping-Labors in Köln und Helsinki in der Lage, HES-Tests durchzuführen.
Oslo arbeite noch an der Umsetzung. Die Wada hatte bei der WM in Lahti 28
finnische Athleten auf Doping kontrollieren lassen. Allerdings hatte
Finnlands Verband die Wada nach den ersten Dopingfällen, die der
Ski-Weltverband (Fis) im Rahmen der regulären Wettkampfkontrollen aufdeckte,
explizit dazu aufgefordert. "Es gibt offensichtlich eine Doping-Subkultur in
Finnland", sagte Syväsalmi.
Dass Kirvesniemi als Doper aufflog, schockte auch Frank Ullrich, den
Biathlon-Bundestrainer: "Ich hätte nie gedacht, dass Harri Kirvesniemi es
auch macht, denn er ist ja die Symbolfigur schlechthin. " Aus Ärger über
ihre gedopten Teamkollegen will Kati Sundqvist, die WM-Zweite im
Langlauf-Sprint, möglicherweise zum Biathlon wechseln.
"Was mich schockiert, ist die Tatsache, dass in Finnland sämtliche Ärzte
und Trainer in das Vergehen verwickelt sind", sagte das schwedische
IOC-Mitglied Arne Ljungqvist. "Der Verband gibt weiter nur das zu, was beim
besten Willen nicht mehr abzustreiten ist", kommentierte die Zeitung "Helsingin
Sanomat". Harte Konsequenzen verlangte Finnlands Sportministerin Suvi
Linden. Sie habe die Nase voll von den Lügereien des Skiverbandes. Die
Ministerin will den Rücktritt der kompletten Verbandsspitze durchsetzen. Sie
plant außerdem, alle Verbandsaktivitäten der letzten Jahre durch
Außenstehende auf Anwendung von Doping durchleuchten lassen. (dpa, sid/kli.
)
DPA/MATTI BJOERK Vom Saubermann zum Betrüger: Olympiasieger Mika Myllyä.
Pantani--vor
der nötigen Operation Hämatokritwerte von 60,1 Prozent
12. Dezember 2000 Pantani wehrt sich gegen Gefängnisstrafe
Forli – Marco Pantanis härtester Kampf findet derzeit nicht auf
einem Rad, sondern vor Gericht statt. Der Italiener ist von einem Gericht
im norditalienischen Forli wegen „Sportbetrugs“ zu einer dreimonatigen
Gefängnisstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Dagegen will Pantani
Berufung einlegen. Das kündigte der Anwalt des populärsten italienischen
Radprofis nach der Verhandlung an, an der Pantani - wie an den vier
vorangegangenen - nicht teilgenommen hatte. Pantani traf damit als ersten
Sportler die härteste Anti-Doping-Gesetzgebung der Welt, die seit
November in Italien in Kraft ist. Nicht nur die Einnahme von
Doping-Mitteln ist hier nun strafbar, sondern auch die medizinische
Anwendung verboten, wenn keine gesundheitliche Indikation vorliegt. Dopingsündern
drohen Gefängnisstrafen von bis zu drei Jahren und Geldstrafen von
umgerechnet 100.000 Mark. Das Vergehen des populären Glatzkopfs geht auf
den 18. Oktober 1995 zurück. Der Giro- und Toursieger von 1998
prallte bei dem Rennen Mailand-Turin bei einer Abfahrt frontal mit einem
Jeep zusammen und wurde mit schweren Bein-Verletzungen ins Krankenhaus von
Turin eingeliefert.
Ein Hämatokritwert weit über der Norm
Dort stellten die Ärzte vor der nötigen Operation Hämatokritwerte
von 60,1 Prozent fest, die weit über der Norm lagen. Diese Blutwerte
fielen innerhalb weniger Tage auf unter 50 Prozent, was auf die Gabe des
als Blut-Doping-Präparat eingesetzten Mittels EPO schließen ließ. Während
des Krankenhaus- Aufenthaltes stiegen die Werte wieder erheblich. Der
behandelnde Arzt Prof. Cartesegna sprach vor Gericht vom „Yo-Yo-Effekt“
der Blutwerte. Es sei davon auszugehen - so Cartesegna - dass Pantani
auch im Krankenhaus EPO spritzte. Der 30-jährige Bergspezialist, der
EPO-Doping bis heute abstreitet, begründete seine außerordentlich hohen
Werte mit einem Trainingsaufenthalt in Kolumbien vor dem Rennen im Herbst.
In Höhenlage vermehren sich die roten Blutkörperchen, verantwortlich für
den Sauerstofftransport, ebenso wie nach der Gabe des künstlich
hergestellten Hormons Erythropoietin (EPO).
Wiederholungstäter Pantani
Pantani, der zuletzt in die Schlagzeilen geriet, als er an einem
Nachmittag drei Autounfälle produzierte, hat als „Wiederholungstäter“
zu gelten. Auf der vorletzten Etappe des Giro d'Italia von 1999 wurde er
mit einem unzulässig hohen Hämatokritwert (52 Prozent) als Spitzenreiter
aus dem Rennen genommen und 14 Tage gesperrt. 1997 hatte der
Radsport-Weltverband UCI einen Höchstwert von 50 Prozent festgelegt.
Danach fuhr Pantani fast ein Jahr keine Rennen mehr und feierte erst beim
Giro 2000 ein Comeback. Nach zwei Etappensiegen bei der anschließenden
Tour stieg er aus und trat danach sportlich nicht mehr in Erscheinung.
Inzwischen hat Pantani mit seinen Team-Kollegen von Mercatone-Uno die
Vorbereitung auf die kommende Saison begonnen. Der Italiener ist nicht der
einzige Topfahrer, für den sich die Justiz zurzeit interessiert. Richard
Virenque, der vor dem Gericht in Lille den Gebrauch von EPO und anderen
Drogen nach jahrlangem Leugnen gestanden hatte, erwartet sein Urteil in
den nächsten Tagen. Der Franzose kann mit einem Freispruch rechnen. Die
Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den zweifachen Toursieger Lance
Armstrong (USA), der eine aggressive Verteidigung ankündigte und sogar
mit Tour-Verzicht für 2001 drohte, falls die „Hexenjagd“ auf ihn in
Frankreich kein Ende fände. Alle bei der Tour in diesem Jahr in
seinem Team eingesetzten Medikamente seien angemeldet und autorisiert
gewesen.
EPO aus Leichen
Nach Berichten eines französischen Wissenschaftlers gehen Sportler immer mehr dazu über, das natürlich im Körper vorkommende Hormon
EPO von Leichen entnehmen zu lassen und damit ihre Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Das Hormon Erythropoietin (EPO) werde als Sekret von den
Nieren und der Leber ausgeschieden und sei für die Benutzer wirksamer als das künstlich hergestellte EPO, berichtete der Sportarzt Van Den
Steene dem auf Medizin spezialisierten französischen Fernsehsender Sante-Vie-Plus am Mittwoch. Natürliches EPO sei nur schwer
nachzuweisen. Vorteil für die Benutzer des natürlichen EPO sei außerdem, dass die herkömmlichen EPO-Tests das natürliche Hormon
"weitaus schwieriger nachweisen können als das künstlich hergestellte."
Es vermische sich leichter mit dem Blut als der artifiziell hergestellte
Stoff. Das bislang künstlich hergestellte EPO-Präparat zählt bei den Ausdauerathleten zu den wirksamsten leistungssteigernden Drogen. Das
Mittel vermehrt die Zahl der roten Blutkörperchen und sorgt damit für einen erhöhten Sauerstofftransport im Körper.
(Quelle: Sport 1)
Schock: EPO-Doping weit verbreitet? 19. November 2000
Oslo - Die Eisschnelllauf-Szene ist geschockt. Hervorgerufen durch Hinweise auf mögliche Manipulationen mit dem
Blutdopingmittel EPO. Nach Aussagen des norwegischen Arztes Jim Stray Gunderson sollen bei der
Mehrkampf-Weltmeisterschaft in Milwaukee und der Einzelstrecken-Weltmeisterschaft in Nagano nicht weniger als zehn
bis 15 Prozent der Bluttests anormale Werte aufgewiesen haben. Die erhöhten Hämatokritwerte, die Rückschlüsse auf die
Einnahme von EPO zulassen, sowie weitere Indikatoren seien allerdings keine direkten Beweise, erklärte der Mediziner
im norwegischen Fernsehen und gegenüber der niederländischen Zeitung «De Telegraaf». «Die Ergebnisse lassen jedoch
auf einen großzügigen Gebrauch verbotener stimulierender Mittel schließen», fügte er hinzu. Die Namen von Betroffenen
wollte der Norweger nicht preisgeben. «Das ist eine Sache des Weltverbandes», sagte er. Die Nachricht aus Oslo schlug
wie eine Bombe vor allem im niederländischen Eisschnelllauf-Team ein. «Gunderson ist ein guter Mann, aber seine
Aussagen sind rücksichtslos. Sie gefährden die gesamte Sportart. Solange er nicht die Namen nennt, setzt er alle
Eisschnellläufer ins schlechte Bild», erklärte Ab Krook, der frühere deutsche Bundestrainer und heutige Sportdirektor des Niederländischen
Eissportverbandes (KNSB). Er zeigte sich erstaunt von den jetzt bekannt gewordenen Test-Resultaten. «In Milwaukee und Nagano
beglückwünschte Gunderson noch alle Teilnehmer zu dem bestandenen Test. Und jetzt kommt er mit solchen Spekulationen.» Bereits bei den
Einzelstrecken-WM hatte es hinter vorgehaltener Hand geheißen, dass elf Sportler zu hohe Hämatokritwerte aufgewiesen hätten.
ISU-Vizepräsident Gerd Zimmermann bezeichnete die nun auch vom niederländischen Arzt Hans van Kuyk genannte Zahl von elf Athleten, mit
überhöhten Hämatokritwerten, als reine Spekulation. Bekannt wurde nur der Fall von Doppel-Olympiasiegerin Marianne Timmer, die bei den Tests
einen Wert von 47,4 aufwies. Der Weltverband ISU hatte den Höchstwert für Frauen auf 47 festgelegt.
Doping-Produkte in fast der Hälfte der Urinproben
Französischer Verband: "Schwerwiegendes Problem" / Alles legal verordnet?
08.08.00 - In fast der Hälfte aller Urinproben bei der
diesjährigen Tour de France sind Doping-Mittel gefunden worden. Dies
teilte der französische «Ausschuss zum Kampf gegen Doping» (CPLD) am
Dienstag in Paris mit. «Das zuständige Labor hat uns mitgeteilt, dass
45 Prozent der 96 Urinproben aufputschende Mittel enthielten»,
erklärte CPLD-Präsident Michel Boyon in einem Kommunique.
Gleichzeitig hieß es aber auch, es stehe noch nicht fest, ob es sich
bei den Medikamenten um zugelassene, legal verordnete Präparate oder
illegale Doping-Mittel handelt.
Die 96 Kontrollen sind den Angaben zu Folge bei 71 Fahrern
ausgeführt worden. Bei jeder Etappe habe es vier Kontrollen gegeben:
Zum Test wurden der Etappensieger, der Träger des Gelben Trikots
sowie zwei ausgeloste Fahrer gebeten. Zudem wurden bei der 16. und
20. Etappe zwölf spontane Kontrollen vorgenommen.
Boyon sagte, in 28 Fällen habe man das Mittel Corticosteroid
festgestellt, das gegen Müdigkeit und Schmerzen wirkt und in einen
gewissen euphorischen Zustand versetzt. In weiteren zehn Fällen seien
die Wirkstoffe Salbutamol oder Terbutaline gefunden worden, Mittel
die die Atmung stärken und den Stoffwechsel aufbauen. In fünf Fällen
sei eine Kombination von Corticosteroiden und Salbutamol festgestellt
worden. Sechs weitere Fälle konnten nach den Informationen noch nicht
exakt durch die vorgenommenen Analysen bestimmt werden. Am Nachmittag
war es zunächst nicht möglich, einen der Tour-Organisatoren für eine
Stellungnahme zu erreichen.
"Dass 45 Prozent der kontrollierten Fahrer
Spuren von Corticosteroiden und Salbutamol im Körper hatten, stellt
ein schwerwiegendes Problem dar", sagte Daniel Baal, der Präsident des französischen Radsportverbands FFC
in einer ersten Reaktion. Baal erklärte, die FFC habe bereits gegen einen Tourfahrer, dessen Namen
er nicht nennen wollte, ein Disziplinarverfahren eröffnet. Näheres
wollte er dazu noch nicht sagen.
Der Conseil de prévention et de lutte contre le dopage
(CPLD) ist ein Gremium, das nach dem Skandaljahr
1998 gegründet wurde.
Der CPLD hat neun Mitglieder (drei aus dem Bereich des Staates, drei Wissenschaftler, drei
Sporler), die auf sechs Jahre in das
Gremium gewählt werden und die nicht wiedergewählt und auch nicht abberufen
werden können.
Der unabhängige Rat kann
eigene Dopingkontrollen anordnen und den Sportverbänden Empfehlungen aussprechen.
Unter bestimmten Bedingungen kann der CPLD auch des Dopings für
schuldig erachtete Sportler mit Strafen belegen.
Die Nachricht des CPLD kam überraschend, weil der Welt-
Radsportverband UCI noch vor knapp einer Woche mitgeteilt hatte, die
Doping-Proben bei der diesjährigen Tour de France seien durchweg ohne
auffällige Werte ausgefallen. Es habe lediglich in einigen Fällen den
Nachweis von Substanzen gegeben, die zur medizinischen Betreuung von
erkrankten Fahrern benutzt wurden und in den jeweiligen
Gesundheitspässen vermerkt waren, so wie es die in diesem Jahr
veränderten Anti-Doping-Bestimmungen vorsehen. Lediglich im Falle von
zwei Sportlern, die nicht im Vorderfeld der Gesamtwertung platziert
waren und bei denen derartige Substanzen entdeckt wurden, würden noch
weitere Ermittlungen angestellt, hieß es vom UCI am vergangenen
Mittwoch in Lausanne.
Die eingefrorenen Urinproben, die für den Nachweis des Blutmittels
Erythropoietin (EPO) herangezogen werden sollen, konnten noch nicht
getestet werden. Die UCI wartet auf die definitive Freigabe des neuen
Tests durch das Internationale Olympische Komitee (IOC), das nach der
Unbedenklichkeits-Erklärung für die in Frankreich und Australien
entwickelten EPO-Tests durch ein Experten-Gremium noch auf Grünes
Licht von juristischer Seite wartet.
(dpa/Red.)
Dopingkontrolle: Das
Internationale Olympische Komitee (IOC) hat am Dienstag in Lausanne den
Weg für die Einführung von Tests auf das Blutdoping-Mittel Erythropoietin
(EPO) bei den Sommerspielen in Sydney geebnet. Damit kommt es erstmals
bei Olympia auch zu Blutproben. Ein 15-köpfiges Expertengremium
erkannte die Testmethoden von einer französischen und einer australischen
Wissenschaftler-Gruppe an. Die neue Testmethode kann zwischen körpereigenem
und von außen zugeführtem EPO unterscheiden. Dabei wird eine kombinerte
Blut- und Urinuntersuchung durchgeführt. (dpa, 01.08.2000)pd
Tour de France: Giorgio Squinzi, Chef des italienischen
Mapei-Teams, glaubt nicht an die Wirksamkeit der nach der Tour de France angewendeten neuen Methode zum Nachweis des als Blut-Doping-Mittel eingesetzten Hormons EPO.
«Niemand kann eine Tour de France mit einem natürlichen Hämatokritwert gewinnen», sagte der Italiener in einem Interview mit der «L'Equipe». Das Klassement der Tour spiegele «seit Jahren» nicht die natürliche Qualität der Athleten wider. Die neue Methode des Pariser
Chatenay-Malabry-Labors, die in Urin-Proben drei Tage zurückliegenden EPO-Gebrauch nachweisen kann, würde an der gängigen Doping-Praxis im Radsport laut Squinzi nichts ändern. Zumal es «unmöglich ist, jemandem nach sechs Monaten zu sagen, er hätte die Tour verloren». Der Chef des größten Profistalls (Jahresetat: rund 20 Millionen Mark) zweifelt
«keine Sekunde» an der fehlenden Verbindlichkeit der Kontrollen, die nach der Tour vorgenommen werden sollen.
(dpa, 20.07.2000)
"Wir haben gedopt!" Plötzlich gestehen Tour-Stars alles
Schon 1959 wurden Pillen für den Luxemburger Charly Gaul beschlagnahmt. Erste Rufe nach Doping-Kontrollen.
1960 erwischt's Gastone Nenzini. Der Italiener spritzt sich männliche Hormone.
1966 die 1. Doping-Kontrolle bei der Tour. Trotzdem stirbt Tom Simpson am Mount
Ventoux. Im Trikot des Engländers sind Amphetamine.
1967 das 1. Geständnis. Jacques Anquetil (Frankreich): "Ich ziehe eine Spritze Coffein drei Tassen Kaffee vor."
1969 gerät Superstar Eddy Merckx unter Verdacht. Aber erst
1988 gibt der Belgier zu: "Auf Amphetamine folgten Cortison, Anabolika, dann Verschleierungspräparate."
Die Kontrollen werden dichter, die Tricks nehmen zu:
1978 gibt Michel Pollentier (Belgien) fremden Urin ab.
1979 gesteht Bernard Thevenet (Frankreich): "Ich habe mich 3 Jahre mit Cortison gedopt."
1980 ist Dietrich Thurau dreimal positiv. Tour-Aus, wie 1987, als ihm Anabolika-Konsum nachgewiesen wird.
1988 der größte Skandal: Pedro Delgado gewinnt gedopt die Tour. Glück für den Spanier: Die Mittel stehen "nur" auf der IOC-, nicht aber auf
der UCI-Liste. Auch der Gewinner des Grünen Trikots, Eddy Planckaert (Belgien), gibt EPO-Blutdoping zu.
1989 verrät der Franzose Didier Garcia: "Bei den Profis entkommst du Doping nicht."
Das bestätigen 1990 Francesco Moser ("Ich habe mit Doping experimentiert") und John van der Velde ("Während der Tour war es jeden Tag dasselbe: Eine Injektion am Morgen, abends Pillen.")
1991 steigt das PDM-Team "vergiftet" aus. Grund: Unsachgemäße Lagerung von Doping-Präparaten.
1997 fliegt der Usbeke Dschamolidin Abduschaparow nach Einnahme von Clenbuterol und Bromantan aus der Tour. Claudio Chiappucci fällt durch den Bluttest.
Erwan Mentheour (Frankreich) schildert das Dilemma eines Wasserträgers: "Nimmst du nichts, kannst du nicht mithalten. Hälst du nicht
mit, verwarnt dich dein Team. Ändert sich nichts, gibt's eine zweite Verwarnung. Bei der dritten wird dein Vertrag nicht erneuert." Andere dagegen wollen dopen! Eddy Planckaert (Belgien): "EPO ist phantastisch. Wenn du es nimmst, hast du 12 bis 15 Prozent Vorteil."
23. Juni 2000-Test-Verzicht als vertane Chance
Berlin (dpa) - Mit dem überraschenden Verzicht auf das neue EPO- Testverfahren bei der in acht Tagen beginnenden Tour de
France wurde eine Chance vertan. Etwas mehr Transparenz im Doping-Dickicht hätte sicher nicht nur dem Radsport gut getan. Das
von IOC-Ärzten und dem Radsport-Weltverband UCI vorerst gestoppt
Ein Kontroll-Verfahren, das das französische Malabry-Chatenay-Labor entwickelt hatte, sollte auch ein Testlauf für Sydney sein.
Auch bei den Olympischen Spielen wird die Methode wohl nicht angewendet werden.
«Ich bin maßlos enttäuscht. Es sollte ein Auftakt für einen sauberen Sport, nicht nur bei uns Radfahrern, sein», sagte der italienische Mapei-Chef Giorgio
Squinzi, Direktor des größten Profi- Teams, das jährlich rund 20 Millionen Mark in seine Mannschaft investiert. »Das war eine kalte Dusche», schrieb «France Soir» am
Freitag nach der Ablehnung. «Das ist nicht der richtige Weg», monierte die italienische «Gazzetta dello Sport».
«Ich war fest davon überzeugt, dass der Test kommt. Es ist natürlich schade, dass das jetzt offensichtlich nicht passiert. Aber wenn das Risiko bestanden hätte, dass
wir eine falsche positive Doping-Analyse bekommen, ist es sicher richtig, dass die Einführung der neuen Methode noch aufgeschoben wurde», sagte
Telekom-Teamchef Walter Godefroot. Zwei der drei IOC-Ärzte hatten offensichtlich noch Bedenken, dem neuen Verfahren, das vorher im angesehenen britischen
Wissenschafts-Magazin «Nature» auf einer knappen Seite vorgestellt worden war, «Grünes Licht» zu geben. Björn Ekblom (Schweden) war dafür, Jordi Segura
(Spanien) und Peter Hemmerbach (Norwegen) nicht. Tour-Direktor Jean-Marie Leblanc, der fest mit Einführung der Methode gerechnet hatte, und die französische Gesundheits- und Sport- Ministerin Marie-George
Buffet, die die Entwicklung des neuen Tests mit hohen Geldmitteln forciert hatte, waren perplex. Zwei Stunden vor der offiziellen Bekanntgabe des Aufschubs durch
die UCI am Donnerstag Nachmittag hatte die Ministerin erklärt, sie rechne mit der Zulassung des neuen Kontroll-Systems «am Abend oder in den nächsten Tagen».
Schon einmal halfen staatliche Stellen den Sportlern bei der Doping-Bekämpfung auf die Sprünge, als in der Skandal-Tour 1998 illegale Praktiken offen gelegt
wurden. Auch vor zwei Jahren war die Ministerin Buffet der Motor der kompromisslosen Polizei-Aktionen. Als eine Art Bremser betätigte sich UCI-Präsident Hein
Verbruggen (Niederlande) im Vorjahr, als er den Tourstart des mutmaßlichen Doping-Sünders und -Verteilers Richard Virenque gegen den Willen der Veranstalter
durchdrückte. Der beliebte Franzose muss sich am 23. Oktober vor einem Zivil-Gericht verantworten.
Zum ersten Mal bestand jetzt die Chance, über Urin-Tests zwischen körpereigenem und synthetisch hergestelltem EPO zu unterscheiden und die wahrscheinlich
verbreitete Droge im Ausdauersport so gut wie unschädlich zu machen. Bisher war über Blutkontrollen nur ein Annäherungswert gefunden worden, der keinen
schlüssigen Doping- Nachweis zuließ. Bei einem Hämatokritwert von über 50 Prozent fester Bestandteile im Blut folgte bisher durch die UCI eine Wettkampfverbot
für 14 Tage aus «Gesundheitsschutz». So wird es vorerst bleiben. Ein auffällig hoher Hämatokritwert, wie er beispielsweise im Vorjahr beim Giro d'Italia dem Spitzenreiter Marco Pantani aus Italien zum Verhängnis geworden war,
muss nicht zwingend auf die Gabe von EPO zurückzuführen sein. Ein Wasserverlust im Körper oder Training in der Höhe über 3000 Meter vermehren ebenfalls die
roten Blutkörperchen und erhöhen den Hämatokritwert.Nach eigenen Angaben können die Mediziner in Chatenay-Malabry EPO bis drei Tage nach der Injektion im
Urin nachweisen. Pro Woche können maximal 80 Proben analysiert werden. Die Dauer dafür betrage 48 bis 72 Stunden, wie Labor-Chef Jacques de Caurriz mitteilte.
Der 1998 bei der Tour enttarnte Betreuer des Festina-Teams, Willy Voet (Belgien), hatte in einem Enthüllungsbuch geschrieben, dass sich verschiedene Profis
während der Tour ständig EPO gespritzt hätten. Von der Polizei vernommene Spitzenfahrer gaben EPO-Gebrauch zu und bestätigten indirekt Voets Version.
Caurriz und sein Team untersuchten 102 eingefrorene Urinproben der Tour'98, davon wiesen 28 erhöhte EPO-Konzentrationen auf. Die 14 höchsten wurden
analysiert - alle zeigten das Muster von gentechnisch produziertem EPO. Vor zwei Jahren gab Ex-Profi Eddy Planckaert (Belgien), unter anderem Sieger von Paris-Roubaix, den regelmäßigen Gebrauch von EPO, das die Leistung um rund
15 Prozent steigern soll, zu: «Das ist ein wahres Wundermittel. Hätte ich es öfter genommen, wäre ich jetzt ein reicher Mann.»
Die neue EPO-Nachweismethode: Dopingexperte de Ceaurriz: Die Wende ist geschafft
Laborchef rechnet mit Anlaufen der ersten EPO-Urintests in zwei Monaten
29.06.00 - «Der kollektive, abgestimmte Gebrauch von EPO dürfte im
Sport der Vergangenheit angehören - auch wenn es wohl weiterhin individuelle Entgleisungen geben wird». Jacques de Ceaurriz (51) ist
sicher, dass der von seinem Labor entwickelte Anti-Doping-Test im Sport eine Zäsur darstellen wird.
Für die am 1. Juli im Freizeitpark Futuroscope (bei Poitiers) startende 87.
Tour de France sieht er die Gefahr einer allgemeinen Anwendung des alsBlutdoping-Mittels Erythropoietin (EPO) jedenfalls gebannt. «Es wird zwar
keine brüske 180-Grad-Kurve, aber doch eine Wende geben», ist der Chef des
nationalen Anti-Doping-Labors in Chateny-Malabry überzeugt.
Hintergrund
Das verkehrsgünstig zwischen den Pariser Flughäfen Orly (zivil) und
Villacoublay (militärisch) im regionalen Sportzentrum angesiedelte Labor hat einen weltweit einmaligen Urintest entwickelt, der der Ethik in der Welt
des Sports wieder auf die Sprünge helfen soll. Es erlaubt vor allem die Unterscheidung zwischen körpereigenem und synthetisch hergestellten
EPO-Hormonen. Bisher war über Blutkontrollen nur ein Annäherungswert gefunden worden.
Die Nachfrage nach den Aufsehen erregenden EPO-Urintests, die de
Ceaurriz' Team in zweijähriger Forschungsarbeit entwickelte, ist so gewaltig, dass das Labor seine Fläche von 750 Quadratmeter demnächst
ebenso wie die Zahl der zurzeit 24 Mitarbeiter aufstocken wird. «Das Problem liegt darin, dass diese Tests nur schwer zu automatisieren sind.
Wir sind gegenüber der Analyse von anfangs 20 Proben pro Woche mittlerweile bei 120 angelangt - zwei Personen sind damit vollauf
beschäftigt», sagte de Ceaurriz, der in zwei bis drei Monaten mit dem Anlaufen der ersten EPO-Urintests von der Tour de France rechnet.
Momentan ist sein Labor eher internationale Ausbildungsstätte: «Wir wollen zunächst Mitarbeiter von zwei bis drei weiteren Laboratorien
ausbilden, die dann wiederum schnellstens die anderen vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) zugelassenen Einrichtungen
anlernen sollen». Sein eigenes Zentrum besitzt diese Zulassung seit Beginn der achtziger Jahre und ist auch für Tests bei internationalen
Sportveranstaltungen in Österreich, Luxemburg und den nordafrikanischen Staaten zuständig. Auf jährlich rund 9 000 Analysen
kommt das zu 75 Prozent vom Staat finanzierte Labor, das de Ceaurriz seit Juli 1989 leitet - den Rest zum Budget von umgerechnet 4,5 Millionen
Mark steuern öffentliche Einrichtungen bei. Den wissenschaftlichen Durchbruch brachte der von seiner Mitarbeiterin
Francoise Lasne entwickelte Nachweis von künstlichem EPO in Urinproben. «Wir waren weltweit die einzigen, die diesen originellen Weg
gewählt hatten, die anderen hatten sich auf Bluttests konzentriert», sagt
der Professor. Betrübt darüber, dass der Test trotz aller Bemühungen nun doch nicht seine Premiere bei der Tour de France haben wird, ist er
nicht: «Nein, das ist normal. Außerdem steht die Wissenschaft der Methode sehr positiv gegenüber. Es ist eher eine Art juristische
Vorsorgemaßnahme: Man will auch vor diesem Hintergrund alles hieb- und stichfest haben.»
Am positiven Ausgang der Entscheidung des IOC Ende Juli zum Einsatz
der EPO-Tests bei den Olympischen Spielen in Sydney hat er daher auch kaum Zweifel. In der Zwischenzeit konzentriert sich de Ceaurriz bereits
auf die Dopingmittel der Zukunft - vor allem genveränderte Produkte, deren Nachweis noch schwieriger werden dürfte. Auch diverse
Blutersatzstoffe hat er im Visier: Neben Hämoglobin-Polymerisaten die so genannten Perfluorcarbon (PFC), die beide in der medizinischen
Notfallversorgung als Plasma-Ersatz verabreicht werden und den Sauerstofftransport im Blut ankurbeln. (dpa)
Neue EPO-Nachweise bei der Tour -- Expertenkommission hat noch Zweifel
22.06.00 - Die Entscheidung über ein neues Testverfahren zum Nachweis von Doping mit dem Hormon Erythropoietin (EPO) ist am Donnerstag vom Radsport-Weltverband UCI verschoben worden. Die von der UCI eingesetzte Expertenkommission hat nach einer ersten Prüfung noch Zweifel an der neuen Analysemethode. Dies teilte die UCI am Abend mit. Drei vom IOC benannte Ärzte - Jordi Segura (Spanien), Peter Hemmerbach (Norwegen) und Björn Ekblom (Schweden) - haben das neue Testverfahren geprüft und sollten es für praktikabel erklären. Zwei dieser Wissenschaftler sind bislang nicht hundertprozentig überzeugt von der Methode und verlangten eine weitergehende Überprüfung "anderer Aspekte", bevor man eine Entscheidung treffen könne.
Hintergrund
In einem offiziellen UCI-Statement hieß es, man werde nun "in den nächsten Tagen die Auswirkungen dieses Expertenurteils prüfen und über das weitere Vorgehen beraten". Ob die verbleibenden neun Tage bis zum Beginn der Tour de France ausreichen, das Verfahren doch noch durchzubringen, ist nun eher zweifelhaft. Tour-Direktor Jean-Marie
Leblanc, der fest mit Einführung der Methode gerechnet hatte, und die französische Gesundheits- und Sport- Ministerin Marie-George
Buffet, die die Entwicklung des neuen Tests forciert hatte, waren perplex. Zwei Stunden vor der offiziellen Bekanntgabe des Aufschubs durch die UCI hatte die Ministerin erklärt, sie rechne mit der Zulassung des neuen Kontroll-Systems «am Abend oder in den nächsten Tagen». Auf jeden Fall sollte die 87. Tour durch das neue Verfahren etwas mehr Transparenz und Glaubhaftigkeit in den Doping-Kampf bringen. Diese Hoffnung scheint nun vorerst zerstört.
Zum ersten Mal bestand die Chance, über Urin- Tests zwischen körpereigenem und synthetisch hergestelltem EPO zu unterscheiden. Bisher war über Blutkontrollen nur ein Annäherungswert gefunden worden, der keinen schlüssigen Doping- Nachweis zuließ. Bei einem Hämatokritwert von über 50 Prozent fester Bestandteile im Blut folgte bisher durch die UCI eine Wettkampfverbot für 14 Tage aus «Gesundheitsschutz».
Ein auffällig hoher Hämatokritwert, wie er beispielsweise im Vorjahr beim Giro d'Italia dem Spitzenreiter Marco Pantani aus Italien zum Verhängnis geworden war, muss nicht zwingend auf die Gabe von EPO zurückzuführen sein. Ein Wasserverlust im Körper oder Training in der Höhe über 3 000 Meter vermehren ebenfalls die roten Blutkörperchen und erhöhen den
Hämatokritwert. Nach eigenen Angaben können die Mediziner in Chatenay-Malabry EPO bis drei Tage nach der Injektion im Urin nachweisen. Pro Woche können maximal 80 Proben analysiert werden. Die Dauer dafür betrage 48 bis 72 Stunden, wie Labor-Chef Jacques de Caurriz mitteilte. Die Testpremiere im Wettkampf sollten am kommenden Sonntag bei den französischen Straßen-Meisterschaften stattfinden. Der 1998 bei der Tour enttarnte Betreuer des
Festina-Teams, Willy Voet (Belgien), hatte in einem Enthüllungsbuch geschrieben, dass sich verschiedene Profis während der Tour ständig EPO gespritzt hätten. Von der Polizei vernommene Spitzenfahrer, unter anderen Ex- Weltmeister Alex Zülle (Schweiz), gaben EPO-Gebrauch zu und bestätigten indirekt Voets Version. Caurriz und sein Team untersuchten 102 eingefrorene Urinproben der Tour'98, davon wiesen 28 erhöhte EPO-Konzentrationen auf. Die 14 höchsten wurden analysiert - alle zeigten das Muster von gentechnisch
Anklage gegen Pantani wegen "Sportbetrug" Pantanis Anwälte geben sich "zuversichtlich"
07.06.00 - Die Anwälte von Marco Pantani, gegen den ein
Verfahren wegen "Sportbetrugs" im Zusammenhang mit einem ins Jahr 1995 zurückreichenden Dopingverdacht läuft, haben sich
"zuversichtlich" gezeigt, dass man in einem Gerichtsverfahren die
"Schwäche der Anklagepunkte" deutlich machen könne.
Nach zahlreichen anderen Doping-Ermittlungen gegen den Italiener in
Turin, Brescia, Trento und Ferrara wurde es für Pantani am Dienstag
zum ersten Mal wirklich ernst. Grund der definitiven ersten Anklage gegen Pantani sind die Vorfälle vom 18. Oktober 1995. Bei einer
Operation in Folge eines schweren Sturzes beim Klassiker Mailand - Turin war bei dem kleinen Kletterspezialisten ein ungewöhnlich hoher
Hämatokrit-Wert (60,1 Prozent) festgestellt worden. Solch hohe Blutwerte gelten als Indiz für Doping mit EPO.
"Wir sind zuversichtlich", sagte Pantani-Anwalt Gaetano Insolera nachdem ein Richter am Dienstag seine Einsprüche gegen die
Klageerhebung letztinstanzlich verwarf. "In dem Gerichtsverfahren, von dem wir hoffen, dass es schnell beginnt, werden wir die
Schwäche der Anklage sowohl auf medizinischer als auch juristischer Ebene beweisen."
Pantanis Verteidigung, die neben Gaetano Insolera auch der Anwalt Bruno Guazzaloca unternimmt, will insbesondere darauf abstellen,
dass eine Gegenanalyse den klinischen Laborergebnisse vom Oktober 1995 widerspricht. "Die Gegenanyalyse zeigt, dass es nie
einen Beweis gab, dass die Abweichungen beim Hämatokritwert auf die Einnahme verbotener Produkte zurückzuführen ist", sagte
Pantani-Anwalt Insolera. Nach italienischem Recht droht bei erwiesenem "Sportbetrug" eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr.
Doping: Das Ende der EPO-Plage? UCI gibt grünes Licht für neue EPO-Nachweismethode
Erstmals ist ein EPO-Nachweis möglich / Start bei der Tour / Breite Zustimmung
25.05.00 - Der Präsident des internationalen Radsportverbands,
Hein Verbruggen, hat am Donnerstagabend bei einer
Pressekonferenz in Genf seine Zustimmung erklärt zur Einführung
eines neuartigen Testverfahrens, mit dem Doping mit dem Hormon Erythropoietin (EPO) zweifelsfrei nachgewiesen werden kann. Das
neue Verfahren soll erstmals bei der Tour de France (ab 1. Juli) Anwendung finden.
UCI-Präsident Verbruggen, sowie Leon Schattenberg, der Vorsitzende der UCI-Anti-Doping-Kommission, und UCI-Justiziar
Philippe Verbiest waren am Donnerstag nachmittag am Flughafen
von Genf zusammengetroffen mit einer hochrangigen französischen Delegation u.a. mit Tour de France-Direktor Jean-Marie
Leblanc, Vertreter des französischen Sportministeriums und Jacques de
Ceaurris, der Chef des Dopinglabors von Chatenay-Malabry, das den neuen EPO-Urintest entwickelt hat.
Die UCI akzeptierte die von den Franzosen vorgeschlagene Einführung der neuen EPO-Tests bei der Tour de France unter
bestimmten Vorbedingungen. "Die Radsportbewegung mit all ihren
Gliederungen akzeptiert die neuen Tests, wenn bis zum 20. Juni die Überprüfung der Methode keine Zweifel ergeben haben", sagte der
UCI-Präsident nach der Konferenz, die nach vier Stunden gegen 18:00 Uhr zu Ende ging.
Eine der UCI-Vorbedingungen ist es, dass das Dopinglabor in
Chatenay-Malabry, das das neue Test-Verfahren entwickelt hat, die Methode in einer wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlicht. "Das
Labor hat uns versichert, dass dies bereits in die Wege geleitet
wurde", sagte Verbruggen.
Weiteres Erfordernis der UCI ist es, dass der neue Urin-EPO-Test in
einem so genannten doppelten Blindtest überprüft wird anhand von 220 Probanten. Die Ergebnisse dieser Überprüfung sollen bis zum
20. Juni vorliegen, hieß es. Dritte Voraussetzung für die Zulassung der neuen tests schon bei der in fünf Wochen beginnenden Tour de
France ist es, dass drei unabhängige Experten, die vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC benannt werden, das
Verfahren begutachten. "Wir sind bereit, bestimmte Risiken in Kauf zu nehmen", sagte UCI-Präsident
Verbruggen. "Aber wenn unsere
drei Bedingungen erfüllt werden, reicht uns das. Der Direktor der Tour de France, Jean-Marie
Leblanc, gratulierte der
UCI zu ihrer Entscheidung. Leblanc hatte zuvor davon gesprochen, dass mit dem neuen Nachweis-Verfahren "90 Prozent der Probleme
im Radsport gelöst" würden. Der Verband der Rennställe Association internationale des groupes cyclistes professionnels
(AIGCP) begrüßte die neuen Dopingtests. "Die AIGCP ist sehr
zufrieden, dass EPO nun nachgewiesen werden kann und hofft, dass das IOC die Methode so bald wie möglich absegnet", hieß es in
einem offiziellen Statement. Von Seiten der AIGCP waren ihr Vorsitzender Manolo Saiz
(ONCE) und Mapei-Teamchef Patrick
Lefevere bei dem Treffen in Genf dabei.
Die neue Urin-Testmethode wurde vom Anti-Doping Labor Chatenay-Malabry bei Paris entwickelt. Neu daran ist nicht die
Tatsache, dass Erythropoetin im Urin nachgewiesen werden kann, -dies kann man schon lange ohne Probleme - , sondern, dass man
natürliches, körpereigenes und künstlich zugegebenes EPO unterscheiden kann. Damit wäre erstmals ein zweifelsfreier Nachweis
für EPO-Doping möglich.
Donnerstag, 24. Februar 2000, 15:36 Uhr
Erneut belasteter Pantani gab auf - Armstrong hinkt hinterher
Valencia (dpa) - Marco Pantani, der von der Staatsanwaltschaft in Trient wieder in Zusammenhang mit Doping belastet wird, brach am
Donnerstag seinen Comeback-Versuch in Spanien vorerst ab. Der Tour- und Giro-Gewinner des Jahres 1998 trat zur 3. Etappe der
Valencia- Rundfahrt, auf der am Donnerstag über 186 km fünf Berge zu erklettern waren, nicht mehr an.«Ich bin müde, aber kein Grund zur Panik. Ich halte mich am Anfang der Saison immer zurück und übertreibe nicht. Am Sonntag beim Rennen
in Almeria trete ich wieder an», erklärte der 30- jährige Italiener. Am Mittwochabend war
Pantani, der erstmals seit seiner Disqualifikation am 5. Juni 1999 als Spitzenreiter des Giro wegen erhöhter Blutwerte
wieder ein Rennen bestritt, von Nachrichten aus der Heimat aufgeschreckt worden. Die Staatsanwaltschaft in Trient hatte ihren
Untersuchungsbericht abgegeben, der Pantani erneut belastet. Zwei medizinische Gutachten der Universitäten in Parma und Genua sind
danach zum übereinstimmenden Ergebnis gekommen, dass Pantanis Blutwerte nicht auf natürliche Umstände zurückzuführen seien; auch Stress sei nicht die Ursache.Die einzige «nicht übernatürliche Erklärung» sei die Einnahme von Medikamenten.Der Glatzkopf, der ab 1. März bei der Murcia-Rundfahrt auch direkt auf Jan Ullrich treffen wird, war mit dem Blutdoping-Mittel Erythropoietin (EPO) in
Verbindung gebracht worden, hatte Doping aber stets vehement bestritten. Beim vergangenen Giro war er mit einem Blutwert weit oberhalb der erlaubten
50-Prozent-Grenze aufgefallen.
Mittwoch, 23. Februar 2000 Pantani schwer belastet
(sid)- Der "Pirat" scheint sich selbst seiner sportlichen Zukunft zu berauben. Kurz nach seinem sportlichen Comeback ist Italiens Radsportstar
Marco Pantani erneut ins Zwielicht des Dopingverdachts geraten. Während die Zeitungen des Landes seine vielversprechende Rückkehr bei
der Valencia-Tour feiern, haben sich laut der Staatsanwaltschaft von Trient die Anzeichen verdichtet, dass der 30-Jährige vor dem
Giro-Ausschluss Anfang Juni 1999 "unerlaubte" Medikamente zu sich genommen hat. Bei seinem ersten Start nach achteinhalb Monaten war
der Italiener in einer Verfolgergruppe gut drei Minuten nach dem Spanier Pascual Llorente ins Ziel gekommen - keine schlechte Leistung auf
der anspruchsvollen Bergetappe. Tour-Sieger Lance Armstrong und Telekom-As Erik Zabel (Unna) folgten erst weitere sechs Minuten
zurück. "Ich bin zufrieden mit mir. Ich fühle mich zwar etwas müde, aber das ist besser als die geistige Leere der letzten Monate", sagte
Pantani. Gleichzeitig aber gab die Staatsanwaltschaft Trient ihren Untersuchungsbericht ab, der den Giro- und Tour-Sieger von 1998 erneut
schwer belastet. Zwei medizinische Gutachten der Universitäten in Parma und Genua sind danach zu übereinstimmenden Ergebnissen
gekommen: "Pantanis erhöhte Blutwerte beim Giro 1999 können nicht auf natürliche Umstände zurückzuführen sein, auch nicht auf Stress",heißt es in den Analysen der Professoren Vittorio Rizzoli (Parma) und Giovanni Menioli (Genua). Die einzige "nicht übernatürliche Erklärung" sei die Einnahme von
Medikamenten.
Ärzte Zeitung, 23.4.1999
Australische
Wissenschaftler: EPO bewirkt "unglaubliche Leistungsschübe"
Neu-Isenburg (Smi). Durch die Gabe von Erythropoietin (EPO) an Sportler
sind "unglaubliche Leistungsschübe" zu erzielen. Das ist ein Ergebnis
jener Tests, die das Nationale Australische Sportinstitut (AIS) derzeit
an 22 Probanden vornimmt. Die Hälfte der 22 Athleten hatte EPO, die
andere Hälfte Placebos erhalten. Bei ersteren waren "erhebliche Leistungsfortschritte
gemessen" worden. Hintergrund der Testreihe ist das Vorhaben, einen standardisierten
Urin- oder Bluttest zu entwickeln, mit dem die Zufuhr von künstlich
hergestelltem EPO zweifelsfrei nachgewiesen werden kann. Das Testprogramm
war von der Ethik-Kommission und der australischen Anti-Doping-Agentur
gebilligt worden. Ziel ist die Einführung eines Tests noch vor Beginn
der Olympischen Spielen 2000 in Sydney.
Montag, 10. Januar 2000 Doping-Vorwürfe gegen dänischen Rad-Profi Rolf Sörensen
Kopenhagen (dpa) - Der dänische Radsport-Profi Rolf Sörensen soll seine größten internationalen Erfolge mit
systematischem Doping erreicht haben. Der Fernsehsender DR 1 strahlte am Sonntagabend ein Dokumentarprogramm aus, wonach Sörensen nach Unterlagen der italienischen
Justizbehörden 1993 als Fahrer der Carrera-Mannschaft mit dem Blutverdünnungs-Mittel
EPO gedopt worden sein soll. Der selbe Sender hatte zuvor bereits international stark beachtete Programme mit Doping-Vorwürfen gegen das Team Deutsche Telekom
sowie den Dänen Bjarne Riis ausgestrahlt, der 1996 die Tour de France als Telekom-Fahrer gewann. Als medizinisch Verantwortlicher für das
Doping mit Sörensen wurde in dem Programm der Italiener Giovanni Grazzi genannt, der Mannschaftsarzt bei
Carrera war. Ebenfalls am Sonntag schlug der Präsident des dänischen Radsport- Verbandes
DCU, Peder Pedersen, eine generelle Amnestie für Radsportler vor, die Doping
zugeben. Ein solches «freies Geleit» für reuige Sportler sei die einzige Möglichkeit, mit dem weit verbreiteten Missbrauch der letzten Jahre aufzuräumen und einen
neuen Start zu ermöglichen. Pedersens Vorschlag wurde von führenden Spitzenfunktionären anderer Verbände abgelehnt.
Das Interesse am Radsport, vor allem durch die Erfolge von Riis seit 1995 enorm angestiegen, hatte bereits im letzten Sommer wegen immer neuer
Doping-Enthüllungen drastisch abgenommen. Dies schlug sich sowohl in den Einschaltquoten bei Übertragungen von der Tour de France und anderen Rennen wie
auch den nur noch sporadischen Reisen von Fans zu Großveranstaltungen nieder.
Mediziner und Sportler: Epo-Doping wurde in Italien vertuscht
Freitag, 31. Dezember 1999
Rom (dpa) - Das Nationale olympische Komitee Italiens (Coni) und seine
Verbände sollen ersten Anzeichen für systematisches Blutdoping
bei italienischen Ausdauersportlern jahrelang nicht ernsthaft nachgegangen
sein.
Diesen Vorwurf erhob am Freitag der ehemalige Arzt der U 23-Rad-Nationalmannschaft,
Prof. Luigi Pressi, in der «La Gazzetta dello Sport». Der ehemalige Ski-Langläufer Silvano Barco warf dem italienischen
Radsportverband in der «La Repubblica» vor, Athleten Mitte
der 90er Jahre zu Blutdoping mit Erythropoietin (EPO) gedrängt zu haben. «Wer
es nicht benutzte, flog raus. Ich bin aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen worden, weil ich mich gewissen Behandlungen nicht unterzogen
habe», sagte Barco. Wären die zuständigen Stellen in Rom den Hinweisen auf Blutdoping
sofort nachgegangen, wäre der größte Doping-Skandal in
der Geschichte des italienischen Sports bereits vor Jahren aufgeflogen. 1996 unterrichtete
der Sportmediziner Prof. Luigi Pressi nach eigenen Angaben die Antidoping-Kommission des Coni über verdächtig schwankende
Blutwerte bei einigen Radrennfahrern der U 23- Nationalmannschaft. «Ich lieferte Namen und Blutwerte, aber es geschah nichts», sagte
Pressi. Anstatt den besorgten Hinweisen des Mediziners nachzugehen, habe der Radsportverband vielmehr unmittelbar nach seiner Aussage die Zusammenarbeit
mit ihm beendet, erklärte Pressi. Radfahrer, Ski-Langläufer und andere Ausdauersportler sollen jahrelang
in Italien systematisch mit Epo gedopt worden sein. Das vom Coni finanzierte Sportinstitut von Prof. Conconi in Ferrara gilt dabei als
das Zentrum des Blutdopings in Italien. Gegen Conconi wird ermittelt, dessen Schüler Michele Ferrari wurde in Bologna am Dienstag wegen
Dopings angeklagt. Bei Hausdurchsuchungen bei den beiden Medizinern fielen den Staatsanwälten Listen in die Hände, die über
mehrere Jahre hinweg verdächtig schwankende Blutwerte von dutzenden
von Weltklasse-Athleten zeigen. Experten führen vor allem die jeweils
während der Wettkampfphasen deutlich ansteigenden Hämatokritwerte
der Athleten auf Epo-Doping zurück.Zu den unter Dopingverdacht geratenen
gehören auch die erst kürzlich ins Internationale Olympische
Komitee (IOC) gewählte ehemalige Ski-Langläuferin Manuela Di Centa
und Radstars wie der Giro d«Italia und Tour-de-France-Sieger von
1998,
Marco Pantani, die Giro- Sieger Pawel Tonkow (Russland) und Ivan Gotti,Stundenweltrekordler
Tony Rominger (Schweiz) und die Zeitfahr-Weltmeister Abraham Olano (Spanien) und Laurent
Jalabert.
In Italien Doping-Verdacht durch CONI vertuscht Freitag,
31. Dezember 1999
Rom - In Italiens Presse werden verstärkt Anklagen gegen das Nationale
olympische Komitee Italien (CONI) und seine Verbände erhoben, weil den Anzeichen für systematisches Blutdoping bei Ausdauersportlern
nicht ernsthaft nachgegeangen worden ist. So hat der ehemalige Arzt der
U 23-Rad-Nationalmannschaft, Prof. Luigi Pressi, in "Gazetta dello Sport"
erklärt, dass er schon 1996 die Anti-Doping-Kommission des CONI über verdächtig schwankende Blutwerte bei einigen Radrennfahrern der
U 23-Nationalmannschaft unterrichtet hätte. Pressi übermittelte
alle Details, ohne das daraufhin Überprüfungen erfolgten. Die einzige Reaktion
war, die Zusammenarbeit mit ihm wurde beendet. Radfahrer, Ski-Langläufer und andere Ausdauersportler sollen jahrelang in Italien systematisch
mit Epo gedopt worden sein. Das vom Coni finanzierte Sportinstitut von
Prof. Conconi in Ferrara gilt dabei als das Zentrum des Blutdopings in Italien.
Gegen Conconi wird ermittelt, dessen Schüler Michele Ferrari wurde
in Bologna in dieser Woche wegen Dopings angeklagt. Bei Hausdurchsuchungen
bei den beiden Medizinern fielen den Staatsanwälten Listen in die Hände, die über mehrere Jahre hinweg verdächtig schwankende
Blutwerte von dutzenden von Weltklasse-Athleten zeigen. Experten führen
vor allem die jeweils während der Wettkampfphasen deutlich ansteigenden
Hämatokritwerte der Athleten auf Epo-Doping zurück. Zahlreiche prominente Namen gehören zu den unter Doping-Verdacht stehenden
Athleten. Tour-de-France-Sieger 1998 Marco Pantani (Foto), Giro- Sieger Pawel Tonkow (Russland), Stundenweltrekordler Tony Rominger (Schweiz),
die Zeitfahr-Weltmeister Abraham Olano (Spanien) und Laurent Jalabert (Frankreich) sowie die erst kürzlich in Internationale
Olympische Komitee (IOC) gewählte ehemalige italienische Ski- Langläuferin
Manuela Di Centa.
EPO-Skandal in Italien
Mittwoch, 29. Dezember 1999
Neue «Doping-Liste» mit Tonkow und Gotti
Bologna (dpa) - Italiens Staatsanwälte ziehen die Schlinge im
größten Doping-Skandal des Landes immer enger zu. Die Staatsanwaltschaft
in Bologna erhob am Dienstagabend Anklage gegen den Sportmediziner Michele
Ferrari. Der Schüler und frühere Mitarbeiter von Prof. Francesco
Conconi soll vor allem Rad-Profis mit Erythropoietin (EPO) gedopt haben.
Die «La Gazzetta dello Sport» veröffentlichte am Mittwoch
eine Liste mit neun von Ferrari betreuten Rad-Profis, deren Hämatokritwerte
regelmäßig vor den Rennen unnatürlich hoch angestiegen
seien, was als deutliches Indiz für Blutdoping gelte. Ähnlich
verdächtig schwankende Blutwerte waren bereits von Italiens Radsport-Idol
und Tour-de-France-Sieger Marco Pantani veröffentlicht worden. Auf
der neuen Liste stehen Weltklassefahrer wie die Giro d«Italia-Sieger
Pawel Tonkow (Russland) und Ivan Gotti, Stundenweltrekordler Tony Rominger
(Schweiz), die Zeitfahr- Weltmeister Abraham Olano (Spanien) und Laurent
Jalabert (Frankreich), Berg-Spezialist Fernando Escartin (Spanien), Gianlucca
Bortolami und Girogio Furlan sowie die nicht von Ferrari betreuten Cross-Weltmeister
Daniele Pontoni und Davide Bramati.Die mutmaßliche Doping-Liste,
die Staatsanwalt Pierguido Soprani in den Büros von Ferrari beschlagnahmt
hatte, liegt bereits der Anti- Doping-Kommission des Nationalen Olympischen
Komitee Italiens (Coni) in Rom vor. Deren Vorsitzender, Giacomo Aiello,
kündigte Ermittlungen gegen die Profis an. Die in der Liste verzeichneten
Hämatokritwerte der Profis steigen in Wettkampfphasen um bis zu 16,5
Prozent wie im Fall Tony Romminger an. «Solche Schwankungen sind
nur auf die Einnahme von verschiedenen Substanzen zurückzuführen»,
erklärte Prof. Plebani von der Universität Padua. Bei Pawel Tonkow
wurde während seines Giro-Triumphs 1996 ein Hämatokritwert von
51,5 Prozent gemessen. Drei Monate später lag er nur noch bei 40,9
Prozent. Der Giro-Sieger von 1999, Ivan Gotti, hatte im Jauar 1997 einen
Hämatokritwert von 35,2 Prozent. Im Juni 1998 lag er bei 50,7.Einige
Profis, deren geheime Blutanalysen bei Ferrari beschlagnahmt wurden, tauchen
auch auf der so genannten Epo-Doping- Liste von Prof. Conconi auf, gegen
den die Staatsanwaltschaft in Ferrara wegen jahrelangen systematischen
Blutdopings mit Epo ermittelt. Die in Ferrara beschlagnahmten Blutanalysen
belasten neben anderen auch die erst kürzlich ins Internationale Olympische
Komitee (IOC) gewählte ehemalige Skilangläuferin Manuela Di Centa,
die Skilangläufer Silvio Fauner und Maurilio De Zolt sowie die früheren
Rad-Profis Claudio Chiappucci und Gianni Bugno sowie auch Marco Pantani.
Die Hämatokritwerte des Giro- und Tour-Siegers von 1998 seien zwischen
1993 und 1995 jeweils in den Wettkampfphasen um bis zu 41 Prozent angestiegen.
Bis auf den Rad-Profi Gianluigi Barsotelli, der Epo-Doping zugab, bestritten
bislang alle unter Verdacht geratenen Sportler, je Epo genommen zu haben.
Di Centa versuchte die Schwankungen ihres Hämatokritwerts mit einer
Schilddrüsenerkrankung zu erklären. Auch Conconi wies die Anschuldigungen
zurück. Er wolle die Vorwürfe vor Gericht entkräften. «Ich
setze auf die Richter», sagte der jahrelang vom Coni finanzierte
Sportmediziner der «La Gazzetta dello Sport», die Conconis
Institut als das «Epizentrum des nationalen Dopings» bezeichnet
hatte. Auf Grund der engen Verbindung von Conconi zum Coni hatte die «La
Repubblica» gar von «Staatsdoping» gesprochen.Italiens
Sportministerin Giovanna Melandri forderte Coni auf, den Doping-Skandal
schonungslos aufzuklären. «Auch auf die Gefahr hin, dass unser
Medaillenspiegel dann weniger reichhaltig, dafür aber ehrlicher ist»,
sagte die Ministerin in Rom. Coni-Präsident Gianni Petrucci versicherte,
«Coni werde im Interesse aller absolute Klarheit schaffen.»
Unterdessen kündigten Parlamentarier in Rom an, dass das italienische
Doping-Gesetz bis Februar verabschiedet werde.
Mittwoch, 29. Dezember 1999
(sid)- Die Schlagzeilen um Doping im Radsport reißen nicht ab.
In Italien ist am Mittwoch ein weiterer prominenter Sportarzt und damit
auch der deutsche Radprofi Andreas Kappes aus Köln in den Sog des
Dopingskandals geraten. Die Staatsanwaltschaft der norditalienischen Stadt
Ferrara hat die Eröffnung eines Strafverfahrens gegen den Mediziner
Michele Ferrari beantragt. Ferrari gilt als Vertrauensmann von Professor
Francesco Conconi, der mehreren italienischen Hochleistungssportlern zwischen
1992 und 1995 das Blutdoping-Mittel Erythropoietin (EPO) verabreicht haben
soll.Ferrari soll laut den Staatsanwälten bekannten Radprofis wie
Abraham Olano, Fernando Escartin, Andreas Kappes sowie den Ex-Profis Claudio
Chiappucci und Tony Rominger EPO verschrieben haben. Ferrari und Conconi
erklärten sich aber zuversichtlich, dass ihre Unschuld bewiesen werde.
"Prozesse finden in den Gerichtssälen und nicht in Zeitungsredaktionen
statt", betonte Conconi nach Angaben des Mailänder Sporttageszeitung "Gazzetta dello Sport". Von Conconi wurden Radstar Marco Pantani sowie
die Ski-Langläuferin Manuela Di Centa behandelt.Italiens Ski- und
Radprofis wiesen am Dienstag engagiert den Vorwurf zurück, von Francesco
Conconi mit dem Blutdoping-Mittel Erythopoietin (EPO) behandelt worden
zu sein. Auf der Liste der Staatsanwälte von Ferrara, die gegen Dutzende
von Athleten die Ermittlungen aufgenommen haben, die von Conconi zwischen
1993 und 1995 behandelt worden sind, steht neben Kappes auch Pantani.
30. Dezember 1999
Coni will Doping-Sumpf trockenlegen
Rom (dpa) - Das Nationale Olympische Komitee Italiens (Coni) geht bei
der Aufklärung des größten Doping-Skandals in der Geschichte
des Landes in die Offensive. «Wir werden nicht aufhören, bis
wir alles bis auf den Grund aufgeklärt haben», versprach Coni-Präsident
Gianni Petrucci in Rom. Der Chef der Antidoping-Kommission des Coni, Giacomo
Aiello, kündigte die ersten Vorladungen der unter Dopingverdacht stehenden
Sportler, Mediziner und Sportfunktionäre für Anfang Januar an.
Unterdessen gab der bislang einzig geständige Doping-Sünder,
der ehemalige Radprofi Gianluigi Barsotelli, gegenüber dem Bologneser
Staatsanwalt Pierguido Soprani am Mittwoch zu, «sich selbst mit EPO
gedopt zu haben, während er von Prof. Conconis Sportinstitut in Ferrara
betreut wurde».Den Dopingfahndern in Rom liegen mittlerweile die
brisanten Ermittlungsergebnisse verschiedener Staatsanwaltschaften Italiens
vor. Demnach sollen in den 90er Jahren in Italien Ausdauersportler wie
die erst kürlich ins Internationale Olympische Komitee (IOC) gewählte
ehemalige Ski-Langläuferin Manuela Di Centa und Radstars wie der Giro
d«Italia und Tour-de-France-Sieger von 1998 Marco Pantani, die Giro-Sieger
Pawel Tonkow (Russland) und Ivan Gotti, Stundenweltrekordler Tony Rominger
(Schweiz) und die Zeitfahr- Weltmeister Abraham Olano (Spanien) und Laurent
Jalabert systematisch mit Erythropoietin (EPO) gedopt worden sein. Sie
alle müssen mit einer Vorladung der Antidoping-Kommission des Coni
rechnen.
Den Anfang machen die Doping-Fahnder in Rom am 7. Januar mit den Teamchefs
und Ärzten der italienischen Rad-Rennställe «Veneta Trevigiani»,
«Futura Team» und «Vellutex Vigorplant». Ab 15.
Januar werden nach Angaben der «La Gazzetta dello Sport» vom
Donnerstag mindestens fünfzehn Weltklasse-Radprofis vorgeladen, die
in Ferrara und Bologna von Prof. Francesco Conconi und seinem Schüler
Michele Ferrari betreut wurden.
Das jahrelang vom Coni finanzierte Sportinstitut von Conconi gilt als
das «Epizentrum» des Blutdopings in Italien. Gegen Conconi
wird ermittelt, Ferrari wurde in Bologna am Dienstag wegen Dopings angeklagt.
Bei Hausdurchsuchungen bei den beiden Medizinern fielen den Staatsanwälten
Listen in die Hände, die über mehrere Jahre hinweg verdächtig
schwankende Blutwerte von Dutzenden von Weltklasseathleten zeigen. Experten
führen vor allem die jeweils während der Wettkampfphasen deutlich
ansteigenden Hämatokritwerte der Athleten auf Epo-Doping zurück.
Parallel zu den Ermittlungen des Coni in Rom gehen die Nachforschungen
der Staatsanwälte weiter. In Bologna erwartet man, dass das IOC-Mitglied
Manuela Di Centa erneut angehört werden wird. Die Ski-Langläuferin
hatte ihre unnatürlich hohen Hämatokritwerte mit einer Schilddrüsenerkrankung
erklärt und wie fast alle anderen unter Verdacht geratenen Sportler
bislang alle Doping-Anschuldigungen zurückgewiesen.
Erythropoetindoping ist nicht nachzuweisen Ärztezeitung
5.10.1999
Auch in den nächsten Jahren wird es nicht gelingen,
ein Doping mit EPO nachzuweisen. Die bisher verwandten Techniken können
nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit darauf hindeuten , dass Sportler
die Bildung roter Blutkörperchen mit rekombinanten EPO verbotener
Weise stimuliert haben. Allerdings gibt es inzwischen Erkenntnisse ,dass
Doping mit EPO offenbar nur selten einen zusätzlichen Leistungsfördernden
Effekt bei trainierten Sportlern hat. Es gibt derzeit keine
praktikable Methode , um Blutdoping mit EPO bei Sportlern nachzuweisen,
wie Professor Klaus Müller vom Institut für Dopinganalytik
in Kreischa beim 36. Deutschen Kongreß für Sportmedizin und
Prävention in Freiburg gesagt hat. Indirekte Methoden wie Hämatokrit,
des Gesamthämoglobins oder Erythrozytenmange reichten nicht aus für
einen Nachweis. Die Wirkung von EPO auf die Leistungsfähigkeit werde
von Sportlern jedoch hysterisch überbewertet.Es ist zwar klar belegt,
dass bei Sportlern mit zunehmender Hämoglobin und Erythrozytenkonzentration
im Blut auch die max. mögliche Sauerstoffaufnahme und damit die Leistungsfähigkeit
steigt.Nach Angaben von Dr. Huonker von der Abteilung für Sportmedizin
der medizinischen Universitätsklinik in Freiburg gibt es jedoch offenbar
einen oberen Grenzwert, der bei etwa 16 Gramm Hb pro Deziliter Blut liegt.Ab
diesem Limit bringe eine weitere Erhöhung der Hämoglobinkonzentration
keine weitere Leitungssteigerung mehr.. Huonker begründet dies mit
Befunden bei Spitzensportlern. Obwohl bei solche Athlethen in Untersuchungen
Hb-Werte in einer Streubreite von 15-18 g/dl gefunden würden,sei die
max. Sauerstoffaufnahme beiihnen Ähnlich.Ob EPO bei den meisten Sportlern
zu einer Leistungsteigerung führt ist daher fraglich,schloß
Professor Keul aus Freiburg aus den Befunden.
Ärzte Zeitung, 17.6.1999
Kölner Biochemiker
"Auf absehbare Zeit kein Nachweis von EPO möglich"
Neu-Isenburg (Smi). Von einem direkten Nachweisverfahren für Erythropoetin
(EPO) ist die Wissenschaft noch sehr weit entfernt. Diese Auffassung hat
Professor Wilhelm Schänzer, Leiter des Instituts für Biochemie
an der Deutschen Sporthochschule in Köln, in einem Gespräch mit
der "Ärzte Zeitung" vertreten.Er antwortete damit auf eine Ankündigung
des französischen Mediziners Professor Gerard Dime, Leiter des Instituts
für Biotechnologie in Troyes. Dieser hatte auf einem Kongreß
in Barcelona erklärt, die Einführung von EPO-Tests sei bereits
zur Tour de France (Beginn: 3. Juli) möglich. Der potentielle Test
basiere auf der Tatsache, daß sich die Molekularstruktur von körpereigenem
und infundiertem Erythropoetin deutlich unterscheide.Dem widerspricht Schänzer.
"So deutlich sind diese Unterschiede nicht. Es gibt Unterschiede quantitativer
Art in den Zuckerketten. Aber das ist an großen Mengen EPO dokumentiert
worden, und zwar bei Kranken, die sehr viel EPO produzieren." Auch die verschiedenen rekombinanten EPO-Formen unterschieden
sich voneinander, so Schänzer. Die qualitativen Unterschiede zwischen
körpereigenem und zugeführtem EPO seien so gering, daß
sie mit der zur Verfügung stehenden Analytik nicht erfaßt werden
könnten. "Kurz: Wir kennen derzeit keine Methodik, die diese Unterschiede
eindeutig herausarbeiten kann." Zukünftig werde dies sogar noch weiter
erschwert, da für die Produktion von rekombinantem EPO bald auch menschliche
Zellen verwendet würden.
Ärzte Zeitung, 17.5.1999 Radsport-Masseur
bezichtigt auch Bjarne Riis der EPO-Einnahme
Neu-Isenburg (Smi). Der französische Radprofi Richard Virenque
gerät immer mehr unter Druck. Willy Voet, ehemaliger Masseur des
Festina-Teams,
hat den 29jährigen Virenque jetzt erneut der bewußten Doping-Einnahme
beschuldigt. In dem Vorabdruck eines so titulierten Enthüllungsbuchs
von Voet, das am 18. Mai erscheinen soll, wird außer Virenque auch
der Däne Bjarne Riis vom Team Deutsche Telekom des Dopings bezichtigt.In
dem von Voet gelenkten Festina- Mannschaftswagen waren im vergangenen Jahr
jene Dopingpräparate gefunden worden, die den Skandal rund um die
Tour de France ins Rollen gebracht haben. Virenque hat stets bestritten,
sich der unerlaubten Leistungsmanipulation schuldig gemacht zu haben. Bei
dieser Aussage sei er auch bei seiner Vernehmung durch die Pariser Polizei
geblieben. Voet behauptet in seinem Buch jedoch, Virenque sei bereits 1993
mit Doping in Berührung gekommen.Weiter heißt es in dem Buch,
Bjarne Riis, 1996 Gewinner der Tour de France, werde von den übrigen
Fahrern "Monsieur 60 Prozent" genannt. Dies sei als eine Anspielung auf
den über 50 Prozent, auf eine Einnahme des Dopingpräparats
Erythropoietin (EPO) hinweist.
Ärzte Zeitung, 10.5.1999 Blutdoping
/ Kontrollen-EPO - dreißig Radprofis überführt
Neu-Isenburg (Smi). Seit Einführung der Blutkontrollen durch den
Internationalen Radsport-Verband UCI am 1. Januar 1997 sind 30 Profis der
Einnahme des Hormons Erythropoietin (EPO) überführt worden. Insgesamt
wurden 2147 Sportler untersucht, teilte der Verband mit. Australische Forscher
arbeiten derzeit an einer eindeutigen Nachweismethode für das Blutdoping.
Bislang gibt es nur den indirekten Nachweis: Wenn der Hämatokrit-Wert
über 50 Prozent und der Hämoglobinwert über 11,5 Millimol
pro Liter Blut liegt, gilt ein Athlet als Blutdoping-verdächtig. Inzwischen
hat der ehemalige Radprofi Francesco Moser zu einem Boykott der diesjährigen
Tour de France (3. bis 25. Juli) aufgerufen. "Es muß endlich entschieden
werden, was wichtiger ist, der Sport oder die Justiz", sagte der Italiener nach seiner Anhörung durch die Anti-Doping-Kommission
des italienischen NOK. Moser, der in einem Interview mit der Sportzeitung "L‘Equipe" zugegeben hatte, während seiner Karriere EPO genommen zu
haben, hatte sich der Kommission freiwillig als Zeuge zur Verfügung
gestellt. Moser forderte für den Kampf gegen Doping die Einigkeit
aller Verbände.
"Pro
Blutkontrollen" - Langläufer starten Initiative gegen EPOVon
Pete Smith 8.7.99
Derzeit vergeht kein Tag ohne neue Spekulationen oder
Verdächtigungen rund um das Lipoprotein Erythropoetin, besser bekannt
als EPO. Drei Verbände (Radsport, Skilanglauf, Biathlon) haben auf
die anhaltende Diskussion reagiert und Blutkontrollen eingeführt.
Die Tests, ausdrücklich als Präventivmaßnahmen bezeichnet,
sollen den Sportler schützen, zum direkten EPO-Nachweis taugen sie
bekanntlich nicht. Wohl aber ließen sich mit Hilfe regelmäßiger
Blutkontrollen Hormonprofile erstellen, auffällige Abweichungen von
diesen Durchschnittswerten könnten dann als indirekter EPO-Nachweis
gelten. Regelmäßige Blutkontrollen setzen jedoch die Zustimmung
der Betroffenen voraus - und an dieser mangelt es bislang.Eine entsprechende
Initiative kommt derzeit von ungewohnter Seite. Es sind nicht die oft gescholtenen
Radprofis, sondern deutsche Langstreckenläufer, die per Internet zu
einem aktiven Kampf gegen EPO aufrufen. "Pro Blutkontrollen" nennen Martin
Block, deutscher Vizemeister über 10 000 Meter, André Green,
Deutscher Meister über 3000-Meter-Hindernis, sowie dessen Kollege
Mark Ostendarp ihre im Dezember vergangenen Jahres gestartete Initiative.
Auf ihrer Homepage (http://members.xoom.com/problut) fordern sie ihre Langlaufkollegen
auf, ihrem Beispiel zu folgen und sich für freiwillige Blutkontrollen
zur Verfügung zu stellen.
Datei warnt vor Gefahren des EPO-Konsums
Es ist das erste Mal, daß Kaderathleten eine solch
breit angelegte Initiative gestartet haben. Block verfolgt dabei auch ein
kurzfristiges Ziel. Unmittelbar nämlich will er seine Sportlerkollegen
aufklären, weshalb er unter anderem eine umfangreiche Datei über
Erythropoetin ins Internet gestellt hat, in der er besonders auch auf die
Gefahren durch EPO-Konsum eingeht.Der 26jährige Student der Sportwissenschaft
betrachtet seine Aktion als überfällig. "Wir sind doch alle verdächtig",
stellt er im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" fest. "Da sollten
wir doch auch alle dafür sorgen, daß die, die panschen, erwischt
werden, und die, die es nicht tun, als sauber zu gelten haben."Bereits
im vergangenen Jahr hatte der DLV ein Rundschreiben verschickt, worin er
seine Kaderathleten um das Einverständnis für Blutkontrollen
bat. Von 122 Athleten hatten 104 reagiert. 101 haben sich mit Blutkontrollen
einverstanden erklärt. Doch seither sei nichts passiert, so Block:
"Manchmal hat man schon den Eindruck, als ob der DLV das Thema am liebsten
unter den Teppich kehren würde."Eine Unterschriftenaktion von Aktivenseite,
da ist sich Block sicher, erhöht die öffentliche Glaubwürdigkeit,
daß die Athleten den Kampf gegen Doping wirklich ernst nehmen. Unglücklich
ist der Kölner Student jedoch über die derzeitige Resonanz seiner
Internet-Aktion. Bislang nämlich haben erst 53 Athleten den Aufruf
unterschrieben, darunter einige Breitensportler. Nur wenige Prominente
unterstützen Blocks Initiative. Dieter Baumann el (Deutscher Meister
über 1500 Meter) gehören dazu.Nicht reagiert haben bislang die
Marathon-Läuferinnen Katrin Dörre-Heinig und Uta Pippig sowie
der 800-Meter-Europameister Nils Schumann oder sein Konkurrent Nico Motchebon.Auch
der Europameisterschafts-Dritte über 10 000 Meter, Stephane Franke,
sowie der Europameister über 3000-Meter-Hindernis, Damian Kallabis,
ignorieren die Aktion. Beide hatten während der EM in Budapest im
vergangenen Jahr eine Infusion mit dem Blutplasmaexpander HES erhalten.
Das verschreibungspflichtige Medikament verhindert die Verklumpung des
Blutes, die bei auch EPO-Konsum auftreten kann. Da HES nicht auf der Dopingliste
stand, konnten Franke und Kallabis nicht belangt werden. Der Fall hat jedoch
das Thema EPO in der Leichtathletik erstmals öffentlich gemacht.Block
will auf jeden Fall weiterkämpfen. "Ich glaube, wir können nur
über Druck etwas bewegen", sagt der 26jährige. Sein Credo hat
er von DLV-Arzt Dr. Karlheinz Graff übernommen, der den Fall Franke/Callabis
seinerzeit publik gemacht hatte: "Wenn gedopte Athleten weit über
die Grenzen des Erlaubten hinaus handeln, dann muß man bei der Bekämpfung
des Dopings bis an die Grenze des Erlaubten gehen, sonst ist man chancenlos.
UCI beschließt Bluttests
Der Radsport-Weltverband UCI hat die Einführung von Bluttests
beschlossen, um intensiver gegen das Doping-Mittel EPO (Erythropoetin) vorgehen zu können. Die Fahrer, die bei den Kontrollen auffallen,
werden zunächst nicht bestraft, sind aber bis zu einem erneuten Test
von den Rennen ausgeschlossen. Der Fahrer wird in dieser Zeit als nicht
rennbereit eingestuft.Die Anti-Doping-Kommission des UCI hat in langen
Sitzungen sich auf die genauen Bestimmungen für die Bluttests geeinigt
und legte einen Grenzwert für dieDickflüssigkeit des Blutes (Hämatokrit-Wert)
auf 50 fest. Das Überschreiten dieses Wertes führt zu entsprechenden
Maßnahmen. Die Tests sollen zum ersten Mal bei Paris-Nizza durchgeführt.
Bei den dreiwöchigen Rundfahrten sind Kontrollen vor dem Start, zur
Hälfte sowie am Schluß geplant.Die Einführung der Bluttests
war von den Fahrern gefordert worden, weil EPO (das zur Vermehrung der
roten Blutkörperchen dient und somit die Sauerstoffaufnahmekapazität
vergößert) immer häufiger im Radsport angewendet wird und
es sich nicht im Urin nachweisen läßt. Zusätzlich soll
das Hormon zum Tode von einigen Fahrern geführt haben.Im Team Telekom
erklärte man sich mit dem Entschluß der UCI einverstanden. "Wenn
das stimmt, was man aus Italien hört, dann ist die Einführung
der Bluttests notwendig, um wieder eine gleiche Ausgangsbasis für
alle zu schaffen", erklärte der Tour-de-France-Zweite Jan Ullrich.
Umstritten ist aber noch der Hämatokrit-Grenzwert von 50. Der
deutsche Meister Christian Henn hält den Grenzwert, wie die meisten
Fahrer, zu niedrig: "Allein ein Höhentrainingslager oder ein Flüssigkeitsverlußt
lassen diesen Wert schnell auf 50 steigen. Dann darf man nicht starten
und das kommt einer Bestrafung gleich, auch wenn man nichts genommen hat."
BDR-Präsident Werner Göhner, Mitglied der Anti-Doping-Kommission
der UCI, sieht das anders: "Mancher plädiert sogar für einen
Wert um 45, aber Tatsache ist, daß ab einem Hämatokrit-Wert
von über 50 die Gesundheit des Sportlers gefährdet ist, und wir
wollen unsere Fahrer schützen."
Dennnoch räumt Werner Göhner ein, daß der Grenzwert
nur eine Übergangslösung sein kann, weil ein Überschreiten
des Wertes allein kein Beweis für Doping sein kann. Erst wenn Tests
das synthetische EPO vom natürlichen unterscheiden können, ist
ein Nachweis tatsächlich möglich. "Diese Tests gibt es derzeit
noch nicht, doch wir wollten in unserem Kampf gegen EPO einen ersten Schritt
machen", erklärte Göhner.
Tour de France ----- Leblanc: "EPO ist
praktisch verschwunden"
25.07.99 - Tour de France-Direktor Jean-Marie Leblanc glaubt,der Radsport
hat seine dunkelsten Tage überwunden und ist nachden Dopingskandalen,
die die Tour im letzten Jahr an den Rande des Abbruchs brachten, auf dem
Weg zu einer besseren undsaubereren Zukunft. Die Frankreich-Rundfahrt 1999
war eine"Übergangs-Tour" auf dem Weg dahin, so Leblanc am Sonntag
in einem Interview mit der spanischen Tageszeitung El Pais "Ich glaube,
wir haben eine Tour des Übergangs erlebt, aber der Übergang zu
etwas Positivem. Nach dem, was ich in den Zeitungen las und nach Gesprächen
mit Fahrern und derenSportdirektoren, bin ich zu der Überzeugung gekommen,
daß wirauf dem richtigen Weg sind", so Leblanc. Er sei beeindruckt
von dem Fortschritt, der im Kampf gegenDoping in den letzten zwölf
Montaten gemacht wurde. "EPO istpraktisch verschwunden", so Leblanc, der
bei der Tour in diesemJahr "eine andere Mentalität bei den Sportdirektoren
undTeamärzten sowie den Fahrern" festgestellt hat. Die künstliche
Zugabe von EPO, Erythropoetin, einem Hormon,das die Produktion der sauerstofftragenden
roten Blutkörperchenanregt, war in den vergangenen Jahren zu dem weitverbreitestenDopingprodukt
geworden. EPO ist immer noch nicht nachweisbar. Im Radsport behilft man
sich mit dem Messen desHämatokritwertes, dessen Höhe ein Indiz
für EPO-Doping ist. Beider Tour de France 1999 war in zahlreichen
Tests kein einzigerFahrer mit einem verdächtig hohen Hämatokritwert
aufgefallen.Im Rückblick auf die von polizeilichen Durchsuchungen
undVerhaftungen überschattete Tour im letzten Jahr sprach Leblancvon
einem "höchst angespannten psychologischem Klima", fürdas aber
nicht er verantwortlich war. "Leute wie Manolo Saiz (der ONCE-Sportdirektor,
der aus Protest sein Team damals zurückzog und später Leblanc
aufübelste beleidigte, die Red.) dachten , der Direktor der Tour deFrance
kann die Polizei einfach stoppen - aber ich konnte garnichts tun."
Künstliches Blut bald marktreif
Erstmals hat eine Firma künstliche Sauerstoffträger unter "echten" Produktionsbedingungen hergestellt. Bald soll das synthetische Blut marktreif werden, verkündet die SanguiBioTech AG Witten. Das auf Schweine-Hämoglobin basierende Produkt wurde bereits im Juni 2000 beim Deutschen Patentamt München zum Patent eingereicht. "Wir haben alle Zwischenschritte auf dem Weg zur Herstellung der künstlichen Sauerstoffträger zu einer Produktionskette erbracht", so Bernd Fiedler, Leiter der Entwicklungsabteilung des Unternehmens. In einer nächsten Stufe soll die Herstellung größerer Mengen vorbereitet werden. Fiedler bezeichnet die erfolgreiche Pilotproduktion als Meilenstein für eine industrielle Herstellung von künstlichem Blut. Bei Tierversuchen haben sich die künstlichen Sauerstoffträger bereits bewährt. Die Einsatzmöglichkeiten des neuen Produkts sind vielfältig, beispielweise in der Notfallmedizin. Das künstliche Blut ist in großen Mengen verfügbar, ermöglicht also Unabhängigkeit von Spenderblut. Auch bei chronischem Sauerstoffmangel von Geweben, wie nach akuten Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einem Schlaganfall könnte das künstliche Blut eingesetzt werden.
In der Krebstherapie ist ein Einsatz als Blut-Additiv (Blutzusatz) denkbar. Durch verbesserte Sauerstoff-Versorgung von Tumoren wird die Wirksamkeit der Strahlen- und Chemotherapie erhöht. Im kosmetischen Bereich sind Anwendungen in Form von Gelen und Emulsionen zur Regeneration der Haut denkbar.
Das Marktpotenzial für den künstlichen Sauerstoffträger ist nach. Angaben des Unternehmens, ein Tochterunternehmen der Sangui BioTech Inc. Santa Ana in Kalifornien, riesig. Allein in den USA wird das Potenzial auf jährlich 1,5 Milliarden Dollar geschätzt.
http://www.wissenschaft.de Jutta Perkert 09.03.2001
Ausblick-bald im Doping?? EPO und kein Ende? -
Erythropoese stimulierende Protein
(Novel Erythropoiesis Stimulating Protein: NESP)
Derzeit wird ein neuartiges, hyperglykosyliertes und in dieser Form natürlicherweise nicht vorkommendes modifiziertes Molekül des rHuEPO entwickelt.
Dieses noch nicht zugelassene, die Erythropoese stimulierende Protein (Novel Erythropoiesis Stimulating Protein: NESP) regt spezifisch die Bildung und
Reifung der Erythrozyten an. Im Vergleich zum normalen Erythropoetin sind seine Halbwertszeit um das Dreifache und seine Clearance-Rate deutlich
verlängert. NESP wird z. Zt. in mehreren klinischen Studien bei Dialyse- und Tumorpatienten untersucht. Sein therapeutischer Einsatz könnte sich für den
Patienten erheblich effektiver und einfacher gestalten, weil es infolge seiner Langzeitwirkung wesentlich weniger häufig appliziert werden muss.
Aus Erythropoetin in der Onkologie : Dr. med. Hermann Dietzfelbinger, Dr. med. Fuat S. Oduncu
M.A.phil. Medizinische Ringvorlesung bei GSK-MED 2001
Wie Mäuse mit
einem Hämatokrit von 80% leben
Gassmann M
Physiologisches Institut der
Universität Zürich
Zur Untersuchung der Wirkung eines
erhöhten Hämatokrits auf die Blutgefäße haben wir das Erbgut einer Maus gezielt
dahingehend verändert, dass die Maus übermäßig viel EPO produziert. Unsere
transgenen Mäuse haben einen etwa 20 Mal erhöhten EPO-Gehalt im Blut im
Vergleich zu den normalen Kontrolltieren. Dieser erhöhte Gehalt führt zu einer
massiv gesteigerten Erythrozyten-Produktion, zu einer Verdoppelung des
Blutvolumens und zu einem Anstieg des Hämatokrits von rund 42% auf etwa 80%.
Unerwarteter weise führt dieses visköse Blut weder zu einer Hypertonie noch zu
Blutgerinnseln. Die Untersuchung dieser Mäuse ergab, dass die Blutgefäße der
transgenen Mäuse stark erweitert sind. Wir konnten feststellen, dass die
Produktion und Stickstoffmonoxid in den endothelialen Zellen stark erhöht ist.
Blockiert man die NO-Produktion, so können unsere Tiere nicht mehr adaptieren.
Insgesamt lieferten diese Beobachtungen den Beweis, dass NO eine schützende
Rolle im lebenden Organismus ausübt. Es lag auf der Hand, ebenfalls die
„sportliche Leistung“ unserer Maus mit einem Hämatokrit von 80% zu bestimmen. So
wurde die Schwimmgeschwindigkeit der Tiere zwei Minuten lang in digitalisierter
Form aufgenommen. Im Vergleich zu den wildtyp Kontrollgeschwistern konnten die
transgenen Tiere während 40 Sekunden mithalten. Danach aber nahm die
Schwimmleistung rapide ab. Wir vermuten, dass hohe Viskosität des Blutes den
Transport in den Blutgefäßen zu stark beeinträchtigt. Trotz der hohen
Sauerstofftransportkapazität ist also die „sportliche Leistung“ der Tiere massiv
eingeschränkt.
37. Deutscher Kongress für Sportmedizin und Prävention - Prävention durch
Bewegung und Sport -
26. bis 30. September 2001 in Rotenburg a. d. Fulda
Meldung vom 19.11.2000
Hinweise auf Blutdoping machen Eisschnelllauf-Szene nervös
Berlin/Oslo/Amsterdam - Hinweise auf mögliche Manipulationen mit dem
Blutdopingmittel EPO haben am Wochenende nun auch die Eisschnelllauf-Szene
aufgeschreckt.
Nach Aussagen des norwegischen Arztes Jim Stray Gunderson sollen bei der
Mehrkampf-Weltmeisterschaft in Milwaukee und der
Einzelstrecken-Weltmeisterschaft in Nagano nicht weniger als zehn bis 15 Prozent
der Bluttests anormale Werte aufgewiesen haben.
Die erhöhten Hämatokritwerte, die Rückschlüsse auf die Einnahme von EPO
zulassen, sowie weitere Indikatoren seien allerdings keine direkten Beweise,
erklärte der Mediziner im norwegischen Fernsehen und gegenüber der
niederländischen Zeitung «De Telegraaf». «Die Ergebnisse lassen jedoch auf einen
großzügigen Gebrauch verbotener stimulierender Mittel schließen», fügte er
hinzu. Die Namen von Betroffenen wollte der Norweger nicht preisgeben. «Das ist
eine Sache des Weltverbandes», sagte er.
Die Nachricht aus Oslo schlug wie eine Bombe vor allem im niederländischen
Eisschnelllauf-Team ein. «Gunderson ist ein guter Mann, aber seine Aussagen sind
rücksichtslos. Sie gefährden die gesamte Sportart. Solange er nicht die Namen
nennt, setzt er alle Eisschnellläufer ins schlechte Bild», erklärte Ab Krook,
der frühere deutsche Bundestrainer und heutige Sportdirektor des
Niederländischen Eissportverbandes (KNSB). Er zeigte sich erstaunt von den jetzt
bekannt gewordenen Test-Resultaten. «In Milwaukee und Nagano beglückwünschte
Gunderson noch alle Teilnehmer zu dem bestandenen Test. Und jetzt kommt er mit
solchen Spekulationen.»
ISU-Vizepräsident Gerd Zimmermann zeigte sich «sehr irritiert» von den
Aussagen Gundersons, vermutet aber, dass da «einige Dinge fehlinterpretiert und
aufgeblasen» wurden. «Es handelte sich bei den Untersuchungen nicht um
Doping-Kontrollen, sondern Tests. Diese hatten zwei Funktionen: Wir wollten die
Athleten rechtzeitig an intensive und ernsthafte Blut-Kontrollen gewöhnen und
zum Zweiten die Ergebnisse eines modernen Testverfahrens bestätigen lassen», so
der Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) in Berlin.
Gunderson hatte im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem amerikanischen Arzt
Joel C. Shobe erstmals Bluttest mit dem Apparat Bayer Advia 120 durchgeführt.
Der Bayer-Konzern hatte das Gerät ursprünglich für die EPO-Behandlung von
Dialysepatienten entwickelt. Um die notwendige EPO-Dosis festzustellen, misst
der Apparat neben dem Hämatokritwert noch sieben weitere Parameter, so auch den
Hämoglobingehalt und kann das Alter der roten Blutkörperchen ermitteln. Bei
einem hohen Anteil von sehr jungen roten Blutkörperchen kann Blutdoping
unterstellt werden.
Bereits bei den Einzelstrecken-WM hatte es hinter vorgehaltener Hand
geheißen, dass elf Sportler zu hohe Hämatokritwerte aufgewiesen hätten.
Zimmermann bezeichnete die nun auch vom niederländischen Arzt Hans van Kuyk
genannte Zahl von elf Athleten, mit überhöhten Hämatokritwerten, als reine
Spekulation. Bekannt wurde nur der Fall von Doppel-Olympiasiegerin Marianne
Timmer, die bei den Tests einen Wert von 47,4 aufwies. Der Weltverband ISU hatte
den Höchstwert für Frauen auf 47 festgelegt. Ein hartes Vorgehen der ISU kündigte Zimmermann an, falls die Drohungen von
Athleten, wie des Niederländers Erben Wennemars, wahrgemacht würden, künftig die
Bluttests zu boykottieren. «Dafür hat der Verband überhaupt kein Verständnis.
Dagegen würden wir vorgehen», so der ISU-Vizepräsident. Antidopingverstöße
sollen in der ISU weiterhin streng geahndet werden. Jedoch diskutiere man im
Verband noch über juristisch wasserfeste Grenzwerte. Zimmermann erklärte, es sei
vorgesehen gewesen, als EPO-Test die in Frankreich entwickelte, kombinierte
Urin-Blutkontrolle zu akzeptieren. Durch einen aktuellen IOC-Beschluss sei dies
jedoch derzeit noch nicht möglich.
Die «Alte Dame» gedopt
Die Fussballspieler von Juventus Turin jahrelang
systematisch mit
EPO versorgt
ph. Die grosse Squadra von Juventus Turin mit Vialli, Roberto Baggio, Del Piero
und Zidane ist in den neunziger Jahren systematisch gedopt worden. Die jetzt
veröffentlichte schriftliche Begründung des Urteils gegen den Teamarzt Ricardo
Agricola, der am 26. November 2004 in Turin mit 20 Monaten Gefängnis bestraft
wurde, deckt auf, wie der Dottore die gesamte Mannschaft der «Alten Dame» ohne
medizinische Indikation mit EPO, mit Unmengen von nicht verbotenem Kreatin und
mit dem Schmerzmittel Voltaren aufpäppelte. Agricolas Apotheke umfasste 281
Medikamente und hätte zur «Versorgung einer Kleinstadt» ausgereicht, wie ein
Sachverständiger sagte. In der untersuchten Zeitspanne von 1994 bis 1998 gewann
Juventus drei Meistertitel und 1996 die Champions League. Parallel dazu
sabotierte damals das nationale Kontrolllabor in Acquacetosa sämtliche
Dopingproben aus der Serie A, sie wurden ungeöffnet weggeworfen.
Mit der Augenwischerei ist es nun vorbei. Der Fall Juventus belegt, dass im
Fussball nach medizinischer Strategie gedopt wird, wie in Radrennställen und in
der Leichtathletik, und nicht nur versehentlich Einzeltäter ertappt werden -
auch wenn der Fifa-Generalsekretär Urs Linsi unlängst noch schwadronierte, «es»
bringe nichts. Der Turiner Einzelrichter Casalbore hielt es für
«wahrscheinlich», dass der Juventus-CEO Giraudo in die Affäre verwickelt oder
zumindest Mitwisser war, «schon wegen der hohen Pharmapreise». Aber den
schlüssigen Beweis dafür konnte er nicht liefern. Hingegen droht den Spielern
ein Prozess wegen Falschaussage. Zum Handeln gezwungen gegen den mächtigsten
Klub Italiens werden endlich auch der italienische Fussballverband, der bisher
respektvoll zugeschaut hat, sowie der Europäische Fussballverband. Denkbare
Sanktionen wären die Aberkennung der Titel und nachträgliche Sperren der noch
aktiven Fussballspieler, möglicherweise auch ein Punkteabzug in der nächsten
Meisterschaft. Oder Schwamm drüber wegen Verjährung.26. Februar 2005, Neue
Zürcher Zeitung
Doping auch im Nachwuchs
16-jähriger Südafrikaner der EPO-Einnhame überführt
Johannesburg - Der erst 16-jährige südafrikanische Nachwuchs-Radfahrer
Michael Van Staden ist wegen Blut-Dopings mit Erythropoietin (EPO) für sechs
Monate gesperrt worden. Van Staden war 2004 bei einem Test im Rahmen der
U16-Tour durchgefallen. Die Welt-Antidoping-Agentur WADA hatte eine
obligatorische Wettkampf-Sperre von zwei Jahren gefordert.
Der internationale Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne entschied sich wohl
unter Berücksichtigung des Alters für eine kürzere Sperre.(APA/SIZ/AFP)
2. Juli 2005
Arzt facht Doping-Diskussion
weiter an
06.10.2005
Ein ehemaliger Arzt des früheren Armstrong-Teams US-Postal hat in der
französischen Sportzeitung "L'Equipe" schwere Doping-Vorwürfe gegen große
Teile der Radsport-Szene erhoben. Prentice Steffen, der 1996 Mediziner beim
US-Rennstall war, erklärte, es sei bei einigen Teams gängige Praxis, sich
vor Wettkämpfen mit
EPO angereichertes Eigenblut injizieren zu lassen.
Dieses sei zuvor in Trainingslagern entnommen und konserviert worden, um bei
möglichen Kontrollen die erlaubte Obergrenze des Hämatokritwertes nicht zu
überschreiten.
Konserviertes Blut
"Vor dem Start der letzten Tour de France haben Fahrer aus bestimmten Teams
in ihren Trainingslagern EPO genommen, um ihre Hämatokritwerte klettern zu
lassen. Dann nimmt ihnen ein Arzt Blut ab, konserviert dies in speziellen
Verpackungen. Die Blutparameter der Fahrer sinken derweil wieder auf die
normalen Werte", sagte Steffen, der bei US Postal bereits entlassen war, als
Lance Armstrong 1997 zum Team wechselte.
Kurz vor dem Start zu entscheidenden Etappen würde das Eigenblut dann wieder
injiziert: "Nach dem Rennen wird das Blut wieder verdünnt, sodass sie kein
Risiko haben beim Schlafen und vor allem auch keines bei Kontrollen am
nächsten Morgen."
UCI beruft Prüfer
Derweil gab der Weltverband UCI bekannt, dass man im "Fall Armstrong"
weitere Untersuchungen einleiten werde. Der niederländische Anwalt und
Doping-Spezialist Emile Vrijman wurde beauftragt, die Vorwürgen den
inzwischen zurückgetretenen siebenmaligen Tour-de-France-Sieger zu
untersuchen. "L'Equipe" hatte Mitte August enthüllt, dass eingefrorene
Urinproben des Texaners von 1999 bei Tests im vergangenen Jahr EPO-Spuren
aufgewiesen hätte. http://www.zdf.de
Doping-Fahnder stellen bei Hausdurchsuchungen
Aufputschmittel sicher
Doping-Fahnder haben bei Hausdurchsuchungen in Flandern große Mengen
Aufputsch-Mittel sichergestellt. Ermittler beschlagnahmten das
Blut-Doping-Präparat EPO und das Wachstums-Hormon
Clenbuterol. Nach
Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft wurden die Arzneien zur
Leistungsförderung im Profi-Radsport verwendet. Insgesamt 13 Aktive wurden
von der Polizei verhört, unter ihnen Dave Bruylandts, Gert Omloop und Peter
Van Zandfliedt.
Zu Festnahmen kam es nicht. 24.03.2006
EPO und seine Wirkung nach Einführung in den Radsport
Die Verwunderung und das Misstrauen der Öffentlichkeit wuchs jedoch
stetig weiter:
http://www.cycling4fans.de/index.php?id=1424
Man grübelte über die Explosivität des im Spätherbst seiner Karriere
stehenden Ugrumov, der jahrelang zuvor nicht aufgefallen war, man rätselte
über Evgeni Berzin, der wie aus dem Nichts die gesamte Klassiker- und
Rundfahrten-Weltelite in Grund und Boden fuhr, man fragte sich, wie es sein
konnte, dass ein alternder Moreno Argentin die Dolomitenpässe spielerisch
leicht wie nie zuvor nehmen konnte, …
Nicht nur die Skeptiker vermuteten ein flächendeckendes EPO-Doping in diesem
undurchschaubaren Wald, gerade im Zuge des Ferrari-Interviews…
Jahre später lagen der rückwirkend ermittelnden italienischen
Staatsanwaltschaft folgende Zahlen auf dem Tisch
Hämatokritwerte der Gewiss-Ballan-Fahrer
|
Fahrer
|
15. Dezember 1994
|
24. Mai 1995
|
Differenz
|
|
Bobrik
|
42,7
|
53
|
10,3
|
|
Cenghialta
|
37,2
|
54,5
|
17,3
|
|
Frattini
|
46
|
54
|
8
|
|
Volpi
|
38,5
|
52,6
|
14,1
|
|
Gotti
|
40,7
|
57
|
16,3
|
|
Furlan
|
38,8
|
51
|
12,2
|
|
Minali
|
41,7
|
54
|
12,3
|
|
Santaromita
|
41,4
|
45
|
3,6
|
|
Ugrumov
|
42,8
|
60
|
17,2
|
|
Berzin
|
41,7
|
53
|
11,3
|
|
Riis
|
41,1
|
56,3
|
15,2
|


Quelle:
membres.lycos.fr/cyclingworld/dopage/italie.htm
Diese Zahlen dokumentierten die Hämatokrit-Werte der Gewiss-Ballan-Fahrer
zwischen 1994 und 1995. Der natürliche Wert, so sagt man, liegt in der Regel
unter 50. Doch selbst wenn sich der Anteil der roten Blutkörperchen auf
natürlicher Basis höher als dieser Schwellenwert befindet, sind solche
Sprünge wie in dieser Tabelle absolut unnatürlich und daher ein fast
eindeutiges Zeichen von Medikamentenmissbrauch – sprich EPO. |
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