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Zur Bücherecke

Erythropoetin(EPO)         Berichte-Presse-News 

Übereinkommen gegen Doping  Straßburg/Strasbourg, 16.XI.1989  

Höhentraining. Das Erfolgskonzept der Ausdauersportarten.
von Ulrich Fuchs, Manfred Reiß
Preis: EUR 13,29 Taschenbuch - 128 Seiten
Erscheinungsdatum:
1990
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Peptidhormon-Erythropoietin    Nachweisverfahren
Eine Kontrolle von Dopingmanipulationen mit Erythropoietin (EPO), wobei eine Unterscheidung zwischen körpereigenem EPO (humanes, hEPO) und gentechnisch hergestelltem EPO (rekombinantes, rEPO) erfolgen müsste, ist bisher im Rahmen der Dopinganalytik noch nicht möglich. Es werden derzeit zwei Ansätze zum Nachweis von EPO verfolgt: direkte sowie indirekte Nachweisverfahren. Besondere Aktualität hat zur Zeit ein direktes Nachweisverfahren, dass im französischen Antidopinglabor entwickelt wurde und unter dem folgenden Punkt näher beschrieben wird.
Direktes Verfahren: Zwischen humanem EPO und rekombinantem EPO, das mittels gentechnisch veränderter Ovarienzellen chinesischer Hamster hergestellt wird, bestehen geringfügige Unterschiede in den Kohlenhydratketten. Hierbei zeigt sich eine Heterogenität, die sich in einer unterschiedlichen Anzahl an negativ geladenen endkettigen Zuckergruppen (Sialinsäure) äußern können bzw. in der prozentualen Verteilung der beteiligten Zucker untereinander. Die von den Autoren Lasne und de Ceaurriz (8) beschriebene Methodik wendet eine Auftrennung nach Ladungen an, wobei eine elektrophoretische Trennung im Rahmen einer Isoelektrischen Fokusierung erfolgt. Eine anschließende Anfärbung mittels einer gegen EPO entwickelten Antikörperreak-tion ergibt ein charakteristisches Pattern im elektrischen Feld. Hierbei zeigen die bisherigen Ergebnisse, das eine Differenzierung zwischen humanem und rekombinantem EPO grundsätzlich möglich ist. Eine Arbeitsgruppe des IOC hat die bisherigen Daten der französischen Kollegen vor der Tour de France 2000 eingesehen und vorgeschlagen, dass zur endgültigen Absicherung der Methode (Validierung) noch verschiedene physiologische Einflussfaktoren (u.a. Höhenaufenthalt) auf dieses Pattern untersucht werden müßten, um falsch postive Fälle auszuschließen. Ob diese Methode dann für die Olympischen Spiele in Sydney ein-setzbar ist, bleibt abzuwarten. Zumindest für die Tour de France wurde vom Internationalen Radsportbund angekündigt, dass alle Kontrollproben während der Tour tiefgefroren werden. Es wird eine Nachanalyse aller Proben erfolgen, wenn diese direkte Bestimmungsmethode anerkannt ist. Sanktionen werden bei positiven Fällen nachträglich ausgesprochen. Eine Anwendung dieser Methode zusammen mit einem möglichen indirekten Nachweisverfahren ist weiterhin denkbar.

Indirekte Verfahren: Bei der indirekten Bestimmung werden derzeit Blutparameter erfasst, die sich nach kurz- und langfristiger EPO-Anwendung verändern. Hierzu zählen die Gesamtzahl an Erythrozyten, der Hämatokritwert, die Gesamt-zahl an Hämoglobin, die Hämoglobinkonzentration, die An-zahl an Reticulozyten, Makrozyten, die Konzentration an Eisentransferrin-Rezeptor (9) und die Serum-konzentration von EPO selber. Anhand dieser Blutparameter sollen durch Verlaufskontrollen bei Athleten individuelle Blutprofile erstellt werden, die eine Möglichkeit zur Beurteilung einer Dopingmanipulation mit EPO ermöglichen. Eine solche Multivariantenmethode wurde von einer australischen Arbeitsgruppe kürzlich publiziert .


Jahrgang 53, Nr. 1 (2002) DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN 25
Erythropoietin und Doping           D. Schwenke, R. K. Müller  Der Artikel
Institut für Dopinganalytik und Sportbiochemie Kreischa

Erythropoietin zählt zwar zu den vom IOC verbotenen Dopingsubstanzen, aber der Nachweis eines Missbrauchs war in den letzten Jahren trotz intensiver Forschungen nicht möglich. Zur Zeit existieren ein indirekter Nachweis, der auf einer statistischen Auswertung von Parametern der Eyrthropoese basiert, und ein direkter Nachweis, der strukturelle Unterscheide zwischen rekombinantem und humanem Erythropoietin nutzt. Die wesentlichen, aktuellen Probleme betreffen die praktische Durchführung der Dopingkontrollen. DasGlykoproteinhormon Erythropoietin (EPO) ist zweifellos eines der spektakulärsten Dopingmittel, weil ihm vielfach ein nahezu ubiquitärer Missbrauch vor allem in Ausdauerdisziplinen mit dem Ziel einer erhöhten Sauerstofftransportkapazität unterstellt wird. Die mangelnde Nachweisbarkeit stellt die gesamte Dopingkontrolle in Frage. Richtig ist, dass EPO als Peptidhormon bisher tatsächlich eine Schwachstelle der Dopinganalytik darstellte. Andererseits bleibt die Behauptung verbreiteten Missbrauchs weitgehend Vermutung, wenn man von einzelnen zugegebenen Fällen und Sicherstellungen von Präparaten zur offensichtlich missbräuchlichen Verwendung im Sport absieht. Mit den neuesten Veröffentlichungen (3, 5) besteht die Möglichkeit eines schnellen Probenscreenings wie auch einer sicheren Bestätigung des Ergebnisses.

Indirekte Methode - Blutbild und Serumparameter - Screening
Hämatokrit
Als indirekter Parameter wird seit 1997 vom Internationalen Radsportverband (UCI) ein Grenzwert von 50% Hämatokrit verwendet. Bei Überschreiten dieses Wertes wird die Lizenz einbehalten, so dass ein Start des Athleten nicht möglich ist. Nach zwei Wochen kann eine Nachuntersuchung stattfinden. Diese Sperre gilt jedoch nicht als Dopingverstoß, sondern lediglich zum Schutz des Athleten aus gesundheitlichen Gründen. Neben den beträchtlichen individuellen Variationen des Hämatokritwertes, die sich bei Eliteathleten messen lassen, sind Höhentraining, Zeitpunkt und Modalitäten der Probennahme, Belastung und weitere Faktoren von Einfluss. Der Hämatokritwert allein kann daher nicht als lndikator für EPO-Doping akzeptiert werden. Es müssen weitere Parameter berücksichtigt werden, die einen direkten Bezug zur Erythropoese aufweisen.

Löslicher Transferrinrezeptor
Der Transport von Eisen mittels Ferritin erfolgt bei der Bildung der Erythrozyten über den Transferrinrezeptor, in diesem Prozess wird ein Teil des Transferrinrezeptors - der lösliche Transferrinrezeptor (sTfR) - abgeschnitten und zirkuliert in der Blutbahn. Das Verhältnis löslicher Transferrinrezeptor zu Ferritin wurde zur Erfassung eines EPO-Missbrauchs schon 1996 von Gareau (2) vorgeschlagen. Bei einer Absättigung der Eisenspeicher (4) verändert sich das Verhältnis löslicher Transferrinrezeptor zu Ferritin nicht so drastisch, wie von Gareau beobachtet, so dass der beschriebene Grenzwert nicht überschritten wird.

Retikulozyten
Ein weiterer Parameter der Erythropoese sind die unreifen Erythrozyten (Retikuloyzten). Da sich bei einer Steigerung der Erythrozytenproduktion nicht nur die Anzahl, sondern auch die Eigenschaften der freigesetzten Retikulozyten ändern, sollte dieser Parameter am besten geeignet sein, ein Doping mit EPO zu erfassen. Die Einteilung und Zählung geschieht meist noch aufwendig mit Hilfe des Mikroskops, wobei die Ergebnisse eine große Variation aufweisen und somit für eine Verwendung dieses Parameters in der Dopinganalytik nicht geeignet sind. Mit Hämatologieautomaten (Prinzip der Durchflusszytometrie) ist nunmehr nicht nur eine präzise und reproduzierbare Retikulozytenzählung möglich, es können ebenfalls verschiedene, weitere Zellindizes gemessen werden. Brugnara et al. (1) zeigten, dass insbesondere der Hämoglobingehalt der Retikulozyten zum Monitoring einer EPO-Therapie sinnvoll ist, und auch beim gesunden Probanden verwendet werden kann.

Kombination indirekter Parameter

Ein Parameter allein und auch die einfache Kombination mehrer Grenzwerte ist zur sicheren Erfassung eines EPO-Dopings nicht ausreichend. Daher war ein statistisch gesichertes Modell notwendig, welches den Missbrauch von rekombinantem EPO sicher nachweist. Dieses Modell wurde vom Australian Institute of Sport entwickelt (5). Aus der Datenanalyse ergaben sich die relevanten Parameter Retikulozythämatokrit, Erythropoietin, löslicher Transferrinrezeptor, Hämatokrit und Prozentanteil Makrozyten. Für die Erfassung eines akuten Missbrauchs mit dem sogenannten „ON"-Modell sind alle oben aufgeführten Parameter im Modell integriert. In der Abklingphase wurde ein anderes, das sogenannte "OFF"-Modell, angewandt, das nach einem Missbrauch von Epo den Athleten überführen soll. In diesem Modell sind Retikulozythämatokrit, Erythropoietin und Hämatokrit die entscheidenden Parameter. Notwendig für die Anwendung der beiden Modelle ist jedoch die Messung der Vollblutproben mit einem vollautomatischen Hämatologiesystem (H*3 oder ADVIA 120; Bayer Diagnostics). Nur bei diesen Automaten erfolgt eine Bestimmung der einzelnen Zellen und ermöglicht somit die Berechnung des Retikulozythämatokrit, der für die Anwendung beider statistischen Modelle notwendig ist.

Direkte Methode - Isoelektrische Fokusierung (IEF) - Bestätigung

Aufgrund der vereinzelten falsch-positiven Ergebnisse, der fehlenden Möglichkeit einer B-Probe wegen der geringen zeitlichen Stabilität der Vollblutprobe und des fehlenden, gerichtsfesten Beweises der Applikation von exogenem EPO ist die Sanktionierung nur auf der Basis der statistischen Modelle der indirekten Parameter noch unsicher. Für den Beweis eines Dopings mit EPO wäre daher die Trennung zwischen rekombinantem und körpereigenem EPO notwendig. Die Methode von Wide et al. (6) ermöglichte zwar eine Trennung, konnte aber in keinem Labor reproduziert werden, zudem war sie extrem teuer und aufwendig und daher für den Einsatz in der Routine nicht geeignet. Für großes Aufsehen sorgte daher die Veröffentlichung des französischen Dopinglabors (3), wonach mittels isoelektrischer Fokussierung eine Auftrennung der verschiedenen Isoformen des rekombinanten und des humanen EPO im Urin gelang. Bei mit EPO behandelten Patienten konnte das Bandenmuster des rekombinanten EPO wiedergefunden werden. Nachteil der Methode ist der noch große Zeitaufwand (für zehn Proben drei Tage) verbunden mit hohen Kosten. Zu den Olympischen Spielen 2000 in Sydney wurde sowohl die indirekte Methode (5) zum Screening als auch die direkte Analysenmethode (3) eingesetzt. Der große Vorteil der praktischen Einführung der Kontrollen war die hohe Anzahl Athleten in einem engen Umkreis, so dass die Vollblut- und Serumproben wie auch die Urinproben schnellstens in das analysierende Labor gelangten. Die zur Zeit weltweit bevorzugte Verfahrensweise besteht in der Analyse von Blut und Serum und der Anwendung der oben aufgeführten statistischen Modelle "ON" und „OFF". Erst wenn durch eines der beiden Modelle eine Probe auffällig wird, erfolgt die Analyse der Urinprobe. Eine relativ große Anzahl an Proben kann somit schnell gescreent werden und die teuere und aufwendige Prozedur des direkten Nachweises muss nur bei den wenigen auffälligen Proben angewandt werden. Die B-Probe eines positiven (auffälligen) Athleten könnte dann auch in einem anderen Labor und vor allem zu einem späteren Zeitpunkt untersucht werden. Für die Probennahme stellen sich gegenwärtig noch mehrere, praktische Probleme. Bisher existiert noch keine allgemein gültige Regelung zur Entnahme von Blut für die Erfassung eines EPO-Dopings. Die Probennahme von Blut und Serum erfordert neben der Schulung des Personals (Ärzte oder Schwestern) einen wesentlich größeren Zeitaufwand als eine vergleichbare Urinprobe, da neben der Abnahme auch noch die Serumgewinnung durchgeführt werden muss. Auch an Probenlagerung und Transport werden größere Anforderungen gestellt: neben der Kühlung der Vollblutproben bei 4°C müssen die Serum- und auch vorzugsweise die Urinproben mittels Trockeneis tiefgefroren werden. Während die Serum- und Urinproben gefroren länger transportiert werden können, müssen die gekühlten Blutproben unverzüglich zum Labor gelangen und sofort gemessen werden. Für eine effektive Kontrollwirkung empfiehlt es sich, Probenabnahmen nicht nur bei Wettkämpfen, sondern analog den normalen Trainingskontrollen auch unangekündigt durchzuführen.
Es existiert bereits sowohl ein indirektes Verfahren zum Screening auf EPO als auch eine sichere Ana)ytik zur Bestätigung der Ergebnisse. Das Verfahren war zwar einige Zeit umstritten, aber nach der Einführung der Methode in anderen Dopinglabors mit reproduzierbaren Ergebnissen ergibt es eindeutige analytische Aussagen. Probleme betreffen noch die Probennahme und standardisierte Festlegungen von IOC / WADA (Weltantidopingagentur), vor allem hinsichtlich der allgemeinen Verfahrensweise, damit das Verfahren rechtlich abgesichert ist.

1. Brugnara C, Colella G, Cremins J, Langley RC, Schneider TJ, Rutherford CJ, Goldberg MA: Effects of subcutaneous recombinant human erythropoietin in normal subjects: Development of decreased retikulocyte hemoglobincontent and iron-deficient erythropoiesis. J Lab Clin Med 123 (1994) 660-667.
2. Gareau R: Erythropoietin abuse in athletes. Nature 380 (1996) 113.
3. Lasne F, Ceauriz Jd: Recombinant erythropoietin in urine. Nature 405 (2000) 635.
4. Magnani M: Monitoring erythropoietin absue in athletes. Br J Haematol 106 (1999) 260-261.
5. Parisotto R, Gore CJ, Emslie KR, Ashenden MJ, Brugnara C, Howe C, Martin DT, Trout GJ, Hahn AG: A novel method utilising markers of altered erythropoiesis for detection of recombinant human erythropoietin abuse in athletes. Heamatologica 85 (2000) 564-572.
6. Wide L, Bengtsson C, Berglund B, Ekblom B: Detection in blood and urine of recombinant erythropoietin administered to healthy men. Med Sci Sports Exerc 27 (1995) 1569-1576.

Korrespondenzadresse
Dirk Schwenke  Institut für Dopinganalytik und Sportbiochemie Dresdner Str. 12, 01731 Kreischa Fax: 035206/20620
E-Mail: Dirk.Schwenke@IDAS-Kreischa.de


Blutpaß zur Dopingkontrolle

FLORENZ (mp). Ein Mittel im Kampf gegen Doping könnte der Blutpaß werden, der jetzt bei einem Treffen des Europäischen Verbandes der Hämatologen in Florenz vorgestellt worden ist. Der Paß zeigt Blutparameter an, die sich auch bei Anstrengungen kaum ändern - sehr wohl aber bei der Zufuhr von Erythropoetin. Finanziert werden soll das Projekt von der Anti-Doping-Weltagentur. Ärzte Zeitung, 12.06.2002


Die Geschichte des EPO-Dopings in der Presse in News und Meldungen:  http://www.dopingnews.de/EPO-Doping-Berichte-News.htm

Was ist Erythropoetin? 
Der Streit um den Sinn und Unsinn des Hämatokritwertes:     http://www.dopingnews.de/Erythropoetin.html


Deutsche Doping-Kontrolleure ziehen eine erfreuliche Bilanz
Nationale Anti-Doping-Agentur nimmt Arbeit auf / EPO-Urintest schreckt Sportler ab
BONN (Smi). Im vergangenen Jahr sind mit 3397 Wettkampf-Kontrollen deutlich weniger Athleten während ihrer Wettkämpfe auf die Einnahme unerlaubter Substanzen getestet worden als in den Jahren zuvor (im Jahr 2000 waren es noch über 4000 Kontrollen). Das soll sich künftig ändern, kündigte Dr. Peter Busse, der Vorstandsvorsitzende der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA), gestern in Bonn auf der diesjährigen Doping-Pressekonferenz an.
Die NADA nämlich, die Anfang des Jahres ihre Arbeit aufgenommen hat, wird langfristig auch die Wettkampf-Kontrollen übernehmen, die bislang in der Zuständigkeitsbereich der Sportverbände fielen.
Im letzten Tätigkeitsbericht der gemeinsamen Anti-Doping-Kommission (ADK) von Deutschem Sportbund und Nationalem Olympischen Kommitee zog deren Vize, Professor Dirk Clasen, eine erfreuliche Bilanz: Die Zahl der positiven A-Proben bei Doping-Kontrollen außerhalb der Wettkämpfe war mit acht auf 4111 im Jahr 2002 genommenen Proben so gering wie in den vergangenen Jahren. Von den 3397 Wettkampf-Kontrollen waren dagegen 29 positiv, wobei acht auf ausländische Sportler entfielen.
Wie Professor Klaus Müller vom Institut für Dopinganalytik und Sportbiochemie in Kreischa ausführte, ist bei den positiven Proben der Anteil von anabolen Steroiden (hier vor allem Nandrolon) nach wie vor am höchsten. Darüber hinaus nehmen Sportler jedoch auch unerlaubt Tetrahydrocannabinol (THC) und verstärkt wieder Stimulanzien.
Mit der Entwicklung von Urintests zum Nachweis von Erythropoetin (EPO) haben die in Deutschland akkreditierten Anti-Doping-Labor in Kreischa und Köln eine Methode eingeführt, die Sportler in den Ausdauer-Disziplinen zunehmend abschreckt. Ein einziger positiver Befund wurde im vergangenen Jahr aktenkundig.
Ein wichtiges Ziel der NADA wird künftig auch im Bereich der Prävention liegen. Ärzte Zeitung, 26.02.2003


Urintest reicht als Nachweis von EPO-Doping

Montreal (dpa) - Das verbotene Blutdoping kann zukünftig allein durch einen Urintest nachgewiesen werden. Eine entsprechende Analysemethode hat das Exekutivkomitee der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) auf seiner Sitzung in Montreal anerkannt.
Bisher konnte das so genannte EPO-Doping nur mit einer Kombination aus Blut- und Urintest rechtlich abgesichert festgestellt werden. «Das ist ein wichtiger Schritt im Bestreben, die Test-Strategie noch zu verbessern», erklärte der wissenschaftliche Direktor der WADA, Olivier Rabin.
Sorgen bereitet WADA-Präsident Richard Pound weiter die finanzielle Situation der 1999 geschaffenen Weltorganisation. Für das Jahr 2003 hat die WADA nach eigenen Angaben erst 6,5 Millionen Dollar, etwa 30 Prozent des mit 20,235 Millionen veranschlagten Budgets, erhalten. Angesichts der prekären Lage hat das Exekutivkomitee beschlossen, keine Zusagen für weitere Vorhaben zu geben, bis nicht weitere 7 Millionen Dollar eingegangen sind. «Es ist wirklich entmutigend, das wir nicht in der Lage sind eine Reihe unserer Verpflichtungen zu erfüllen, weil unsere Mitgesellschafter ihre Beiträge nicht zur rechten Zeit zahlen», sagte Pound.
Besorgniserregend ist vor allem die Zahlungsmoral der Regierungen, die 50 Prozent der Sitze haben und für die Hälfte des Etats aufkommen. Zu den Ländern, die ihre Beiträge für 2003 entrichtet haben, gehören Australien, Großbritannien und Kanada, teilte die WADA mit. Europa hat hingegen erst 2,1 der 4,8 Millionen Dollar überwiesen, die USA hat bisher noch keine Zahlung geleistet. Dagegen hat Russland den vollen Betrag von rund 600 000 Dollar bereits überwiesen, während Deutschland nur 149 000 der zugesagten 596 589 gezahlt hat.
Besser voran geht es mit der Anerkennung des im März verabschiedeten Welt-Anti-Doping-Codes. Bisher haben 30 internationale Sportorganisationen den Kodex unterzeichnet und 64 Regierungen ihn als Grundlage für den Kampf gegen Doping anerkannt. «Ich bin sehr erfreut über den Fortschritt den es bei der Akzeptanz des Codes gibt», sagte Pound. 8. Juni 2003


Neue Methode zum Nachweis von EPO entwickelt
NEU-ISENBURG (Smi). Australische Forscher aus Sydney haben eine neue Testmethode für die Einnahme von Erythropoetin (EPO) entwickelt.
Sie ermögliche einen Nachweis auch dann, wenn Athleten ihrem Körper nur geringe Dosen von EPO zuführten, sagte Professor Wilhelm Schänzer,
Leiter des Instituts für Biochemie in Köln, in einem Interview mit der "Leipziger Volkszeitung".
Die derzeit übliche Nachweismethode deckt Manipulationen nur auf, wenn EPO in ausreichender Menge zugeführt wurde.
Das hat laut Schänzer dazu geführt, daß die zum Betrug bereiten Sportler bei den Dosierungen sehr vorsichtig geworden sind.
Ärzte Zeitung, 14.03.2005


Aufregung über Doping-Betrug: Lässt Fleckenreiniger
EPO-Spuren verschwinden?

Für Aufregung sorgt ein Bericht in Schweizer Medien zum Thema Doping: Offenbar gibt es eine Möglichkeit, mittels eines Waschpulvers den Nachweis von EPO-Doping zu verhindern. Mehrere Radsportler sollen so die Einnahme des illegalen Mittels vertuscht haben. Einer der Verdächtigen ist der Deutsche Jan Ullrich.
Das berichten der Schweizer TV-Sender SF1 und die "Neue Zürcher Zeitung" ("NZZ"). Der Fleckenreiniger Protease soll bei Urinproben das verbotene Mittel abbauen bzw. manipulieren. Protease ist ein Enzym, das auch in Waschmitteln vorkommt.
Der Verdacht wird durch die Tatsache verstärkt, dass sich zuletzt Proben bei Radsportlern häuften, in denen überhaupt kein Erythropoietin (EPO) mehr nachgewiesen werden konnte - auch kein körpereigenes.
Die Vorgangsweise klingt unverschämt: Bei Dopingkontrollen steckt der Athlet eine Prise Protease in die Hosentasche, greift unmittelbar vor dem Urinieren hinein und pinkelt dann über den Finger. Schon geringe Mengen des Enzyms sollen genügen, um die Eiweiße im Urin (und damit das EPO) innerhalb von Minuten abzubauen. Protease ist billig und rezeptfrei erhältlich - und somit ein fast ideales Hilfsmittel für betrügerische Athleten.



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Die Halbwertszeit von Darbepoetin (NESP) liegt bei ca. 21 h nach intravenöser Injektion
Nach subkutaner Injektion (Injektion ins Hautgewebe) verlängert sich die Halbwertszeit von NESP auf ca. 49 h (27-89h)
Erythropoietin eine Halbwertszeit von 8,5 h aufweist.
Subcutan 16-24 h für Epoetin.

http://www.dshs-koeln.de/biochemie/rubriken/00_home/00_dar.html


Doping: neues Analyseverfahren für biotechnologisch hergestelltes EPO
Eines der gebräuchlichsten Dopingmittel ist das schwer nachweisbare Erythropoetin. In Zeiten, in denen es immer mehr "Kopien" von biotechnologisch hergestellten Arzneistoffen (Biosimilars) gibt, wird es auch schwieriger den Unterschied zwischen körpereigenem und biosynthetisch erzeugtem EPO nachzuweisen. ChemikerInnen der Technischen Universität (TU) Wien erarbeiten mit dem ARC Seibersdorf, basierend auf MALDI-Massenspektrometrie, ein neues Analysenverfahren, um den Dopingsündern auf die Spur zu kommen.
"Mit der MALDI-Massenspektrometrie, ein Verfahren, das zur zerstörungsfreien Desorption/Ionisierung von großen Molekülen, insbesondere Biopolymeren eingesetzt wird, vergleichen wir die täuschend ähnliche, "humanisierte" Form von EPO mit der körpereigenen Substanz. Die zwei Proben unterscheiden sich entweder im Aufbau der Aminosäureketten und/oder der dazugehörigen Zuckerketten. Je nachdem welche Struktur diese Zuckerketten haben und an welcher Stelle sie gebunden sind, erkennen wir ob es sich um natürliches oder biosynthetisches EPO handelt", erläutert Professor Günter Allmaier vom Institut für Chemische Technologien und Analytik der TU Wien.
Bisherige Methoden, wie beispielsweise die isoelektrische Fokussierung, weisen mehrere Schwächen auf. Zunächst benötigt man bis zum Erhalt des Testergebnisses zwischen zwei und drei Tage. Die Methode gilt darüber hinaus als schwer automatisierbar und basiert auf Antikörpern, die EPO im Urin zwar nachweisen können, aber mitunter zu wenig spezifisch sind und die Struktur nicht genau genug detektieren.
Allmaier und seine MitarbeiterInnen konzentrieren sich nun auf die Suche nach geeigneten Analysenstrategien, die rekombinantes EPO direkt im Urin nachweisen können. Eine "Lab-on-Chip-Technologie" soll mit der laserbasierenden Flugzeitmassenspektrometrie verbunden werden. Nach anschließender Testphase rechnet Allmaier, dass das Verfahren etwa 2009 zur Patentreife gelangen könnte und eine wertvolle Unterstützung im Anti-Dopingkampf liefern würde. Allmaier: "Der wesentlichste Punkt an unserer Strategie ist, dass wir ein Verfahren entwickeln, mit dem das EPO-Molekül selbst nachgewiesen wird. Alle anderen Vorgehensweisen waren bisher indirekt."
EPO-Präparate erhöhen die Produktion von roten Blutkörperchen, die ihrerseits wiederum mehr Sauerstoff im Blut transportieren. Der Organismus wird dadurch leistungsfähiger. Aus diesem Grund wurde EPO bereits seit Ende der 80iger Jahre als Dopingmittel vor allem in Ausdauersportarten wie dem Radsport missbraucht. Für die innovativste Publikation im Zeitraum 2005 bis 2006 in der Zeitschrift "Rapid Communications in Mass Spectrometry" erhielt Günter Allmaier jüngst auch den John Beynon Prize Award 2007. Diese Arbeit war zugleich der Startpunkt einer intensiven Kooperation mit Dr. Reichel vom Dopingkontrolllabor des ARC Seibersdorf.
Univ.Prof. Mag.pharm. Dr. Günter Allmaier
Technische Universität Wien
Institut für Chemische Technologien und Analytik
Quelle: Technische Universität Wien 26.10.2007 Infos für Ärzte