Hämotokrit über 50 beweißt gar nichts!
Bei 91 Weltklassearhlethen(50 Männer, 41
Frauen) und 287 gesunden Kontrollpersonen wurde im Verlauf der
43-monatigen Studie wiederholt die Hämatokritwerte bestimmt. Da diese
bekanntlich beim Leben in größeren Höhen steigen, wurde zwischen "Highlandern"
(2000-3000m) und Lowlandern differenziert.Die Hämatokritwerte von
Spitzenathleten und Kontrollpersonen unterschieden sich signifikant. 5
männliche (4High-,1 Lowlander) und sechs
Kontrollmänner hatten erte über 50%. Bei Sportler-Frauen wurde in keinem
Fall ein Hämatokrit über 47% gemessen, dagegen bei 5 Frauen aus der
Kontrollgruppe.Demnach sind erhöhte Hämatokritwerte ein fragwürdiges
Kriterium, um einen Dopingverdacht mit EPO auszusprechen. Int J Sports Med
20 (1999) 538-541
Hämotokritwerte von Amatuer- und Profiradsportlern währen eines
Trainingsjahres
Schmidt a., Lötzerich H Sporthochschule Köln-Sportärztekongress 1999
Im Ausdauerleistungssport gewann die Bestimmung des Hämotokritwertes
Indikator im Zuge der Feststellung des Dopings mit EPO zunehmend an
Bedeutung.1997 wurde von der UCI der Höchstwert für Männer mit 50%
festgelegt. In der vorliegenden Studie wurde der Verlauf des
Hämotokritwertes und des Hb neben anderen Parametern des roten Blutbildes
von 7 Amateur- und 7 Profiradsportlern während eines Jahres untersucht.
Festgestellt wurden signifikant erhöhte Hämotokritwerte im Mai (46,4
+-2,8%) zur Zeit der höchsten Belastungsdichte. Zuvor und später im
Jahre lag der Hämotokritwert bei Werten um 45. Alle gemessenen Wertelagen
deutlich unter der kritischen 50%-Grenze. Das Mittel der 130 Probanden lag
bei 45,5 +- 2,5 %. HB und Erythrozytenzahl folgtem dem Verlauf des HKT
während des Untersuchungszeitraumes.
Diskussion: Die von Sportlern
geforderte Anhebung der HKT-Grenzwerte entbehrt jeder wissenschaftlichen
Grundlage, obschon mit genetischen Ausrissern zu rechnen ist. Vielmehr
scheint die Bestimmung des HKT ein hilfreiches Mittel zur Aufdeckung von
EPO-Doping zu sein, wenngleich der Gebrauch bis knapp unter 50% nicht
aufgedeckt werden kann.
Hoher Hämatokrit beweist keine EPO-Einnahme! Die verschiedenen
Einflüsse auf den Hämatokrit (HKT)!
Universität Beyreuth-Sportmedizin
Abt.
Schmidt et. al Int J Sports Med 21 (2000) 133-138
8 Radrennfahrer wurden beobachtet:
Nachts sank der HKT von durchschnittlich 45,3 auf 42,9%
Bei 7Radfahrer,die 2o Minuten in Kopftieflage verbrachten sank der HKT um
3,1%
Bei 4 Radlern sank der HKT nach trinken von isotonischer Kochsalzlösung
um 3,3% nach einer Stunde
Die maximale Belastung auf einem Fahrradergometer bewirkte bei 10 Radlern
einen Anstieg des HKT von 46,8 auf 51,%
Was ist Erythropoetin ?
Warum
ist es für unseren Organismus so wichtig?
Erythropoetin (EPO) ist ein Hormon, welches in der Niere produziert
wird, und dem Knochenmark vorgibt, wieviel rote Blutkörperchen (Erythrozyten) gebildet werden sollen. Die Erythrozyten enthalten den
roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) und verleihen unserem Blut seine rote Farbe. Die Hauptaufgabe der Erythrozyten ist es, Sauerstoff von
der Lunge in alle Gewebe unseres Körpers zu transportieren. Ein Mangel an Erythrozyten(Blutarmut - Anämie) geht mit vermehrter
Müdigkeit, Kältegefühl und körperlicher Abgeschlagenheit
einher. Das Hormon EP0 stellt sicher, daß sich keine Blutarmut (Anämie)
entwickelt und unser Wohlbefinden erhalten bleibt.
Warum werden Nierenkranke anämisch?
Fast das gesamte zirkulierende EPO wird von unserer Niere gebildet.
Bei den meisten chronischen Nierenerkrankungen kommt es über kurz
oder lang zu einer Abnahme der EPO-Synthese und damit zu einer Anämie.
Diese wird auch als renale Anämie bezeichnet, da sie sich infolge
einer Nierenerkrankung (griech. Ren = Niere) entwickelt hat. In den Jahren,
in denen rhEPO noch nicht zur Verfügung stand, konnte die renale Anämie
nur durch Bluttransfusionen ausgeglichen werden. Heute wird zur Behandlung
der renalen Anämie gentechnisch hergestelltes EPO, welches von den
Fachleuten als rekombinantes humanes Erythropoetin (rhEPO) bezeichnet wird,
verwandt. Dieses künstliche Hormon ist mit der Version, die von der
menschlichen Niere produziert wird, fast vollständig identisch und
hat die gleiche Wirkung wie das natürlich vorkommende Hormon.Neben
dem Mangel an EPO bestimmen auch noch andere Faktoren das Ausmaß
der renalen Anämie. So hat die Qualität der Dialyse einen erheblichen
Einfluß auf den Grad der Blutarmut. Je mehr Stoffwechselgifte bei
einer Dialysebehandlung entfernt werden, um so besser spricht das Knochenmark
auf die Therapie mit rhEPO an. Dies liegt daran, daß Stoffwechselgifte
das Knochenmark direkt in seiner Funktion beeinträchtigen können.
Wichtig ist es natürlich auch, Blutverluste im Rahmen der Hämodialyse
(beim An- und Abhängen, durch Gerinnung des Systems oder im Rahmen von Laboranalysen) möglichst gering zu halten. Besonderes Augenmerk
muß auch auf eine ausreichende Versorgung mit Eisen gelegt werden, da viele Dialysepatienten an einem Eisenmangel leiden.
Eisen ist ein zentraler Bestandteil des Hämoglobins (roter Blutfarbstoff)
und ohne Eisen kann das Knochenmark, auch wenn wir mit rhEPO behandeln, kein Hämoglobin synthetisieren. Für den behandelnden
Arzt bedeutet das, daß man bei allen anämischen Nierenpatienten
in regelmäßigen Abständen den Eisenhaushalt überprüfen
muß (z.B. Ferritin, Transferrin-Sättigung und falls möglich
hypochrome Erythrozyten). Dies gilt in besonderem Maße für Patienten, die mit EPO
behandelt werden, da bei adäquater Eisenversorgung die rhEPO-Dosis
relativ niedrig gehalten werden kann.
Wann sollte eine Behandlung mit rhEPO begonnen werden?
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Der Zeitpunkt des Behandlungsbeginns hängt vom Ausmaß der
Anämie ab. Fällt der Hämatokritwert unter 30% ab (Normalwert:
45%), was etwa einem Hämoglobinwert von 10 g / 100 ml (Normalwert:
ca. 12 -16 g / 100 ml) entspricht, so könnte mit einer rhEPO-Behandlung
begonnen werden.Dies ist unabhängig davon, ob bereits Dialysepflichtigkeit
besteht oder nicht. Auch Prädialyse-Patienten können und sollten
mit rhEPO behandelt werden, wenn es zu einer ausgeprägten Anämie
kommt.
Welches ist für mich der optimale Hämatokritwert
?
Ziel der Behandlung ist es, Bluttransfusionen zu vermeiden und den
Hämatokritwert in einem Bereich von 30 - 36%
(Hämoglobin 10 - 12 g / 100 ml) zu halten, was zwar nicht einer
kompletten Normalisierung der Anämie entspricht, aber die anämiebedingten Beschwerden bereits erheblich verbessert.
Wie kann rhEPO verabreicht werden?
RhEPO ist ein Eiweißhormon und kann deshalb nicht in Form einer
Tablette geschluckt werden, da es im Magen zerstört würde. Deshalb muß rhEPO injiziert werden. Dies kann subkutan (unter die
Haut) bei Prädialyse- und CAPD-Patienten geschehen. Bei Hämodialyse-Patienten kann rhEPO sowohl intravenös als auch
subkutan injiziert werden. Die intravenöse Applikation (direkt in
die Vene bzw. ins Schlauchsystem) hatbei gleicher Wirkung den Vorteil, daß
punktionsbedingte Schmerzen vermieden werden können.In der Regel erfolgt die Injektion durch das Pflegepersonal, Prädialyse- und
CAPD-Patienten injizieren sich das Hormon selbst zuhause.
Wie lange muß ich mit rhEPO behandelt werden?
In der Regel handelt es sich bei dieser Therapie um eine Dauerbehandlung.
Für den Dialysepatienten bedeutet das, daß die Behandlung solange erfolgen muß, wie er dialysepflichtig ist.
Nach erfolgreicher Nierentransplantation übernimmt das Transplantat die Synthese von EPO und eine weitere Behandlung ist nicht mehr erforderlich.
Müssen alle Dialysepatienten mit rhEPO behandelt
werden?
Man schätzt, daß etwa 2/3 aller Dialysepatienten mit rhEPO
behandelt werden müssen. Bei Patienten mit Cystennieren ist die niereneigene
EPO-Synthese häufig erhalten und die Betroffenen entwickeln auch
als Dialysepatienten keine Anämie, so daß eine Therapie mit
rhEPO in diesen Fällen nicht notwendig ist.
In weicher Dosierung sollterhEPO verabreicht werden? Brauche ich
immer die gleiche Dosis?
Die niedrigste Dosierung ist etwa 500 bis 1000 Einheiten an jeder Dialyse
(= 3000 E /Woche). Die meisten Patienten benötigen 2000 und mehr Einheiten rhEPO pro Dialyse. In der Regel braucht man in der Korrekturphase
mehr rhEPO als dann später in der Erhaltungsphase. Der Bedarf an rhEPO
kann bei einem schweren bakteriellen Infekt (z.B. Shuntinfekt, Lungenentzündung)
ansteigen. Ein erhöhter Bedarf an rhEPO besteht auch, wenn sich ein
Eisenmangel entwickelt. Deshalb muß der Eisenhaushalt während
der rhEPO-Behandlung regelmäßig überprüft werden,
um optimale Voraussetzungen für die Therapie mit rhEPO zu gewährleisten.
Wie lange kann es dauern, bis ich eine Verbesserung meines Befindens
bemerke?
Die meisten Patienten verspüren eine Besserung Ihres Befindens,
wenn ihr Hämatokritwert um etwa 5 %-Punkte angestiegen ist. Dies kann
ca. ein bis zwei Monate in Anspruch nehmen. Im Labor sieht man ein Ansteigen
des Hämatokrits bereits ein bis zwei Wochen nach Therapiebeginn und
weiß damit, daß die Behandlung erwartungsgemäß anschlägt.
Welche Nebenwirkungen können sich bemerkbar machen?
In seltenen Fällen kann es zu dem sog. "Flu-like-Syndrom" (deutsch:
Grippe-ähnliche Symptome) kommen. Ein bis zwei Stunden nach Verabreichung
von rhEPO kommt es dabei zu Kopf- und Gliederschmerzen, die für einige
Stunden anhalten können. Häufig verschwinden diese Beschwerden
nach einigen Wochen vollständig. Wesentlich bedeutsamer ist ein möglicher
Blutdruckanstieg unter der Behandlung mit rhEPO. Etwa 30% aller Dialysepatienten
erfahren einen Blutdruckanstieg bzw. eine Verschlechterung ihrer Blutdruckeinstellung,
wenn der Hämatokritwert sich dem 30%-Niveau nähert oder diesen
übersteigt. Regelmäßige Blutdruckkontrollen werden daher
besonders zu Beginn der Behandlung empfohlen. Zu weiteren Nebenwirkungen
lesen Sie bitte die Gebrauchsinformation.
Was kann ich tun, um einen übermäßigen Blutdruckanstieg
unter rhEPO zu verhindern?
Normalerweise sollte ein gut dialysierter Patient keinen erhöhten
Blutdruck aufweisen. Ein normaler Blutdruck wird durch das Erreichen des
Trockengewichts am Ende der Dialyse gewährleistet. Nur bei wenigen
Patienten ist eine zusätzliche Behandlung mit Blutdruckmedikamenten*
notwendig. Müssen Sie als Dialysepatient mehrere Blutdruckmittel
einnehmen, so spricht das dafür, daß Sie Ihr Trockengewicht
am Ende der Dialyse möglicherweise noch nicht erreichen.Fragen Sie
Ihren Arzt, ob man das Trockengewicht nicht weiter absenken sollte und
vermeiden Sie übermäßigen Kochsalz- und Flüssigkeitskonsum.Jede
Anämie geht mit einer Tendenz zu niedrigeren Blutdruckwerten einher.
Umgekehrt bewirkt jede Korrektur einer Anämie eine geringgradige Blutdruckerhöhung,
unabhängig davon, ob die Korrektur mittels rhEPO oder durch eine Bluttransfusion
erfolgt. Dies gilt auch für die renale Anämie.So kann es bei
Dialysepatienten mit erhöhtem Blutdruck beim Ausgleich der Anämie
zu einer weiteren Blutdrucksteigerung kommen, besonders wenn der Hämatokrit
über 30% angehoben wird.
Mein Blutdruck ist ständig erhöht. Kann ich trotzdem mit rhEPO b ehandelt werden?
Prinzipiell ist auch der Dialysepatient mit erhöhtem Blutdruck
nicht von einer rhEPO-Behandlung ausgeschlossen. Die Korrektur der Anämie
sollte aber in einem solchen Fall besonders vorsichtig erfolgen. Die Injektion
von rhEPO hat selbst keinen Einfluß auf den Blutdruck. Eine
Blutdrucksteigerung kommt ausschließlich über die Korrektur
der Anämie zustande.
Ist mein Shunt durch die Behandlung mit rhEPO gefährdet?
Zahlreiche Untersuchungen konnten belegen, daß der Shunt durch
Korrektur der Anämie nicht beeinträchtigt wird. Die Verschlußrate
ist bei einem Hämatokrit von 3 0 - 3 5 % nicht häufiger als bei
Hämatokritwerten von 20-25%. Dies gilt auch für Kunststoffprothesen.
Problematisch wird es nur, wenn die Shuntfunktion nicht mehr ganz in Ordnung
ist, z.B. wenn das arterielle Angebot erniedrigt oder der venöse Rücklaufdruck
erhöht ist. In einer solchen Situation kann die Korrektur der Anämie
schon einmal die Entwicklung eines Shuntverschlußes begünstigen.
Ich hatte vor einigen Jahren einen Krampfanfall. Kann ich mit rhEPO
behandelt werden?
Die Behandlung mit rhEPO an sich löst keine Krampfanfälle
aus. Allerdings sollten Sie darauf achten, daß Ihr Blutdruck gut
eingestellt ist. Sehr hohe Blutdruckwerte können bei gegebener Neigung einen Krampfanfall
auslösen. Falls Sie mit Medikamenten zur Verhütung weiterer Krampfanfälle
(Antiepileptika) behandelt werden, achten Sie auf
eine regelmäßige Einnahme.
Ich habe häufig zu hohe Kaliumwerte.Was muß ich unter
einer Behandlung mit rhEPO beachten?
Durch den Ausgleich der Anämie kommt es bei den meisten Patienten
zu einer Verbesserung des Appetits. Durch die gesteigerte
Nahrungsaufnahme erhöht sich auch die Kaliumzufuhr. Deshalb ist
es besonders wichtig, daß Sie sich strikt an Ihre diätetischen
Vorgaben bezüglich kaliumreicher Nahrungsmittel halten. Besprechen
Sie diese Problematik mit Ihrem Arzt. Er wird dann durch gehäufte
Kontrollen des Serum-Kaliums sicherstellen, daß es nicht zu einer
bedrohlichen Hyperkaliämie kommt. Gegebenenfalls muß die Dialysezeit
verlängert oder ein zusätzliches Medikament zur Kaliumbindung
im Verdauungstrakt gegeben werden.
Was passiert, wenn mein Hämatokrit zu hoch ansteigt?
Hämatokritwerte über 50% können die
Fließeigenschaft des Blutes ungünstig beeinflussen. Um dies
sicher zu vermeiden, kontrolliert Ihr Arzt in regelmäßigen Abständen
Ihr Blutbild. Wird der Zielhämatokrit (30 - 36%) um einige wenige
Prozentpunkte überschritten, reicht es aus, mit reduzierter Dosis
weiter zu behandeln. Die Therapie sollte nur dann unterbrochen werden,
wenn es Ihr Arzt für unbedingt notwendig erachtet, da es nach einigen
Wochen zu ausgeprägten Hämatokritabfällen kommen kann.
Sollte ich die rhEPO-Behandlung auch im Falle einer Krankenhauseinweisung
fortsetzen?
Unabhängig vom Grund der stationären Einweisung sollte die
Therapie mit rhEPO auch im Krankenhaus fortgeführt werden. Denken
Sie daran, immer ein entsprechendes Dialyseprotokoll oder einen Verlegungsbericht
aus Ihrem Zentrum mit in die Klinik zu bringen. Die Behandlung mit rhEPO
sollte möglichst mit gleicher Dosis und Frequenz fortgeführt
werden. Kommt es im Rahmen eines operativen Eingriffs zu einem deutlichen
Blutverlust, kann es sogar sinnvoll sein, die Dosierung von rhEPO zu erhöhen.
In der Regel wird Ihnen die Klinik für die Dauer Ihres Aufenthalts
rhEPO über die Klinikdialyse zur Verfügung stellen. Sie sind
nicht verpflichtet, Ihr rhEPO aus dem Zentrum in das Krankenhaus mitzubringen.
Was muß ich beachten, wenn ich im Urlaub in einem fremden Zentrum
dialysiere?
Die meisten Zentren erwarten, daß Sie Ihr eigenes rhEPO von zu
Hause mitbringen. Speziell im Ausland kann es sehr schwierig sein,
ein Rezept über rhEPO auszustellen. Deshalb sollten Sie einen
entsprechenden Vorrat an rhEPO für die Dauer Ihres Urlaubs in das
Ferienzentrum mitbringen.
Für den Transport ist es empfehlenswert,
die rhEPO Ampullen in einer kleinen Kühltasche aufzubewahren.
Die ideale Lagertemperatur ist +4' C (normaler Haushaltskühlschrank).Nicht
in einer Tiefkühltruhe aufbewahren, da die Ampullen sonst gefrieren.
Sollte es auf der Urlaubsfahrt einmal passieren, daß die Lagertemperatur
von +4' C nicht eingehalten werden konnte (Kühltasche vergessen, Kühlelement
nicht kalt genug), so wird rhEPO nicht gleich unwirksam. Dennoch sollten
Sie versuchen, die Lagerungsbedingungen auch im Urlaub möglichst einzuhalten.
ERYTHROPOETIN
Das hämatopoetische Zytokin EPO fliesst als endokrin wirkendes
Hormon vom Hauptbildungsort über die Blutbahn zum Knochenmark, wo
es die Differenzierung von Erythrozytenvorstufen, die Hämoglobinsynthese
und die Abgabe jugendlicher Erythrozyten an das Blut stimuliert. Die EPO-Wirkung wird durch verschiedene andere Hormone, wie z.B. Androgene,
Thyroxin und Wachstumshormon, verstärkt. Bei der EPO-Bildung haben die Nieren eine Schlüsselstellung. Bei
gewissen Nierenerkrankungen ist die EPO-Bildung vermindert. Die Anämie
chronisch Nierenkranker kann heute mit gentechnisch hergestelltem,
rekombinantem menschlichem Erythropoetin (rhEPO) korrigiert werden. Eine
Messung des EPOs eignet sich in einem solchen Fall für die Dosierungseinstellung
eines rhEPO Präparats.
Anwendungsbereich
Die EPO-Bestimmung eignet sich für eine Differentialdiagnose von
Anämien renaler und nicht renaler Herkunft, von Erythrozytose, zur
Diagnose und Therapiekontrolle erythropoetisch substituierbarer Anämie
und zur Verlaufskontrolle von Neoplasien.
Erniedrigte EPO-Blutwerte werden gefunden bei:
Renaler Anämie
Polycythaemia (rubra) vera
Chronischen Nephropathien und Neoplasmen
ErhöhteEPO-Blutwerte werden gefunden bei:
Nicht-renaler Anämie
Polyglobulie
Nieren- Leberzell-Karzinom
Blutungs-, hämolytischer, hypo- und aregeneratorischer Anämie Chronischer Hypoxie
Während der Schwangerschaft, im Nabelschnurblut und - evtl. mit
Polyglobulie kombiniert - v. a. bei
Nieren-erkrankungen (Hypernephrom, Zystenniere, Nierenarterienstenose)
Erythropoetin
Handelsname, Zubereitung:
:: Erypo. Injektionsfläschchen mit 2000, 4000 oder 10000 Einheiten.
Indikationen: :Zugelassene Indikationen sind derzeit
nur die Behandlung einer renalen Anämie bei Hämodialyse- und
Prädialyse-Patienten. In den USA und in Kanada ist Erythropoetin auch bei Anämien von
AIDS-Patienten zugelassen. Diese Anämien werden entweder durch direkte Schädigung der Vorläuferzellen im Knochenmark durch
HIV, durch Verdrängung der Myelopoese (maligne Lymphome, atypische
Mykobakteriosen) oder durch häufig benötigte Medikamente
(AZT, Ganciclovir, Cotrimoxazol, Pyrimethamin etc.) hervorgerufen.
Kontraindikationen :Unkontrollierter Bluthochdruck.
Vorsicht bei: bösartigen Tumoren, Epilepsie, Thrombozytose
und chronischer Leberinsuffizienz.
Dosierung: :Eine Behandlung im Rahmen der HIV-Infektion
scheint nur sinnvoll zu sein, wenn der endogene Erythropoetin-Spiegel unter 500
mU/ml liegt. In derStudie von Fischl (1990) wurden wöchentlich
subkutan 100 Einheiten/kg Körpergewicht verabreicht. Angestrebt wird ein Hämatokrit von 30 bis 35. Wenn nach sechswöchiger
Behandlung kein Effekt nachweisbar ist, kann die Dosis auf 200 Einheiten/kg KG erhöht werden. Führt auch dies nach weiteren 6 Wochen
zu keinem Erfolg, Abbruch der Therapie. Beachte: ohne Eisen kein Hämatokritanstieg! Bei Serumferritinspiegeln unter 100 ng/ml daher
tägliche Eisengaben von 200 bis 300 mg.
Nebenwirkungen: Bluthochdruck
bis hin zu krisenhaften Blutdrucksteigerungen incl. ZNS-Symptomatik treten
bei niereninsuffizienten Patienten häufiger, bei HIV-Patienten aber vermutlich nicht auf. Zu Beginn
der Behandlung sind grippeähnliche Symptome möglich.
Patienteninformation: :Gelegentlich
beeinträchtigt Erythropoetin das Reaktionsvermögen (cave: Straßenverkehr,
Bedienung von Maschinen). Dies gilt besonders bei gleichzeitigem Genuß von Alkohol.
Beurteilung: Bei der Betreuung von Patienten, die nach aller Erfahrung
eine Lebenserwartung von Wochen bis wenigen Monaten haben, sollte Erythropoetin extrem zurückhaltend eingesetzt werden.
Literatur
1.ERSLEV AJ: Erythropoetin. N Engl J Med 1991; 324: 1339 -1344.
2.FISCHL M: Recombinant human erythropoietin for patients with AIDS
treated with zidovudine. N Engl J Med (1990) 322: 1488 -93.
3.MILES SA, Mitsuyasu RT, Moreno J, et al.: Combined therapy with recombinant
granulocyte colony-stimulating factor and erythropoetin
decreases hematologic toxicity from zidovudine. Blood 1991; 77: 2109
-17.
Ärzteblatt berichtet von Paradoxe Anämien durch Epoetin
(EPO)
PARIS. In Frankreich sind in den letzten Jahren 13 Patienten nach der
Behandlung mit Epoetin an einer reinen Erythrozytenaplasie erkrankt. Ein
weiterer Fall ist in Großbritannien aufgetreten. Die seltene, aber schwere
Nebenwirkung ist durch neutralisierende Antikörper gegen das Blut bildende
Hormon ausgelöst worden, berichten französische Hämatologen jetzt im New
England Journal of Medicine (2002; 346: 469-75). vAlle Patienten waren wegen
einer renalen Anämie mit Epoetin alfa oder beta behandelt worden. Die
Autoren vermuten deshalb, dass die Antikörper nicht nur die Medikamente,
sondern auch Resthormone des Körpers neutralisiert haben. Kleinere Mengen
Erythropoetin werden in der Leber gebildet. Außerdem bleibt bei vielen
Patienten eine Restfunktion des Niere erhalten. Im Editorial weist Franklin
Bunn vom Brigham and Women´s Hospital darauf hin, dass Epoetin zu den am
besten verträglichen Medikamenten überhaupt gehört.
Die hohe Spezifität des Hormons am Rezeptor an den Erythroblasten bewirkt,
dass bei korrekter medizinischer Anwendung keine relevanten Nebenwirkungen
auftreten. Anders ist dies beim Blutdoping. Durch den Missbrauch des
Medikaments kann der Hämatokrit so weit steigen, dass die erhöhte Viskosität
des Blutes eine tödliche Thromboembolie auslöst, was durch die Dehydration
bei Leistungssportlern noch begünstigt wird.
Einige Fälle von plötzlichen Todesfällen bei Radfahrern wurden
bereits beschrieben. Die Inzidenz der jetzt neu beschriebenen Nebenwirkung
dürfte angesichts von drei Millionen Patienten, die weltweit mit Epo
behandelt werden, gering sein. Die Komplikation ist so gravierend, dass sie
kaum übersehen werden dürfte. Auffallend sei allerdings, das die
Nebenwirkung erst jetzt auftrat. Alle Patienten waren zwischen 1998 und 2000
behandelt worden. Epo-Präparate sind aber in Frankreich bereits seit 1988
zugelassen. Bunn fällt auf, dass alle Fälle in Europa, nicht aber in den USA
aufgetreten sind. Er fragt sich, ob es vielleicht Veränderungen im
Herstellungsverfahren der europäischen Produkte gegeben habe. (15.02.02)
Der ganze Artikel hier!
Künstliche Sauerstofftransporter – eine neue Dopingmethode im Ausdauersport?
In der Vergangenheit wurde vielfach versucht, die
Sauerstofftransportkapazität über „Eigenblutdoping" oder Gabe von
Erythropoietin
zu steigern, Verfahren, die zum einen in der Durchführung recht problematisch
waren und/oder mittlerweile nachweisbar sind. Daher halten es
Schumacher et al.
für möglich, dass es in naher Zukunft zu einer Verabreichung von künstlichen
Sauerstoffträgern im Ausdauersport kommen könnte. In einer Übersicht gehen sie
auf Substanzen, Risiken und Nachweismöglichkeiten dieser möglichen
Dopingmethoden ein. Lösungen auf der Basis von rekombinantem Rinder- oder
Humanhämoglobin und
Perfluorkohlenstoffemulsionen können nachweislich die
Sauerstoffabgabe an das Gewebe steigern. Bisher sind diese Verfahren nur in der Tierzucht und in klinischen Studien im Einsatz. Gewarnt werden muss allerdings schon jetzt vor möglichen tödlichen Nebenwirkungen wie renaler Toxizität, Steigerung des systemischen und pulmonalen Blutdrucks und Immunschwächen. Während die künstlichen Sauerstoffträger auf Hämoglobinbasis leicht im Rahmen von Routinetests nachgewiesen werden können, wird Perfluorkohlenstoff über die Lunge ausgeschieden und kann mit Hilfe gaschromatographischer Verfahren in der Ausatemluft nachgewiesen werden.
U.K.
(Schumacher YO
et al.: Artificial oxygen carriers – the new doping threat in endurance Sport? Int J Sports Med 22 (2001) 566-571)
DEUTSCHE
ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN Jahrgang 53, Nr. 1 (2002)
EPO-Doping kann zu zerebralen Thrombosen führen
NEU-ISENBURG (eb). Der für Spanien startende Skilangläufer Johann
Mühlegg ist endgültig des Blutdopings überführt worden und hat damit für den
größten olympischen Dopingskandal seit dem Fall Ben Johnson 1988 in Seoul
gesorgt.
Auch die B-Probe, die zwei Tage vor seinem Sieg im 50-km-Rennen bei den
Olympischen Winterspielen in Salt Lake City genommen wurde, ist positiv,
meldet dpa. Damit lebt Mühlegg gefährlich. Denn (ausgerechnet) spanische
Forscher berichten im neuen "Neurology" vom Fall eines Radsportlers, der mit
EPO gedopt hat und bei dem sich Blutgerinnsel im Gehirn gebildet haben.
Es wurde eine Sinus-Venen-Thrombose diagnostiziert.
Ärzte Zeitung, 27.02.2002
Standards der Sportmedizin
http://www.zeitschrift-sportmedizin.de/images/heft1102/stint_11_02.pdf
Jahrgang 53, Nr. 11 (2002) DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN 325
Hämatokrit
W. Schmidt Abteilung Sportmedizin/Sportphysiologie,Universität
Bayreuth
Zusammenfassung
Der Hämatokrit kennzeichnet den Anteil der Erythrozyten an einer
Blutprobe und mit Einschränkungen auch am Gesamtblut. Er beträgt beim Mann
ca. 45% und bei der Frau 40% mit einer noch als normal geltenden
relativ hohen Schwankungsbreite. Er wird sowohl durch Veränderungen des
Erythrozyten- als auch des Plasmaanteils beeinflusst und kennzeichnet somit
anämische und polyzythämische Zustände sowie De- und Hyperhydratationen.
Hohe Hämatokrit-Werte stellen einen Risikofaktor für Thromboembolien dar.
Bei Ausdauersportlern werden tendenziell leicht erniedrigte Werte gefunden,
was auf einer stärkeren Zunahme
des Plasma- als des Erythrozytenvolumens beruht. Bei Blut- und EPO-Doping
steigt der Hämatokrit aufgrund der selektiven Erhöhung des
Erythrozytenvolumens an, ohne jedoch als Dopingnachweis gelten zu können.
Mit der Einführung von Hämatokrit-Obergrenzen in einigen
Ausdauerdisziplinen, die dem Schutz der Gesundheit des Sportlers dienen und
bei deren Überschreiten der Sportler vorübergehend von der Ausübung seiner
Sportart suspendiert wird, wurde versucht, Dopingpraktiken einzudämmen. Da
jedoch auch ohne Dopingmaßnahmen individuell hohe Hämatokritwerte auftreten
können und der Hämatokrit auch durch Erhöhung des Plasmavolumens manipuliert
werden kann, sind die bestehenden Grenzwerte nicht unumstritten. Direkte
Messungen der Gesamtkörperhämoglobinmenge können hier in Zukunft
weiterhelfen.
Definition und Bestimmungsmethoden
Der Hämatokrit (Hkt) ist definiert als der prozentuale Anteil der
Blutzellen am Gesamtblut und besteht zu etwa 99% aus Erythrozyten.
Prinzipiell kann er durch zwei unterschiedliche Methoden bestimmt werden:
Durch Ultrazentrifugation einer mit Blut gefüllten Kapillare: Hierbei
sammeln sich die zellulären Bestandteile des Blutes im unteren Bereich an
und können mit der gesamten Blutsäule in Beziehung gesetzt werden. Da in der
Erythrozytensäule noch ca. 2% Plasmaanteile eingeschlossen sind, muss der
abgelesene Hämatokritwert um diesen Faktor korrigiert werden. Durch
Bestimmung in einem Zellcounter: Hierbei wird der Hämatokrit über das
Produkt der Erythrozytenvolumina (MCV) und der Erythrozytenzahl ermittelt.
Der im gemischt-venösen Blut gemessene Hämatokrit ist beim gesunden Menschen
unter normalen Umständen um ca. 10% höher als der
Anteil des Erythrozytenvolumens am gesamten Blutvolumen. Die Ursache liegt
insbesondere im Phänomen des „Plasma-Skimmings“, welches eine geringere
Erythrozytenkonzentration an der Gefäßwand als im Gefäßzentrum und somit
eine generell geringe Erythrozytenkonzentration in kleinen Gefäßen
beschreibt. Der Quotient Hktgesamt/Hktvenös beträgt normalerweise 0,91 ±0,03
(5). Bei schwerer Anämie sowie bei Aufenthalt in größeren Höhen kann der
Wert bis auf 1,0 oder auch darüber ansteigen und bei kongestiver
Herzinsuffizienz auf unter 0,91 abfallen. Der durchschnittliche Hämatokrit
liegt bei Männern um 45%, bei Frauen um 40%. In den einzelnen Lehrbüchern
wird seine noch als normal zu bezeichnende Schwankungsbreite sehr
unterschiedlich beschrieben, liegt jedoch zumeist zwischen 37% und 52% bei
Männern und 35% und 48% bei Frauen. Er ist bei der Geburt deutlich höher
(ca. 59%), sinkt in den ersten Lebensmonaten ab (ca. 40%) und steigt beim
männlichen Jugendlichen während der Pubertät wieder auf die bekannten
Normalwerte an (1). Im Alter verändert sich der Hämatokrit nicht.
Bedeutung des Hämatokrit im klinischen Bereich
Der Hämatokrit wird, oft alternativ zur Hämoglobinkonzentration, zur
Beurteilung der Sauerstofftransportkapazität und Blutbildung genutzt, wobei
sich beide Größen (Hämoglobinkonzentration und Hämatokrit) auch
unterschiedlich verhalten können. Werte unter 37%, bzw. 34% zeigen eine
Anämie an (5), ohne selbst jedoch Aufschlüsse über ihre Ursache oder über
das gesamte Blutvolumen geben zu können. Ursachen für niedrige
Hämatokritwerte können in Blutbildungsstörungen (z.B. renalen Ursprungs),
Blutverlusten oder erhöhten Hämolyseraten (z.B. Malaria) liegen. Bei
Blutverlusten muss beachtet werden, dass der Hämatokrit noch mehrere Stunden
unverändert bleibt, da Blutzellen und Plasma gleichermaßen verloren werden.
Erst nach 24-48 Stunden, wenn das Blutvolumen durch Plasmaflüssigkeit
normalisiert wurde, sinkt der Wert. Im Verlauf einer Therapie mit rhEPO
aufgrund renaler Insuffizienz wird ein Zielhämatokrit von ca. 35%
angestrebt, da in diesem Bereich kaum Komplikationen beobachtet werden.
Werte oberhalb von ca. 52% zeigen eine Polyglobulie an, die primär, wie z.B.
die Polyzythämia vera, oder sekundär durch Plasmavolumenverminderungen
bedingt sein kann. Sehr hohe Werte mit bis zu 80% können pathologischerweise
bei Höhenbewohnern gefunden werden (Monge´s Disease; (3)). Die Viskosität
des Blutes wird in erster Linie vom Hämatokrit bestimmt. Sie nimmt bis zu
einem Wert von ca. 45% nur relativ gering zu und steigt bei größeren Werten
exponentiell an. Hohe Hämatokritwerte gelten daher als ein wichtiger
Risikofaktor für Schlaganfälle. Generell stellt der Hämatokrit keine
Konstante dar, sondern wird von vielen Faktoren beeinflusst. Abgesehen von
Veränderungen der Erythrozytenmenge variiert der Hämatokrit bei Anstieg und
Abfall des Plasmavolumens.
Wegen des veränderten hydrostatischen Drucks fällt er daher während des
Liegens (z.B. im Schlaf von 45,3 % auf 42,9%) (6) sowie beim Aufenthalt im
Wasser und steigt im Stehen (Abb. 1). Längerer Aufenthalt im Wasser und in
der Schwerelosigkeit führen dagegen wegen einer erhöhten Diurese zu einem
Anstieg über den Ausgangswert. In der Höhe steigt der Hämatokrit ebenfalls
wegen der hypoxiebedingt vergrößerten
Harnproduktion schon vor einer merkbaren Neubildung von Erythrozyten an (Plasmavolumen-Verlust
beträgt ca. 500 ml innerhalb von 2 Tagen auf 3550 m; (7)).
Bei körperlicher Belastung steigt der Hämatokrit in Abhängigkeit von
Intensität und Dauer in Extremfällen um bis zu 10% (z.B. von 45% auf 55%) an
(Abb. 1). Die Ursachen liegen in einem erhöhten Blutdruck bei gleichzeitig
vermehrter Öffnung von Kapillaren, was zu einer stärkeren Filtration von
Blutflüssigkeit in den interstitiellen Raum führt, in einem osmotisch
bedingten von intravasal in die Muskulatur gerichteten Wasserstrom während
hochintensiver Belastung und in einem Schweißverlust, der zu ca. 11%
intravasalen Ursprungs ist (6). Im Verlauf eines längerfristigen
Ausdauertrainings nimmt der Hämatokrit infolge der Plasmavolumenexpansion
(500ml in 3 Wochen) deutlich ab. Ein gleiches Bild zeigt sich während
wiederholter Wettkampfphasen (im Verlauf eines 10-tägigen Radetappenrennens
von 46.4% auf 41.3%; (6)). Obwohl hohe Hämatokritwerte eine hohe O2-
Transportkapazität widerspiegeln, zeigen Ausdauersportler eher niedrigere
Hämatokritwerte als Kraftsportler oder untrainierte Personen, so dass sich
im Normalfall eine leicht negative Korrelation zwischen Hkt
und VO2max ergibt (6). Da jedoch ein niedriger Hämatokrit auch einen
anämischen Zustand (im Sportbereich meist aufgrund eines Eisenmangels)
anzeigen kann, sollte insbesondere bei Ausdauersportlerinnen in diesem Fall
der Eisenhaushalt kontrolliert und im Bedarfsfall substituiert werden. Wird
jedoch der Hämatokrit bei einem Ausdauersportler durch Höhentraining oder in
noch größerem Ausmaß durch Blut- oder EPO-Doping erhöht, zeigt sich eine
deutliche Leistungssteigerung. Physiologischerweise ist somit eine erhöhte
aerobe Leistungsfähigkeit nach Training im Flachland mit einem niedrigeren
Hämatokrit, nach Aufenthalt im Hochland und nach Blut- und EPO-Doping mit
einem höheren Hämatokrit korreliert.
Umwelt- und Belastungseinflüsse
Die Frage nach dem optimalen Hämatokrit lässt sich nicht einfach
beantworten. Im Bereich der Muskulatur dürfte er bei ca. 60% liegen; im
Gehirn dagegen nimmt die Perfusion schon oberhalb von 35% ab, so dass
die O2-Versorgung ab 40% drastisch gemindert wird (4). Im Gegensatz zu
einigen Tierspezies (Pferd, Hund), die unter Ruhe einen niedrigen Hämatokrit
besitzen und bei Belastung Erythrozyten aus ihrer Speichermilz freisetzen,
ist der Mensch unter Ruhebedingungen einen Kompromiss hinsichtlich des
optimalen Hämatokrits von Gehirn und Muskel eingegangen. Bei Belastung
nähert er sich durch o.g. Wasserverschiebungen und Verluste dem optimalen
muskulären Hämatokrit an.
Hämatokrit als Kontrolle von Blutmanipulationen
In Folge der seit Beginn der neunziger Jahre ansteigenden Zahl von
Manipulationen mit EPO wurden in einigen Ausdauerdisziplinen Obergrenzen für
den Hämatokrit oder alternativ die Hämoglobinkonzentration eingeführt. Sie
betragen z.B. im Radsport (UCI) 50% bei Männern, bzw. 47% bei Frauen, im
Bereich des Nordischen Skisports (FIS) 17,5 g/dl, (ca. 51,5%), bzw. 16,0
g/dl (ca. 47%). Bei Überschreiten dieser Obergrenzen
werden im Radsport die Rennfahrer für zwei Wochen gesperrt. Wenn bei der
nachfolgenden Messung der Wert unter 50% liegt, darf danach wieder gestartet
werden. Falls einzelne Sportler nachweislich schon normalerweise oberhalb
dieses Wertes liegen, trifft die vorübergehende Suspension auf sie nicht zu.
Die Zahl dieser Ausnahmen dürfte nach unseren Messungen bei ca. 2,5% (2),
nach denen anderer Autoren bei bis zu 30% liegen. Der Sinn der Obergrenzen
liegt nicht in einem Nachweis einer Blutdopingmaßnahme, sondern dient
offiziell dem Schutz des Sportlers. Weiter sollen hierdurch Dopingpraktiken
eingedämmt werden. Dennoch
kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich einige Sportler an die
Obergrenzen „herandopen“ oder bei zu hohen Werten den Hämatokrit mittels
Plasmaexpander reduzieren.
Schlussfolgerungen
Der Hämatokrit kann im Bereich der Sportmedizin nur mit Einschränkungen
als Indikator einer zu geringen Erythropoiese und evtl. des Eisenhaushaltes
genutzt werden, wobei eine echte Anämie von der so genannten Sportanämie
infolge eines überproportional erhöhten Plasmavolumens unterschieden werden
muss. Hinsichtlich der Blutmanipulationen haben sich Obergrenzen des
Hämatokrits trotz aller Schwächen bislang bewährt. Dennoch sollte es das
Ziel sein, die absolute Menge an Erythrozyten und die absolute
Hämoglobinmasse in Form eines Blutpasses zu kontrollieren, da der Hämatokrit
stets durch Plasmavolumenveränderungen gezielt verändert werden kann.
Literatur
1. Ciba-Geigy AG: Wissenschaftliche Tabellen Geigy, Teilband Hämatologie
und Humangenetik, 8. Auflage, Basel, 1979
2. Heinicke K, Wolfarth B, Winchenbach P, Biermann B, Schmid A, Huber G,
Friedmann B, Schmidt W: Blood volume and hemoglobin mass in elite
athletes of different disciplines. Int J Sports Med 22 (2001) 504-512.
3. Hultgren H: High altitude Medicine. Stanford, 1999.
4. Kusunoki M, Kimura K, Nakamura M, Isaka Y, Yoneda S, Abe H: Effects of
hematocrit variations on cerebral blood flow and oxygen transport in
ischemic cerebrovascular disease. J Cereb Blood Flow Metab 1 (1981) 413-417.
5. Mueller-Eckardt C: Transfusionsmedizin. Springer Berlin, Heidelberg, New
York, London, Paris, 1988.
6. Schmidt W, Biermann B, Winchenbach P, Lison S, Böning D: How valid is the
determination of hematocrit values to detect blood manipulations? Int J
Sports Med 21 (2000) 133-138.
7. Schmidt W: Effects of intermittent exposure to high altitude on blood
changes. High Alt Med Biol 3 (2002) 167-176.
Korrespondenzandresse:
Prof. Dr. Walter Schmidt Abteilung Sportmedizin/Sportphysiologie
Universität Bayreuth 95440 Bayreuth Fax: 0921 55 3468
e-mail: walter.schmidt@uni-bayreuth.de
Abbildung 1: Kurzfristige Einflüsse auf den Hämatokrit (modifizierte Abb.
aus 6). Stufentest auf dem Fahrradergometer (obere Kurve) und 20 min Liegen
mit einer Schräglage von -7% (unten).
Neue Wege im Doping? EPO ade --- HIF-1 kommt!!??
K. Heinicke 1,
T. Hofer, R. H. Wenger2,
M. Gassmann
Die zelluläre Antwort
auf Sauerstoffmangel
The cellular
response to hypoxia
Institute für Physiologie und
Veterinärphysiologie, Universität Zürich, Schweiz
1 Division of Physiology, Department of Medicine, University of California,
San Diego, La Jolla, California
2 Carl-Ludwig-Institut für Physiologie, Universität Leipzig
Jahrgang 53, Nr. 10 (2002) DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR
SPORTMEDIZIN
Zusammenfassung
Erythropoiese wird induziert
durch Anämie, reduzierten Sauerstoffpartialdruck (pO2) z.B. in großer Höhe
und während körperlicher Belastung sowie durch andere Faktoren. Das
Glykoprotein Erythropoietin (Epo) ist
ein Hormon, welches die Proliferation, die Differenzierung und die Reifung
der erythroiden Zellen reguliert. Hypoxie erhöht die Epo-Konzentration im
Plasma, was zu einer Erhöhung des Erythrozytenvolumens und dadurch zu einem
verbesserten O2-Transport im Blut führt. Untersuchungen der Epo
Genregulation ergaben, dass ein allgemeiner Mechanismus existiert, der die
Induktion verschiedener Gene steuert, wenn der Organismus hypoxischen
Bedingungen ausgesetzt wird. Die Schlüsselfunktion in dieser O2-abhängigen
Genexpression übernimmt der Hypoxie- induzierbare Faktor-1 (HIF-1), ein
heterodimerer Transkriptionsfaktor, der aus einer α und einer β (auch ARNT
genannten) Untereinheit besteht. Die Aktivierung von HIF-1 ist abhängig von
der Hypoxie-bedingten Stabilisierung der α Untereinheit (HIF-1α), währenddem
die Stabilisierung von ARNT nicht von der O2-Konzentration betroffen ist.
Bis vor kurzem war nicht bekannt, wie Zellen die Abnahme der
O2-Konzentration wahrnehmen, was zur Stabilisierung von HIF-1α führt. Ein
erster Einblick in den Mechanismus, wie die Zelle O2-Konzentrationen misst,
erfolgte mit der Entdeckung einer Familie von O2-abhängigen
Prolylhydroxylasen, welche die Stabilität von HIF-1α beinflussen. Diese
Prolylhydroxylasen markieren HIF-1α unter normoxischen Bedingungen für den
proteasomalen Abbau, indem sie ihn an zwei spezifischen Prolinresten
modifizieren. Dieser Übersichtsartikel berichtet über die neusten
Erkenntnisse auf diesem Gebiet.
Medizinische Bedeutung
Kann HIF-1α direkt zu therapeutischen Zwecken eingesetzt werden?
Bereits untersucht wurden gentherapeutische Anwendungsmöglichkeiten,
die auf dem Transfer von HIF-1 Zielgenen wie VEGF oder Epo basieren (43, 49,
56). Der Gentransfer von VEGF, dem wichtigsten angiogenetischen
Wachstumsfaktor, wurde erfolgreich bei der Behandlung von ischämischen
Erkrankungen wie periphere arterielle Verschlusskrankheit, diabetische
Neuropathie und koronare Herzkrankheit eingesetzt (43, 49). Da HIF-1 die
Transkriptionsrate von VEGF und anderen angiogenetischen Wachstumsfaktoren
unter hypoxischen Umgebungsbedigungen bestimmt und koordiniert (50, 61),
sollte HIF-1 einen noch wirksameren Ansatzpunkt für die Gentherapie bieten
(24). Der HIF-1-Gentransfer würde auf einem übergeordneten, komplexeren
Niveau ansetzen und könnte somit physiologischer auf die lokale Angiogenese
wirken. Therapeutische Ansätze ergeben sich ebenfalls für die Wundheilung,
beispielsweise bei großflächigen Verbrennungen, wo Blutgefäße in
unmittelbarer Umgebung der Wundränder beschädigt sind. Hier könnte durch
Zugabe von HIF- 1 oder VEGF der Heilungsprozess beschleunigt werden. Im
Gegensatz zu den protektiven Effekten, die HIF-1 bei der Behandlung von
ischämischen Erkrankungen zeigt, kann HIF-1 auch eine pathologische Wirkung
ausüben, in dem es das Wachstum von Tumoren fördert (1). Ein solider Tumor
durchläuft während seines Wachstums einen O2-Mangelzustand,
der vor allem im Zentrum des Tumors offensichtlich wird. Um diesen O2-Mangel
auszugleichen, wird VEGF von den Tumorzellen hergestellt, was zu einer
Vaskularisierung führt und somit die Versorgung des Tumorgewebes mit O2 und
Nährstoffen gewährleistet (16). Ein intratumoraler Gentransfer eines sog.
antisense HIF-1α-Plasmids (54) ist eine von verschiedenen untersuchten
Strategien, um hypoxische Tumoren zu behandeln. Diese Technologie basiert
darauf, dass ein komplementärer RNA-Strang (antisense RNA) gentechnologisch
in der Zelle hergestellt wird, der den ursprünglichen, natürlich
vorkommenden RNA-Strang (sense RNA) erkennt, bindet und ihn somit
inaktiviert. Die Expression von HIF-1α-antisense RNA im Tumorgewebe führt zu
einer Senkung der VEGF Konzentration und darausfolgend der Kapillardichte.
Durch diese Methode konnten erste Erfolge mit der dauerhaften Rückbildung
von kleineren Tumoren erzielt werden.
Die Gentherapie bietet völlig neue Behandlungsstrategien
von noch unbekanntem Ausmaß. Momentan befinden wir uns erst am Beginn der
Forschungen, jedoch muss schon jetzt auf einen möglichen Missbrauch der
Gentechnologie zur Leistungssteigerung im Sport hingewiesen werden. Diesem
Missbrauch muss durch eine entsprechende Gesetzgebung sowie mit der
Durchführung von ethischen und pädagogischen Programmen auf der Grundlage
der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse frühzeitig vorgebeugt werden.
alles unter
http://www.zeitschrift-sportmedizin.de/images/heft1002/a01_10_02.pdf
Doping - Der Milliardendeal
Von Evi Simeoni
17. Januar 2005 Wieso ist eigentlich im Sommer 1999 der
Preis für das Medikament Erythropoietin auf dem internationalen Schwarzmarkt
so dramatisch gesunken? Vor jenem Juli zahlten Leute, die an der
Verschreibungspflicht vorbei die Sauerstoff-Aufnahmefähigkeit ihres Blutes
steigern wollten, noch sechzig Euro pro Dosis. Hinterher mußten sie nur noch
sechs Euro berappen. Der Grund: Im Juli 1999 wurde die schier
unglaubliche Zahl von 4,650 Millionen Ampullen dieses Blutdopingmittels aus
dem Lager eines Apotheken-Großhandels in Nikosia gestohlen und anschließend
offenbar auf dem Schwarzmarkt angeboten, der sich über Angebot und Nachfrage
reguliert. Später stieg der Preis wieder auf das alte Niveau.
Offene Fragen
Der Diebstahl von Nikosia wirft viele Fragen auf. Warum lagert eine solche
Menge Arzneimittel, mit der man 50.000 Sportler ein Jahr lang dopen könnte,
auf der kleinen Insel Zypern? Welcher Pharmahersteller gibt eine solche
Riesenmenge Erythropoietin ab, die einen vorstellbaren therapeutischen
Bedarf (das Mittel soll Nierenkranken helfen) weit überschreitet? Wer
schafft es überhaupt, diese hochwirksame Substanz, die ständig gekühlt
werden muß, professionell weiterzutransportieren?
Alessandro Donati, der führende Antidoping-Aktivist Italiens, sieht in dem
Diebstahl das Verbindungsglied zwischen der Pharmaindustrie und einer
organisierten Verbrecherbande. "Man erkennt die Verwicklung zwischen
Hersteller und Verteiler", sagt er. Drei Dinge werden anhand dieses Falles
deutlich. Erstens: Der Handel mit Dopingmitteln ist ein lukratives Geschäft.
Zweitens: Doping ist längst nicht mehr allein ein Problem des Spitzensports
- die Masse macht's. Drittens: Der illegale Dopingmarkt funktioniert
mittlerweile ähnlich wie der Rauschgifthandel.
Gigantische Mengen
Die Fälle, die Donati, Leiter der Forschungsstelle des italienischen
Sportbundes und auch sonst ein gefragter Berater, dokumentiert hat, sind
vielfältig: Im Dezember 2004 verhaftete die Polizei Angehörige der
kalabresischen Mafia 'Ndrangheta mit 300 Kilogramm des Aufputschmittels
Ephedrin - das sind 15 Millionen Portionen. Im Mai 2002 deckte die Polizei
in Neapel Verwicklungen der Camorra in den Dopinghandel auf. Im Januar
2002 beschlagnahmte der Zoll in Wien 1,7 Millionen Anabolikatabletten.
Im Juli 2002 beschlagnahmte die belgische Polizei 550 Kilogramm Anabolika im
Wert von 137 Millionen Euro. Es handelte sich nach Erkenntnissen der Polizei
um einen von acht Transporten, so daß das Gesamtgeschäft auf mehr als eine
Milliarde Euro geschätzt werden kann. Solche gigantischen Mengen
können nicht allein in den Spitzensport-Arenen verfeuert werden. Doch auch
die großen Titelkämpfe schlagen sich in der Verbrechensstatistik nieder: Im
Juli 2000, kurz vor den Olympischen Sommerspielen, verschwanden aus einem
Krankenhaus nahe Sydney 1.000 Portionen Erythropoietin. Im Januar 2002
wurden in Phoenix/Arizona 6.000 Dosen Wachstumshormon beschlagnahmt, die für
die Winterspiele in Salt Lake City bestimmt waren.
Dopinggeschäft nimmt zu
Donati, der bei einem Expertengespräch in Heidelberg Einblick in seine
Arbeit gab, berichtet, daß es in Italien im vergangenen Jahr 240
Beschlagnahmen von illegalen Dopingmitteln gab. Und niemand solle glauben,
daß es sich um ein italienisches Problem handele. "Man kann daraus
Rückschlüsse auf ganz Europa ziehen." Das Dopinggeschäft nehme jährlich zu.
Er schätzt das Volumen auf weltweit 15 Milliarden Euro. Donati hat
ermittelt, daß vier Prozent der elfjährigen Kinder in Italien, zwölf Prozent
der zwölfjährigen Jungen und siebzehn Prozent der dreizehnjährigen Jungen
bereits - erlaubte, aber massiv überdosierte - Eiweißnahrung wie
Kreatin zu sich
nehmen. Später nimmt die Kreatin-Einnahme zwar ab, aber es kommt der Konsum
von Anabolika hinzu.
Doping für die Schönheit
Ein wichtiger Umschlagplatz ist das Internet. Falsche Rezepte durch
kriminelle Ärzte spielen ebenfalls eine Rolle.
Gedealt wird in 15 Prozent der italienischen Fitness-Studios. Weitere
Schlüsselfiguren sind Türsteher in Diskotheken,
die selbst hin und wieder gewalttätig werden - ein Effekt der
Anabolika-Einnahme, die zur sogenannten "Roid Rage" führt.
Nicht nur Sporttreibende greifen zu Dopingmitteln, sondern auch Leute, die
einfach nur gut aussehen wollen. "Dopingtests, die etwa 250 Euro kosten,
sind nur für die Elite möglich", sagt Donati. Die aber mache nur 0,1 bis 0,2
Prozent der Sporttreibenden aus. "Und wer", fragt er, "kümmert sich um die
anderen?" Die Lösung, sagt Donati, könne also nicht mehr aus der Sportwelt
kommen, die dieses Problem verursacht habe. Seit den neunziger Jahren, sagt
er, dringe der Arzneimittelmißbrauch immer mehr von der kleinen Gruppe der
Spitzenathleten auf die Basis durch.
„Europa ist alt und müde”
Donati, der in verschiedenen spektakulären Fällen die italienische
Staatsanwaltschaft beraten hat, sieht bereits eine riesige Verspätung im
Antidopingkampf. "Europa ist alt und müde", beklagt er. Gerade in
Deutschland setzt die Regierung immer noch auf die "Selbstreinigungskraft
des Sports", die Forderungen nach einem Antidopinggesetz werden von den
Ministerien des Inneren und für Justiz regelmäßig abgewiesen. Auch nach
Heidelberg, wo drei hochkarätige Dopinggegner, Gerhard Treutlein
(Pädagogische Hochschule Heidelberg), Wolfgang Knörzer (Akademie für
Gesundheitsbildung), und Giselher Spitzer (Humboldt-Universität Berlin), zu
einer Expertenrunde geladen hatten, entsandte der Innenminister keinen
Vertreter, wie übrigens die Veranstaltung auch vom organisierten Sport
gemieden wurde.
"Der Einfluß der Sportbehörden, die den Antidopingkampf bremsen oder
bagatellisieren, ist zu groß", sagt Donati. Obwohl es in Italien ein
Antidopinggesetz gibt, das nicht nur den Spitzensport betrifft, sondern auch
Amateure und Jugendliche schützen und den Handel bekämpfen soll, fühlt auch
Donati sich permanent behindert. Trotz der schädlichen, süchtig machenden
und zum Teil lebensgefährlichen Wirkung der Dopingmittel kann ein Händler
mit nur maximal sechs Jahren Haft bestraft werden, ein Rauschgifthändler muß
neunzehn Jahre Gefängnis fürchten. "Das ist widersprüchlich und lächerlich",
wettert Donati. "Dahinter steht der Druck der sportlichen Einrichtungen."
http://www.faz.net 19.2.2005
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.01.2005, Nr. 14 / Seite 31
EPO und seine Wirkung nach Einführung in den Radsport
Die Verwunderung und das Misstrauen der Öffentlichkeit wuchs jedoch
stetig weiter:
http://www.cycling4fans.de/index.php?id=1424
Man grübelte über die Explosivität des im Spätherbst seiner Karriere
stehenden Ugrumov, der jahrelang zuvor nicht aufgefallen war, man rätselte
über Evgeni Berzin, der wie aus dem Nichts die gesamte Klassiker- und
Rundfahrten-Weltelite in Grund und Boden fuhr, man fragte sich, wie es sein
konnte, dass ein alternder Moreno Argentin die Dolomitenpässe spielerisch
leicht wie nie zuvor nehmen konnte, …
Nicht nur die Skeptiker vermuteten ein flächendeckendes EPO-Doping in diesem
undurchschaubaren Wald, gerade im Zuge des Ferrari-Interviews…
Jahre später lagen der rückwirkend ermittelnden italienischen
Staatsanwaltschaft folgende Zahlen auf dem Tisch
Hämatokritwerte der Gewiss-Ballan-Fahrer
|
Fahrer
|
15. Dezember 1994
|
24. Mai 1995
|
Differenz
|
|
Bobrik
|
42,7
|
53
|
10,3
|
|
Cenghialta
|
37,2
|
54,5
|
17,3
|
|
Frattini
|
46
|
54
|
8
|
|
Volpi
|
38,5
|
52,6
|
14,1
|
|
Gotti
|
40,7
|
57
|
16,3
|
|
Furlan
|
38,8
|
51
|
12,2
|
|
Minali
|
41,7
|
54
|
12,3
|
|
Santaromita
|
41,4
|
45
|
3,6
|
|
Ugrumov
|
42,8
|
60
|
17,2
|
|
Berzin
|
41,7
|
53
|
11,3
|
|
Riis
|
41,1
|
56,3
|
15,2
|


Quelle:
membres.lycos.fr/cyclingworld/dopage/italie.htm
Diese Zahlen dokumentierten die Hämatokrit-Werte der Gewiss-Ballan-Fahrer
zwischen 1994 und 1995. Der natürliche Wert, so sagt man, liegt in der Regel
unter 50. Doch selbst wenn sich der Anteil der roten Blutkörperchen auf
natürlicher Basis höher als dieser Schwellenwert befindet, sind solche
Sprünge wie in dieser Tabelle absolut unnatürlich und daher ein fast
eindeutiges Zeichen von Medikamentenmissbrauch – sprich EPO. |
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|