PROBENICID

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Probenecid

Auszug aus der Dopingliste: 
II. Verbotene Methoden

B. Pharmakologische, chemische und physikalische Manipulation
Pharmakologische, chemische und physikalische Manipulation ist die Anwendung von Wirkstoffen und Methoden zur Veränderung, versuchten Veränderung oder zu erwartenden Veränderung der Integrität und Validität von in Dopingkontrollen verwendeten Proben. Hierunter fallen unter anderem die Verabreichung von Diuretika, die Katheterisierung, der Austausch und/oder die Veränderung von Proben, die Hemmung der Nierenausscheidung, etwa durch Probenecid und verwandte Verbindungen, sowie die Verfälschung von Meßergebnissen bei Testosteron- und Epitestosteronmessungen, etwa durch die Anwendung von Epitestosteron******* oder die Verabreichung von Bromantan.

Es ist dabei unerheblich, ob die Anwendung verbotener Wirkstoffe oder Methoden zum Erfolg geführt hat oder fehlgeschlagen ist. Für die Annahme eines Verstoßes ist es ausreichend, daß der genannte Wirkstoff beziehungsweise das genannte Verfahren angewendet oder der Versuch hierzu unternommen wurde.

*******
Eine Epitestosteronkonzentration im Urin von mehr als 200 Nanogramm/ml ist, wie im Abschnitt (I.C.1.b.) für Testosteron beschrieben, zu untersuchen.

Manipulationsmöglichkeiten, eine weitere Form des Doping mit verbotenen Methoden, bestehen auf breiter Ebene. Harntausch durch Katheterisierung, Verdünnen des Harns oder Veränderung des pH-Wertes zur Behinderung der Analyse sind Beispiele für physikalische und chemische Manipulation. Aus diesem Grunde wird eine Doping-Probe unter Beisein eines gleichgeschlechtlichen Kontrolleurs abgegeben (10). Unter pharmakologischer Manipulation wird die Einnahme von Epitestosteron oder Probenecid verstanden. Probenecid verhindert die Ausscheidung von z.B. Anabolika über die Niere, und Epitestosteron verändert das Verhältnis von Testosteron zu Epitestosteron. Ein Verhältnis der beiden Steroide von größer als 6 gilt als Doping und ist ein Indiz einer Testosteronapplikation.
 


Die urinären Ausscheidungen von Ethinylöstradiol und Clenbuterol werden durch Probenecid und Trimethoprim reduziert 
Gleixner, A.: Probenecid markedly reduces urinary excretion of ethinylestradiol and trimethoprim slightly reduces urinary excretion of clenbuterol. - In: Food Additives and Contaminants 15 (1998) S. 415-420
Diese Untersuchung schließt an zwei vorangegangene Arbeiten an, in denen gezeigt wurde, daß ausgewählte Substanzen bei Mastkälbern Effekte auf das Ausmaß der urinären Ausscheidung von Wachstumsförderern haben können. Insbesondere gab es Hinweise darauf, daß Probenecid die Ausscheidung von Ethinylöstradiol und Trimethoprim die Ausscheidung von Clenbuterol beeinflussen. In der vorliegenden Studie wurde versucht, diese Befunde zu erhärten. Daher wurden jeweils 13 Tage lang sechs männlichen Mastkälbern Ethinylöstradiol (Gruppe E) und sechs anderen männlichen Kälbern Clenbuterol (Gruppe C) verabreicht. Beide Gruppen erhielten die Wachstumsförderer zweimal täglich (Versuchstage -2 bis 11) über die Milchaustauschertränke. Beginnend mit Versuchstag 7 erhielten die Kälber der Gruppe E zusätzlich an den Tagen 7 bis 11 Probenecid und die Kälber der Gruppe C zusätzlich an den Tagen 7 bis 11 Trimethoprim über die Tränke. Während der Versuchstage 1 bis 11 wurden Blutproben (einmal täglich) gezogen und der 24-Stundenurin gesammelt. Ethinylöstradiol und Clenbuterol wurden in den Proben mit Enzymimmuntests gemessen. Bei vier Kälbern der Gruppe E lag die Ausscheidung von Ethinylöstradiol mit dem Urin während der Probenecidverabreichung (Tage 7 bis 11) im Durchschnitt bei nur 25% der Ausscheidung von Ethinylöstradiol während alleiniger Ethinylöstradiolverabreichung (Tage 1 bis 6). Bei zwei Kälbern der Gruppe E war die Ausscheidung von Ethinylöstradiol an den Tagen 7 bis 11 verglichen mit den Tagen 1 bis 6 auf etwa 4% reduziert. In mehreren Urinproben dieser beiden Kälber befanden sich die Konzentrationen von Ethinylöstradiol an der Nachweisgrenze. Folglich besteht die Möglichkeit eine illegale Anwendung von Ethinylöstradiol bei Mastkälbern durch gleichzeitige Gabe von Probenecid zu verdecken. Bei den Kälbern der Gruppe C hatte die gleichzeitige Gabe von Trimethoprim nur eine geringe Reduktion der Ausscheidung von Clenbuterol mit dem Urin zur Folge. Der Nachweis von Clenbuterol in Urinproben von Kälbern kann durch die gleichzeitige Behandlung mit Trimethoprim nicht verhindert werden.  Im Rahmen der Rückstandsüberwachung für Ethinylöstradiol ist eine gleichzeitige Kontrolle von Probenecid zu empfehlen. 
INSTITUT FÜR PHYSIOLOGIE  LEHRSTUHL FÜR PHYSIOLOGIE    TU München


Probenecid als Dopingmittel
Probenecid ist ein weisses, kristallines Pulver (Molekulargewicht: 285.4) und wird in der Medizin zur Behandlung von chronischer Gicht eingesetzt. Probenecid ist ein relativ altes Medikament, ist nur auf Rezept erhältlich und wird in der Schweiz nicht mehr vertrieben. Es bewirkt die Entfernung von überschüssiger Harnsäure aus dem Blut. Probenecid heilt Gicht nicht, aber nach einer gewissen Einnahmezeit von einigen Monaten bewirkt es eine Verminderung von Gicht Attacken.
Probenecid bewirkt bei gewissen Substanzen eine verminderte Ausscheidung, durch vermehrten Rückhalt in der Niere. So können z.B. Antibiotika bei Niereninfekten länger vor Ort ihre Wirkung entfalten.
Probenecid ist kein Diuretikum, das heisst, es bewirkt generell keine vermehrte Urinausscheidung.
Probenecid als Dopingmittel?
Bereits um 1987 entdeckte die Gruppe um den Kölner Professor Manfred Donike, dass z.B. auch Steroidhormone nach der Einnahme von Probenecid nicht oder nur noch gering ausgeschieden werden. Dies teilweise bereits wenige Stunden nach Einnahme von Probenecid. Damit konnten Dopingkontrollen auf Anabolika manipuliert werden. Deshalb setzte das Internationale Olympische Komitee (IOK) Probenecid 1988 auf die Dopingliste (als "masking agent").
Probenecid erlangte 1988 einen gewissen Bekanntheitsgrad, da es beim damaligen Dominator der Tour de France, Pedro Delgado, bei einer Dopingkontrolle gefunden wurde. Weil das Mittel aber erst auf der IOK Liste und noch nicht auf der Dopingliste des Internationalen Radverbandes (UCI) stand, wurde Delgado nicht bestraft.
Probenecid wird relativ selten bei Dopingkontrollen gefunden. Jährlich werden weltweit um die 100'000 - 120'000 Dopingkontrollen gemacht. Jährlich sind davon um die 1'900 - 2'200 Kontrollen positiv. Im Jahr 1996 wurde Probenecid nie, 1997 4 mal, 1998 3 mal, 1999 2 mal und 2000 nie nachgewiesen.
Matthias Kamber, 22. Mai 2002, www.dopinginfo.ch



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