§ 4.2 Pharmakologische, chemische
und physikalische Manipulation des Urins

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§4.2 Pharmakologische, chemische
und physikalische Manipulation des Urins

In den Verfahrensrichtlinien für Dopingkontrollen wird der Ablauf einer Dopingkontrolle - von der Bestimmung des zu kontrollierenden Sportlers über dessen Benachrichtigung und die Urinabgabe bis zur Verpackung, Codierung und den Versand der Probe in ein Kontrolllabor - ausführlichst eingegangen. Durch die dezidierte Aufzählung der zu beachtenden Punkte soll eine Manipulation der Dopingkontrolle seitens des Sportlers oder anderer (zu Gunsten oder zu Lasten des Sportlers) verhindert werden.

Insbesondere soll der zu kontrollierende Sportler ab dem Augenblick der Benachrichtigung bis zur Versiegelung der Versandbehälter von einem Offiziellen begleitet und beobachtet werden, um Manipulationen der folgenden Art3) auszuschließen:

  • Urinieren und Rekatheterisierung vorbereiteten (cleanen) Urins
  • Veränderung der Dopingkontroll-Proben, z.B. durch Verdünnen mit Wasser oder durch Versetzen des Urins mit Alkohol4) oder Detergentien.
  • Austausch der Dopingkontroll-Proben5)
  • Verstecken eines Gefäßes mit Urin in Kleidung oder Körperöffnungen zum Einfüllen in den Abnahmebehälter bzw. Austausch desselben gegen einen vorbereiteten mit cleanem Urin
  • Beeinflussung der renalen Stoffausscheidung mit Substanzen wie z.B. Probenecid
  • Beeinflussung der Messergebnisse für Testosteron und Epitestosteron z.B. durch Bromantan
  • Beeinflussung des Verhältnisses Testosteron/Epitestosteron durch Zufuhr von Epitestosteron

Fußnoten:
3) Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
4) Man erinnere sich z.B. an den Fall der irischen Schwimmerin Michelle Smith-De Bruin [externer Link] (mehrfache Olympiasiegerin von Atlanta), deren Urinprobe bei einer Kontrolle 1998 eine derart hohe Alkoholkonzentration aufwies, dass sie unweigerlich an einer schweren Alkoholvergiftung gestorben wäre, hätte sie die dafür nötigen Mengen wirklich konsumiert.
5) Hier sei an den Fall Kathrin Krabbe erinnert: Bei einer Dopingkontrolle 1992 waren die Urinproben dreier kontrollierter Sportlerinnen physikalisch identisch - eine medizinische Unmöglichkeit.

§5 Schlussbemerkung

Abschließend noch ein Rat an Trainer und Sportler: Das vor dem Beginn einer (neuen) Medikation geprüft werden sollte, ob die enthaltenen Wirkstoffe (inzwischen) zu den verbotenen Substanzklassen gezählt werden6), scheint selbstverständlich - alles andere wäre Leichtsinn. Wer möchte schon wegen ein paar Nasentropfen7) gegen seinen Schnupfen nach einer anschließenden Dopingkontrolle des Stimulanzienmissbrauchs beschuldigt werden. Daher sollten im Zweifelsfall Medikamente, die ein Sportler einnimmt, vor dem Wettkampf der Wettkampfleitung bekannt gegeben werden. Dann liegt es nämlich auch in deren Verantwortung, festzustellen, ob diese Medikation zulässig ist. Auf diese Weise kann man das Risiko unangenehmer Überraschungen nach dem Wettkampf zumindest verringern.

Fußnoten:
6) Diese Liste wird ja fortwährend erweitert und ergänzt.
7) Nasentropfen enthalten oft Ephedrin o.ä.

§6 Literatur/Links

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Wachstumshormone" 

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Doping ist die Anwendung verbotener leistungssteigernder Wirkstoffe. Im Hochleistungssport wird Doping als "natürliche"
Begleiterscheinung angesehen. Die Medien verurteilen gedopte Sportler, aber das Publikum verlangt nach immer neuen Rekorden und es geht um viel Geld. Der Sportjournalist Martin Krauss beschreibt die Geschichte des Dopings, informiert ausführlich über die Methoden des Dopinggebrauchs und untersucht die sportpolitischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aspekte des Umgangs mit Doping.

Zusammenfassung von Grenzwerten
für die Konzentration bestimmter Wirkstoffe im Urin, bei deren Überschreitung
IOC-akkreditierte Labors zur Meldung verpflichtet sind

Carboxy-THC > 15 Nanogramm/ml
Cathin > 5 Mikrogramm/ml
Coffein > 12 Mikrogramm/ml
Ephedrin > 10 Mikrogramm/ml
Epitestosteron > 200 Nanogramm/ml
Methylephedrin > 10 Mikrogramm/ml
Morphin > 1 Mikrogramm/ml
19-Norandrosteron > 2 Nanogramm/ml bei Männern
19-Norandrosteron > 5 Nanogramm/ml bei Frauen
Phenylpropanolamin > 25 Mikrogramm/ml
Pseudoephedrin > 25 Mikrogramm/ml
Salbutamol  
(als Stimulans) > 100 Nanogramm/ml
(als anaboler Wirkstoff) > 1.000 Nanogramm/ml
Verhältnis der Konzentration von
Testosteron zu Epitestosteron
> 6

Doping mit falschem Penis
ROM (mp). Neu ist der "Whizzinator" aus Kalifornien nicht. Neu ist nur, daß die Weltdopingbehörde WADA auf diese unglaubliche Vorrichtung aufmerksam geworden ist, die eine Dopingprobe zu umschiffen hilft.
Für 150 Dollar kann jeder anonym einen Set aus Gürtel, Slip und falschem Penis erwerben, und der garantiert reine (fremde oder zu einem anderen Zeitpunkt vorproduzierte) Urin kommt aus einem geschickt angebrachten Säckchen, das sich auf Druck entleert.
Hersteller des "Whizzinator" sind die "Puck Technologies" aus Kalifornien, die auf ihrer Homepage seitenweise Lobeshymnen vorlegen. Die Vorrichtung sieht täuschend echt aus, und den Gummi-Penis gibt es anscheinend wahlweise in fünf Färbungen. Auch bei den Olympischen Sommerspielen in Athen soll der "Whizzinator" eingesetzt worden sein.
Ärzte Zeitung, 10.11.2004