Übersicht einiger Artikel
Extra:Der Handel mit illegalem Dopingmittel:Wachstumshormon
1.Doping
mit Wachstumshormonen jetzt nachweisbar 1999
2.Bei
den Olympischen Spielen im Jahr 2000 wird es keine Tests auf Wachstumshormone
(HGH) geben
3.HGH-Mangel:
Probleme des Übergangs von der Kindheit zum Erwachsenenalter
4.Substitutionstherapie
mit humanem Wachstumshormonen bei Erwachsenen -
eine Studie mit 1000 Patienten
5.Wachstumshormon
(HGH-Somatropin) aus Pflanzen
6.Kann die Ausschüttung von HGH gefördert werden?
Human Growth Hormone (HGH)
Hormone sind kleine chemische Botenstoffe,
die kontinuierlich von den endokrinen Drüsen in den Blutkreislauf
ausgeschüttet werden, damit sie die Aktivität lebenswichtiger
Organe regulieren. Der Begriff Hormon stammt aus dem Griechischen und bedeutet
"stimulieren". Hormone stimulieren eine Vielzahl von lebenspendenden Prozessen
im ganzen Körper und sorgen so für Gesundheit, Harmonie, Wachstum,
Heilung und Regeneration.
Das bekannteste Hormon ist das Insulin,
das in der Bauchspeicheldrüse produziert wird. Wenn die Produktion
abnimmt oder versiegt, entsteht Diabetes. Wissenschaftler entdeckten vor
etlichen Jahren einen Weg, Insulin herzustellen und durch regelmäßige
Injektionen die Diabetes und ihre Symptome unter Kontrolle zu halten.
Das Wachstumshormon, das von
der Hypophyse ausgeschüttet wird, ist ein kleines, proteinartiges
Hormon (Peptid), ähnlich dem Insulin. Es wird als menschliches
Wachstumshormon oder "HGH" (human growth hormone) bezeichnet
und ist sehr schwer direkt zu messen. HGH wird in sehr kurzen Impulsen
während der ersten Stunden des Schlafes ausgeschüttet und bleibt
nur wenige Minuten im Kreislauf. Es gelangt schnell in die Leber und wird
in Somatomedin-C umgewandelt, ein anderes kleines Peptidhormon (auch
bekannt als insulinartiger Wachstumsfaktor 1 oder IGF-1).
Somatomedin-C ist verantwortlich für
die meisten Aktivitäten des Wachstumshormons im Körper. Der Somatomedin-Spiegel
ist sehr viel stabiler und kann im Labor gemessen werden.
Während der Pubertät, wenn
man am schnellsten wächst, ist die Produktion des HGHs sehr hoch.
Darum wird es "Wachstumshormon" genannt. Aber auch, wenn das Wachstum beendet
ist, müßte das Hormon (wenn auch etwas weniger) für die
physische
und psychische Gesundheit und das Wohlbefinden das ganze Leben über
weiter produziert werden. Die Wiederherstellung von Gewebe, die Heilung,
Zellsubstitution und Gesundheit der Organe, die Knochenfestigkeit, Gehirnfunktion
und Enzymproduktion, die Gesundheit von Haaren, Nägeln und Haut
- für all diese Prozesse und Funktionen müssen andauernd genügend
Wachstumshormone zur Verfügung stehen. Ab zwanzig nimmt die Wachstumshormonproduktion
immer mehr ab, durchschnittlich um 14 Prozent innerhalb von zehn Jahren.
Mit sechzig ist es nicht ungewöhnlich, daß ein 75prozentiger
Verlust oder mehr gemessen wird. Der physische Verfall im Alter korreliert
direkt mit der verminderten Ausschüttung des Wachstumshormons durch
die Hypophyse.
Kinder mit einem sehr frühen
Wachstumshormondefizit der Hypophyse können nicht normal wachsen und
werden zwergwüchsige Erwachsene, wenn man sie nicht behandelt. Die
Wachstumshormon-Therapie wurde ursprünglich entwickelt, um diese Kinder
zu behandeln, damit sie wachsen und normale Erwachsene werden konnten.
Zunächst waren die Substitute begrenzt, teuer und manchmal verseucht.
Es gab nicht genug Wachstumshormone, um alle Kinder, die sie brauchten,
behandeln zu können. Durch die Entwicklung der rekombinierten DNA-Technologie
steht heute mehr HGH in einer sehr reinen Form zur Verfügung, aber
es ist immer noch sehr teuer. Trotzdem eröffnet das in immer größerer
Menge zur Verfügung stehende Wachstumshormon eine neue Dimension der
Gesundheitsfürsorge.
Etwa alle drei Jahre erneuern
sich 90 Prozent aller Zellen des menschlichen Körpers. Der Körper
ist eine Komposition aus mehr als 100 Trillionen Zellen, die kontinuierlich
absterben und ersetzt werden. Nur im Gehirn und im Nervensystem bleiben
die Originalzellen (Neuronen) erhalten, aber im Gehirn werden kontinuierlich
Proteine produziert, um Erinnerungen an jede neue Erfahrung zu speichern.
Lernfähigkeit, Gedächtnis und Intelligenz sind abhängig
von einer adäquaten Menge an Wachstumshormonen. Wenn sie mit dem Alter
abnehmen, werden auch alle vitalen Organfunktionen reduziert.
Heute steht die Substitutionstherapie
des menschlichen Wachstumshormons zur Verfügung, und die altersbedingten
Symptome physischer und mentaler Reduzierungen können umgekehrt oder
verlangsamt werden. Durch die Messungen der Wachstumshormonspiegel
(Somatomedin-C) im Blut älterer Erwachsener, oder auch jüngerer,
denen es trotz anderer Therapien nicht gut geht, hat die Gesundheitsvorsorge
und die Präventivmedizin einen ganz neuen Vorteil gewonnen. Wenn der
Somatomedin-C-Spiegel bei gesunden jungen Erwachsenen normal ist, ist eine
HGH-Substitution nicht gerechtfertigt. Wenn aber der Spiegel niedrig ist,
kann die Substitution von großem Nutzen sein.
Zu den positiven Wirkungen
der Wachstumshormonsubstitution, die in die wissenschaftliche Literatur
eingeflossen sind, gehören das Anwachsen der Muskelmasse, eine
gesteigerte körperliche Kraft, weniger Erschöpfungszustände,
weniger Fett (speziell abdominales Fett), gewachsene Knochenfestigkeit
und die Revitalisierung der Leber, der Nieren, der Milz und der Gehirnfunktionen.
Die
Haut gewinnt ein jugendlicheres Aussehen zurück und hat weniger Falten,
die Sexualfunktionen werden verbessert. Das Cholesterin wird gesenkt,
die Gelenkknorpel werden stärker und es gibt Verbesserungen bei Osteoporose
und der Alzheimerkrankheit.
Auch für Aidspatienten resultiert
aus der HGH-Substitution eine merkliche Verbesserung ihrer Lebensqualität.
H.T., ein 62jähriger Geschäftsmann,
hat sich seit drei Jahren täglich HGH injiziert. Er sagt dazu: "Meine
Energie, mein Durchhaltevermögen und mein sexueller Antrieb entsprechen
denen eines Dreißigjährigen. Mein Muskeltonus hat sich phantastisch
verbessert. Mein Taillenumfang schrumpfte von 107 cm auf 86 cm, und der
Fettanteil von 28% verringerte sich auf 12%. Ich sehe morgens in den Spiegel
und kann nicht glauben, daß dieser Typ dort ich selber bin, ich sehe
wieder aus wie damals, als ich 30 war. Die Lähmung meiner Hand ist
verschwunden, ich habe meine Bifokalgläser weggelegt, und meine Haut,
die so dünn wie Seidenpapier war, ist nun jugendlich."
J.H., eine vierzigjährige Geschäftsfrau,
litt viele Jahre unter chronischer Erschöpfung und Kiefer- und Kopfschmerzen,
die durch eine Degeneration der Oberkiefergelenke hervorgerufen wurden.
Nach den täglichen HGH-Injektionen berichtete sie:" Ich war eine vierzigjährige
Frau in einem sechzigjährigen Körper. Durch die HGH-Therapie
sind meine Schmerzen vollständig verschwunden, ich habe mehr Energie
und Ausdauer, weniger Fett, und ich fühle mich viel lebendiger, innerlich
erblüht und beinahe euphorisch."
1991 führte Dr. Daniel Rudman
am Medical College of Wisconsin ein wissenschaftliches Forschungsprojekt
durch. Er gab dabei älteren Männern Wachstumshormoninjektionen.
Die Untersuchungsergebnisse wurden im New England Journal of Medicine publiziert.
Dr. Rudman sagte in einem Interview:" Wir kehrten 10 bis 20 Jahre des Alterungsprozesses
um ... das Fett wurde reduziert, das Muskelgewebe wuchs an."
Ein weiterer wichtiger Nutzen der
HGH-Substitution ist die Stärkung des Immunsystems.
Infektionen nehmen ab, die Genesung von Krankheiten
wird unterstützt, Allergien werden besser, und mit dem Immunsystem
zusammenhängende Krankheiten wie Arthritis sind weniger lästig.
Das Immunsystem ist wichtig zur Verteidigung gegen Krebs, und es scheint
logisch, daß das Wachstumshormon bis zu einem gewissen Grad vorgebeugend
wirken kann. Alle Spekulationen, daß dieses Hormon Krebs fördern
könnte, wurden in der klinischen Praxis nicht bestätigt. In Wirklichkeit
vermindert eine verbesserte Immunität logischerweise das Risiko eines
bösartigen Krebses und beschleunigt die Heilung bei Krebsbehandlungen.
Nebenwirkungen, die in der
medizinischen Forschung dokumentiert wurden,
waren meist auf sehr hohe
Dosierungen zurückzuführen. Die Dosierungen in diesen Studien
waren achtmal höher als die Menge, die normalerweise von der Hypophyse
produziert wird. Solche Überdosierungen verursachten das
Karpaltunnelsyndrom,
eine verminderte Glukosetoleranz (eine gewachsene Tendenz zu Diabetes),
Brustvergrößerungen (sogar bei Männern) und Flüssigkeitsretentionen.
Wenn die Wiederherstellung des Gewebes,
die Heilung und das Ersetzen der Zellen durch die Wachstumshormonsubstitution
beschleunigt werden, wächst der Bedarf an Nährstoffen aller Art.
Die Proteinaufnahme muß adaequat sein, um neues Gewebe zu bilden.
Vitamine, Mineralien und Spurenelemente werden in größeren Mengen
verwertet, wenn die Stoffwechselrate ansteigt. Wenn der Körper nicht
genügend essentielle Nährstoffe hat, kann ein vermehrtes Zellwachstum
Mangelerscheinungen noch verschlimmern oder hervorrufen. Darum ist es weise,
einen Arzt oder eine Ärztin auszuwählen, die sich auch mit Ernährungsberatung
und Präventivmedizin auskennen, wenn man eine Wachstumshormontherapie
machen möchte.
Wenn jemand beispielsweise ein Defizit
an dem essentiell wichtigen Vitamin
B6 hat, kann das Wachstumshormon in einigen Fällen das mit dieser
Mangelerscheinung zusammenhängende Karpaltunnelsyndrom hervorrufen.
Nebenwirkungen können folglich durch einen Nährstoffmangel verursacht
werden.
Die Wachstumshormontherapie in niedriger
Dosierung ist klinisch effektiv und ohne signifikante Nebenwirkungen. Nebenwirkungen,
die dennoch auftreten, wie leichte Flüssigkeitsretentionen, verschwinden
gewöhnlich innerhalb weniger Wochen, wenn der Körper auf eine
jüngere Stoffwechselrate eingestellt wird.
Langlebigkeit
und
Gesundheit sind extrem
komplizierte Ziele, die von vielen Faktoren beeinflußt oder beeinträchtigt
werden. Eine Rolle spielen dabei Vererbung, Streß, Ernährung,
Antioxidationsmittel, der Lebensstil, schädliche Gewohnheiten, Tabak,
exzessiver Alkoholkonsum und chemische und Umweltverschmutzung. Das sind
zusätzliche Belastungen zur altersbedingten Abnahme der Hormonproduktion.
Die übliche "Gesundheitsversorgung" ist größtenteils auf
Medikamente oder chirurgische Attacken gegen Krankheiten orientiert, eine
negative Methode, die üblicherweise keine Nährstoff- und Homonsubstitution
oder Entgiftung beinhaltet, was die natürliche Heilung und Regeneration
stimuliert. Das Wachstumshormon unterstützt die Gesundheit, den Heilungsprozeß
und die Instandsetzung der Zellen.
Ein vernünftiges Wachstumshormon-Therapieprogramm
sollte auf einer medizinisch empfohlenen
Ernährung
auf Vitaminen, Mineralstoffen
und Spurenelementen fußen, eine
Chelat-Therapie, die Messung und Substitution anderer
defizitärer Hormone (Schilddrüsenhormon, DHEA etc.) und Antioxidationsmittel
gegen freie Radikale beinhalten, um optimale Ergebnisse zu erzielen.
Substitutionstherapie
mit humanem Wachstumshormonen bei Erwachsenen -
eine Studie mit 1000 Patienten
am Palm Springs Life Extension Institute
L. Class Terry, M.D., Ph.P., Pharm.D.
Medical College of Wisconsin ,
Milwaukee, WI
Edmund Chein, M.D.
Palm Springs Extension Institute,
Palm Springs, CA
In dieser Studie werden die Wirkungen
einer Behandlung mit humanem Wachstumshormon (HGH) beschrieben, die sie
auf den Cholesterin-, den Triglyzerid- und den insulin-like growth factor (IGF)-Spiegel, die Inzidenz der Nebenwirkungen und die Inzidenz von Krebs
ausübt. Sie basiert auf Selbstbeurteilungen bezüglich physischer
und psychischer Veränderungen während einer Hormonsubstitutionstherapie.
Dr. Terry und Dr. Chein arbeiteten zusammen an der Studie, die eine der
größten medizinischen Studien ist, die jemals über die
Substitutionstherapie mit humanem Wachstumshormon bei Erwachsenen durchgeführt
wurde. In dieser großen klinischen Prüfstudie wurden retrospektiv
mehr als 1.000 Patienten untersucht, die am Palm
Springs Life Extension Institute mit HGH wegen eines
HGH-Mangelsyndroms
bei Erwachsenen behandelt wurden ("adult GH deficiency syndrome" =
AGHDS,
definiert als ein IGF-Spiegel < 350 ng/ml). Das Ziel der Studie war,
die IGF-Blutspiegel auf Werte zu erhöhen, die normalerweise bei jungen
Erwachsenen vorkommen (> 350 ng/ml), und dennoch innerhalb normaler Konzentrationen
zu halten. Die Studie baute auf Dr. Rudmans bahnbrechenden Arbeiten auf,
der ein Freund und Kollege Dr. Terrys ist und ein Pionier auf dem Gebiet
der Wachstumshormonforschung. Zusammen mit anderen Kollegen vom Medical
College of Wisconsin berichtete Dr. Rudman, daß eine verminderte
HGH-Sekretion mitverantwortlich ist für den Verlust an magerer
Körpermasse, einer Zunahme des Körperfetts und einem
Dünnerwerden der Haut, das im Alter auftritt (NEJM 323:1, 1990).
Diese Studie wäre ohne Dr. Rudmans Arbeit nicht zustande gekommen.
Dr. Rudmans Studienaufbau von 1989 bestand darin, den Patienten eine bestimmte
Anzahl von Einheiten Wachstumshormon pro Woche zu verabreichen in drei
Dosen aufgeteilt (dreimal die Woche). Im Gegensatz zu Dr. Rudmans Methode
HGH hochdosiert in großen Abständen zu verabreichen, imitierte
die Methode , die am Palm Springs Life Extension Institut angewandt wurde,
besser die natürlichen täglichen und nächtlichen Ausschüttungsmuster
des Wachstumshormons. Das humane Wachstumshormon wurde vor dem Schlafengehen
und nach dem Aufwachen an 6 von 7 Tagen verabreicht. Die Dosierung, die
Dr. Edmund Chein anwandte, war viel niedriger und in kürzeren Abständen
verabreicht. Dieses High-Frequency-Low-Dose-Schema brachte das IGF
in 1 bis 2 Monaten wirkungsvoll auf jugendliche Werte. Die hervorstechendsten
Ergebnisse ergaben sich in Bezug auf eine Verbesserung der Muskelkraft,
der Belastungsdauer und einem Verlust an Körperfett. Es wurden
auch deutliche Verbesserungen der Haut, der Wundheilungskapazität,
des sexuellen Antriebs und des sexuellen Leistungsvermögens, des Energieniveaus,
der Psyche und der Einstellungen sowie des Gedächtnisses registriert.
In der Regel traten diese Verbesserungen innerhalb von 1 bis 3 Monaten
auf und steigerten sich noch über 6 Monate hinweg.
Die ursprüngliche Methode, die
Dr. Rudman anwandte, bestand darin, montags, mittwochs und freitags humanes
Wachstumshormon subkutan zu spritzen. Dies hatte eine Anflutung der Serumspiegel
des humanen Wachstumshormons zu Folge, wie sie der Körper auf natürlichem
Weg nicht erfährt. Das Schema , das Dr. Chein wählte und das
Dr. Terry empfahl, besteht darin, häufiger d. h. zweimal täglich
viel niedrigere Dosen zu verabreichen. Normalerweise ist das eine Dosis
subkutan morgens beim Aufwachen und eine Dosis subkutan abends vor dem
Schlafengehen. Es wird zweimal täglich an sechs von sieben Tagen Wachstumshormon
gegeben. Es wird gewöhnlich mit einer 27 Gauge / 0,5 cc Kanüle,
wie man sie auch für Insulin benutzt, gespritzt. Es ist so schmerzlos
wie ein Mückenstich. (Die ausgewerteten Daten basieren auf der Arbeit
von Dr. Chein, der seit 1994 über 3 Jahre lang AGHDS- Patienten am
Palm Springs Life Extension Institut behandelt hat.)
HGH-Mangel:
Probleme des Übergangs von der Kindheit zum Erwachsenenalter
Ergebnisse einer Expertendiskussion
Prof Dr.Michael B Ranke, Univ. Kinderklinik,Tübingen; PD Dr
Markus Bettendorf, Univ.Kinderklinik, Heidelberg; Prof.Dr. Otfried Butenandt,
Univ.Kinderklinik (Hauner) , München; Prof.Dr. Helmuth G Dörr,
Univ.Kinderklinik, Erlangen; PD Dr. Berthold P Hauffa, Univ.Kinderklinik,
Essen; PD Dr. Wieland Kiess, Univ.Kinderklinik, Giessen; Prof.Dr. Otto
Mehls, Univ.Kinderklinik. Heidelberg; PD Dr. Eckhard Schönau, Univ.
Kinderklinik,Köln; Prof. Dr. Hans-Peter Schwarz, Univ.Kinderklinik (Hauner),München; PD Dr. Carl-Joachim
Partsch, Univ.Kinderklinik,
Kiel; Prof.Dr. Nikolaus Stahnke, Univ. Kinderklinik, Hamburg
Der Wachstumshormon (GH) - Mangel im Kindesalter manifestiert sich
durch ein mehr oder weniger charkteristisches Erscheinungsbild ("Puppenhaftigkeit"),
metabolische Veränderungen (z.B. Hypoglykämie), ein vermindertes
Wachstum mit proportioniertem Kleinwuchs im Kindes- und Erwachsenenalter
sowie Veränderungen der Körperzusammensetzung (z.B. reduziertes
intravasales Volumen, verminderte Muskelmasse, vermehrte Fettmasse). Leitsymptom
ist der progressive Kleinwuchs, der in Abhängigkeit vom Ausmaß
des GH-Mangels früher oder später augenfällig wird. Die
Ursachen einer verminderten GH-Sekretion sind vielfältig. Die vorliegenden
Störungen können teils anatomischer Art (Anlagestörung der
Hypophyse, Zustand nach Operation), teils funktioneller Art sein und in
diesen Fällen ganz unterschiedliche Ursachen (Genverlust, GH-Releasing-Hormon-
mangel, u.a.m) haben. Oft bleibt die Ursache im Dunkeln (sog. idiopathischer
GH-Mangel). In jedem Falle liegt aber eine verminderte (oder gänzlich
fehlende) Sekretion von GH vor, die in Abgrenzung von klinisch und auxologisch
ähnlichen Wachstumsstörungen nachgewiesen werden muß.
Diagnostik
Im Kindesalter bereitet die Diagnosestellung immer dann besondere Schwierigkeiten,
wenn die Ursache nicht evident erscheint. Die Diagnose scheint hingegen
eher wahrscheinlich nach Operationen im Bereich der Hypophyse oder bei
Fehlanlagen in der Region, die durch NMR gut nachweisbar sind, und wenn
andere hypophysäre Ausfälle bestehen. Der Mangel an Wachstumshormon
muß durch den Nachweis einer verminderten Sekretion gesichert werden.
Dem stehen eine Reihe von Problemen im Wege: 1. GH-Assays sind variabel,
2. die GH-Sekretion ist nicht stetig sondern pulsatil, was erfordert, daß
GH nach Stimulation oder unter spontanen Sekretionsbedingungen seriell
gemessen wird, 3. die GH-Sekretion ist von bestimmten Bedingungen (Alter,
Geschlecht, Ernährungszustand, Sexualhormonen, Emotion, u.a.m.) abhängig,
und 4. die Übergänge zwischen normal und pathologisch sind fließend,
so daß fixe Grenzwerte eher als empirische Richtlinien denn als reale
"cut-offs" angesehen werden können. Eine besondere Bedeutung für
die Diagnostik hat heute die Messung der GH-abhängigen Faktoren Insulin-like
Growth Factor-I [IGF-I] und IGF-Binding Protein - 3 [IGFBP-3]. Im Vergleich
zum Alter völlig normale Werte (> - 1 SDS) dieser Parameter schließen
einen GH-Mangel im Kindesalter mit größter Wahrscheinlichkeit
aus.
Therapie
Eine weitere Schwierigkeit stellt die Therapie mit GH dar, welche heute
ausschließlich mit rekombinantem GH durchgeführt wird. Die primären
Ziele der Behandlung sind: 1. rasche Normalisierung der Körpergröße
im Kindesalter, 2. Erhaltung einer normalen Körpergröße
in der gesamten Kindheit und Adoleszenz, und 3. Erreichen einer normalen
Erwachsenengröße. Diese Ziele sollten mit dem geringsten Nebenwirkungspotential,
das sich bei der Substitionsbehandlung aus der Dosis und der nicht physiologischen
Art der Darreichung (z.B. nicht wie physiologisch pulsatil sondern 1x tgl.
als s.c. Bolus) ergibt, und mit möglichst geringen Kosten erreicht
werden. Während hinreichend Erfahungen zur Optimierung der Therapie
im ersten Behandlungsjahr vorliegen (Orientierungsdosis: 0.5 IE/kg Wo)
gibt es keine hinreichenden Erfahrungen über die notwendige Dosisanpassungen
über längere Zeiträume, insbesondere während der Pubertät.
Bei gleichzeitig bestehendem Gonadotropinmangel ergibt sich zudem das Problem
einer adäquaten (Präparat, Dosis) Zusatztherapie, die sich an
den Notwendigkeiten des Wachstums und den Bedürfnissen an einer altergerechten
Sexualentwicklung orientieren muß. Es kann allerdings heute davon
ausgegangen werden, daß ein Kind mit GH-Mangel, wenn rechtzeitig
und sachgerecht behandelt, eine normale Erwachsenengröße erreichen
kann.
Langzeitperspektive
Strittig ist auch, wann eine nur das Wachstum berücksichtigende
Therapie in der Adoleszenz beendet werden kann/soll. Die Antworten divergieren
zwischen zwei Extremen: der 3. Größen-perzentile für Erwachsene
einerseits und der völligen Ausschöpfung des möglichen Wachstumspotentials
andererseits. Es ist dies heute allerdings eine eher nachgeordnete Frage,
da zwei wichtige Erkenntnisse das Verständnis von der Natur des GH-Mangels
entscheidend geprägt haben: 1. nicht alle GH-abhängigen Erwicklungsvorgänge
sind zwangsläufig mit Ende des Wachstums abgeschlossen, und 2. der
GH-Mangel führt im Erwachsenenalter zu einem charakteristischen Krankheitssyndrom.
Letzteres zeigt, daß der Terminus Wachstumshormon ein Misnomen ist,
welches die generelle Funktion des GH als somatotropes - der Erhaltung
von Körperfuntionen und Gewebsstrukturen dienendes - Hormon fälschlicherweise
auf die Förderung des Größenwachstums im Kindesalter beschränkt
hat.Somit stellt sich die Frage, welche Konsequenzen sich aus dieser Sicht
der GH-Wirkungen für den Kinderarzt ergeben. Die Antworten zu dieser
Frage können, da es über konkrete Vorgehensweisen noch keinen
allgemeinen Konsens gibt, zum jetzigen Zeitpunkt nur allgemein formuliert
werden. Der Versuch soll hier summarisch gemacht werden:
1. Die Behandlung des GH-Mangels muß schon während der Kindheit
und Adoleszens auf die Normalisierung aller GH-abhängigen Funktionen
bzw. Strukturen abzielen, und darf sich nicht ausschließlich am Größenwachstum
orientieren. Die bedeutet, daß Parameter, welche z.B. die Entwicklung
der Körperkompartimente (Flüssigkeit, Fett, Muskulatur und Knochen)
dokumentieren, während der Therapie gemessen werden sollten. Gleichzeitig
ist aber auch die psychosoziale Gesamtsituation der Kinder zu berücksichtigen.
2. Die Entwicklung des Adoleszenten ist erst dann als abgeschlossen
anzusehen, wenn die sexuelle Reife und das geschlechtsspezifische Erscheinungsbild
voll entwickelt sind. Diese werden, wie wir heute wissen, von GH bzw. dem
GH-abhängigen IGF-System beeinflußt. Es erscheint daher folgerichtig,
daß eine Substitutionsbehandlung mit GH erst dann beendet/unterbrochen
wird, wenn der Jugendliche einen Entwicklungsstand erreicht hat, der dem
normalen Adoleszenten am Ende der Entwicklung entspricht. (Mädchen
ca. 16 Jahre; Jungen ca. 18 Jahre).
3. Ist die auf Wachstum und Entwicklung abzielende Substitutionstherapie
mit GH erfolgreich abgeschlossen, sollte die Diagnose des GH-Mangels nach
einer Therapiepause (3-6 Monate) erneut überprüft werden. (Bei
organisch bedingtem GH-Mangel scheint das aber aus rein medizinischer Sicht
nicht zwangsläufig.) Welche Vorgehensweise hier gewählt werden
soll, ist derzeit jedoch nicht völlig geklärt. Während Pädiater
neben der Messung von IGF-I und IGFBP-3 eine große Anzahl von Stimulationstest
und die Spontansekretion des GH zur Diagnostik einsetzen, plädieren
Erwachsenenendokrinologen derzeit vordringlich für die Verwendung
des Insulin-Tests. Der Clonidin-Test hat im Erwachsenenalter offenbar keine
Aussagekraft. Auch die Bestimmung von IGF-I (IGFBP-3) hat für die
Diagnostik des GH-Mangels im Erwachsenenalter eine geringere Wertigkeit.
Ob dies mit der sich wandelnden Physiologie des Erwachsenen zusammenhängt
oder aber mit der besonderen Population von Patienten mit GH-Mangel, die
im Erwachsenenalter auftreten (Z.n. nach Entfernung eines Hypophysenadenoms),
ist derzeit nicht geklärt. Es scheint daher in der jetzigen Situation
m.E. sinnvoll, daß junge Erwachsenen, bei denen in der Kindheit ein
GH-Mangel diagnostiziert wurde, sowohl mit dem ursprünglichen diagnostischen
Arsenal, in jedem Fall aber auch mittels Insulin-Test, nachuntersucht werden.
Dabei sollten andere hypophysäre Defizite vor erneuter Testung medikamentös
ausgeglichen sein. Um Unterschiede bei der Bestimmung von GH gering zu
halten, sollte in Zukunft darauf geachtet werden, daß die Methoden
gegen den internationalen Referenzstandard IRP 88/624 ( 1mg = 3.0 U) abgeglichen
werden. Es ist in diesem Zusammenhang bemerkenswert, daß sich die
Diagnose des GH-Mangels, die in der Kindheit gestellt wurde, bei einem
bemerkenswerten Teil der Patienten (ca. 20%) - insbesondere bei isoliertem
GH-Mangel - nicht bestätigen läßt. Ob es sich in diesen
Fällen überwiegend um Fehldiagnosen im Kindesalter, um eine transitorisch
verminderte GH-Sekretion, um Unterschiede in den Definitionen oder aber
um Fehldiagnosen im Erwachsenenalter handelt, werden weitere Studien ergeben.
4. Der primär behandelnde Pädiater muß sich überlegen,
zu welchem Zeitpunkt und in welche Hände er seine erwachsenen Patienten
übergibt. Der Zeitpunkt mag je nach Gegebenheiten variieren, wird
aber nicht zuletzt durch die Rahmenbedingungen der Gesundheitsstrukturgesetze
bestimmt. Ein Erwachsener kann nicht auf Dauer vom Pädiater betreut
werden, selbst wenn dieser die nötigen Fachkenntnisse hätte und
der Patient dies aus "lieber Gewohnheit" auch wünschen mag. Die Frage,
in welche fachkundigen Hände der Pädiater seine Patienten mit
GH-Mangel übergibt ist weniger einfach zu beantworten. Sicher haben
Internisten, Praktiker und Endokrinologen stets Säuglinge, Kinder
und Jugendliche mit hormonellen Störungen betreut (ohne durch ärztliche
Vorschriften eingeschränkt zu sein). GH ist aber für diese Gruppe
von Kollegen ein noch relativ neues Hormon, mit dem noch keine großen
Erfahrungen gesammelt wurden. Die Zahl der Fachleute auf dem Gebiet ist
also noch eingeschränkt und wird erst allmählich wachsen.
5. Anders als im Kindes und Jugendalter ist das Ziel der Therapie mit
GH im Erwachsenenalter weniger exakt definiert. Selbst wenn mangelnde Muskelmasse
und - kraft, Osteoporose, Atherosklerose, Adynamie und verminderte Lebensqualität
Merkmale des GH-Mangel-Syndroms des Erwachsenen sind, ist die Objektivierung,
insbesondere wenn die Veränderungen zum Guten oder Schlechten sich
sehr langsam vollziehen, an ein umfangreiches methodisches Arsenal geknüft,
das nicht überall und in gleichbleibender Qualität über
Jahre zur Verfügung steht. Die im Erwachsenenalter notwendige Substitutionsdosis
liegt niedriger als beim Kind und Jugendlichen (ca. 1/3) und wird durch
Bestimmungen des IGF-I im Blut titriert. Im Erwachsenenalter muß
der mit GH behandelte Patient zwangsläufig im Rahmen eines stringenten
Nachsorgeprotokolls geführt werden. Dieses muß auch derart beschaffen
sein, daß an großen Patientenzahlen Erfahrungen gesammelt werden
können. Es ist schlechthin kaum vorstellbar und auch wegen der materiellen
Kosten nicht vertretbar, daß ein erwachsener Patient ohne Einbindugn
in ein übergreifendes Qualitätskontrollprogramm mit GH therapiert
wird.
6. Gleiches gilt auch für diejenigen Patienten, bei denen sich
der kindliche GH-Mangel nicht bestätigt hat oder die an einer Weiterführung
der Behandlung - evtl. vorübergehend - nicht interessiert sind. Auch
diese Patienten müssen systematisch nachuntersucht werden, teils um
die durch den GH-Mangel sich entwickelnden Störungen rechtzeitig zu
erkennen, teils um Spätfolgen der Grunderkrankung oder der Therapie
zu erfassen.
7. Es ist zudem erforderlich, daß die Informationsvermittlung
vollständig erfolgt und nicht nur der Fall sondern der Patient im
wahrsten Sinne des Wortes in die Hände eines anderen Kollegen gelegt
wird.
Zusammenfassung
Es ist aus diesem kurzen Abriß abzuleiten, daß die Übergangsphase
vom Pädiater zum Endokrinologen komplexe Probleme aufwirft. Es sind
dies durch beide Fachgruppen allerdings lösbare Probleme. Voraussetzungen
sind primär Offenheit und Kooperationsbereitschaft auf beiden Seiten.
Der Pädiater muß auch lernen, seine Patienten loszulassen und
sich in die Welt der Erwachsenenmedizin mit einem viel längeren Betreuungszeitraum
hineinzudenken. Der Internist und Endokrinologe hingegen muß bereit
sein, auf den bereits gemachten Erfahrungen mit dem Patienten und seiner
Krankheit aufzubauen. Pädiater behandeln Kinder mit GH schon seit
40 Jahren. Zudem scheint es wichtig, daß auch von Seiten der Gesundheitspolitik
Stukturen gefördert werden, welche die fach- und altersübergreifende
Betreuung von Patienten erleichtert.
Referenzen
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Wachstumshormon
(HGH-Somatropin) aus Pflanzen
Gentechnisch veränderte Chloroplasten bilden Somatropin (
Wachstumshormon) 2000
Erbmaterial wird in transgenen Pflanzen verankert. In einem neuen
Verfahren wird dieses nicht wie bisher im Zellkern, sondern in andere
Zellorganellen, den Chloroplasten - den Solarkraftwerken der Pflanzen -
übertragen. Eine Pflanzenzelle besitzt hunderte dieser Chloroplasten
und dient daher hervorragend als biotechnische Eiweißfabrik.. Mit
fremden Genen ausgerüstet können diese, angetrieben vom Sonnenlicht,
große Mengen der gewünschten Substanzen synthetisieren. Bei den
großen Mengen an Wachstumshormon entfielen auf das Somatropin bis
zu sieben Prozent des gesamten löslichen Proteins. Die Konzentration
ist somit 300 mal höher als nach herkömmlichen Gentranfers in den
Zellkern ( Nature Biotechnology Bd. 18, S.333)
Mit diesem Verfahren haben jetzt amerikanische Wissenschaftler transgene
Tabakpflanzen erzeugt, die das menschliche Wachstumshormon - Somatropin-
erzeugen.
Kann
die Ausschüttung von HGH gefördert werden?
Bei der Supplementierung mit einzelnen freien Aminosäuren in Grammmengen
muss stets auf die potentiellen Gefahren aufmerksam gemacht werden,
welche unter Supplemente - BCAA diskutiert werden.
Praktisch alle Aminosäuren können in freier Form auf dem Markt erworben
werden. Arginin, Ornithin und Lysin wird eine anabole Wirkung zugesprochen.
Dies beruht auf der Tatsache, dass Arginin die Sekretion des menschlichen
Wachstumshormons fördert. Interessanterweise fördert aber Schlaf wie auch
hartes Training die Sekretion des menschlichen Wachstumshormons mehr als
eine Arginineinnahme. Die vielmals zitierte Arbeit von Isidori et al (1981), in
welcher bereits nach einer minimalen Gabe an Arginin und Ornithin (1.5 g) eine
massive Erhöhung des Blutgehaltes an Wachstumshormon beobachtet wurde,
ist suspekt. Der Gehalt des Wachstumshormons nach der Supplementierung
war bspw. dreimal so hoch wie nach einer Infusion von 30 g Arginin (Knopf et
al, 1966). Auch lag der Ausgangsgehalt des Wachstumshormons wesentlich
über den normalen Grenzwerten. In den Studien, in welchen die Effekte einer oralen Einnahme von
Arginin,
Ornithin oder Lysin untersucht wurden, konnte kein gesicherter Einfluss auf
Körperfett, fettfreie Körpermasse, Kraft oder Ausdauer beobachtet werden
(Williams, 1998).
Einer Supplementierung mit Aspartat wird eine Verminderung des
Ammoniakgehaltes im Blut und eine verbesserte Fettsäureoxidation
zugesprochen. In ein paar Arbeiten wurden solche Effekte auch beobachtet.
Doch stellt sich hier eine grundlegende Frage. Aspartat scheint beinahe
vollständig bereits in der Darmwand oxidiert zu werden (Reeds et al, 1998),
sodass praktisch kein Aspartat aus der Nahrung bzw den Supplementen die
Blutbahn je erreicht. Diese Ergebnisse wurden zwar am Schwein beobachtet,
sind aber auch im Mensch bestätigt worden (Colombani et al 1994). Können
die geforderten Effekte überhaupt stattfinden, wenn Aspartat praktisch nicht
aufgenommen wird? Vielleicht wird diese Frage in der nahen Zukunft
beantwortet werden können.
Literatur
Colombani P et al. Nährstoffpräparate bei Kraftsportlern. Einfluss von
L-Arginin-L-Aspartat auf den Stoffwechsel von Kraftsportlern während und
nach einer intensiven Trainingseinheit. Schweiz Z Sportmed Sporttraum 4,
22-30, 1994.
Der
Handel mit illegalem Dopingmittel
Wachstumshormon
gilt bei Leistungssportlern zur Zeit als der Renner unter den
Dopingmitteln. Denn bislang verzichtete das Internationale Olympische
Komitee (IOC) auf einen Test. Kein Wunder, dass der internationale
Schwarzmarkt boomt und die Pharmafirmen kräftig mitverdienen. Als Einkäufer
deutscher Olympia-Athleten getarnt, begab sich ein ZDF-Team auf die Spuren
der Schwarzmarkthändler. Erschienen unter:
http://www.zdf.de/wissen/dokumentation/index.html
http://www.zdf.de/wissen/dokumentation/40168/index.html
Doping mit hohem Risiko
Unter den Dopingmitteln gewinnen Wachstumshormone immer mehr an
Bedeutung. Ein Beispiel: Somatropin. Es wird zur Behandlung von Kindern
mit Wachstumsstörungen eingesetzt. Bei ausgewachsenen Menschen führt das
Präparat aber zum Wachstum der Muskeln. Diese anabolische Wirkung macht
das rezeptpflichtige Medikament zu einem begehrten Dopingmittel. Nicht nur
Wettkampf-Bodybuilder, auch Leistungssportler setzen verstärkt auf das
teure Präparat, weil es als gewissermaßen "natürliche"
Substanz bei Dopingtests lange Zeit nicht entdeckt werden konnte.
Allerdings: Die Somatropin-Dosierungen, die sich Athleten vor Wettkämpfen
spritzen oder von ihren Sportärzten spritzen lassen, können erhebliche
Nebenwirkungen haben. Unter Bodybuildern hat es bereits diverse Todesfälle
gegeben. Nicht nur die Muskeln wachsen, sondern auch die inneren Organe -
und das kann verheerende Folgen haben.
Martin Bidlingmaier, Mediziner und Hormonexperte am Uniklinikum München:
"Man beobachtet ein Wachstum an Nase und Kinn, eine wulstige Stirn
oder vergrößerte Ohren. Die Patienten zeigen aber auch ein deutliches
Wachstum von inneren Organen. Das ist mit einem stark erhöhten Risiko von
Herz-Kreislauf- Erkrankungen verbunden."
Eine weitere Gefahr: Immer noch kursieren Präparate aus Litauen auf
dem Schwarzmarkt, die Wachstumshormon aus den Gehirnen menschlicher
Leichen enthalten. Sie bergen das tödliche Risiko, sich mit der
Creutzfeld-Jakob-Krankheit zu infizieren.
"Saubere Spiele"
IOC blockt Bluttest ab
Der Hormonexperte Martin Bidlingmaier und seine Kollegen am Münchener
Uniklinikum haben vor fast zwei Jahren ein Nachweisverfahren für
Wachstumshormon im Blut entwickelt. Anfang 1999 schlug das Münchner Team
dem IOC sein Testverfahren zur systematischen Kontrolle der Athleten in
Sydney vor. Zeitgleich war auch ein internationales Forscher-Konsortium
(GH 2000) mit einer anderen Test-Methode zum Erfolg gekommen.
Christian J. Strasburger, Chef des Teams vom Uniklinikum München,
das den neuen Test entwickelt hat:
"Das IOC hat nicht reagiert.
Wir haben diese Arbeit dann im März 1999 in der renommierten
wissenschaftlichen Zeitschrift Lancet veröffentlicht. Und das IOC hat
weiterhin nicht reagiert. Es hat zur gleichen Zeit einen Folgeantrag
erhalten, in dem wir uns mit dem Konsortium GH 2000 zusammengetan und
Vorschläge gemacht haben, was man tun sollte, um den
Wachstumshormon-Nachweis bis zu den Spielen in Sydney zur Einsatzreife
weiterzuentwickeln - und die Antwort war: Schweigen."
Nur auf internationalen Druck hin hatte das IOC 1999 überhaupt der Gründung
der Welt-Antidoping-Agentur (WADA) zugestimmt. Ebenso nur auf öffentliche
Kritik beschloss das Gremium, die Athleten schon in Sydney auf das
Blutdopingmittel EPO zu testen. IOC-Präsident Samaranch sagte danach, die
Spiele würden "zu 100 Prozent sauber sein". Sein Vize und Chef
der WADA Richard Pound stößt ins gleiche Horn.
Doch obwohl das Münchener Doping-Test-Verfahren im Lancet und damit in
einer anerkannten medizinischen Zeitschrift veröffentlicht worden ist und
international als zuverlässig gilt, zögern die Verantwortlichen, es
einzuführen.
Christian J. Strasburger:
"Die Olympischen Sommerspiele in
Atlanta wurden inoffiziell die Wachstumshormon-Spiele genannt, nachdem
vorher in Athletenkreisen zirkulierte, dass im Gegensatz zu den anabolen
Steroidhormonen Wachstumshormon nicht nachweisbar sei. Es ist schwer
nachvollziehbar, warum das IOC in Kenntnis dieser
Wachstumshormon-Doping-Problematik den offensichtlich benötigten Nachweis
für Wachstumshormon eher verzögert als unterstützt hat. Über die
Motivation kann man eigentlich nur spekulieren. Und die Spekulationen müssen
mit einbeziehen, dass das IOC kein Interesse hat, zu erwartende
Weltrekorde nicht in Sydney zu sehen und vielleicht dann lieber die
zweiten Wachstumshormon-Spiele in Sydney inszenieren wollte."
Freiwillige Kontrolle
Das deutsche Zehnkampfteam hat sich freiwillig dem neuen Bluttest aus
München unterzogen, um der Öffentlichkeit zu zeigen, dass es sauberen
Sport gebe, so Dirk-Achim Pajonk, Zehnkämpfer und Mediziner. Auch
Christian Tröger, Schwimmer und Olympia-Teilnehmer in Sydney, macht sich
seit Jahren für den "sauberen Sport" stark. Er könne sich eine
Initiative zur freiwilligen Kontrolle auf Wachstumshormon wie bei den
Zehnkämpfern durchaus vorstellen. Doch es gebe dafür zu wenig Interesse
beim Deutschen Schwimmverband, DSV.
Christian Tröger:
"Wir versuchen, Testverfahren
anzustrengen, wie es auch die Zehnkämpfer machen. Wir wollen zeigen:
Egal, welche Leistung die Schwimmer bringen, sie werden clean erbracht.
Damit wollen wir das Image des DSV und auch der Verbände und des
Nationalen Olympischen Komitees zu verbessern.
Grundsätzlich ist es aber natürlich so, dass die Förderungshöhe eines
Verbandes immer danach bemessen wird, wie gut die Medaillen-Ausbeute ist.
Wenn wir sauberen Sport betreiben, dafür aber drei, vier, fünf Medaillen
bei Olympia weniger erringen können, ist natürlich die Grundlage für
eine Förderung der Kategorie 1 entzogen."
Ob
zum Doping oder als Therapeutikum bei Sportverletzungen - Wachstumshormon
ist heiß begehrt. Immer mehr Pharmafirmen produzieren entsprechende Präparate
...
Mittel
gegen Sportverletzungen
Die
Sporttraumatologie von Sportmediziner Prof. Armin Klümper in Freiburg
genießt bei vielen Leistungssportlern einen exzellenten Ruf. Klümper weiß
sogar schwere Verletzungen des Muskel- und Bewegungsapparates erfolgreich
zu behandeln. Inzwischen steht fest: Klümper setzt das Wachstumshormon
Genotropin ein.
Prof. Armin Klümper in einer Stellungnahme:
"Die Erfolge, die wir bei Sportinvaliden mit Genotropin erzielt
haben, sind dokumentiert und bislang nicht veröffentlicht."
Christian J. Strasburger vom Uniklinikum München: "Mit der
selben Begründung könnte jeder, der Sport treibt und sich großen
Belastungen aussetzt - und welcher Sportler tut das nicht - dann zur
Behandlung von Mikrotraumen an Muskel und Knorpel Wachstumshormon
verschrieben bekommen. Dies wäre dann vollständig legalisiert. Man könnte
dann überhaupt keine Grenze mehr ziehen und müsste Wachstumshormon zum
Doping freigeben. Und da die Behandlung von Sportverletzungen durch
Wachstumshormon in keiner Weise eine systematisch überprüfte und
zugelassene Indikation darstellt, bin ich ganz klar dagegen, dass hier dem
Doping Tür und Tor geöffnet werden."
Illegale Kanäle
Mit Wachstumshormon sind lukrative Geschäfte zu machen. Der
Schwarzhandel floriert, und er ist sehr gut organisiert. Unter Sportlern
kursiert eine so genannte schwarze Bibel für den illegalen Gebrauch von
Anabolika, mit genauen Dosierungsempfehlungen. Ein Kapitel darin beschäftigt
sich mit Wachstumshormon, ein anderes listet E-Mail-Adressen
internationaler Lieferanten auf, darunter diese Anschrift: nabal@maptel.es.
Dahinter steckt ein international tätiger spanischer Dopingring. Die
Dealer sitzen in Madrid. Das ZDF-Team kontaktiert sie per Mail, getarnt
als Einkäufer deutscher Olympia-Athleten, und erhält prompt Antwort. Der Handel werde über eine Kontaktperson organisiert, die Zugang zu
den Herstellerfirmen habe, so die spanischen Dealer. Die genannte
Kontaktperson beliefere Privatkliniken mit Arzneimitteln und müsse dafür
bei den Herstellern keine Rezepte vorlegen. Auf diese Weise könnten
Athleten in den USA und in Europa versorgt werden.
Legale Quellen
Auch das dänische Unternehmen Novo-Nordisk vertreibt neben anderen
Medikamenten Somatropin, Wachstumshormon, zur Behandlung kleinwüchsiger
Kinder und seltener Wachstumsstörungen bei Erwachsenen. Die Arzneimittel
werden auf Bestellung an den Großhandel geliefert und gelangen von dort
in die Apotheken. Nirgendwo auf diesem strikt kontrollierten Vertriebsweg
könne das Präparat für den Schwarzmarkt abgezweigt werden, heißt es
bei den Herstellern unisono. Und doch tauchen die Dopingmittel auf dem
Schwarzmarkt auf. Eine Packung des Wachstumshormons Genotropin wird dem ZDF-Team von
einem Informanten zugespielt. Auch dieses Präparat ist eines der Mittel,
die auf dem Schwarzmarkt auftauchen. In der Apotheke kostet es rund 6.500
Mark. Es stammt aus dem Auslieferungslager Erlangen der Firma Pharmacia
& Upjohn. Eine plausible Erklärung, auf welchem Wege es in dunkle Kanäle
geraten sein könnte, kann das Unternehmen nicht anbieten. In einer
Stellungnahme der Firma heißt es: "Wir unternehmen keinerlei Aktivitäten,
um diesen Missbrauch zu erforschen oder gar zu fördern."
Ein Interview lehnt Pharmacia & Upjohn ab.
Martin Bidlingmaier vom Uniklinikum München:"Vorsichtige
Schätzungen gehen davon aus, dass ungefähr 30 Prozent des weltweit
hergestellten Wachstumshormons außerhalb medizinisch kontrollierter
Anwendung verbraucht wird."
Pharmacia & Upjohn hat rund 50 Prozent Marktanteil in Deutschland,
die restlichen 50 Prozent teilen sich vier weitere Hersteller. Der Umsatz
beträgt hierzulande bis zu 160 Millionen Mark pro Jahr - bei den geschätzten
30 Prozent würde der Schwarzmarkt fast 50 Millionen Mark ausmachen.
Weltweit ist Wachstumshormon sogar ein Milliardengeschäft. Ob die
Hersteller wollen oder nicht, sie verdienen mit beim Doping.
Satte Gewinne locken
Im Internet bieten unzählige anonyme Arznei-Händler, wie zum
Beispiel die so genannte Pharma-Group, Somatropin-Präparate an. Die
Hersteller versichern, rigoros gegen diesen illegalen Vertrieb vorzugehen.
So auch Marc Heinrichs von Novo Nordisk Deutschland GmbH:
"Wir würden keinerlei Risiko eingehen, um Wachstumshormon auf
irgendwelchen illegalen Wegen zu unterstützen. Es ist primär Ruf schädigend,
wenn Graumarkt- oder Schwarzmarkthändler unser Präparat anbieten. Es ist
also unser ureigenes Interesse, gegen diese Leute vorzugehen." Mit Grandis Biotech drängt ein weiterer Somatropin-Produzent auf den
lukrativen Markt. Mit einer aggressiven Strategie: Denn eine Zulassung für
das Präparat hat Grandis bislang weder in Deutschland noch in der EU -
wohl aber im fernen Georgien. Dort wird das Wachstumshormon Granditropin
vertrieben - auch in deutscher Sprache. Granditropin sei in Georgien
zugelassen und werde in einigen Ländern auf Verschreibung bezogen, zum
Beispiel in Deutschland, so Grandis auf Anfrage. Ein sicher ungewöhnliches,
aber legales Verfahren. Die Gefahr, dass Granditropin aus Georgien in den
osteuropäischen Doping-Schwarzmarkt einsickern könnte, sieht man bei
Grandis nicht.
Gute Beziehungen zum Hersteller
Ein neues Präparat der Firma Serono findet zur Zeit reißenden Absatz
in der ganzen Welt. Es heißt Serostim, ist eigentlich für ausgezehrte
AIDS-Patienten gedacht, unter Athleten aber sehr beliebt. Aus Spanien ist
auch die Lieferung großer Mengen möglich. Die Dealer in Madrid versorgen
damit zum Beispiel mehrere Profi-Football-Teams in den USA. Dank der
"ausgezeichneten Beziehungen" der Kontaktperson zu Serono, wie
die Spanier selbst betonen. Das Serono-Hauptquartier in Genf ist dazu zu
keiner Stellungnahme bereit. Dem ZDF-Fernsehteam bietet der Mittelsmann 100 Ampullen für rund
28.000 Mark und 500 Ampullen für 130.000 Mark an. Allerdings sei gerade
einer ihrer Kuriere, Flugbegleiter einer amerikanischen Airline, auf dem
Flughafen Miami aufgeflogen, mit mehr als 200 Ampullen im Gepäck. Jedoch
rechtzeitig vor den Spielen in Sydney sei man wieder lieferfähig. Auch nach diesem Treffen mit den Mittelsmännern des spanischen
Dopingrings und nach Vorlage von Dokumenten und Fotos mit der Bitte um
Unterstützung, den Dopingring in Madrid zu sprengen, bleibt es nur bei
einer schriftlichen Stellungnahme der Firma Serono: "Es ist
Unternehmenspolitik, den Missbrauch in keiner Weise zu unterstützen oder
zu dulden."
Beitrag von Egmont R. Koch, bearbeitet für ZDF.online
Doping ist so alt wie der Sport!
Genotropin ist ein
Wachtumshormonpräparat (Somatropin)
Der Report aus dem Jahre 1905 belegt, daß Doping so alt ist
wie der moderne Sport, und auch Kenner der Szene des
antiken Sports haben genügend Beispiele dafür gefunden, daß
auch damals Leistungen gern durch Medikamente manipuliert
wurden. Fast täglich liest man bis heute ausführliche oder knappe
Nachrichten über Dopingfälle, doch ein Fall ist aufgrund der
offensichtlich vorsätzlich erzeugten dürftigen Faktenlage nur
mühsam zu rekonstruieren. Birgit Wolf-Hamann,
100-m-Hürdensprinterin des TV Wattenscheid, Mitglied der
deutschen Olympiamannschaft in Atlanta, schied dort bereits
im Vorlauf aus. Gewissenhafte Statistiker haben ihre erzielte
Zeit (13,08 s) in Relation zu der ihrer Rivalinnen gesetzt und
ihr danach Rang 26 zuerkannt. Es war unbestritten ein für sie
und wohl auch für die verantwortlichen Funktionäre
enttäuschendes Resultat. Die olympischen Leichtathletik-Wettbewerbe endeten am
4. August 1996. Am 25. November, also 112 Tage danach,
schrieb der Verbandsarzt des Deutschen
Leichtathletikverbandes (DLV), Dr. Graff, einen Brief an den
Leiter der Sporttraumatologischen Spezialambulanz in
Freiburg, Prof. Klümper, und forderte ihn auf zu erklären,
wie er die Behandlung von Brigitte Wolf mit den
Dopingbestimmungen in Übereinstimmung bringen würde. Klümpers Klinik hatte der Sprinterin ein Attest zu den
Spielen mitgegeben, das sie für den Fall einer
Dopinguntersuchung dem kontrollierenden Arzt aushändigen
sollte. Inhalt: Birgit Wolf war intramuskulär mit dem
Präparat Dephimix behandelt worden. Dieses Medikament
steht auf jeder Liste der verbotenen Dopingpräparate.
Dr. Graff fuhr in dem Brief fort: »Von Ihnen wurde Frau
Wolf im Vorfeld von Atlanta mehrfach das Präparat
Genotropin verabreicht. Das ging eindeutig aus der
Karteikarte hervor, die dem in Ihrer Abwesenheit
behandelnden Arzt bei der letzten Behandlung von Frau Wolf
vor Atlanta vorlag. Frau Wolf-Hamann betont ausdrücklich,
daß ihr dieses Präparat ohne ihr Wissen verabreicht wurde. Genotropin ist ausweislich auf der >Roten Liste< ein
Wachtumshormonpräparat (Somatropin), für das es
medizinisch bei einer 26jährigen, gesunden Athletin keinerlei
medizinische Indikation gibt. Es gibt nur einen Grund, dieser
Athletin dieses Präparat zu verabreichen, nämlich die
unerwünschte Leistungssteigerung durch verbotene anabole
Hormone, also >klassisches Doping<. Die Situation« - noch immer Wortlaut des Briefes von
Graff an Klümper - »wird dadurch noch brisanter, da sie
nach Athen heiraten und schwanger werden wollte. Frau
Wolf ist mittlerweile (...) schwanger (...) Als leitender DLV-
Verbandsarzt erwarte ich von Ihnen bis zum 10. 12. 1996 eine
schriftliche Stellungnahme.« Noch einmal: Die olympischen Leichtathletikwettbewerbe
endeten am 4. August, der geschilderte Sachverhalt war dem
DLV spätestens zu diesem Zeitpunkt bekannt. Nichts
geschah, niemand in der Öffentlichkeit erfuhr eine Silbe,
kein Boulevardblatt widmete der Tatsache, daß die wohl
bekannteste deutsche Spitzensportlerklinik eine Athletin
»klassisch gedopt« nach Atlanta geschickt hatte. Daß sie dort
aufgrund ihrer mäßigen Leistung in keine Kontrolle geriet, ist
für den Sachverhalt völlig belanglos, noch dazu in einem
Land, das sich der Welt gegenüber ständig als Vorbild und
Spitzenreiter im Kampf gegen Doping ausgibt. Die Affäre wurde
also - niemand wird das leugnen können - zunächst verheimlicht. Unklar blieb, was zu der plötzlichen Briefaktion Graffs am
25.11.1996 führte und vor allem zu der kurzen Frist, die
Klümper gestellt wurde: faktisch zwölf Tage. Klümper hielt
diese Frist nicht ein und antwortete erst am 16. Dezember.
Der Brief ist sehr lang. Auf den Inhalt kommen wir noch
zurück. Aber auch dieser Brief wurde geheimgehalten.
Man lese und staune: am 2. September 1997 - nicht nur
dem Fachmann wird nicht entgehen, daß es sich um ein
Datum nach den Athener Weltmeisterschaften handelt -
publizierte das »Offizielle Organ des Deutschen
Leichtathletik-Verbandes e. V.« plötzlich einen »Offenen
Brief« Graffs »an die deutschen Leichtathleten, das
Präsidium und die Leistungssportabteilungen des DLV, an
das NOK, an die Verbandsärzte und mitarbeitende Ärzte des
DLV, Olympiaärzte und an die Gesellschaft für orthopädisch-
traumatologische Sportmedizin (GOTS).« In einer Schriftgröße, die die der handelsüblichen
Kursbücher unterschreitet, wiederholte Graff seine Vorwürfe
gegen Klümper und raffte sich auch zu folgender Feststellung
auf: »Der Leistungssport ist in einer Situation wie vor den
Olympischen Spielen in Seoul (1988 - d. A.). Damals gab
es im Vorfeld der Olympischen Spiele ernste Anzeichen
dafür, daß flächendeckend und zunehmend gedopt wurde (...)
Der Nachweis, daß der 100-m-Olympiasieger 1988 mit
Anabolika gedopt war, war ein Skandal, jedenfalls wurde es
so dargestellt. Nach diesem Ergebnis kam es zu einer
Vielzahl von Verdächtigungen, Selbstbezichtigungen und
1989 wurde bekannt, daß in der ehemaligen DDR politisch
toleriert und ärztlich kontrolliert gedopt wurde. Ich möchte
betonen, daß wir uns davor hüten sollten, durch die Betonung
des systematischen Dopings in der DDR die Situation in der
übrigen Welt und auch in der damaligen Bundesrepublik zu
verdrängen ... Die Dopingmentalität ist ungebrochen. Der
Anreiz, sich unerlaubte Vorteile zu verschaffen, sind nicht
geringer geworden, sondern eher größer (...)«
Doping ist nicht gleich Doping
Gewagte Feststellungen in einem Augenblick, in dem ebenso
eifrige wie allerdings auch ahnungslose Staatsanwälte in
Berlin an einem Prozeß zimmern, der nachweisen soll, daß
die DDR der Super-Doping-Sünder war. Zum Beispiel, weil
dort Athleten Dopingmittel verabreicht worden waren, ohne
daß sie über deren Wirkung aufgeklärt wurden. Nun wird also mit - Verdacht nährender - Verspätung
bekannt, daß eine BRD-Athletin ohne ihr Wissen gedopt nach
Atlanta geschickt worden war. Wohlgemerkt: Dieser eine Fall
wurde ruchbar. Dr. Karlheinz Graff: »Es gibt derzeit keine
Hinweise, daß weitere Athleten verbotene Substanzen
erhalten haben.« Derzeit? Keine Hinweise? Formulierungen,
die den Tatbestand nicht ausschließen. Prof. Klümper bestreitet - wofür Verständnis aufzubringen
nicht schwer fällt - daß er verbotene Anabolika verabreicht
hat. Seine Version der Affäre klingt allerdings recht
abenteuerlich: »Die Athletin, Brigit Wolf, gab mir spätestens
seit August 1994 zu verstehen, daß eben >alle anderen
Athleten< mit zusätzlichen - verbotenen - Medikamenten
ihre Leistungen steigern würden und sie damit selbst ohne
>Ernährung< oder Medikamente die Leistungen der anderen
Athleten nicht erreichen könne.« Er sei die Andeutungen
»leid gewesen«, schreibt Prof. Klümper und »habe ihr zu
verstehen gegeben, daß wir nun eine besondere
intramuskuläre Injektion durchführen würden.« Er habe ihr
eine harmlose Kochsalzlösung injiziert und eines Tages
gesehen, wie die Athletin - sich unbeobachtet glaubend - die
Karteikarte studierte, auf der die Injektion vermerkt worden
waren.
Dem Professor ist die Dopingliste unbekannt
»Bei der nächsten Wiedervorstellung am 28. 09. 1994 hat sie
mir dann unverblümt zu verstehen gegeben, daß sie (...) nicht
wisse, was denn das >besondere< Präparat sei. Sie hätte in der
Karteikarte keinen entsprechenden Eintrag gefunden. Daraufhin habe ich nachträglichfür den 22.08. zum ersten
Mal in die Karteikarte Genotroping eingetragen, in
Gänsefüßchen ...« Diese »Erklärung« ist letztlich keine, denn Prof. Klümper
ist ebensowenig wie jeder andere Arzt verpflichtet, seinen
Patienten die sie betreffenden Karteikarten zu zeigen. Zudem
hätte er auch ein anderes Medikament eintragen können. Nicht auszuschließen aber ist, daß Genotropin damals noch
nicht auf der Liste der verbotenen Dopingmittel stand und in
der Bundesrepublik allgemein verwendet wurde. Daß Prof.
Klümper an anderer Stelle behauptet, in seiner Klinik sei
man über die aktuelle Dopingliste nicht im Bilde und das
kurz vor den Spielen gespritzte Delphimix hätte »einer
unserer jüngsten Assistenten« verabreicht, der offensichtlich
nicht im Bilde war, sind Erklärungen, die die ohnehin
verworrene Situation nur noch undurchsichtiger erscheinen
läßt. Der Sachverhalt, noch einmal gerafft beschrieben, ist also
folgender: Eine Spitzenathletin eröffnet einem der führenden
Sportmediziner 1994, daß alle anderen Athletinnen, ihre
Konkurrentinnen also, besondere Mittel nehmen. Der
Mediziner schickt die Athletin nicht etwa mit der Antwort
nach Hause, daß derlei Mittel bekanntlich verboten wären,
sondern gibt ihr »zum Schein« eine Kochsalzlösungsspritze.
Einzig mögliche Schlußfolgerung: Der Mediziner mußte
damit rechnen, daß die Athletin zu einem anderen Arzt geht
und sich dort die Spritze holt. Ein unerfahrener Assistent erweitert die Dopingpalette
durch eine weitere Injektion. Das geschah am 15. Juli 1996.
Am 24. Juli begannen die olympischen
Leichtathletikwettbewerbe. Wem fällt es nicht schwer zu
glauben, daß eine Olympiakandidatin neun Tage vor dem
Auftakt in Atlanta von einem unerfahrenen Assistenten mit
einer Spritze versorgt wird? In einem Land, in dem ständig
beschworen wird, daß Spitzenathleten nur Buttermilch
trinken? Der Assistent gibt der Athletin eine Bescheinigung nach
Atlanta mit, die sie vorweisen soll, wenn sie kontrolliert
würde. Das alles kommt ans Licht. Nach vier Monaten
bundesweitem Schweigen verlangt der Verbandsarzt plötzlich
eine schriftliche Erklärung von dem Klinikchef, in dem die
Athletin behandelt worden war. Hatte jemand etwas bemerkt,
fürchtete man eine undichte Stelle und versuchte sich mit
diesem Schritt in die Öffentlichkeit zu retten? Die Antwort
wird nicht etwa sogleich publiziert, um die Affäre endlich aus
der Welt zu schaffen, sondern verschwindet erneut in
Schubläden, und erst, als der nächste sportliche Höhepunkt -
nämlich die Weltmeisterschaften in Athen - vorüber ist, wird
ein »Offener Brief an alle« abgeschickt. Inzwischen liegt die
erste Injektion länger als drei Jahre zurück, die
vorolympische länger als ein Jahr. Wen interessiert das alles
noch? Nicht einmal die Staatsanwälte, die in Berlin seit Jahr und
Tag einen Dopingprozeß vorbereiten. Sie interessiert es
schon deshalb überhaupt nicht, weil sie die Aufgabe haben,
nachzuweisen, daß in der DDR ohne Wissen der Athleten gedopt
wurde. (von klaus Huhn)
Freitag, 05. Dezember 1997 Beriner Morgenpost
Der Freiburger Professor Armin Klümper gerät immer mehr in Doping-Verdacht. Die Staatsanwaltschaft Freiburg wird im Fall der Hürdensprinterin Birgit Hamann, die von dem Traumatologen ohne ihr Wissen das Wachstumshormon Genotropin verabreicht bekommen haben soll, ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung einleiten. Dies bestätigte gestern Oberstaatsanwalt Wolfgang Maier.
Währenddessen hat der Heidelberger Doping-Experte Prof. Werner Franke das Vorgehen von Klümper, der Genotropin über den Deutschen Sportbund abrechnen wollte, als eine Sache bezeichnet, "die von vorne bis hinten stinkt". Franke sagte: "Für den Einsatz von Genotropin gibt es in diesem Fall keine - ich unterstreiche dieses Wort dreimal - medizinische Indikation, die das rechtfertigen würde."Nach Angaben von Franke ist Genotropin nur sinnvoll, zugelassen und über die Krankenkasse abzurechnen bei Minderwuchs von Kindern, wenn dieser abhängig von Wachstumshormonen sei. Nach seinen Schätzungen sind davon etwa 2000 Kinder in Deutschland betroffen. Mitunter werde Genotropin als "Jungbrunnen-Mittel" bei reichen Managern eingesetzt. Erprobt werde das Medikament derzeit zudem auf seine Wirkung bei Herzwand-Schäden. Es gebe jedenfalls keine biologischen Gründe für Klümper, die den Einsatz dieses Mittels bei Sportlern gerechtfertigen würden.
DAS JAPANISCHE GESUNDHEITSMINISTERIUM ERTEILT
SEROSTIM® (Somatotropin) DIE ZULASSUNG FÜR DIE BEHANDLUNG VON AIDS-ASSOZIIERTEM KATABOLISMUS
Genf, Schweiz, 27. April 1999 - Ares-Serono gab heute bekannt,
dass das japanische Gesundheitsministerium Serostim® (Somatotropin aus rDNA zur Injektion) die Marktzulassung zur
Behandlung von AIDS-assoziiertem Katabolismus und Kachexie erteilt hat. Die Zulassung in Japan folgt auf die Registrierung des
Medikamentes in den Vereinigten Staaten und Kanada, wo bereits über 12'000 Patienten mit Serostim® behandelt worden sind.
Ares-Serono strebt weitere Registrierungen von Serostim® in Europa, Australien und Lateinamerika an.„Dank der Zulassung von Serostim®, des ersten und einzigen
biotechnologisch hergestellten Medikamentes gegen AIDS-assoziierten Katabolismus, werden AIDS-Patienten in Japan
nun eine wirksame Behandlung für dieses Krankheitsbild erhalten" sagte Ernesto Bertarelli, Generaldirektor der
Ares-Serono-Gruppe. Bei HIV/AIDS-assoziiertem Katabolismus, einer der Haupttodesursachen bei AIDS-Patienten, verbrennt der Körper
fälschlicherweise fettfreie Körpermasse einschliesslich lebensnotwendiger Muskeln und Organgewebe statt Fett. Ohne die
kritische fettfreie Körpermasse werden HIV/AIDS-Patienten häufiger krank und haben eine geringere Lebenserwartung als Patienten, die
keine fettfreie Körpermasse verlieren. Die Behandlung mit Serostim®, einem anabolischen (proteinaufbauenden) und
antikatabolischen (proteinschonenden) Medikament, führt zu einer signifikanten Vermehrung der fettfreien Körpermasse und einer
Verminderung der Fettmasse. In klinischen Studien mit Serostim® hat sich gezeigt, dass die
Verhinderung des kontinuierlichen Abbaus sowie die Förderung der Zunahme der fettfreien Körpermasse entscheidend zur
Verbesserung der Lebensqualität und physischen Funktion beitragen. Die häufigsten Nebenwirkungen von Serostim® waren
Schmerzen, Schwellungen und Steifheit, meist der Hände und Füsse. Diese schwachen bis mässig starken Symptome liessen im
allgemeinen im Laufe der weiteren Behandlung nach. Eine gleichzeitige antivirale Behandlung ist notwendig.
Doping. Martin Krauß
Preis: EUR 7,61
Taschenbuch - 150 Seiten (2000)
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Doping ist die Anwendung verbotener leistungssteigernder Wirkstoffe. Im Hochleistungssport wird Doping als "natürliche"
Begleiterscheinung angesehen. Die Medien verurteilen gedopte Sportler, aber das Publikum verlangt nach immer neuen Rekorden und es geht um viel Geld. Der Sportjournalist Martin Krauss beschreibt die Geschichte des Dopings, informiert ausführlich über die Methoden des Dopinggebrauchs und untersucht die sportpolitischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aspekte des Umgangs mit Doping. |
Wachstumshormon- Der
Nachweis!
Wie bei EPO besteht beim
Wachstumshormon (HGH) die Schwierigkeit
zwischen dem HGH, das der Körper selber produziert und
dem HGH; das von außen, zwecks Doping, zugeführt wurde,
zu unterscheiden. Das humane sowie das gentechnisch
hergestellt HGH sind in ihrer Peptidstruktur, der
Aminosäuresequenz, 100% identisch. Im Gegensatz zum EPO
besitzt HGH keine Kohlenhydratanteile, wo Unterschiede theoretisch
möglich wären. Zur Zeit werden
Nachweisverfahren für HGH entwickelt, wobei
Änderungen verschiedener HGH-abhängiger Blutparameter individuell
erfasst werden. Nach HGH-Anwendung kommt es zu einer
Erhöhung des Insulinähnlichen Wachstumsfaktors 1
(IGF-1) sowie des Knochenwachstumsfaktors (Präcollagen
III) . Weitere Methoden bestimmen die Konzentration an
22 kD Wachstumshormon (Molekulargewicht 22.000) zu
einem 20 kD Wachstumshormonanalogen (Molekulargewicht
20.000) (13) oder einem 17 kD Wachs-tumshormon (Molekulargewicht
17.000). Da das gentechnische HGH ein Molekulargewicht
von 22 kD aufweist, erhöht sich nach HGH-Applikation
nur die 22 KD-Anteil, während der 20 kD und 17
kD-Anteil relativ konstant bleiben soll. Eine Differenzierung
zwischen Dopinganwendung und Körperproduktion wäre
demnach möglich, da bei einer natürlichen Stimulation
der HGH-Produktion, wie nach körperlicher Belastung,
alle HGH-Varianten erhöht produziert werden, ihre
Verhältnisse aber keiner großen Änderung unterliegen. Dieses
wäre eine ähnliche Methode wie die T/E-Quotienten Methode.
Kreatinaufnahme steigert
die Wachstumshormonsekretion
Bei 6 Probanden wurden die Auswir-kungen einer
einmaligen Kreatinaufnahme (20g) auf die Kreatin- und die
Wachstumshormonkonzentration im Blut im Vergleich zu Kontrollbedingungen
untersucht. Nach der Substitution kam es zu einem signifikanten Anstieg (83±
45%) der Wachstumshormonkonzentration, deren Ausprägung aber interindividuell
variierte. Bei den meisten Probanden wurden Maximalwerte innerhalb von 2-6
Stunden nach der Aufnahme gemessen, die Kreatinkonzentration erreichte ihr
Maximum im Blut 1-3 Stunden nach Aufnahme Die Ergebnisse legen nahe, dass
unter Ruhebedingungen hohe Dosen von Kreatin auf das Wachstumshormon ähnlich
wie starke Belastung wirken und einen Anstieg der Sekretion hervorrufen.
Andere Autoren berichten, dass sich der Effekt einer Kreatinaufnahme
erhöht, wenn gleichzeitig belastet wird. Auch wird vermutet, dass Belastung
einen Cofaktor benötigt, um das Wachstumshormon zu aktivieren. Diesen
Cofaktor könnte möglicherweise dass Kreatin darstellen. Als Nebeneffekte der
Kreatinaufnahme zeigten sich eine Flüssigkeitsretention und erhöhter Anstieg
der freien Fettsäuren im Blut. Eine weitere Gemeinsamkeit besteht darin, dass
sowohl die Kreatinaufnahme wie das Wachs-tumshormon auf die Typ
II-Muskelfa-sern wirkt. U.K. (Schedel JM et al.: Acute creatine
loa-ding enhances human growth hormone secretion. J Sports Med
Phys Fitness 40 (2000) 336-342) Zeitschrift für Sportmedizin
3/2001
Melatonin
– Thymus – Schilddrüse und adrenerge Innervation
Magnesium (Mg2+) stimuliert die Melatoninsynthese. Umgekehrt
unterdrückt Melatonin Prolaktin. Deprenyl verhindert die
Noradrenalindegraduierung durch die Monoaminooxydase. Dadurch wird auch
Melatonin gesteigert, da der Abbau des Seratonins durch die MAO gehemmt wird.
Das verbleibende Seratonin kann so vermehrt in Melatonin umgewandelt werden.
Melatonin unterdrückt die Schilddrüse, was dadurch belegt ist, daß eine
Pinealektomie zu einer Vergrößerung der Schilddrüse führt. Über die
Schilddrüse wirkt das Melatonin damit antistreßmodulierend und
immunmodulierend.
Thymus, Epiphyse und Schilddrüse haben eine gemeinsame adrenerge Innovation,
was den physiologischen Zusammenhang dieser drei Hormone erklärt.
Zink stimuliert die Aktivität des Thymus, Zinkmangel ist
gleichzeitig auch mit einem Mangel an Wachstumshormon
und TSH verbunden.
Auch hier zeigt sich der Zusammenhang zwischen Thymus, Epiphyse und Hypophyse:
Thyroxin, Somatotropin und LHRH restituieren die Thymusfunktion.
Neuer Hormondopingnachweis für Wachstumshormon?
Der direkte Nachweis von Wachstumshormon (GH) ist bislang sehr schwierig.
Dies ist auf die kurze Halbwertszeit und und die inkonstante Urinausscheidung
zurückzuführen.Da das rekombinante GH jedoch zu einer nachhaltigen
Beeinflussung des Kollagen - und Knochenstoffwechsels führt, scheint die
Veränderung von Kollagen und Knochenstoffwechselmarkern erfolgversprechend
für den Nachweis des Mißbrauchs zu sein.
Gemessen wurden Osteocalci-, PICP-, PIIIP- und der ICTP_Spiegel bei 99
Gesunden die über 28 Tage doppelblind 0,1 und 0,2 I.E./kg KG Wachstumshormon
erhielten. Es fanden sich langanhaltende dosisabhängige Erhöhungen der
Stoffwechselmarker.
Longobardy et al., J Clin Endocrinol Metab 85 (2000) 1505-1512
Mehr als illegal: Doping birgt
Todesgefahr
Köln (dpa/lnw) - Zunehmende Erkrankungen von Herz, Leber und Nieren,
Veränderungen der Sexualorgane, Depressionen und eine wachsende Zahl von Todesfällen: Die gesundheitlichen
Nebenwirkungen und Folgen
von Doping sind selten so fundiert, plakativ und gebündelt dargestellt
worden wie auf dem internationalen, von der EU geförderten Anti- Doping-Symposium an der Deutschen Sporthochschule in Köln. «Was
wir zu den biochemischen Nebenwirkungen gehört haben, zeigt, dass das Wissen darüber ausreichend zugenommen hat», resümierte der
Organisator der Tagung, Prof. Horst Michna. Für Athleten, die verbotene Mittel zur Leistungsteigerung nehmen oder nehmen wollen, ist dies eine
Botschaft, die viele angesichts der Aussicht auf Erfolg, Ruhm und Geld
nicht hören wollten. Neben Stimulanzien, Narkotika und
anabolen Steroiden ist die Gesundheit der manipulationswilligen Sportler im
besonderen Maße durch Wachstumshormon-Einnahmen gefährdet. «Man kann erwarten, dass die Zahl der Herzinfarkte, Diabetiker,
möglicherweise auch Krebskranken unter den Sportlern durch Wachstumshormone steigen wird», warnte Dr. Martin
Bidlingmaier. Er
gehört zur Forschergruppe um den Münchner Christian Strasburger, die im Auftrag des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ein
Nachweisverfahren für Wachstumshormone entwickeln soll. Erste Ergebnisse erwartet Bidlingmaier nicht vor Dezember. Eine Gefahr droht
den Sportlern nicht nur dadurch, dass sie etwas nehmen. Oft ist nämlich nicht das in der Medikamenten-Packung, was sie gekauft zu haben
glauben. Bei der Untersuchung einer auf dem schwarzen Markt erworbenen Schachtel mit angeblichen Wachstumshormonen war nach
Angaben Bidlingmaiers in einer Ampulle der angegeben Stoff, in einer weiteren eine Kombination von Präparaten und in der dritten nichts. «Das
zeigt, was für Probleme Athleten haben», meinte der Forscher. Und kostspielig seien diese «Hormon- Kuren» auch: Sportler, die einen
Monat lang jeden Tag vier Einheiten spritzen wollen, müssen 5000 Mark für regulär zirkulierende Präparate berappen - auf dem Schwarzmarkt
kosten Produkte nur ein Viertel. Die Wissenschaft kann mit immer weit reichenderen Erkenntnissen über die Folgen von Doping und verfeinerten
Kontroll-Methoden die verbotene Leistungsmanipulation nur eindämmen helfen. Deshalb blickt Prof. Charles Yesalis von der Universität in
Pennsylvania/USA skeptisch in die Zukunft. «Ich bin nicht optimistisch. Es ist zu wenig Geld im Spiel. Wir bräuchten 200 Millionen Mark pro
Jahr, um den Kampf gegen Doping voranzubringen, und viel mehr Kontrollen», meinte der Amerikaner. Die Welt-Anti-Doping-Agentur
(WADA) hat 2001 zehn Millionen Mark für Forschungsprojekte zur
Verfügung gestellt. netdoctor 25. Juli 2001
Test auf gentechnisch hergestellte Wachstumshormone soll es
nun
erst bei den Olympischen Spielen 2004 geben
Wachstumshormone (human Growth Hormone, hGH) zählen außer Erythropoetin (EPO) und neuerdings
künstlichen Sauerstoffträgern im Spitzensport zu den beliebtesten, weil schwer nachweisbaren
Dopingpräparaten. Bislang gibt es kein vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) zugelassenes
Testverfahren auf hGH, dies soll sich jedoch bald ändern. Denn das IOC hat jetzt einer Münchener
Forschungsgruppe um den Endokrinologen Privatdozent Christian Strasburger 425 000 DM zur
Entwicklung eines Serientests bewilligt. Der Zusage aus Lausanne ist ein jahrelanger Streit zwischen dem IOC und den Wissenschaftlern aus
der Arbeitsgruppe Neuroendokrinologie an der Medizinischen Klinik Innenstadt des Klinikums der
Ludwig-Maximilians-Universität München vorausgegangen. Bereits 1999 hatten Strasburger sowie seine Kollegen Dr. Martin Bidlingmaier und Dr. Zida Wu im
"Lancet" ein Nachweisverfahren vorgestellt, das vom IOC jedoch schlichtweg ignoriert wurde.
Hintergrund: Damals arbeitete das internationale Konsortium GH 2000 mit Unterstützung des IOC und
der Europäischen Union ebenfalls an einem Testverfahren, das es jedoch nicht zur Serienreife gebracht
hat. Strasburger kündigte öffentlich an, sein Team könne bis zu den Olympischen Spielen von Sydney 2000
einen Test entwickeln, der auch vor Gericht Bestand hätte. Darauf gingen die Verantwortlichen beim
IOC jedoch nicht ein. Der Münchener warf ihnen daraufhin in der "Ärzte Zeitung" Vogel-Strauß-Politik
vor: "Die sperren sich, weil sie offenbar Angst davor haben, daß da zu viel hoch kommt."
Anfang dieses Jahres schließlich wagte Patrick Schamasch, Medizinischer Direktor des IOC, den "Gang
nach Canossa" (die "Ärzte Zeitung" berichtete): In München überzeugte er sich selbst von den
Fortschritten der deutschen Wissenschaftler beim Nachweis von hGH und kündigte daraufhin eine
Förderung des Projekts mit 460 000 Dollar an. Jetzt ist also knapp die Hälfte des Geldes für das zunächst auf zwei Jahre angelegte Forschungsprojekt
bewilligt worden. Strasburger und seine Kollgen stellen die Serienreife des von ihnen zu entwickelnden
Verfahrens jetzt für die Olympischen Spiele 2004 in Athen in Aussicht. Gentechnisch hergestelltes hGH ist von jenen Wachstumshormonen, die die Hypophyse produziert,
kaum zu unterscheiden, da die Hauptform in beiden Fällen absolut identisch ist. Allerdings schüttet die
Hirnanhangdrüse außer der hGH-Hauptform auch verschiedene minimal unterschiedliche Varianten von
hGH aus, die im synthetisch hergestellten Wachstumshormon nicht vorkommen. Das Münchener
Nachweisverfahren basiert auf der unterschiedlichen Zusammensetzung von Haupt- und Nebenformen
des hGH in natürlichen und gentechnisch produzierten Wachstumshormonen. Führt also ein Athlet gentechnisch hergestelltes hGH seinem Körper zu, so weist sein Blut eine
überdurchschnittlich hohe Konzentration der hGH-Hauptform auf. Gleichzeitig bremst die Hypophyse die
Produktion von eigenem hGH, da genug Wachstumshormone vorhanden sind. Dies führt zu einer
weiteren Verminderung der hGH-Varianten im Blut. Gemessen werden die Unterschiede mit Hilfe
monoklonaler Antikörper. Um das bereits entwickelte Verfahren wasserdicht, also für die Dopingkontrolleure in der Praxis nutzbar
zu machen, sollen die Ergebnisse mit einer weiteren, noch zu entwickelnden Methode bestätigt
werden. Hierbei soll versucht werden, die unterschiedlichen Varianten des körpereigenen hGH auch
nach ihren physikalisch-chemischen Eigenschaften aufzutrennen. Entscheidend sind bei dieser Methode
die minimalen Unterschiede der Moleküle in der Größe (Molekulargewicht) und der elektrischen Ladung
(Isoelektrischer Punkt). Diese Eigenschaften werden mit der Technik der zweidimensionalen
Elektrophorese untersucht. Trotz bisher fehlender Nachweisverfahren gibt es deutliche Hinweise auf den Konsum von
Wachstumshormonen im Leistungssport. So haben australische Zöllner im Gepäck eines usbekischen
Trainers vor Olympia 2000 mehrere hGH-Ampullen gefunden; und auch beim diesjährigen Giro stellten
Polizisten im Sportler-Gepäck Wachstumshormone sicher.
human Growth Hormon (hGH)
Das Wachstumshormon (human Growth Hormone, hGH) ist eine körpereigeneSubstanz, die vom Hypophysenvorderlappen gebildet wird und am stärksten während
des Schlafs ausgeschüttet wird. Es gelangt schnell in die Leber und wird dort in
Somatomedin-C umgewandelt, besser bekannt als Insulin-like Growth Factor 1 (IGF-1). Seit einigen Jahren wird hGH zur Behandlung von Kindern mit Zwergwuchs
gentechnisch hergestellt und seither aufgrund seiner anabolen Wirkung bei Erwachsenen auch als Dopingsubstanz im Leistungssport mißbraucht. hGH hat eine
kurze Halbwertszeit und ist deshalb nach kurzer Zeit nicht mehr nachzuweisen. Wird
die Einnahme gestoppt, läßt die Wirkung rasch nach, weshalb hGH dauernd eingenommen werden muß. Das Hormon kann unter anderem Leber und Knochen
schädigen. Von Pete Smith Ärzte Zeitung, 08.08.2001
Creutzfeldt-Jakob-Gefahr durch Behandlung mit Wachstumshormonen
-Niederländische Studie: Todesfall 38 Jahre nach Hormongabe
Rotterdam/Paris, 22. Mai (AFP) - Nach dem Creutzfeldt-Jakob-Tod eines
47-jährigen Mannes, der als Kind mit Wachstumshormonen behandelt worden war,
befürchten Wissenschaftler eine Vielzahl ähnlicher Todesfälle.
Niederländische Ärzte stellen in der Fachzeitschrift "Journal of
Neurology, Neurosurgery and
Psychiatry" den Fall vor, bei dem durch Gehirnanalysen eindeutig die
Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) als Todesursache festgestellt wurde. Der
Mann, dessen genaue Identität nicht bekannt gegeben wurde, hatte mit neun
Jahren geringe Mengen Wachstumshormone (HGH) gegen Zwergenwuchs erhalten.
Eine CJK-Gefährdung durch HGH-Behandlung ist bereits seit längerem
nachgewiesen. Allerdings wurde die Inkubationszeit auf maximal zwölf
Jahre veranschlagt. Die lange Zeit zwischen der Hormongabe und dem Tod
dieses Patienten begründet die Befürchtung, dass zahlreiche weitere
Menschen betroffen sein könnten. In dem konkreten Fall dauerte die
Behandlung nur fünf Tage und umfasste eine kleine Dosis der
Wachstumshormone. Die Ärzte kamen nach der Testphase zu der
Einschätzung, der Junge benötige keine umfassende Hormonbehandlung und
setzten die Hormongabe ab. "Da unser Patient weltweit einer der ersten war,
der Wachstumshormone erhielt, deutet dieser Fall darauf hin, dass in den
kommenden Jahren mit weiteren CJK-Patienten gerechnet werden muss", erklärt
die Forscherin Cornelia Van Duijn von der Universität Rotterdam. Die
Creutzfeldt-Jakob-Krankheit macht sich ähnlich wie die Rinderseuche BSE
durch Bewegungsstörungen und geistigen Verfall bemerkbar, bevor nach
einigen Monaten der Tod eintritt. Bei einer 1999 unter französischen
HGH-Patienten angestellten Untersuchung wurde festgestellt, dass bei
1361 Hormon-Behandelten 55 CJK-Fälle aufgetreten waren. Die
Inkubationszeit lag im Schnitt bei knapp zehn Jahren. Die französische
Betroffenenvereinigung France Hypophyse geht davon aus, dass seit 1989
insgesamt 81 Patienten durch die Behandlung mit Wachstumshormonen starben.
Nachweis von Wachstumshormonen
(hGH) verbessert gelungen
Dresden (dpa) - Dem Institut für Dopinganalytik und Sportbiochemie
(IDAS) in Kreischa ist ein großer Schritt im Kampf gegen das Doping
mit Wachstumshormonen (hGH) gelungen. Das vom Internationalen
Olympischen Komitee (IOC) akkreditierte Labor hat eine Methode
entwickelt, um den Missbrauch teilweise offen zu legen. "Es ist ein
Beitrag zur besseren Nachweisbarkeit", erklärte IDAS-Leiter Klaus
Müller bei der Vorstellung des Verfahrens am Montag in Dresden im
Rahmen eines Symposiums zur Wiedereröffnung des Instituts vor zehn
Jahren.
Das neue Verfahren, an dem das Labor in Kreischa rund sieben Jahre
gearbeitet hat, sei vergleichbar mit dem indirekten Test zum Nachweis
von Erythropoietin (EPO), erläuterte Müller. Bei der von der Dresdner
Chemikerin Astrid Knieß erforschten Methode werden verschiedene
Vorgänge im Organismus analysiert, darunter der Knochen- sowie der
Kollagenstoffwechsel in Weichgeweben. Anhand veränderter Daten kann
von außen zugeführtes hGH nachgewiesen werden. Beim indirekten EPO-
Test werden fünf verschiedene Parameter im Blut gemessen, die eine
gesteigerte Produktion von EPO widerspiegeln. Bislang gilt das von
außen zugeführte so genannte human Growth Hormone (hGH) eigentlich als
nicht nachweisbar. "Wir wissen über den wahren Missbrauch von hGH noch
sehr wenig", räumte Müller ein. Das IOC hat das vom Münchner
Wissenschaftler Christian J. Strasburger entwickelte Verfahren zur
Unterscheidung von rekombinanten, also nicht im Körper produzierten,
und körpereigenen Wachstumshormonen noch nicht anerkannt. Die vom IOC
finanziell unterstützte Londoner Studie "GH 2000" brachte nicht den zu
den Olympischen Spielen in Sydney erhofften Test auf den illegalen
Einsatz von Wachstumshormonen.
Die Knieß-Methode eigne sich besonders zu Trainingskontrollen. Einen großen
Aufwand erfordere der Test nicht, betonte Müller. Endgültige
Sicherheit könne eine Kombination der Verfahren aus München und
Kreischa erst dann liefern, "wenn man einen Versuchsballon aufsteigen
lässt", hofft Müller auf eine praktische Anwendung. Dabei setzt der
Bundesbeauftragte für Doping-Analytik vor allem auf eine schnelle
Umsetzung durch die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). "Ich hoffe, dass
die WADA konsequenter ist als das IOC." Müller schraubte jedoch
gleichzeitig die Erwartungen herunter, "denn auch die WADA steht erst
am Anfang". Mit "gedämpftem Optimismus" sieht der Kreischaer
Labor-Leiter auch dem möglichen Problem der Gen-Manipulation zur
unerlaubten Leistungssteigerung entgegen. Den geklonten Sportler oder
die Genveränderung noch vor der Geburt wertete er zwar als "Science-
Fiction". "Angst müssen wir aber davor haben, dass Genmanipulationen
an Organen vorgenommen werden", so der Wissenschaftler. Denn sobald
die Gentherapie in der Medizin zum Wohle des Menschen eingesetzt
werden könne, "gibt es auch den Missbrauch".
Demnach wäre der Körper beispielsweise in der Lage, EPO nicht mehr nur
am eigentlichen Ort in den Nieren zu produzieren, sondern in jedem
beliebigen Muskel. "Aber wir werden in die Vorwärtsverteidigung
gehen", kündigte Müller bereits an: "Es gibt allerdings Befürchtungen,
dass da noch Einiges auf uns zukommt."
Berichtigung: Im 3. Absatz in der 7. und 8. Zeile wurde berichtigt:
"Londoner Studie "GH 2000" - statt: Projekt "GH 2000" im Londoner
Doping-Labor) 12.06.2002
Zweifel an der Wirkung der Hormonsubstitution bei
jugendlichem Kleinwuchs
PARIS. Weltweit sollen 100 000 Kindern mit Wachstumshormonen behandelt
werden, weil sie zu klein sind. Die Behandlung war vor allem in Frankreich
recht beliebt. Doch die dortigen Erfahrungen zeigen, dass das erhoffte
Wachstumsziel in der Regel nicht erreicht wird (BMJ 2002; 325: 70–6).
In Frankreich wurden zwischen 1987 und 1992 insgesamt 2 852 Kinder, bei
denen ein idiopathischer isolierter Wachstumshormonmangel diagnostiziert
worden war, mit Wachstumshormonen behandelt. Diese Zahl ist genau bekannt,
weil jede Rezeptierung einer Genehmigung durch die Association
France-Hypophyse bedurfte. Der Grund hierfür liegt in den Risiken der
Behandlung. Das Hormon wurde ursprünglich aus Leichen-Hypophyse gewonnen,
was eine Reihe von iatrogener Creutzfeldt-Jakob-Krankheit nach sich zog.
Heute steht ein in dieser Hinsicht unbedenkliches gentechnisches Präparat
zur Verfügung. Nicht bei allen Kindern wurde die Behandlung bis zum
Erreichen der endgültigen Körpergröße durchgeführt. 1 328 Kinder brachen die
Therapie, aus welchen Gründen auch immer, vorzeitig ab. Geschadet hat es
ihnen sicher nicht, denn sie sind heute mit 167 Zentimeter im Schnitt genau
so groß wie die Kinder, welche die Behandlung planmäßig zu Ende führten. Bei
Abbruch der Therapie waren die Kinder noch elf Zentimeter kleiner, doch dann
setzte bei vielen ein pubertärer Wachstumsspurt ein, sodass sie
aufschlossen.
Die Autoren vermuten deshalb, dass die meisten Kinder gar nicht an
Wachstumsstörungen litten, sondern dass bei ihnen nur der pubertäre
Wachstumsschub verzögert war. Nach den Daten der Studie ist eine
Hormonsubstitution nur bei einer kleinen Gruppe mit einem extremen
Hormonmangel vertretbar. Die Indikation zur Behandlung sei in der
Vergangenheit viel zu großzügig gestellt worden.(15.07.02) DEUTSCHES
ÄRZTEBLATT
Doping-tour de France 2002 Rumsas-Frau mit 37 verschiedenen Medikamenten
12.09.02 (rsn) - Wenn man vom Zoll mit einem Kofferaum voller
Dopingprodukte gestoppt wird und man sagt, das alles sei "für die
Schwiegermutter", ist das nie sonderlich glaubwürdig. Im Falle der am 28.Juli
verhafteteten Ehefrau des Tour de France-Dritten Raimondas Rumsas um so mehr,
als sie nicht weniger als 37 verschiedene Medikamente durch die Gegend fuhr, wie
die Pariser Sportzeitung L'Equipe am Donnerstag aufzählt.
Unter den Medikamenten, die Edita Rumsas am Schlusstag der Tour de France von
Frankreich nach Italien, wo die Familie ein Haus hat, bringen wollte, waren
neben erlaubten Vitaminpräparaten insbesondere Dopingprodukte wie Anabolika,
Kortikoide und Wachstumshormone. Gegen die 28-jährige Mutter dreier Kinder läuft
in Frankreich ein Strafverfahren. Die Ehefrau des litauischen Lampre-Rennfahrers
sitzt seit ihrer Verhaftung in Untersuchungshaft. Mehrere Anträge auf
Freilassung gegen Kaution wurden abgelehnt. Sie steht unter Verdacht,
organisierten Handel mit Dopingprodukten betrieben zu haben. Ihr drohen im Falle
einer Verurteilung bis zu sieben Jahre Haft. Raimondas Rumsas weigert sich, nach
Frankreich zu reisen, weil er befürchtet, dort ebenfalls verhaftet zu werden. Er
beteuert, nie gedopt zu haben und verweist auf die "negativen" Ergebnisse seiner
Dopingkontrollen.
Die Liste der 37 verschiedenen Produkte:
- Fläschchen Norditropin penset 24 (Wachstumshormone)
- Fläschchen TAD 600
- Fläschchen Norditropin
- Injektion Actrapid Novolet (Insulin)
- Drei Fläschchen Actovegin
- Eine Packung Spascupreel
- Eine Packung Albumine 20%
- Drei Packungen Testis Compositum (Hormonextrakte)
- Eine Packung Ubichinon Compositum (Ko-Enzym Q)
- Zwei packungen Thyreoida Compositum (Hormonektrakt)
- Drei Ampullen Ketonal
- Zwei Ampullen Koffein
- Eine Ampulle Celestone (Entzündungshemmend)
- Ampulle Benexol B12 5000 (Vitamine)
- Drei Fläschchen Kenacort retard (Korticoide)
- Packung Toco 500 (Vitamin E)
- Flasche Chlorure de sodium 0,9
- 15 Einheiten Durvitan (Koffein)
- 10 Ampullen Pentohexal 300
- Packung MAG 2 (Magnesium)
- 12 Einheiten Ozothine
- 15 Einheiten Optalidon
- 2 Einheiten Eurythrox 50
- 3 Einheiten No Spa Forte
- 6 Einheiten und 1 Ampulle Alphalipon
- 2 Tabletten Stilnox
- 4 Einheiten Oltramp
- 30 Einheiten Bentelan (Korticoid)
- 30 Einheiten/Ampullen Voltaren
- 3 Einheiten Praxilen
- Cafiaspirina (Koffein-/Aspireinpräparat)
- 2 Packungen Immunoferon
- Packung Androderm (Testosteron)
- 2 Packungen Trofalgon
- Fläschchen Geref (regt Produktion von Wachstumshormonen an)
- Ampulle mit sterilem Wasser
- Fläschchen Haes-Steril
Quelle: L'Equipe
Gefährliche Dopingmittel
PADUA (mp). Bei italienischen Radamateuren sind jetzt
Wachstumshormone entdeckt worden, die aus der
Hypophyse toter Rinder gewonnen worden sind. Dies ergab eine Analyse jener
Ampullen, die italienische Gesundheitscarabinieri und die Finanzpolizei bei
einer Razzia am 10. Mai in Neapel beschlagnahmt haben. Die Operation wurde
laut Internetseite "SportPro" von Untersuchungsrichterin Paola Cameran aus
Padua geleitet, die die im Umlauf befindlichen Mittel als "besonders
gefährlich" einstuft. Ärzte Zeitung, 21.05.2003
Nachweis für
Wachstumshormone entwickelt
Southampton (dpa) - Britische Wissenschaftler haben ein Verfahren
zum Aufspüren von Doping mit Wachstumshormonen (HGH) entwickelt. Damit soll
ein Nachweis noch 84 Tage nach der Einnahme von HGH mit einem kombinierten
Blut- und Urin-Test möglich sein, erklärte Cathy McHugh von der Universität
in Southampton.
Bereits seit Jahren versuchen Wissenschaftler, eine Methode zum Nachweis von
verbotenem HGH-Doping zu entwickeln. Das Southamptoner Testverfahren basiert
nach Angaben der Forscher auf der Analyse zwei in der Leber produzierter
Proteine. Ihr Level sei «drei bis fünf Mal höher» bei Menschen, die Hormone
eingenommen haben. Es sei denkbar, dieses neue Kontrollverfahren bereits bis
zu den Olympischen Spielen 2004 in Athen zur Anwendungsreife zu bringen.
Der neue HGH-Test soll im März kommenden Jahres dem Internationalen
Olympischen Komitee (IOC) präsentiert werden.
«Wenn das IOC damit zufrieden ist, könnte er in Athen
angewendet werden», meinte McHugh. Die Erforschung des Verfahrens
wurde von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) mit 1,2 Millionen Dollar (1,03
Millionen Euro) gefördert. 2. Juni 2003
Wachstumshormone: Zuverlässiger Dopingtest in
Athen
Berlin (dpa) - Bei den Olympischen Spielen in Athen (13. bis 29. August)
werden Athleten erstmals zuverlässig auf Doping durch Wachstumshormone
getestet werden können. Das erklärte Christian Strasburger von der
Medizinischen Klinik und Poliklinik der Berliner Charité auf einem
Gesprächsforum im Deutschen Olympischen Institut (DOI) in Berlin.
Strasburger hatte nach den so genannten Wachstumshormon-Spielen 2000 in
Sydney ein neues Testverfahren mit Unterstützung des Bundesinstituts für
Sportwissenschaft, des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und der
Welt-Anti-Doping- Agentur WADA entwickelt. Nach Strasburgers Methode kann
der Unterschied zwischen dem körpereigenen und dem gentechnisch
hergestellten Wachstumshormon festgestellt werden. Während die körpereigene
Hirnanhangdrüse verschiedene Formen des Hormons ausschüttet, sei in den
Ampullen, die zur Behandlung kleinwüchsiger Kinder, aber auch zum Doping
angewandt werden, nur eine Form des Wachstumshormons enthalten, erklärte der
Wissenschaftler. «Unsere Methode ist eine von vielen und wahrscheinlich
nicht die schlechteste», sagte Strasburger am Dienstagabend. «Im Konzert von
IOC und WADA besteht die Aussicht, dass in Athen das Wachstumshormon nicht
mehr als unnachweisbar durchgeht.» Strasburger hat in den vergangenen Wochen
das Anti-Doping-Labor in Athen sowie die Einrichtungen in Köln, Sydney und
London mit dem neuen Testverfahren vertraut gemacht. Der Berliner Arzt und
Forscher geht davon aus, dass das Wachstumshormon, das bisher als nicht
nachweisbar galt, nach wie vor bei Spitzensportlern «sehr populär» ist.
Diese Form des Dopings sei nur 24 bis 36 Stunden nachweisbar. Deshalb
sollten verstärkt Trainingskontrollen durchgeführt werden, empfahl er.
«Offensichtlich werden von vielen Athleten die sehr hohen Kosten für eine
Wachstumshormon-Gabe zur Leistungssteigerung billigend in Kauf genommen»,
sagte Strasburger. Nach Expertenschätzung müssen für konsequentes Doping
durch Wachstumshormone monatlich mindestens 4000 Euro aufgewendet werden.13.
Mai 2004
Wachstumshormon
Wachstumshormon (Somatropin, HGH=Human Growth Hormone) fördert den Zellumbau
jeder Körperzelle, ist notwendig für das Knochenwachstum und ermöglicht den
Abbau von Fettgewebe. In der Medizin wird dieses Hormon in gentechnisch
hergestellter
Form vor allem bei kleinwüchsigen Kindern bzw. Erwachsenen mit
Hypophyseninsuffizienz
angewendet. Es kommt also in der Therapie zum Einsatz, wenn der Körper nicht
selbstständig in der Lage ist, körpereigenes Wachstumshormon zu produzieren.
Wachstumshormon aus gentechnischer Produktion hat im Hochleistungssport breite
Verwendung
gefunden. Es ist zwar weniger wirksam als anabole Steroide, hat aber den
„Vorteil“,
dass das IOC zumindest bis 2003 keine Nachweismethode anerkannt hat.
Wachstumshormon ist sehr teuer. Insider gehen deshalb davon aus, dass es heute
ein
Zweiklassensystem des Dopings gibt: Athletinnen und Athleten, die sich die
teuren und
schwerer nachweisbaren Medikamente leisten können, und solche, die aus
Kostengründen
zu den leichter nachweisbaren Medikamenten greifen wie den anabolen Steroiden.
In Italien wird weit mehr Wachstumshormon verkauft als zu medizinischen Zwecken
benötigt.
In zwei Untersuchungen wurde geprüft, wie viel HGH in Sizilien und der Lombardei
verkauft worden
waren. Wenn das Medikament nur im Bereich der Medizin verwendet worden wäre, so
lautete das
Ergebnis, müsste jeder siebte Einwohner Siziliens und der Lombardei zwergwüchsig
sein. Dahinter
steckt vor allem Doping. In einer Untersuchung des Italienischen Olympischen
Komitees (CONI) vom
Frühjahr 2000 an allen potenziellen 550 italienischen Olympiateilnehmern wurde
auch nach Wachstumshormon
gesucht. Mit in der Medizin gebräuchlichen Methoden können Spezialisten
erkennen, wessen
Körper körperfremdes Wachstumshormon aufweist. Die Forscher waren sich bei 61
der 550 Sportler
hundertprozentig sicher, dass sie Wachstumshormon verwendet hatten, darunter
alle fünf italienischen
Olympiasieger der Olympischen Sommerspiele 2000 in Sydney. Bei weiteren ca. 150
Sportlern war die
Wahrscheinlichkeit des Dopings sehr hoch. Betroffen waren ganze
Disziplingruppen, sodass auch
eine Systematik erkennbar wurde.
Der Endokrinologe Christian
Strasburger entwickelte schon
1999/2000 einen Test zum Nachweis
von Wachstumshormon.
Ein Jahr später stellte ihm das
zunächst ablehnend eingestellte
IOC 460 000 Dollar zur Entwicklung
eines gerichtsfesten Nachweisverfahrens
von HGH zur
Verfügung: „Das Doping mit
HGH ist und bleibt ein Riesenproblem.
Ein Überschuss an
Wachstumshormonen über
lange Zeit kann zum Tod durch
Herzversagen und zum Darmkrebs
führen. (…) Wenn das IOC
gewollt hätte, wären Tests auf
Wachstumshormone schon in
Australien [gemeint sind die
Olympischen Spiele 2000] ohne
Probleme möglich gewesen“
(Frankfurter Rundschau,
11. 6. 2003).
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