BLUTDOPING
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§4.1 Blutdoping BlutersatzstoffeMit dem Begriff Blutdoping werden Methoden zur künstlichen Erhöhung der Hämoglobinkonzentration
im Blut umschrieben. An das Hämoglobin der roten Blutkörperchen (Erythrozyten)
binden in der Lunge Sauerstoffmoleküle, sodass ein Mehr an Hämoglobin zu einer
verbesserten Sauerstoffaufnahme führt. Die Ausdauerfähigkeit nimmt zu. Fußnoten:
Während Bluttransfusionen die (HB) unmittelbar erhöhen,
erhöht EPO-dem Hauptregulator der Erybildung im Knochenmark- das HB-Volumen allmählich über eine längere Zeit.Die Gabe von rhEPO kann die Leistung sowohl
bei anämischen Patienten sowie Gesunden mit zuvor normalen HB erhöhen.Der
leistungssteigernde Effekt scheint dabei von der gleichen Größenordnung zu
sein wie beim Blutdoping, vorausgesetzt, das HB-Volumen erreicht identische
Werte. Auswirkungen von Blutdoping auf die Leistungsfähigkeit Die autologe Reinfusion von nur einer entnommenen Bluteinheit konnte keine signifikante Leistungssteigerung bewirken (38).Sprie et al.(36) gaben zunächst 2 Einheiten und etwas später eine weitere Bluteinheit. Verglichen mit der Kontrollsituation stieg die V02-max dabei um 3.9 % bzw. 6,7%.Bei jungen hochtrainierten Sportlern scheint eine lineare Korrelation zwischen (HB) und VO2max bis zu einer (HB) von 20,5 g/ 100 mg zu bestehen ( 12). In Feldversuchen konnte die autologe Reinfusion von 1350 ml Blut (3 Einheiten) 4Wochen nach Phlebotomie die Leistungsfahigkeit von Skilangläufern beträchtlich steigern. Die Zeitverbesserung über 15 km lag bei 5,3 % nach 3 Stunden und bei zwei 3,1% zwei Wochen nach der Infusion ( 4). Ein 10.000 m-Lauf (Leichtathletik) soll nach Reinfusion von 400 ml autologen zuvor eingefrorener
Erythrozythen ungefähr 1 min schneller zu absolvieren sein (9). (Bezüglich weiterer Daten siehe Überblick 23). Eigenblut - Gewinnung und Anwendung
1. Was ist Eigenblut?
Als Eigenblut versteht man das patienteneigene Blut, das diesem einige Wochen vor einer geplanten Operation abgenommen und aufbereitet wird, und das wenn notwendig während oder nach der Operation demselben Patienten wieder zurückgegeben wird. Im eigentlichen Sinn ist Eigenblut nicht das gesamte Blut, sondern eine Anreicherung von roten Blutkörperchen (Erythrozytenkonzentrat). 2. Wofür wird Eigenblut benötigt? Bei einer Reihe von orthopädischen Operationen, wie Hüftgelenksprothese, gynäkologischen Operationen (Kaiserschnitt, Gebärmutterentfernung) und urologischen Operationen (Prostataentfernung) besteht öfters die Notwendigkeit, daß der Operateur Blut zuführen muß. Der Operateur bevorzugt dabei patienteneigenes Blut (Eigenblut). 3. Was sind die Vorteile von Eigenblut?
Künstliches Blut bald marktreif |
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Doping im Spitzensport (2000) |
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Doping im Spitzensport (2000)
Doping im Spitzensport (2000) Doping. Doping (2000)
Doping. Martin Krauß |
Radsport und Doping
Cofidis-Affäre beschäftigt Justiz und
Politik - "Wir haben Namen und weitere Spuren"
PARIS, 22.01.04 (rsn) - Der französische Radsport wird von der
Dopingaffäre um die Cofidis-Equipe erschüttert, die mehr und mehr auf andere
Teams überzugreifen droht. Die These, dass nach EPO-Orgien der Neunziger und
der Festina-Affäre 1998 im Profi-Radsport alles besser wurde, erweist sich
als trügerische Hoffnung. Aus Ermittlerkreisen verlautete am
Donnerstag, die im Zusammenhang mit der Cofidis-Affäre verhafteten Profis
Cedric Vasseur und Philippe Gaumont hätten "mehr oder weniger zugegeben",
dass Doping "allgemeine Praxis im Peloton" sei.
"Ehemalige und aktuelle Cofidis-Profis haben mehr oder weniger kapituliert
unter dem Gewicht der Beweise der Polizei. Einige schienen geradezu
erleichtert (nach ihren Aussagen). Wir haben Namen und weitere Spuren, denen
wir jetzt nachgehen", sagte einer der Fahnder der Pariser
Drogenfahndungsbehörde Brigade des stupéfiants ("stups"), die seit neun
Monaten im Stillen ermittelte und vergangene Woche spektakulär zuschlug. Von
Beginn an sagten die Fahnder, das "Peloton der Tour de France" könne in die
Affäre reingezogen werden.
Vergleiche mit der Festina-Affäre von 1998, bei der ein ganzes Team
gründlich und professionell das Doping organisierte und finanzierte, werden
zurückgewiesen von Fahrern und Teamverantwortlichen bei Cofidis. Doch auch
wenn es kein umfassend organisiertes Dopingsystem bei Cofidis gibt, so
steckt die Mannschaft auch so schon tief genug im Dopingsumpf.
Bekannt wurde jetzt im Zusammenhang mit der Cofidis-Affäre
eine neue Form des Blutdopings. Dabei sollen
angeblich Fahrer "gutes" Blut von anderen Fahrern mit gleicher Blutgruppe
kaufen und sich dann als Transfusion geben lassen. So sollen die
Dopingkontrollen umgangen werden. Die Abhör-Protokolle der Telefongespräche
des polnischen Ex-Cofidis-Profis Marek Rutkiewicz mit dem Cofidis-Pfleger
Bogdan Madejak, die die französischen Fahnder monatelang belauschten, seien
eine "reichhaltige Quelle" gewesen, hieß es in Ermittlerkreisen. Das
französische Magazin Le Point veröffentlichte daraus Auszüge. In einem
Gespräch fragt Madejak Rutkiewicz nach seiner Blutgruppe und rät ihm dann,
sich an einen anderen Fahrer mit gleicher Blutgruppe zu wenden.
Die jüngsten Enthüllungen zeigen deutlich, dass die "Kultur des Dopings"
(der französische Sportminister Lamour) , die im Profi-Radsport eine schon
jahrhundertalte Tradition hat, noch lange nicht verschwunden ist. Bei Doping
handelt es sich im Profi-Radsport eben nicht um bedauernswerte Einzelfälle,
sondern nach wie vor um die allgemeine Praxis. Der französische Staat, der
Doping unter Strafe stellte und sich besonders im Kampf gegen Doping
engagiert, fühlt sich herausgefordert. Die französische Justiz geht
akribisch allen Spuren nach, die Politik will noch drastischere Strafen
einführen, den Kampf gegen Doping auch mit internationalen Initiativen
intensivieren. Der Präsident des französischen Radsport-Verbands (FFC), Jean
Pitallier, forderte am Donnerstag angesichts der neuen Dopingaffäre im
Profi-Radsport, Dopingsünder müssten ins Gefängnis kommen, Bewährungsstrafen
reichten nicht. "Da muss ein Exempel statuiert werden", so der Verbandschef.
"Wir haben seit 1998 Fortschrite gemacht, aber es gibt weiter viele schwarze
Schafe. Bei einigen Fahrern ist die Botschaft noch nicht angekommen."
"...dann gibt es kein Team mehr"
Die Cofidis-Affäre köchelt derweil weiter. Die Stars der Mannschaft, allen
voran Weltmeister Igor Astarloa und Zeitfahr-Weltmeister David Millar
blieben bisher von den polizeilichen Ermittlungen verschont. Der am Dienstag
verhaftete Gaumont, Gent-Wevelgem-Sieger von 1997, wurde am Donnerstag gegen
Kaution freigelassen. Cedric Vasseur, der 1997 das Gelbe Trikot der Tour de
France trug, durfte nach seinen umfangreichen Aussagen gehen.
Für den Sponsor der französischen Mannschaft, das Kreditunternehmen Cofidis,
wird die ganze Affäre immer mehr zum Albtraum. Mit Manipulationen, Betrug
und Verhaftungen in Zusammenhang gebracht zu werden, ist gerade für ein
Kreditinstitut nicht sehr schön. Unternehmenschef Francois Migraine
beteuerte am Donnerstag, er bleibe im Radsport engagiert. Er habe Vertrauen
zu dem Gros der Fahrer und zur Teamleitung. "Wenn ich rausgehe, wird im
Radsport dadurch auch nichts besser. Aber wenn sich herausstellt, dass im
Team alle 25 Fahrer gedopt haben, dann gibt es kein Team mehr."
Olympiasieger Tyler Hamilton soll mit Fremdblut gedopt haben
Wenn sich der Verdacht bestätigt, wäre der US-Radprofi der erste
Sportler, dem eine Fremdbluttransfusion nachgewiesen wurde
NEU-ISENBURG (Smi). Der US-Radprofi Tyler Hamilton, Olympiasieger von Athen,
soll seine Leistung durch infundiertes Fremdblut manipuliert haben. Sollte
sich der durch eine A-Probe gestützte Verdacht bestätigen, wäre dies der
erste nachgewiesene Fall seiner Art in der Geschichte des Dopings.
Den Stein ins Rollen brachte ein Dopingtest während der zur Zeit
stattfindenden Vuelta. Hamilton, der für das Schweizer Team Phonak startet,
hatte die achte Etappe der Spanienrundfahrt gewonnen und wurde zum Bluttest
gebeten. Hier konnten die Kontrolleure im Blut des US-Athleten eine erhöhte
Anzahl von Erythrozyten nachweisen. Mittlerweile hat Hamilton - angeblich
aufgrund von Verletzungen - die Vuelta beendet.
Auf einer Pressekonferenz am Dienstagabend beteuerte Hamilton seine
Unschuld. "Ich bin am Boden zerstört, daß ich überhaupt hier sein muß",
sagte er. "Ich kann 100prozentig garantieren, daß ich unschuldig bin.
Radsport ist mir zwar sehr wichtig, aber nicht so wichtig. Wenn ich jemals
gezwungen wäre zu dopen, hätte ich vorher meine Karriere beendet."
Gegen den Olympiasieger spricht, daß schon eine A-Probe nach seinem Sieg im
olympischen Zeitfahren am 19. August Hinweise auf eine Bluttransfusion
gegeben hat. Dies hat inzwischen die Phonak-Teamleitung bestätigt. Nun muß
Hamilton, früher Teamkollege von Tour-de-France-Gewinner Lance Armstrong (US-Postal),
auf die B-Probe warten. Bislang können nur zwei der vom Internationalen
Olympischen Komitee akkreditierten Dopinglabore Manipulationen mit Fremd-
und Eigenblut nachweisen, und zwar jene in Lausanne und Athen.
In der Vergangenheit war immer wieder darüber spekuliert worden, wieviele
Ausdauersportler ihre Leistung mit autologen Transfusionen oder Fremdblut
manipulieren. Bei der Eigenbluttransfusion läßt sich ein Sportler bis zu
einem Liter Blut abzapfen. Dieses wird konserviert und tiefgekühlt gelagert.
Währenddessen wird die Produktion der Erythrozytenbildung durch
Erythropoetin (Epo) stimuliert und nach etwa vier Wochen das
gelagerte Blut infundiert, womit sich der Erythrozyten-Anteil im Blut
erhöht. Über die Risiken eines zu hohen Hämatokrits hinaus riskieren
Athleten, die sich Fremdblut infundieren, auch eine Infektion mit
Hepatitisviren oder HIV.
Ist das Testergebnis wirklich zweifelsfrei?
Erstmals in der Geschichte des Sports scheint der Nachweis über eine
Manipulation mit Fremdblut gelungen zu sein.
Der Fall des US-Radprofis Tyler Hamilton, der gleich bei zwei Dopingtests
aufgefallen ist, wird bereits als Sieg der Rechtschaffenen über die Betrüger
gefeiert - und das noch bevor der durch zwei A-Proben gestützte Verdacht mit
den B-Proben bestätigt worden ist.
In der Tat wäre ein zweifelsfreier Nachweis wie dieser ein bedeutender
Schritt im weltweiten Kampf gegen Doping. Doch noch ist Zurückhaltung
geboten. Denn die Betonung liegt auf "zweifelsfrei".
Bislang sind weltweit nur zwei vom IOC akkreditierte Dopinglabore in der
Lage, eine Transfusion von Fremd- oder Eigenblut nachzuweisen. Die
Erfahrungen der Vergangenheit haben gelehrt, daß die Eindeutigkeit der
Testergebnisse bei neuen Verfahren zunächst in Zweifel gezogen wird.
Wahrscheinlich ist, daß am Ende auch hier die Gerichte das letzte Wort
haben.Ärzte Zeitung, 23.09.2004
Bode Miller ist für Doping
statt Stürze - Hält Doping für kaum gefährlich
Ski-Weltcupsieger Bode Miller (27) sorgt augenblicklich mit
Doping-Aussagen für Aufregung: "Mich erstaunt, dass es illegal ist."
Hermann Maiers Biografie erscheint unter dem Titel "The Race Of My Life" nun
auch in den USA. Dort, wo auch Bode Millers neueste Autobiografie demnächst
auf den Markt kommt. Der eigenwillige Weltcupsieger rührte unlängst mit
bemerkenswerten Doping-Aussagen die Werbetrommel - wohl ungewollt.
"Mich erstaunt, dass es illegal ist", sagt Miller auf der website
www.skiracing.com . Der
Doppelweltmeister von St. Moritz und Bormio ist der Ansicht, dass ein
"relativ geringes Gesundheitsrisiko" in Kauf genommen werden könnte, wenn
etwa dank des
Blutdopingmittels Erythropoietin der Sicherheitsaspekt für den Läufer
steigen würde.
Miller erklärt das so, dass dadurch die Chance, "im Finish eines Rennens
Fehler wegen Erschöpfung zu machen und sich dadurch umzubringen", verringert
wird. "Wenn dein Hirn aber müde wird, weil du zwei Minuten die Luft
anhältst, wird es schwer, Entscheidungen zu treffen."
Beim Ski-Weltverband FIS hat man bereits reagiert. "Man weiß ja, dass Bode
immer für ungewöhnliche Sachen gut ist. Dass er sich jetzt für Aussagen über
Dopingregeln qualifiziert sieht, ist zumindest bemerkenswert", sagte
Generalsekretärin Sarah Lewis.
Sollten die für den Weltcup Verantwortlichen in Hinkunft allerdings den
Eindruck haben, dass Athleten von einer Piste überfordert seien, würden sie
technische Teile an der Strecke ändern, so Lewis. Substanzen wie die von
Miller angesprochenen zu verwenden, sei aber nicht nur Betrug, sondern hätte
auch desaströse Auswirkungen auf die Gesundheit eines Athleten.
06.10.2005 http://www.tirol.com
Arzt facht Doping-Diskussion
weiter an
06.10.2005
Ein ehemaliger Arzt des früheren Armstrong-Teams US-Postal hat in der
französischen Sportzeitung "L'Equipe" schwere Doping-Vorwürfe gegen große
Teile der Radsport-Szene erhoben. Prentice Steffen, der 1996 Mediziner beim
US-Rennstall war, erklärte, es sei bei einigen Teams gängige Praxis, sich
vor Wettkämpfen mit
EPO angereichertes Eigenblut injizieren zu lassen.
Dieses sei zuvor in Trainingslagern entnommen und konserviert worden, um bei
möglichen Kontrollen die erlaubte Obergrenze des Hämatokritwertes nicht zu
überschreiten.
Konserviertes Blut
"Vor dem Start der letzten Tour de France haben Fahrer aus bestimmten Teams
in ihren Trainingslagern EPO genommen, um ihre Hämatokritwerte klettern zu
lassen. Dann nimmt ihnen ein Arzt Blut ab, konserviert dies in speziellen
Verpackungen. Die Blutparameter der Fahrer sinken derweil wieder auf die
normalen Werte", sagte Steffen, der bei US Postal bereits entlassen war, als
Lance Armstrong 1997 zum Team wechselte.
Kurz vor dem Start zu entscheidenden Etappen würde das Eigenblut dann wieder
injiziert: "Nach dem Rennen wird das Blut wieder verdünnt, sodass sie kein
Risiko haben beim Schlafen und vor allem auch keines bei Kontrollen am
nächsten Morgen."
UCI beruft Prüfer
Derweil gab der Weltverband UCI bekannt, dass man im "Fall Armstrong"
weitere Untersuchungen einleiten werde. Der niederländische Anwalt und
Doping-Spezialist Emile Vrijman wurde beauftragt, die Vorwürgen den
inzwischen zurückgetretenen siebenmaligen Tour-de-France-Sieger zu
untersuchen. "L'Equipe" hatte Mitte August enthüllt, dass eingefrorene
Urinproben des Texaners von 1999 bei Tests im vergangenen Jahr EPO-Spuren
aufgewiesen hätten. http://www.zdf.de
Hämatologische Grenzwerte im
Ausdauersport
Sinn und Unsinn von hämatologischen
Grenzwerten im Ausdauersport
- Folgerungen aus den
Dopingskandalen von Turin 2006
Schmidt W1, Prommer N1, Steinacker
JM2, Böning D3
1 Abt.
Sportmedizin/Sportphysiologie,
Universität Bayreuth
2 Sektion Sport und
Rehabilitationsmedizin,
Universitätsklinikum Ulm
3 Institut für Sportmedizin,
Charité- Universitätsmedizin, Berlin
In allen Ausdauerdisziplinen stellen
Blutmanipulationen
ein gravierendes, möglicherweise
sogar existenzielles
Problem dar. In den vergangenen
Jahren standen die autologen
und homologen Bluttransfusionen
sowie die Anwendung
von rekombinantem Erythropoietin (rhEPO),
welches aus Hamsterzelllinien
gewonnen wird, im Vordergrund.
Während unmittelbar nach der
Markteinführung
von Erythropoietin hohe Dosierungen
angewandt
wurden, besteht die Strategie nun
eher darin, mit
langfristig niedrig dosiertem rhEPO
die Nachweisschwelle
des direkten Urintests nicht zu
überschreiten. Mit der
Entwicklung von menschlichem rhEPO
wird zudem ein
spezifischer Nachweis äußerst
schwierig, da eine Unterscheidung
zwischen dem endogenen und von außen
zugeführten
EPO kaum mehr möglich ist.
Verschärft wird die
Situation dadurch, dass sich
zusätzlich zum menschlichen
Blutmanipulationen im Ausdauersport
rhEPO Substanzen in der Entwicklung
oder bereits in der
klinischen Prüfung befinden, welche
die endogene Produktion
von EPO über HIF-1 stimulieren und
somit noch
nicht detektiert werden können. Auch
die genetische Manipulation,
wie z.B. durch Repoxygen, ist
bereits im Tierexperiment
erprobt und in der Sportpraxis schon
bekannt.
Das Ziel aller dieser
Manipulationsarten ist es, die
totale
Hämoglobinmenge (tHb) des Körpers
und damit die
Sauerstofftransportfähigkeit
zu erhöhen.
Die Effizienz dieser Maßnahmen wird
durch Querschnittuntersuchungen
an nicht gedopten Athleten
bestätigt,
die eine enge Abhängigkeit der
VO2max von der
tHb (2, 4, 11) und dem Blutvolumen
(2, 11) beschreiben.
Ausdauersportler zeigen
physiologischerweise schon um
bis zu 100 % höhere tHb und
Blutvolumenwerte, wohingegen
die Hämoglobinkonzentration [Hb] und
der Hämatokrit
(Hkt) infolge eines überproportional
erhöhten Plasmavolumens
reduziert sind.
Wie die jüngsten Ereignisse der
Olympischen Spiele in Turin zeigen,
ist
das Problem der Blutmanipulation im
Ausdauersport bei weitem nicht
gelöst. Die als Screening Verfahren
genutzten Grenzwerte für [Hb] und
Hkt sind erneut in die Diskussion
gekommen, da sie zum Teil starken
kurzfristigen Schwankungen
unterliegen, die von den Regeln der
einzelnen
Verbände kaum oder nicht beachtet
werden. Zu einer physiologischen
Veränderung der Grenzwertgrößen
tragen die Tageszeit, die
Körperposition, der
ernährungsbedingte und
höhenabhängige Hydratationszustand
und eine Trainingskarenz bei.
Variationen im Hkt um
über 3 % und in der [Hb] um über
1g/dl können folglich nicht nur
durch
manipulative Maßnahmen, sondern auch
durch Plasmavolumenschwankungen
erklärt werden. Da zudem in Zukunft
eine Vielzahl von
erythropoietischen Substanzen
verfügbar sein wird, deren
Missbrauch
nicht zweifelsfrei nachgewiesen
werden kann, ist es umso wichtiger,
ein
Verfahren zu entwickeln, welches die
totale Hämoglobinmenge als zentrale
Zielgröße einer jeden Manipulation
kontrolliert. Durch eine
flächendeckende wiederholte Anwendung dieses Verfahrens könnten
Veränderungen der Dopingzielgröße
kontinuierlich verfolgt werden, ohne
dass Variationen im Plasmavolumen
als Störgröße auftreten.
Jahrgang 57, Nr. 2 (2006)
DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN
Hämatologische Grenzwerte im Sport
sind nur begrenzt aussagefähig
Der Radsport wird seit Wochen durch einen Dopingskandal erschüttert.
Dutzende von Fahrern sollen in einem spanischen Labor ihr Blut haben
anreichern lassen (die "Ärzte Zeitung" berichtete). Blutdoping hat im
Radsport und in anderen Ausdauerdisziplinen wie Skilanglauf Tradition. Das
betrifft autologe und homologe Bluttransfusionen genauso wie die
Manipulation mit Erythropoetin (EPO).
Daher haben die betroffenen Verbände Grenzwerte für den Hämatokrit (Hkt) und
die Hämoglobinkonzentration (Hb) festgelegt, die jedoch von Experten
zunehmend in Frage gestellt werden. Einer dieser Experten ist Professor
Walter Schmidt, Leiter der Abteilung Sportmedizin/Sportphysiologie am
Institut für Sportwissenschaft der Universität Bayreuth, der kürzlich mit
Kollegen die hämatologischen Grenzwerte im Ausdauersport unter die Lupe
genommen hat ("Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin" 2, 2006, 54)
Der internationale Radsportverband UCI hat bei Männern einen Hämatokrit von
50 Prozent als Obergrenze festgesetzt (Frauen: 47 Prozent). Der
Welt-Skiverband FIS dagegen zieht die Hämoglobinkonzentration zurate und
sieht die Obergrenze bei 17 g/dl (Frauen: 16 g/dl). Die Internationale
Skater Union schließlich setzt 18 g/dl (Männer) und 16,5 g/dl (Frauen) als
Obergrenzen fest. Offiziell dienen die Grenzen dem Schutz der Sportler. Ein
Überschreiten der Werte führt nicht zu Doping-, sondern zu Schutzsperren der
Athleten. Die Grenzen sollen jedoch auch die Manipulationen einschränken.
Allerdings, so führt Schmidt aus, können die Grenzwerte von mehreren
Faktoren maßgeblich beeinflußt werden. Schwankungen der Werte sind auf
Veränderungen des Plasmavolumens zurückzuführen. So sinken die Werte in der
Nacht um fünf bis sechs Prozent, ebenso wenn man sich tagsüber hinlegt.
Trinkt man einen Liter isotone Kochsalzlösung, führt dies dazu, daß die
Blutwerte nach einer Stunde um acht Prozent gesunken sind. Zudem sinken die
Werte bei längerfristigen Trainingsperioden. Bei akuter Belastung,
Trainingspausen und in der Höhe dagegen steigen die Werte.
Veränderungen in Hb oder Hkt, folgern Schmidt und seine Kollegen, seien
keine sicheren Hinweise auf ein Dopingvergehen. Als Mindestforderung
sprechen sie sich daher für eine Standardisierung der Blutentnahme
(Körperstellung, Tageszeit, Belastung und Höhe) aus, schlagen aber vor: "In
Anbetracht der zukünftigen Manipulationsmöglichkeiten, die eine spezifische
Detektierung in vielen Fällen nicht erlauben werden, wäre aber ein einfach
durchzuführendes zuverlässiges Sceeningverfahren wünschenswert, welches die
manipulierte Zielgröße direkt, das heißt die totale Hämoglobinmenge (tHb),
bestimmt." So könnte die tHb während der Karriere eines Athleten mehrfach
pro Jahr bestimmt und in einem Blutpaß festgehalten werden.
Ärzte Zeitung, 07.07.2006