COFFEIN - Koffein
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Doping ist die Anwendung verbotener leistungssteigernder
Wirkstoffe. Im Hochleistungssport wird Doping als "natürliche" Begleiterscheinung angesehen. Die Medien verurteilen gedopte Sportler, aber das Publikum verlangt nach immer neuen Rekorden und es geht um viel Geld. Der Sportjournalist Martin Krauss beschreibt die Geschichte des Dopings, informiert ausführlich über die Methoden des Dopinggebrauchs und untersucht die sportpolitischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aspekte des Umgangs mit Doping. |
Kaffee senkt die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz
LONDON - Kaffee während der Arbeitszeit senkt die Konzentration und erhöht die Reizbarkeit. Das ergab eine von
Volvic Mineralwasser in Auftrag gegebene Studie, über die der britische BBC berichtet. Demnach können bereits zwei Tassen
Kaffee die Leistungsfähigkeit herabsetzen. Koffeinhaltige Getränke wie Kaffee oder Tee haben eine
harntreibende Wirkung. Häufige Gänge aufs Klo mindern jedoch den Wassergehalt des Körpers. "Bereits zwei Prozent weniger
Flüssigkeit im Körper beeinflussen die Konzentration und erhöhen die Reizbarkeit", erklärt Sarah Schenker von der
"British Nutrition"-Stiftung. Wer am Arbeitsplatz Kaffee oder
Tee trinkt, sollte daher zusätzlich Mineralwasser oder
Fruchtsäfte zu sich nehmen. Andreas Wawrzinek 06.02.2001
Modern Energy Drinks - was ist drin und dran?
Neben Zucker sind die Hauptbestandteile sogenannter Modern Energy Drinks, Koffein und
Taurin. Diesen Getränken dürfen bis zu 350 mg/l Koffein zugesetzt werden (das entspricht etwa der Menge von 3 Tassen Kaffee oder 3 Liter Coca Cola), so dass bei einem Konsum von mehr als 1 Liter bereits mit einem positiven Dopingbefund gerechnet werden muß. Die potentielle Leistungssteigerung ist in erster Linie auf den Kohlenhydrat- und Koffeingehalt dieser Getränke zurückzuführen, die Mechanismen wurden bereits ausführlich erklärt.
Seriöse Untersuchungen zu einer leistungssteigernden Wirkung durch die Zufuhr der Aminosäure Taurin existieren kaum. Taurin spielt eine wichtige Rolle in der Volumenregulation der Zelle. Es besitzt in Verbindung mit Vitamin A eine antioxidative Schutzwirkung der Zellmembranen vor allem von Zellen des zentralen Nervensystems. Ein erniedrigter Gehalt von Taurin in der Muskelzelle, der im Tierexperiment z.B. bei alten Tieren beobachtet wird, führt zu einer Verschlechterung der elektrochemischen Muskelfunktion.
Es ist gegenwärtig vollkommen hypothetisch, ob die Zufuhr von Taurin aufgrund der beschriebenen Funktionen die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit steigert bzw. einen Ermüdungseintritt verzögern kann.http://www.loges.com
Doping: Oscar Sevilla "positiv" auf Koffein getestet
06.10.00 - Gegen den spanischen Radprofi Oscar Sevilla (Kelme), der bei einem Dopingtest nach dem GP Villafranca de Ordizia am 25. Juli mit einem ungewöhnlich hohen Koffein-Wert aufgefallen war,
ist ein Disziplinarverfahren wegen Dopingverdachts eröffnet worden. Wie die spanische Presse am Freitag berichtet, wird der 24-Jährige deshalb nun nicht wie geplant bei der Strassen-WM in der kommenden Woche starten dürfen. Sevilla hatte trotz des "positiven" Dopingtests im Sommer an der Spanien-Rundfahrt antreten können. Zuletzt hatte er beim GP Luis Ocana und dem Memorial Manuel Galera Siege feiern können.
Nachdem nun jedoch förmlich ein Dopingverfahren eröffnet wurde, musste Sevilla von seinem Verband von der WM ausgeschlossen werden. Nach dem Reglement des Weltradsport-Verbands dürfen Fahrer, gegen die ein Dopingverfahren läuft, zwar an "normalen" Rennen, nicht aber an Weltmeisterschaften teilnehmen. Koffein, das mitunter in Tabletten-Form von Fahrern während des Rennens eingenommen wird, um Ermüdungserscheinungen im Finale zu bekämpfen, gilt als ein "weiches" Dopingmittel. Kelme-Sportdirektor Vicente Belda erklärte gegenüber der spanischen Sportzeitung AS, Sevilla habe "bei dem Rennen (GP Villafranca de
Ordizia, die Red.) keine Rolle gespielt und er ist weit hinten gelandet. Das Problem ist, dass Koffein sich nicht abbaut, wenn man nicht schwitzt. Und an diesem Tag war es kalt."
Wirkt eine Zufuhr von Koffein im erlaubten Rahmen leistungsfördernd?
Koffein ist im Sport eine regulierte Droge, die auf der Dopingliste steht. Das bedeutet, der Athlet darf bis zu einer gewissen Grenze Koffein zuführen, da dieses natürlicherweise oder künstlich in zahlreichen Lebens- und Genußmitteln vorkommt (Kaffee, Softdrinks, Schokolade, Kakao). Übersteigt die Koffeinkonzentration im Urin allerdings einen bestimmten Grenzwert (12 µg/ml), so gilt der Befund als Doping positiv. Um solche Werte zu erreichen, müssen erhebliche Mengen Koffein (> 6-8 mg/kg Körpergewicht, das entspricht mindestens vier bis fünf Tassen schwarzen Kaffees oder drei bis vier Liter Cola) zugeführt werden, wobei es große individuelle Schwankungen gibt. In Laborversuchen konnten bei bereits viel niedrigeren Dosierungen (< 3
mg/kgKG) eindeutig leistungsfördernde Effekte vor allem bei Ausdauerbelastungen nachgewiesen werden, ohne dass die festgelegte Höchstgrenze im Urin überschritten wurde. Dabei wurde wiederholt beobachtet, dass das Koffein in natürlichen Lebensmitteln (z.B. Kaffee) deutlich weniger wirksam zu sein scheint als die gleich hohe Koffeinmenge in Tablettenform.
Die stimulierende Wirkung des Koffeins mit einer Verbesserung von Antrieb, Stimmung, Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit macht sich vor allem im ermüdeten Zustand bemerkbar und dürfte hauptsächlich für die Leistungssteigerung bei Langzeitbelastungen verantwortlich sein. Daneben werden auch eine verminderte Kaliumausscheidung aus der Muskelzelle und eine Verbesserung der Fettverbrennung und dadurch bedingte Glykogeneinsparung (allerdings nur in den ersten 15 Minuten einer Belastung nachweisbar) als leistungssteigernde Wirkmechanismen unter Fachleuten diskutiert.
Es hat sich im Triathlon auf der Langdistanz eingebürgert, dass koffeinhaltige Cola-Getränke zumindest ab der Marathonstrecke angeboten und von den Athleten auch gerne und reichlich konsumiert werden. Da die Athleten zu diesem Zeitpunkt in der Regel bereits mehr oder weniger ermüdet sind, stellt sich die Frage, ob der geringe Koffeingehalt dieser Getränke in der Lage ist, in dieser Situation eine stimulierende, ermüdungsmindernde und damit leistungssteigernde Wirkung zu erzielen. Ein Liter Coca Cola enthält 128 mg Koffein. Das entspräche einer Zufuhr von etwa 2 mg/kg Körpergewicht und läßt eine leistungssteigernde Wirkung möglich erscheinen. Gegenwärtig gibt es allerdings noch keine Untersuchungen und auch keine gesicherten Hinweise, ob die Zufuhr von Cola-Getränken im Langzeitausdauerbereich über ihre Flüssigkeits- und Kohlenhydratkomponente hinaus einen leistungssteigernden Effekt bewirkt. Unter Dehydratationsbedingungen muß etwa ab einem Konsum von 2,5 - 3,5 Liter mit einem positiven Dopingbefund gerechnet werden. Es sei hier auch darauf hingewiesen, dass Coca Cola keinesfalls ein ideales Rehydratationsgetränk ist. Coca Cola ist durch seinen hohen Zuckergehalt von bis zu 130 g/l stark hyperton und enthält nur geringe Mengen Natrium. Beim Genuss sehr großer Mengen, vor allem in unverdünnter Form, muß deshalb vermehrt mit auftretenden Störungen gerechnet werden.
Koffein entfaltet eine ganze Reihe von Nebenwirkungen, die die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit im Sinne einer Übererregung auch drastisch vermindern können. Schlaflosigkeit, Unruhe, Nervosität, Muskelzittern und -zucken, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, vermehrte Wasserausscheidung und Magenbeschwerden sind nur einige davon.
Allerdings ist es individuell sehr unterschiedlich, wie der einzelne Sportler darauf reagiert.
Es muß hier nochmals eindringlich darauf hingewiesen werden, dass es sich bei der Einnahme von Koffein in Tablettenform nicht um eine Nahrungsergänzung, sondern einzig und allein um eine Manipulation im Sinne der Leistungssteigerung handelt. Werden dabei die Uringrenzwerte überschritten, so ist der Sportler Doping positiv und muß mit entsprechenden Sanktionen rechnen. Die Einnahme von Koffein in Tablettenform ist zumindest aus ethischer Sicht im Sport absolut abzulehnen!
Einfluss von Koffein auf metabolische, koordinative und mentale Aspekte im Damen- und Herrentennis
Ferrauti A, Pieper S, Seeber K, Weber K Institut für Sportspiele, Deutsche Sporthochschule Köln
Ziel der Studie war die differenzierte Analyse der Auswirkungen von Koffein im Leistungstennis.
Methode: 12 weibliche (Alter 21,8±2,4 Jahre; BMI 21,1±1,7 kg/m2) und 12 männliche (Alter 23,6±2,2 Jahre; BMI 22,6±1,6 kg/m2) regionale Turnierspieler
absolvierten an zwei Versuchstagen das gleiche Testprotokoll, bestehend aus 60 min Einzelmatch (M) und 30 min standardisierter Matchsimulation an der Ballwurfmaschine (MS). Doppelblind und randomisiert wurden 1 Std. vor Beginn 5 mg/kg Koffein (K) oder ein identisch schmeckendes Placebo (P) verabreicht.
Ergebnisse: Blutlaktat in M (K: 2,45±0,87 vs. P: 1,65±0,58 mmol/l) und MS (K: 3,83±1,29 vs. P: 2,60±1,00 mmol/l) sowie Herzfrequenz in M (K: 150±13 vs. P: 140±18 min-1) und MS (K: 169±12 vs. P: 162±17 min-1) wurden durch Koffein signifikant erhöht. Gewonnene Punkte (K: 48,9±9,9 vs. P: 51,1±9,9 %) sowie gültige Aufschläge, Fehlerquote und Schlaggeschwindigkeit unterschieden sich bei Damen und Herren nicht zwischen K und P. Belastungsempfinden (RPE-Skala) und Leistungswille (10 Punkt-Skala) in der Gesamtgruppe wiesen ebenfalls keine Unterschiede auf. Nur die Damen tendierten nach Koffeingabe zu höherer Leistungsbereitschaft (K: 8,2±1,0 vs. P: 7,4±1,5). Keiner der Probanden überschritt das Dopinglimit.
Schlussfolgerungen:
Koffeingaben geringer Dosis
steigern die glykolytische Aktivität im Tennis, so dass von einer stärkeren
Verstoffwechselung der Kohlenhydrate ausgegangen werden kann. Die
tennisspezifische Leistung bleibt hierdurch unbeeinflusst, obwohl sich bei den
Damen eine höhere Leistungsbereitschaft andeutet.
37. Deutscher
Kongress für Sportmedizin und Prävention - Prävention durch Bewegung und Sport -
26. bis 30. September 2001 in Rotenburg a. d. Fulda
Risiko: Brüchige Knochen
Kaffee hat aber nicht nur gute Seiten, er birgt auch einige
Risiken.
Zusammenfassung
Die Auswirkungen des ungehemmten Coffeingenusses werden dann sichtbar, wenn
eine Untersuchung von Arzneimitteln, sei es ihrer Kinetik wegen oder der Dynamik
halber durchgeführt werden soll. Immer ist die Analytik des Wirkstoffs durch
mehr oder weniger starke Konzentrationen von Coffein oder anderer Methylxanthine
beeinträchtigt. Außerdem wird eine zeitweilige Unsicherheit der Ärzte sichtbar,
wenn es darum geht, dass von Patienten anlässlich einer bestehenden Krankheit
der Genuss coffeinhaltiger Getränke eingeschränkt werden soll oder nicht. In den
meisten Fällen ist hierbei eine Einschränkung nicht notwendig, es sei denn,
Störungen der Erregungsbildung und -leitung des Herzens sind zu befürchten.
Wie weit verbreitet der Gebrauch von Coffein in der Gesellschaft ist, können
Ärzte belegen, die sich mit der Überprüfung von Arzneimittelwirkungen am
Menschen befassen: Methylxanthine sind die häufigsten Confounder im Blut der
Patienten; gegen sie muss das gesuchte Medikament abgegrenzt werden. Zu dieser
Stoffgruppe gehört auch das Coffein (Tabelle 1).
Als Methylxanthine werden die methylierten Derivate der Harnsäure (Xanthine) (16)
bezeichnet. Coffein (1,3,7-Trimethylxanthin) ist dreifach methyliert. Das
zweifach methylierte Theophyllin (1,3-Dimethylxanthin) findet auch als
Arzneimittel Verwendung. Theobromin (3,7-Dimethylxanthin) trägt ebenfalls zwei
Methylgruppen und ist Inhaltsstoff der Kakaobohne. Diese Inhaltsstoffe werden
durch Kaffee, Tee, Kakao oder auch Coca-Cola aufgenommen, wobei im
letztgenannten Getränk die Samen des Colastrauchs, die fälschlicherweise als
Nüsse bezeichnet werden, die Quellen des Coffeins sind. Hier ist jedoch
anzumerken, dass in den Colasamen Coffein an Gerbstoff (Tannin) gebunden
vorliegt als so genanntes Colanin. Erst während der Lagerung findet die
enzymatische katalytische Freisetzung von Coffein aus Colanin statt. Dies mag
der Grund dafür sein, dass Coca-Cola manchmal als coffeinfrei bezeichnet wird.
In der von Pemberten 1885 angegebenen Rezeptur war ursprünglich auch Cocain
enthalten, was dann alsbald geändert wurde.
In Deutschland in den Verkehr gebrachte Erfrischungsgetränke dürfen zwischen 65
bis 250 mg/l Coffein enthalten. Die Energy-Drinks aus dem Ausland, die im Sinne
des § 47a des Lebensmittelgesetzes nach Deutschland eingeführt werden, dürfen
maximal 320 mg/l Coffein aufweisen.
Coffeingehalt verschieden
Es ist nicht einfach, sich über den Coffeingehalt unserer Genussmittel einen
verlässlichen Überblick zu verschaffen. Gewöhnlich finden sich Angaben über den
Coffeingehalt der Drogen, das heißt die Kaffeekirsche, Teeblätter oder Colasamen
(Tabelle 2). Dabei bleiben die regional äußerst unterschiedlichen
Gebräuche bei der Bereitung der Getränke unberücksichtigt. Hierzulande gilt
Kaffee als Getränk mit der höchsten Konzentration an Coffein. Dabei sollte
einmal ein ostfriesischer Tee daneben analysiert werden. Amerikanischer (USA)
Kaffee ist meist recht schwach, dagegen wird in den Anbauländern (Brasilien,
Guatemala) ein wesentlich stärkerer Kaffee getrunken. Man kann als grobe
Orientierung in einer Tasse (125 ml) Kaffee 100 mg Coffein vermuten. Das gleiche
gilt für eine Tasse Tee, die auf ostfriesische Art zubereitet wurde. Grüner Tee
ist in der Regel weniger stark, wobei wohl die Orientierung an der
Teezubereitung in Ostasien erfolgt. In Japan genossener grüner Tee kann dagegen
dem Europäer eine spürbare Beschleunigung der Herzfrequenz bescheren. Über die
unterschiedlichen Arten der Teezubereitung und die daraus resultierenden
unterschiedlichen Coffeingehalte geben Hicks et al. einen Überblick (12).
Theophyllin ist in Teeblättern enthalten, aber nur in bescheidenen
Konzentrationen, sodass zu Herstellung des Arzneimittels Theophyllin andere Wege
beschritten werden: Dazu dient die Traubesche Synthese der Herstellung nach
Bredereck aus Harnsäure (3).
Coca-Cola enthält Coffein; man müsste eigentlich darauf bestehen, dass alle
Getränke, die Coffein enthalten, eine Konzentrationsangabe erhalten müssen, da
die Menge weder festgelegt, noch von Charge zu Charge gleich ist; damit
differieren die gemessenen Werte stark. In einem Glas Coca-Cola finden sich
zwischen 10 und 40 mg Coffein (16).
Die Kulturgeschichte des Gebrauchs von Coffein in Genussmitteln ist bis zu den
dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts von Eichler (1938)
zusammen gefasst worden. Die Erforschung der Coffeinwirkungen hat seit der
Entdeckung der Adenosinrezeptoren erheblichen Auftrieb erhalten. Außerdem
entfaltet Coffein, wie andere Methylxanthine, eine Aktivierung der Adenylcyclase
wodurch die Konzentration von cAMP intrazellulär ansteigt. cAMP spielt im
Signaltransfer der Zelle eine wichtige Rolle. Die pharmakologischen Wirkungen
der Methylxanthine sind von Starke und Palm 1998 vorgestellt worden (Tabelle 1).
Schließlich ist als biochemischer Wirkmechanismus die Freisetzung von Ca2+-Ionen
aus intrazellulären Depots zu erwähnen. Die Diskussion über die Beteiligung der
erwähnten Mechanismen an der Auslösung der verschiedenen pharmakologischen
Wirkungen der Methylxanthine wird nach wie vor kontrovers diskutiert.
Pharmakokinetik
Die orale Bioverfügbarkeit des Methylxanthins liegt bei nahezu 100 Prozent. Das
Verteilungsvolumen für Coffein beträgt 0,7 l/kg, das für Theophyllin 0,5 l/kg.
Von den Methylxanthinen werden fünf Prozent unverändert mit dem Urin
ausgeschieden. Dementsprechend werden 95 Prozent der Dosis metabolisiert. Dabei
wurde eine Hydroxylierung in Position acht der C-Atome des Xanthingerüsts
beobachtet. Außerdem erfolgt eine Demethylierung zu 1,7-Dimethylxanthin. Es
entsteht also aus Coffein nicht etwa Harnsäure. Die Metabolisierung wird durch
P450 1A2, ein Cytochrom, vorgenommen. Die Eliminationshalbwertszeit ist bei
Frühgeborenen extrem lang, für Theophyllin 30 Stunden, für Coffein 50 Stunden.
Auch für Schwangere ergibt sich eine ziemlich lange Halbwertszeit für Coffein (10).
Bei Erwachsenen beträgt diese fünf Stunden. Enzyminduktionen zum Beispiel durch
vorherige Einnahme von Rifampicin, verkürzen die Halbwertszeit. Cimetidin
konkurriert mit Methylxanthinen um die Bindung an das Enzym und verlängert damit
die Halbwertszeit. Die Resorption von Methylxanthinen aus Tee soll verzögert
erfolgen. Das bedeutet, dass die Spitze der Konzentration von Coffein aus Kaffee
abgemildert ist und der Verlauf der Blutkonzentration von Coffein protrahiert
wird. Eine systematische Studie zu dieser Frage liegt in der Literatur offenbar
nicht vor. Bei der Erörterung der Pharmakokinetik der Methylxanthine sind
insbesondere die ZNS-Stimulierung, die Wirkungen am Herzen und die Effekte auf
die Nieren bedeutsam (Tabelle 1). In der Regel können die pharmakologischen
Wirkungen nicht mit einem einzigen biochemischen Angriffspunkt interpretiert
werden. Besonders wichtig ist die Aktivierung der intrazellulären Adenylcyclase:
Dadurch wird die intrazelluläre Konzentration von cAMP gesteigert. Der
Angriffspunkt der Methylxanthine liegt damit im Signaltransfer und ist
reaktionskinetisch nach dem Adenylschritt anzusiedeln. Dies erklärt, dass die
Wirkung der Methylxanthine nicht durch b-Blokker gehemmt werden kann, und dass
es, umgekehrt, zu überadditiven Wirkungen kommt, wenn Catecholamine und
Methylxanthine gemeinsam wirksam werden. Als biochemischer Angriffspunkt für die
ZNS-Wirkung der Methylxanthine wird die Hemmung der A1-Adenosinrezeptoren
betrachtet, die physiologisch gesehen die zentralen Neurone dämpfen. Das
Wirkungsbild unter dem Einfluss der Methylxanthine wird als psychomotorische
Stimulation bezeichnet: Die Müdigkeit verschwindet, die Lernfähigkeit und der
Bewegungsdrang nehmen zu. Dieses Wirkungsbild gleicht weitgehend demjenigen nach
Weckaminen. Nach Methylxanthinen ist der Sympathikus-Tonus erhöht und
dementsprechend ist die Konzentration von Catecholaminen im Plasma gesteigert.
Oberhalb einer Dosis von 200 bis 300 mg Coffein kommt es zu Dysphorien,
motorischer Unruhe, Übelkeit und Erbrechen. Die zentralen Wirkungen der
Methylxanthine sind bei Coffein am stärksten ausgeprägt. Zum gemütsaufhellenden
Effekt kann die psychomotorische Aktivitätssteigerung kommen, was wahrscheinlich
zu der Annahme einer aphrodisischen Coffeinwirkung geführt hat. (11).
Früher war dies der Anlass zu diversen Pamphleten im angelsächsischen Sprachraum
(1,
2). Die bronchospasmolytischen Wirkungen der Methylxanthine, die erst ab
Dosen von 600 bis 800 mg zu beobachten sind, werden durch die Blockade von
A1-Adenosinrezeptoren erklärt. Sicherlich trägt auch die Aktivierung der
Adenylcyclase teilweise zur Wirkung bei. Für die Wirkungsverstärkung
kontraktiler Elemente der Herz- beziehungsweise der quergestreiften Muskulatur,
muss die Freisetzung von Ca2+-Ionen aus den transversalen sarkoplasmatischen
Strukturen herangezogen werden. Eine derartige Wirkung wird auch für die
Membranen der postganglionären, parasympathischen Nervenendigungen und der
Zellen des Nebennierenmarks diskutiert. Bei höheren Dosen von Methylxanthinen
wird eine Steigerung der Permeabilität von Ca2+-Ionen, sowie deren Freisetzung
aus den longitudinalen sarkoplasmatischen Strukturen und Mitochondrien der Herz-
und Muskelzellen der quergestreiften Muskulatur erörtert. Unter experimentellen
Bedingungen kann dabei eine maximale Kontraktur der Muskelfasern auftreten.
Die tödliche Coffeindosis wird für den erwachsenen Menschen mit 5 bis 10 g
angegeben. Coffein steigert die Sekretion von saurem Magensaft. Das ist
offensichtlich nicht nur auf die Wirkung der Aromastoffe des Kaffees
zurückzuführen. Hierfür wird wiederum die Hemmwirkung der Adenylcyclase durch
Methylxanthine verantwortlich gemacht. Die Steigerung der diuretischen
Aktivität der Nieren wird mit einer Steigerung der Nierendurchblutung und der
bis heute noch nicht systematisch erforschten Hemmung der tubulären Reabsorption
von Elektrolyten erklärt.
Ob Coffein eine Abhängigkeit erzeugen kann, ist zu bezweifeln. Sein Gebrauch als
Additivum in Kombinationsschmerzmitteln ist auf so geringe Dosen beschränkt,
dass ein derartiger Verdacht keinen Sinn macht. Überdies ist die
Wirkungsverstärkung so genannter schwach wirksamer Analgetika durch Coffein
vielfältig erwiesen (9).
Es gibt zudem Tierexperimente, die eine analgetische Wirkung von Coffein nahe
legen.
Ein neuerliche Prüfung der Wirkung ergab, dass Coffein offenbar die Symptomatik
der Parkinsonschen Krankheit mildern kann. Dafür wird die Blockade
A2-Adenosinrezeptoren verantwortlich gemacht (5).
Unter dem Aspekt der pharmakologischen Wirkungen von Coffein ist sicherlich ein
Teil der ärztlichen Empfehlungen an Patienten zu überdenken. So ist in der
Pharmakokinetik von Methylxanthin dargelegt, dass nicht einmal den an der Gicht
Leidenden der Genuss von Kaffee untersagt werden soll: Im Stoffwechsel bildet
sich keine Harnsäure. Blickt man auf die Liste der Wirkungen von Theophyllin am
Herzen, dann zeigt sich (Tabelle 3), dass Methylxanthine den Blutdruck
eher senken denn steigern. Bei der Beratung von Hypertoniepatienten ist
sorgfältig auf die Trinkgewohnheiten zu achten. Hypertoniker müssen vor einem zu
großen Trinkvolumen bewahrt werden, sie können indes getrost zu einem Mokka
greifen. Vorsicht ist angezeigt bei allen Patienten, die an Herzkrankheiten
leiden, wenn gleichzeitig eine Störung der Reizbildung und -leitung zu
beobachten ist. Hier kann Coffein durch Steigerung der Herzfrequenz zu
unangenehmen Zwischenfällen beitragen. Bei herzinsuffizienten Patienten ist
gelegentlich zu beobachten, dass sich die Patienten nach dem Genuss von Kaffee
oder Tee leistungsfähiger und besser fühlen. Es gibt jedoch auch Patienten,
deren Blutdruck nach dem Genuss von Mokka ansteigt. Die Normotonie zuvor könnte
hier allerdings durch eine zusätzliche muskuläre Schwäche der Herzleistung
bedingt gewesen.
Eine verbesserte Durchblutung der Niere ist im Hinblick auf die unerwünschten
Wirkungen von Arzneistoffen auf dieses Ausscheidungsorgan zunächst einmal zu
begrüßen: Die Arzneimittel und ihre Metaboliten werden rasch aus dem Organismus
entfernt. Den Patienten ist hier eher zum Tee ostfriesischer Art gebraut, als
zum Magen reizenden Kaffee zu raten. Vorsicht ist angebracht bei Patienten, die
zu wenig Flüssigkeit aufnehmen: Die gesteigerte Ausscheidung über die Nieren
kann den Trinkeffekt vollständig zunichte machen.
Im Andenken an Prof. Dr. med. Otto Kraupp (Ordentlicher Professor für
Pharmakologie der Medizinischen Fakultät der Universität Wien 1972 bis 1992) ist
dieser Beitrag Prof. Dr. Walter Rummel (Ordentlicher Professor für Pharmakologie
und Toxikologie der Universität des Saarlandes) anlässlich seines 80.
Geburtstages am 23. Oktober 2001 gewidmet.
Dt Ärztebl 2001; 98: A 2816–2818 [Heft 43]
| 1. | Anonymus I: The men’s answer to the women’s petition against coffee. London 1674. |
| 2. | Anonymus II (4 Wellwillers): The women’s petition against coffee representing the public consideration, the grant inconveniences accruing to their sexform the excessive use of that drying and enfeebling liqueur. London 1674. |
| 3. | Auterhoff H: Purine. In: Lehrbuch der pharmazeutischen Chemie. Stuttgart: Wiss Verl Ges 1976; 8. Auflage: 376–382 . |
| 4. | Bundesgesundheitsamt: Bundeslebensmittelschlüssel. Gütersloh: Bertelsmann Lexikothek 1995. |
| 5. | Chen JF, Xu K, Petzer JP, Staal R, Xu YH, Beilstein M, Sonsalla PK, Castag K, Castagnoli N Jr, Schwarzschild MA: Neuroprotection by caffeine and A(2A) adenosin receptor inactivation in a model of Parkinson´s disease. J Neurosci 2001; 21: RC143: 1–6. MEDLINE |
| 6. | Eichler O: Kaffee und Coffein. Berlin: Julius Springer 1938. |
| 7. | Forth W: Analgetikakombinationen. In : Zur Problematik der schwach wirksamen Analgetika. Braun, Karlsruhe: TW Taschenbuch Medizin Band 7 G (ohne Jahreszahl). |
| 8. | Forth W: Analgesie und Analgetika: ein Thema das noch lange nicht ausdiskutiert ist. In: Hoffmann G, Braune H-J, Fritz C, Rössy W, eds.: Vegetativum, Schmerz, Schlaf. Einhorn-Presse 1997: 252–276. |
| 9. | Fox JM: Coffein plus Analgetika – eine sinnvolle Kombination. Der Schmerz 1988; 2: 183–197. |
| 10. | Haenel H, Forth W: Macht Kaffe krank? Medizin und Ernährung. Frankfurt/Main: pi-Verlagsgruppe GmbH 1992. |
| 11. | Heise U, Frf v Wolff-Metternich B: Coffeum wirft die Jungfrau um. Leipzig: G Kiepenheuer 1998. |
| 12. | Hicks MB, Hsieh Y-HP, Bell LN: Tea preparation and its influence on Methylxanthine concentration. Food Res Int 1996; 29: 325–330. |
| 13. | Kirschbaum J, Taschan H, Brückner H: Koffeingehalt neuartiger Getränke. In: Deutsche Gesellschaft für Ernährung eds.: Proceedings of the german nutrition society. Stefan W Albers Druck und Verlag GmbH & Co KG 2001; 44. |
| 14. | Kraupp O: Methylxanthine. In: Forth W, Henschler D, Rummel W, eds.: Lehrbuch der allgemeinen und speziellen Pharmakologie und Toxikologie. Mannheim, Wien, Zürich: B Wissenschaftsverlag 1987; 5. Auflage 257–260. |
| 15. | Starke K, Halm D: Exkurs Methylxanthine In: Forth W, Henschler D, Rummel W, Starke K, eds.: Lehrbuch der allgemeinen und speziellen Pharmakologie und Toxikologie. 7. Auflage. Heidelberg: Spektrum Akad Verlag 1998; 175–177. |
| 16. | Wagner H: Coffeae semen. In: Pharmazeutische Biologie – Drogen und ihre Inhaltsstoffe. 5. Auflage. Stuttgart, New York: G Fischer 1993; 208–211. |
Denis Zanette: Radprofi war herzkrank
Pordenone (dpa) - Der italienische Radprofi Denis Zanette, der am
vorigen Freitag einem Herzinfarkt erlag, starb an den Folgen einer seltenen,
angeborenen Herzkrankheit. Sein Zustand habe sich zudem durch eine schlecht
verheilte Bronchitis verschlimmert, teilte die Staatsanwaltschaft nach der
Obduktion am Dienstagabend in Pordenone mit. Italienische Zeitungen berichteten
am Mittwoch, die Ergebnisse der Dopinguntersuchungen liegen erst in einigen
Wochen vor. Zanette erlag einem Herzstillstand, als er beim Zahnarzt war. Die
Staatsanwaltschaft durchsuchte darauf seine Wohnung nach Dopingmitteln. Der
Zahnarzt hatte ausgesagt, er habe bei der Behandlung keinerlei Betäubungsmittel
benutzt. Er habe nur Zahnstein entfernen wollen. Zanette stand nach dem Giro
d'Italia 2001 als Mitglied des Liquigas- Teams mit vier seiner Kollegen unter
Dopingverdacht, wurde
aber nie positiv getestet. Dafür war er in der Vergangenheit des öfteren mit
«geduldeten» Mitteln wie
Coffein-Präparaten,
die auf Dauer das Herz schädigen, in Verbindung gebracht worden. 16. Januar 2003
Körperliches Training: Kaffee ja, Insulin nein!
Ein Mittel, das bei sportlicher Betätigung die Fettverbrennung anregt und
dabei gleichzeitig die Ausdauer erhöht, ist wohl für Profi- und
Amateursportler gleichermaßen attraktiv. Dass es sich dabei um den guten
alten Kaffee handeln soll, kommt doch etwas überraschend. Das Australian
Institute of Sport hat die Wirkung der schwarzen Bohne auf die Performance
von Radfahrern getestet und festgestellt, dass die Athleten unter Koffein
deutlich länger kräftig in die Pedale treten konnten - bereits bei einer
kleinen Menge Kaffee um ein Drittel länger! Dabei wird offenbar vermehrt auf
Fettspeicher als Energiequelle zurückgegriffen, während üblicherweise
Kohlenhydrate als primärer Kraftstoff dienen.
Bedenken bezüglich des entwässernden Effektes von Koffein zerstreuen die
Wissenschafter mit dem Hinweis, dass diese Wirkung erst ab einer hohen
Dosierung auftritt. Um positive Effekte zu erzielen, genüge wahrscheinlich
jedoch bereits eine Tasse Kaffee vor Beginn des Trainings. Wer nun aber
glaubt, er könne es sich mit einem Cappuccino vor dem Fernseher gemütlich
machen und so überflüssige Pfunde zum Schmelzen bringen, der irrt. Die
Formel lautet nämlich: Kaffee + Ausdauertraining = Fettverbrennung!
Koma statt Wettkampftitel
Eine deutliche Warnung kommt hingegen aus England: Eine Fallstudie im
"British Journal of Sports Medicine" berichtet von einem Bodybuilder, der
bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Diagnose: Insulin-Missbrauch
und daraus resultierender Unterzucker. Aufgrund fehlender Nachweisbarkeit im
Dopingtest erfreut sich Insulin in der Kraftsportszene steigender
Beliebtheit. Meist wird es in Kombination mit anabolen Steroiden
eingenommen. Letztere führen zu vermehrtem Muskelaufbau, während Insulin
über eine gesteigerte Glykogen-Einlagerung im Muskel für zusätzliche "Masse"
sorgt.
Tatsächlich spielen diese "Athleten" ernsthaft mit ihrer Gesundheit, ja mit
ihrem Leben. So kann durch das Überangebot an Insulin die körpereigene
Produktion dieses Bauchspeicheldrüsenhormons gehemmt werden, was die
Betroffenen zu Diabetikern macht. Während echte Patienten für den Einsatz
von Insulin geschult werden, verhalten sich Bodybuilder eher wie
Zauberlehrlinge. Gerade in Zusammenhang mit der vor Wettkämpfen üblichen
Entwässerung wirken sich die Injektionen fatal aus: Sie führen zu
lebensbedrohlichen Hypoglykämien (Unterzuckerung) mit möglicher Endstation
Koma und Tod.(NetDoktor, 07.08.2003) -
Koffein von Antidopingliste gestrichen
Zum Jahreswechsel gibt es auch neue Maßstäbe zum Thema Sportler und
"Genussmittel". Auf der zum 1. Januar 2004 in Kraft tretenden neuen
Verbotsliste der Welt-Antidoping-Agentur Wada erscheinen nun auch
Cannabinoide in der Rubrik unerlaubte Stimulanzien. Darauf hat die Nationale
Antidoping-Agentur (Nada) in Bonn hingewiesen.
Der Nachweis von Koffein wird dagegen vorerst nicht mehr geahndet. Der
Cannabis-Konsum hat allerdings bei Erstverstößen nur eine Verwarnung zur
Folge. Erst im Wiederholungsfall droht eine Sperre.
29. Dezember 2003
Theophyllin - leistungssteigernd
aber mit Nebenwirkungen
10 gesunde Probanden führten eine hochintensive
Intervallbelastung (Fahrradergometer, 1 min bei 120% VO2max, 3 min Pause)
bis zur Erschöpfung durch. Der Test wurde einmal nach vorheriger Gabe von
4,5 mg/kg Theophyllin durchgeführt und einmal nach Placebo. Bei 3 Probanden
kam es unter Theophyllin zu Übelkeit und Verwirrtheit, so dass der Versuch
nicht beendet werden konnte. Bei den übrigen Versuchspersonen stieg die
Belastungszeit nach Theophyllin auf 59,3±5,9 min gegenüber 55,9±6 min nach
Placebo an. Dieser ergogene Effekt zusammen mit den möglichen gravierenden
gesundheitlichen Nebenwirkungen sollte nach Meinung der Autoren Grund genug
sein, Theophyllin auf die Dopingliste zu setzen, wo es bisher, auch wenn es
dem
Coffein
in seinen Eigenschaften ähnelt, nicht steht.
U.K.(Pigozzi F et al.: Oral theophylline supplementation and high-intensity
intermittent exercise. J Sports Med Phys Fitness 43 (2004) 535-538)
Coffein-Entzug
ist eine Krankheit
BALTIMORE. US-Wissenschaftler sehen nach einer Studie Psychopharmacology
(2004; DOI: 10.1007/s00213-004-2000-x) Kaffee als Droge an und wenn der
Nachschub unterbrochen sei, drohten Entzugssymptomen, denen vonseiten der
Medizin viel zu wenig Beachtung geschenkt werde.
Laura Juliano von der American University in Washington und Roland Griffiths
von der Johns Hopkins Universität in Baltimore fordern, dass das
Koffeinentzugssyndrom in die nächste Ausgabe des Diagnostic and Statistical
Manual of Mental Disorders DSM aufgenommen wird, der „Bibel für mentale
Erkrankungen“, wie es heißt. Zudem sollte der International Statistical
Classification of Diseases and Related Health Problems (ICD) eine Ziffer für
die Erkrankung reserviert werden.
Koffein sei das weltweit am häufigsten konsumierte Stimulans. Da die Droge
billig und die Beschaffung nicht kriminalisiert ist, könnten die meisten
Menschen den Blutspiegel einigermaßen konstant halten und so Entzugssymptome
vermeiden. Doch wenn der Nachschub einmal ausbleibe, dann droht nach
Einschätzung der US-Forscher den meisten Koffein-Konsumenten ein „kalter
Entzug“.
Dies sei lange bekannt. Schon seit mehr als 170 Jahren beschäftige sich die
Forschung mit dem Thema, doch noch immer gebe es keine diagnostischen
Kriterien, mit deren Hilfe die Ärzte das Syndrom erkennen könnten, wenn es
bei ihren Patienten oder bei ihnen selbst auftritt.
Um für Klarheit zu sorgen, haben Juliano und Griffiths die Ergebnisse von
insgesamt 57 experimentellen Studien und neun Umfragen ausgewertet. In ihnen
werden nicht weniger als 49 unterschiedliche Entzugssymptome genannt, von
denen allerdings nur zehn die Validitätskriterien der Autoren erfüllten.
Dies waren: Kopfschmerzen, Erschöpfung, Energieverlust, verminderte
Wachsamkeit, Schläfrigkeit, herabgesetzte Zufriedenheit, depressive
Stimmung, Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit und das Gefühl keine klaren
Gedanken fassen zu können. Hinzu kämen bei einigen Menschen noch
grippe-ähnliche Symptome, ja sogar Übelkeit und Erbrechen und
Muskelschmerzen/-steifheit seien möglich.
Am häufigsten sei jedoch der Kopfschmerz, der in experimentellen Studien bei
50 Prozent der Kaffeetrinker durch den Entzug ausgelöst werde. Bei 13
Prozent der Abstinenzler komme es zu signifikanten Beschwerden oder einer
funktionellen Einschränkung.
Typischerweise würden die Symptome zwölf bis 24 Stunden nach der letzten
Tasse Kaffee auftreten. Nach 20 bis 51 Stunden werde das Symptommaximum
erreicht. Die Gesamtdauer des Entzugs geben Juliano und Griffiths mit zwei
bis neun Tage an.
Die Intensität der Symptome sei abhängig von der vorher konsumierten Menge
Kaffee. Aber bereits eine Dosis von 100 Milligramm pro Tag, entsprechend
einer kleinen Tasse Kaffee, könne nach der Abstinenz zu Symptomen führen.
Die Zufriedenheit, die viele Menschen nach der ersten Tasse Kaffee am Morgen
empfinden, ist in den Augen der Forscher nichts anderes als eine
Substitutionstherapie zur Vermeidung der Entzugssymptome, zu denen es
aufgrund der nächtlichen Abstinenz komme.
DEUTSCHES ÄRZTEBLATT 01.10.2004
Links zum Thema
Abstract der Publikation
http://springerlink.metapress.com/app/home/contribution.asp?wasp=e2wqypyxql1tx4lupj4p&referrer=parent&backto=issue
,12,173;journal,1,184;linkingpublicationresults,1:100390,1
Pressemitteilung der Johns Hopkins Medical Institutions
http://www.hopkinsmedicine.org/Press_releases/2004/09_29_04.html
Homepage Roland Griffiths
http://neuroscience.jhu.edu/peopledetail.asp?ID=48
Warum Kaffee dem Herz schadet
Koffein
Schon zwei Tassen Kaffee pro Tag können die Menge so genannter
Entzündungsmarker im Blut erhöhen. Darauf deuten die Ergebnisse griechischer
Wissenschaftler hin, die den Zusammenhang zwischen Kaffee-Konsum und den bei
einer Entzündung gebildeten Substanzen untersucht haben. Demnach sind die
Entzündungswerte bereits ab einer Kaffeeration von mehr als einer Tasse
täglich deutlich erhöht. Dieser Effekt erkläre möglicherweise, warum Kaffee
häufig mit der Entstehung von Herzkrankheiten in Verbindung gebracht werde,
schreiben die Forscher um Antonis Zampelas von der Harokopio-Universität in
Athen in der Fachzeitschrift American Journal of Clinical Nutrition (Bd. 80,
S. 862).
Die Wissenschaftler befragten 3.000 Freiwillige zu deren
Ernährungsgewohnheiten. Anschließend untersuchten sie Blutproben der
Probanden auf Substanzen, die ins Blut abgegeben werden, wenn irgendwo im
Körper eine Entzündung vorliegt. Diese so genannten Entzündungsmediatoren
stehen im Verdacht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen auszulösen.
Bei Probanden, die jeden Tag mehr als 200 Milliliter Kaffee zu sich nahmen,
fanden die Forscher deutlich erhöhte Werte nahezu aller Entzündungsmarker.
Dieser Zusammenhang war unabhängig von anderen Faktoren, die an der
Entstehung von Herzkrankheiten beteiligt sein könnten wie Alter, Geschlecht,
Körpergewicht und Rauchgewohnheiten.
In mehreren älteren Studien war Kaffeegenuss mit Herzproblemen in Verbindung
gebracht worden. Dieser Zusammenhang könnte durch die neuen Ergebnisse
erklärt werden, schreiben Zampelas und seine Kollegen. Andere Studien hatten
jedoch keinen vergleichbaren Effekt gezeigt. Daher planen die
Wissenschaftler nun, den direkten Zusammenhang von Kaffee und
Herzkrankheiten zu untersuchen.
Kaffee schützt vor Krebs und Diabetes
Neue Studie belegen positive Effekte - Seltener Parkinson durch mehr
Botenstoff Dopamin im Gehirn - Mehr Lust auf Sex?
Von Samiha Shafy
Berlin - Kaffee ist das meistkonsumierte Getränk in Westeuropa und heute
nach dem Erdöl auch das zweitwichtigste Handelsgut der Welt. Die Deutschen
trinken pro Kopf und Jahr rund 30 Liter mehr Kaffee als Bier - im
Durchschnitt fast 160 Liter. Doch bis heute ist unter Wissenschaftlern
umstritten, ob Kaffee der Gesundheit schaden kann. Den unzähligen Studien zu
möglichen Risiken stehen ebenso viele gegenüber, die darauf hindeuten, daß
Kaffee nicht nur munter und leistungsfähig macht, sondern auch vor
Krankheiten wie Parkinson und Krebs schützt.
Vergangene Woche veröffentlichte das US-Krebsinstitut die Ergebnisse einer
großen japanischen Studie mit 90 452 Teilnehmern. Sie belegen, daß
regelmäßiger Kaffeegenuß das Risiko, an Leberkrebs zu erkranken, um mehr als
die Hälfte senkt. Von denen, die nie oder kaum Kaffee tranken, erkrankten
0,547 Prozent an Leberkrebs; von den Kontrollpersonen die drei bis vier
Tassen Kaffee pro Tag tranken, nur 0,215 Prozent, also weniger als die
Hälfte.
Doch es gibt auch schlechte Nachrichten: Schon zwei Tassen Kaffee pro Tag
könnten die Menge von Entzündungsbotenstoffen im Blut erhöhen und dadurch
Herzkrankheiten begünstigen, fanden griechische Forscher um Antonis Zampelas
von der Harokopio-Universität in Athen.
Die bekannte Tatsache, daß Kaffee den Schlaf beeinträchtigen kann, belegten
israelische Mediziner um Lotan Shilo von der Universität in Tel Aviv bereits
im Jahr 2002. Koffein, eine stickstoffhaltige Verbindung, die nicht nur in
Kaffeebohnen, sondern auch in Blättern, Samen und Früchten vieler anderer
Pflanzen vorkommt, blockiere ein Hormon mit dem Namen N-Acetyltransferase,
das für die Produktion des Schlafhormons Melatonin verantwortlich ist. Bei
sechs Versuchspersonen, die abends eine Tasse koffeinhaltigen Kaffees
getrunken hätten, sei in der Nacht die Menge des Melatonins im Blut nur halb
so groß gewesen wie nach dem Genuß von koffeinfreiem Kaffee. Dadurch sei der
Schlafrhythmus nachhaltig gestört worden: Die Probanden hätten
durchschnittlich eine Stunde kürzer und weniger tief geschlafen.
Doch es gibt auch weitere gute Nachrichten: Wer täglich mehr als sechs
Tassen Kaffee trinke, habe ein um 50 Prozent kleineres Risiko, an
Altersdiabetes zu erkranken. Dies fand ein Forscherteam um Frank Hu von der
Harvard-Schule für öffentliche Gesundheit in Boston. Auch vor Parkinson soll
Kaffee schützen. US-Forscher vom Massachusetts General Hospital in Cambridge
haben an Mäusen herausgefunden, daß Koffein die Konzentration des
Botenstoffes Dopamin in bestimmten Nervenzellen stabilisiert, die für die
Steuerung von Bewegungen zuständig sind. Bei Parkinson gehen diese
Nervenzellen zugrunde, was zu einem Dopaminmangel führt. Es sei aber noch
nicht bewiesen, ob Koffein beim Menschen ebenso wirkt. Verschiedene Studien,
die statistische Häufigkeiten erfaßten, haben aber tatsächlich gezeigt, daß
Menschen, die regelmäßig Kaffee trinken, seltener an Parkinson erkranken.
In weiteren Studien haben Forscher noch mehr Vorteile des Kaffees entdeckt:
So sollen einige Tassen täglich vor Darmkrebs, Gallensteinen und Karies
schützen, Muskelschmerzen vorbeugen, die Stimmung aufhellen und bei Männern
die Fruchtbarkeit erhöhen. Manche behaupten gar, Kaffee wirke
liebesstimulierend.
Ressort Wissenschaft aus der Morgenpost vom Sonntag, 27 Februar 2005
http://morgenpost.berlin1.de
Kaffee und Sport: Koffein mindert positive Wirkung
San Diego (ddp). Kaffee kann die positive Wirkung von körperlicher Bewegung
auf das Herz deutlich mindern: Schon das Koffein aus zwei Tassen Kaffee
beeinträchtigt die Durchblutung des Herzmuskels während sportlicher
Betätigung, haben Schweizer Forscher entdeckt. Besonders ausgeprägt ist
dieser Effekt dann, wenn ohnehin schon wenig Sauerstoff zur Verfügung steht,
wie bei Bewegung in großer Höhe oder bei Menschen mit
Herz-Kreislauf-Problemen. Über ihre Studie berichten Philipp Kaufmann von
der Universität Zürich und seine Kollegen in der Fachzeitschrift «Journal of
the American College of Cardiology» (Bd. 47, S. 405). An der Studie nahmen
18 gesunde Freiwillige im Alter von 21 bis 33 Jahren teil, die während der
letzten Tage vor dem Test auf Kaffee und andere koffeinhaltige Getränke
verzichtet hatten. Alle Probanden absolvierten eine Trainingsrunde auf einem
Fahrrad-Heimtrainer - 10 von ihnen unter normalen Bedingungen und die
anderen 8 unter reduziertem Sauerstoffgehalt, wie er in 4500 Metern Höhe
herrscht. Damit wollten die Wissenschaftler den Sauerstoffmangel simulieren,
unter dem das Herz von Menschen mit koronarer Herzkrankheit oder
Arteriosklerose arbeiten muss. Direkt vor und kurz nach der Trainingseinheit
bestimmten die Forscher die Durchblutung des Herzmuskels. Anschließend
nahmen die Teilnehmer eine Koffeintablette ein, deren Koffeindosis etwa der
in zwei Tassen Kaffee enthaltenen entsprach, und wiederholten knapp eine
Stunde später den Bewegungstest. Das Ergebnis: Während das Koffein in der
Ruhephase keinen Einfluss auf die Herzdurchblutung hatte, reduzierte es den
Anstieg des Blutflusses während der sportlichen Betätigung deutlich. Kam
noch der Sauerstoffmangel hinzu, war der Effekt fast doppelt so stark wie
unter den normalen Bedingungen. Koffein blockiert nach Ansicht der
Wissenschaftler demnach wahrscheinlich eine Gruppe von Rezeptoren, die den
Gefäßwänden sonst als Reaktion auf den vergrößerten Sauerstoffbedarf den
Befehl zum Ausdehnen übermitteln. Obwohl in diesem Fall lediglich gesunde
Probanden getestet worden seien, könne diese Wirkung des Koffeins besonders
für Patienten gefährlich werden, deren Herzen ohnehin nicht mehr optimal
durchblutet werden, sagen die Forscher. Sie empfehlen daher, vor sportlicher
Betätigung oder bei Bewegung in den Bergen auf Koffein zu verzichten. In
weiteren Studien wollen sie nun genauer untersuchen, wie Menschen mit
Herz-Kreislauf-Problemen auf das Aufputschmittel reagieren.17. Januar 2006
netdoktor.de
Leistungssteigerung durch Coffein?
Für viele Subanzen sind leistungssteigernde Wirkungen bekannt. Auchwenn sich dabei meist pharmakologische Effekte nachweisen lassen, wird ein Großteil der Wirkung auch dem sogenannten „Plazeboeffekt“ zugeschrieben. Um dieses Phänomen für Koffein näher zu erforschen, führten 14 männliche Radfahrer ein 40km Zeitfahren unter 4 unterschiedlichen Bedingungen durch:
1) Man sagt dem Probanden, er bekommt Koffein/er erhält Koffein
2) Man sagt dem Probanden, er bekommt Koffein/er erhält Plazebo
3) Man sagt dem Probanden, er bekommt Plazebo/er erhält Koffein
4) Man sagt dem Probanden, er bekommt Plazebo/er erhält Plazebo Bestimmt wurden u.a. die erbrachte Leistung, das Herzfrquenzverhalten, die Laktatkonzentration und die maximale Sauerstoffaufnahme. Unabhängig von der Information führte dabei Koffeingabe zu einer verbesserten Leistungsfähigkeit, erstaunlicherweise sogar noch stärker bei der Information, dass Plazebo verabreicht würde. Dass es aber auch zu einem Plazeboeffekt kommt, dafür spricht die leichte Leistungssteigerung unter Plazebo bei der Information, man würde Coffein erhalten. Lediglich die wahre Information, der Sportler würde nur Plazebo erhalten, führte zu einer Abnahme der Leistungsfähigkeit. Die Ergebnisse belegen so eindrucksvoll die physiologische und psychologische Wirkung einer Coffeingabe auf die sportliche Leistung bei dieser Belastung.
Jahrgang 59, Nr. 2 (2008) DEUTSChE ZEITSCHRIFT für Sportmedizin