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Cortison im Doping- Wirkung-
Verbote-Missbrauch
wie
es wirkt!
Chemie von Cortison
- Cortison-Nebenwirkungen
- Cortison-Einnahmeempfehlungen
- Cortisonfreie
Entzündungshemmer
Doping bei der Tour de France?
Ärztekammer: Nach Kortikoid-Einnahme ins Bett
Diskussionen um "Doping auf Rezept" / Besonders viele Asthma-Kranke?
10.08.00 - Rad-Profis, die wegen asthmatischer Beschwerden
kortikoidhaltige Medikamente einnehmen müssen, dürfen sich nach Ansicht der französischen Ärztekammer während der Behandlung
dann nicht mehr sportlich betätigen. Dies erklärte Professor Jean Langlois mit Blick auf die vielen Asthmakranken, die bei der
diesjährigen Tour de France mit ärztlicher Bescheinigung leistungssteigernde kortikoidhaltige Medikamente einnahmen.
Professor Langlois sagte der Zeitung Le Figaro (Donnerstag-Ausgabe): «Ich bin überrascht, dass es bei der Tour de
France so viel Kranke geben soll, die derart starke Medikamente benötigen, und ich bin noch mehr überrascht davon, dass die
zuständigen Mannschaftsärzte diesen Fahrern nicht verboten haben, aufs Rad zu steigen.»
Hintergrund
UCI: Doping-Proben bei der Tour alle "negativ"
EPO-Tests: Das lange Warten hat begonnen
Tour: "Doping-Produkte in 45 Prozent aller Urinproben"
UCI: "Es gab keinen Dopingfall"
Bereits bei den Olympischen Winterspielen in Lillehammer 1994 sei
dem Leiter der medizinischen Kommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Patrick Schamach, ein extrem hoher
Anteil asthmakranker Sportler aufgefallen. Nach Angaben der Zeitung hatten von Beginn an 70 Prozent aller Sportler dem IOC ärztliche
Bescheinigungen vorgelegt, wonach sie unter asthmatischen Beschwerden litten und daher entsprechende Medikamente
einnehmen müssten. Das IOC habe daran gedacht, Medikamente wie Salbutamol auf die Liste der verbotenen Produkte zu setzen, sei
aber starkem Druck «einer angelsächsischen Sportlobby» ausgesetzt gewesen.
«Wir lassen uns nicht von der aktuellen Heuchelei übers Ohr hauen;
ich mag nicht glauben, dass ein Hochleistungssportler schwer allergie- oder asthmakrank sein soll», zitiert die Zeitung
Schamach. Der als Sportberater tätige Arzt Patrick Laure, der in diesem Jahr auch ein Buch über das Doping-Unwesen geschrieben hat, sieht vor
allem Mediziner als Hauptlieferanten leistungssteigernder Mittel. Viele von ihnen würden jedoch guten Glaubens handeln, wenn
Sportler von ihnen Medikamente fürs vorgebliche Lungenleiden forderten. Von 2 000 im Jahr 1998 befragten Amateursportlern hätten
200 die Einnahme von Medikamenten zugegeben, die auf der Liste
verbotener Substanzen gestanden hätten. «Als wir sie nach ihrer
Bezugsquelle dafür fragten, gaben 60 Prozent von ihnen an, sie sich mit ärztlichem Rezept zu besorgen.»
Dagegen versichert der Mannschaftsarzt der französischen Radsport-Equipe La Francaise des Jeux, Gerard Guillaume, in einem
Interview der Zeitung Le Parisien: «Man muss wissen, dass die
beanstandeten Kortikoide eine ganze Familie sehr unterschiedlicher
Medikamente darstellen - über Augentropfen, Salben, Sprays und Injektionen - die eine Menge von Krankheiten abdecken. Eine
Realität, die man in Verbindung mit der Tatsache sehen muss, dass im Gegensatz zum Freizeitsport der Hochleistungssport kein
Synonym für gute Gesundheit ist; der Wettbewerb ruft vielmehr zahlreiche Krankheiten hervor.» Wegen des im Freien praktizierten
Sports und der Luftverschmutzung sei die Zahl der Asthmakranken
bei Sportlern doppelt so hoch wie bei anderen Menschen. (dpa)
Stresshormon Cortison als
Muntermacher
Morgenmenschen haben deutlich höheren Cortisonanteil im Blut
Hauptindikationsgebiete von Cortison bei Atemwegserkrankungen
1. Asthma bronchiale
2. Chronisch obstruktive Atemwegserkrankung (Chronic obstructive pulmonary disease, COPD)
3. Interstitielle Lungenerkrankungen
Asthma bronchiale
Solange Asthma bronchiale im wesentlichen als Bronchokonstriktion verstanden wurde, setzte man therapeutisch große Hoffnung auf
immer potentere Bronchodilatatoren, in erster Linie auf Beta-Sympathomimetika, später selektive Beta 2-Sympathomimetika. Sie wurden
seit den 40er Jahren in Deutschland entwickelt. Trotz eines breiten Einsatzes solcher Medikamente (z.B. Orciprenalin, Alupent®) stieg
überraschenderweise die Asthmamortalität an. Der Rückgang der Verordnungen führte hingegen zu einem Abfall der Asthmamortalität. Seit
der historischen Publikation von Inman und Adelstein (Lancet, 1969) erschienen zahlreiche Arbeiten über die vermeintlich tödlichen
Nebenwirkungen der Beta-Sympathomimetika.
Trotzdem wurden Corticoide - obgleich sie seit den 50er Jahren als hochwirksame Antiasthmatika galten, nur als "ultima ratio" eingesetzt.
Daran hat auch die Entwicklung der topisch anwendbaren inhalativen Corticoide Anfang der 70er Jahre - mit einem geradezu idealen
therapeutischen Index - zunächst wenig geändert. Erst das neue pathophysiologische Verständnis des Asthma bronchiale als eine
chronisch entzündliche Veränderung der Atemwege mit bronchialer Überempfindlichkeit und variabler Bronchialobstruktion (Definition aus
dem International Consensus Report 3/1992) führte international zu neuen Therapieempfehlungen.
Die bis dahin auf der ersten Stufe des Therapieschemas, auch als mögliche Monotherapie geführten Beta-Sympathomimetika wirken
lediglich auf einen einzigen Aspekt der komplexen Entität Asthma: auf den Bronchospasmus. Unbehandelt blieben zwei weitere wichtige
Konstituenten der Entität: die Entzündung und die bronchiale Hyperreagibilität, beide alleinige Domäne der
Corticoidtherapie. Der derzeit geltende Stufenplan der Deutschen Atemwegsliga aus dem Jahre 1994 sieht inhalative Corticoide an erster Stelle für jeden
Schweregrad des Asthmas vor. Für die Stufe 3 (schweres Asthma, betreffend 5-10% aller Patienten) ist eine systemische Corticoidtherapie
erforderlich. Der neue, in diesem Jahr zur Publikation anstehende vierstufige Therapieplan übernimmt aus der Rheumatologie das Prinzip
der Low-dose-Corticoidtherapie und sieht bei konstantem Befund eine Reduktion der Erhaltungsdosis in 1-mg-Schritten vor. Auch die
inhalativen Corticoide werden nach dem Prinzip "so wenig wie möglich, aber soviel wie nötig" dosiert und bei klinischer Stabilität
heruntergestuft. Man unterscheidet eine niedrige (200 - 500 µg), mittelhohe (500 - 1000 µg) sowie hohe (bis zu 2000 µg) inhalative
(Beclomethason-Äquivalent) Dosis. Die Corticoide wirken auf die strukturellen Epithel- und alle Entzündungszellen in der Bronchialschleimhaut über die Hemmung der
Transkriptionsfaktoren. Auf diese Weise wird die Genexpression im Zellkern für die Produktion von Zytokinen und Mediatoren beeinflußt.
Letztere "orchestrieren" den Entzündungsprozeß. Hohe Corticoidkonzentrationen hemmen die Phospholipase A2, unterdrücken so die
Arachidonsäurekaskade und damit letztlich die Bildung von Lipidmediatoren (Leukotrienen und Prostaglandinen). Sie führen außerdem zu
einer vermehrten Expression von Beta-2-Rezeptoren, wirken antiödematös und schützen das beim Asthma gefährdete
Bronchialepithel. Die moderne Asthmatherapie ist daher ohne Corticosteroide nicht einmal perspektivisch vorstellbar, wenngleich heute der therapeutische
Einsatz von neuen Antiasthmatika, z.B. von spezifischen Phosphodiesterase-Inhibitoren und Leukotrienantagonisten erforscht wird
beziehungsweise ein Vertreter der letztgenannten Gruppe seit wenigen Monaten in Deutschland zugelassen ist.
Chronisch obstruktive Atemwegserkrankung
Früher war im deutschen Sprachraum die Verwendung des Begriffs "chronisch obstruktive Atemwegserkrankungen" und seiner ungezählten
Synonymen (z.B. "chronisch asthmoide Emphysembronchitis") oder seiner Abkürzungen üblich, um einheitlich fast alle Erkrankungen,
welche mit einer Limitierung der exspiratorischen Flüsse einhergehen, zu bezeichnen. Neue Erkenntnisse in der Morphologie,
Pathophysiologie (Mediatorforschung) und nicht zuletzt in der Klinik zwingen uns heute, das Asthma bronchiale von der sogenannten
chronisch obstruktiven Atemwegserkrankung, COPD ("chronic obstructive pulmonary disease"), zu trennen: COPD (= über mehrere Monate
im wesentlichen unveränderte, niemals voll reversible Bronchialobstruktion) ist - nach nordamerikanischer Terminologie, die auch von der
European Respiratory Society übernommen wurde - die gemeinsame Bezeichnung für die obstruktive Variante der
chronischen Bronchitis (= Husten und Auswurf während drei Monate in zwei aufeinanderfolgenden Jahren) und für das Emphysem (=
Erweiterung der terminalen Lufträume mit Zerstörung der Alveolarwandungen).
Gerade in Hinblick auf die Corticoidtherapie ist die korrekte Terminologie unerläßlich, da die internationalen und nationalen
Behandlungsempfehlungen für COPD - im Gegensatz zu Asthma - den Einsatz der Corticoide erst in der letzten Behandlungsstufe
vorsehen. Inhalative Corticoide haben dort bislang keinen gesicherten Platz. Der langjährige Einsatz vor allem systemischer Corticoide bei
der stabilen COPD - ohne lungenfunktionsanalytischen Wirksamkeitsnachweis und oft vom Patienten wegen der euphorisierenden Wirkung
in Höchstdosen gefordert - führt zu massiven Nebenwirkungen (Osteoporose, Infektanfälligkeit, Myopathie der
Atemmuskulatur, Gewichtszunahme). Häufig leiden solche Patienten mehr an den Nebenwirkungen der Corticoide als an der chronisch obstruktiven
Grunderkrankung. In der täglichen Praxis sind Mischbilder aus Asthma und COPD vorherrschend. Die Ansprechbarkeit eines jeden Patienten auf die
Corticoidtherapie soll daher getestet werden: Jeder stabile Patient mit mittelschwerer oder schwerer irreversibler Obstruktion bekommt
gleich zu Beginn 40 mg Prednisolon (z.B. 2 Tabl. à 20 mg Decortin ® H) systemisch - zusätzlich zu der in den Stufen 1 und 2 der
Therapieempfehlungen beschriebenen bronchialerweiternden Standardtherapie für die Dauer von 14 Tagen. Danach erfolgt eine erneute
Lungenfunktionsprüfung. Responder werden auf die niedrigstmögliche Erhaltungsdosis, oft auf inhalative Steroide gesetzt. Bei
Nonrespondern ist die Corticoidtherapie nach 14 Tagen abrupt zu terminieren. Auch inhalative Corticoide sind bei diesen Patienten nicht
indiziert.
Im Rahmen von Exazerbationen können allerdings alle COPD-Patienten akut Cortison-pflichtig werden; im Status asthmaticus gilt für alle -
ob ursprünglich COPD oder Asthma - betreffend die Corticoidtherapie die gleiche Akutbehandlung: systemische Anwendung hochdosierter
Corticoide (z.B. vierstündlich 50 mg Solu-Decortin® H i.v.).
Interstitielle Lungenerkrankungen (ILD, interstitial lung
disease)
Sie repräsentieren eine heterogene Gruppe von entzündlich-immunologischen Erkrankungen bekannter oder unbekannter Ätiologie.
Die Therapie der verschiedenen interstitiellen Lungenerkrankungen ist nicht einheitlich: Das gegebenenfalls bekannte auslösende Agens
(Allergen, Medikament, Zigarettenrauchen, arbeitsplatzbedingte Noxe) muß gemieden werden. Der immunologisch entzündliche Prozeß,
der im Endergebnis zu einem fibrotisch emphysematischen Umbau ("remodeling") der Lunge führt, wird in dem noch frischen entzündlichen
Stadium mit Corticoiden behandelt. Grundsätzlich beeinflussen die Corticoide aber kaum die für die späteren Stadien typische
Fibroblastenproliferation und die Kollagenbildung. Je nach Krankheitsstadium und Diagnose ist ein gutes (Sarkoidose), in manchen Fällen
aber auch kein Ansprechen (idiopathische Lungenfibrose) auf die Corticoidtherapie zu erwarten.
Wir haben in der Pneumologie die einmalige Möglichkeit, sowohl über sensible Lungenfunktionsprüfungen (Vitalkapazität,Einsekundenkapazität, Diffusionskapazität) als auch gegebenenfalls anhand von Entzündungsparametern und seriellen
Röntgenuntersuchungen das Ansprechen einer interstitiellen oder obstruktiven Lungenerkrankung auf Corticoide im konkreten Fall zu
überprüfen und die Corticoiddosis (zu Beginn in der Regel 1 mg Prednisonäquivalent / kg Körpergewicht) je nach Ausfall der Lungenfunktion
zu steuern.
Da es sich bei den ILD in der Regel um chronische Erkrankungen handelt, ist meist eine Cortison-Langzeittherapie mit relativ hohen Dosen
erforderlich. Verschiedene Cortison-sparende entzündungshemmende und immunsuppressive Kombinationspartner (Azathioprin, Imurek®;
Cyclophosphamid, Endoxan®, Cyclosporin, Sandimmun®, etc.) werden mit wechselndem Erfolg als
Begleittherapie eingesetzt.

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Kortikoide
Die Nebennierenrinde produziert das Hormon Kortison, das entzündungshemmend und damit schmerzlindernd wirkt. Pharmakologen haben vier künstliche Derivate
entwickelt, die unter der Bezeichnung Kortikoide oder Kortikosteroide vielseitige
Verwendung als Medikamente finden. Wird dem Körper ein Kortikoid zugeführt,
reduziert die Nebennierenrinde gleichzeitig die Sekretion von Kortison, bei massiver äusserlicher Verabreichung stellt sie die Produktion ganz ein. - Im
anlässlich der Schlussphase der Tour de Suisse gefundenen Abfallsack, den
gemäss den Beobachtungen eines Journalisten ein Mitarbeiter des Teams Lampre entsorgt hatte, befanden sich vorwiegend Kortikoide-Medikamente, die zumindest
bisher als nicht nachweisbar galten.
Diese Meldung wärde einschlagen wie eine Bombe, da war sich die französische
Tageszeitung "Liberation" vergangene Woche ganz sicher. Gemeint war die Ankündigung des nationalen Dopinglabors in Chatenay-Malabry, dass sich mit
einem von ihnen entwickelten Test Kortikoide direkt im Urin nachweisen lassen.
Die neue Methode basiert auf der Massenspektrometrie von Kohlenstoffisotopen und gilt unter Fachleuten als ausgesprochen sicher. "Dieser Nachweis ist sehr
prüzise, hochsensibel und somit geeignet, auch geringste Spuren zu entdecken", kommentiert Martial Saugy, Leiter des Swiss Laboratory for Analysis of Doping in
Lausanne. Sein französischer Kollege Patrick Laure von der Uniklinik Nancy vermutet denn auch, diese leistungssteigernden Substanzen verlören wohl
demnächst an Popularität in Sportlerkreisen, denn interessant sei natürlich nur, was
nicht nachweisbar ist. Bisher war das bei den Kortikoiden der Fall, und so griffen
die Sportler deswegen gerne und viel zu. Kortikoide, schon seit Anfang der sechziger Jahre zur Leistungssteigerung geschluckt, zählen nach einer Studie aus
dem Jahr 1998 zu den drei meistverwendeten Dopingmitteln im Sport. "Die
Athleten", so auch Saugy, entnehmen die Kortikoide wie Lebensmittel ein."
Breite Palette an Nebenwirkungen
Obwohl chemisch eng verwandt mit einem anderen Dopingmittel, dem Testosteron, besitzen die Kortikoide gänzlich andere Eigenschaften. So wirken sie nicht
muskelaufbauend wie das Geschlechtshormon, sondern entzündungshemmend, setzen zudem die Schmerzgrenze hinauf und bekämpfen die Müdigkeit - gerade
von Radprofessionals erwünschte Effekte. Dafür nehmen die Leistungssportler jedoch eine breite Palette an Nebenwirkungen in Kauf: In hohen Dosen
eingenommen, kann das Mittel aus der Kortison-Familie im schlimmsten Fall zu Diabetes fähren, zu Muskel- und Knochenschwund, bei Jugendlichen gar zu einem
Wachstumsstopp. Trotzdem lassen sich Kortikoide ausgesprochen einfach - und billig - beschaffen. Jeder Arzt darf die Schmerzmittel
verschreiben, jeder Sportler sie bei Abgabe eines Attests ganz legal als Medikament, in eingeschrünkten
Mengen allerdings, einnehmen. Um den Kortikoide-Missbrauch in den Griff zu bekommen, fordert deswegen
Patrick Laure, müsste auch das Schlupfloch "medizinische Indikation" geschlossen
werden. "So erhöht sich lediglich die Quote an Asthmatikern im Peloton", befürchtet der Mediziner, denn gemeinhin ist es diese Patientengruppe, die auf
kortisonhaltige Prüparate angewiesen ist. Welche Auswirkungen der neuentwickelte Urintest letztlich auf das Dopingverhalten der Sportler haben wird,
vermag zwar noch niemand zu sagen. "Aber", so hofft zumindest Saugy, "vielleicht
übt der Test zumindest einen prüventiven Effekt aus; allein seine Existenz hält
vielleicht einige von der Einnahme von Kortikoiden ab." In jedem Fall aber zwinge
das Verfahren, so Saugy, die Funktionäre zum Handeln. "Eine politische Entscheidung steht an: Die UCI wird sich jetzt überlegen müssen, wie sie mit
überführten Kortikoide-Konsumenten weiter verfahren will."
Doping-tour de France 2002
Rumsas-Frau mit 37 verschiedenen Medikamenten
12.09.02 (rsn) - Wenn man vom Zoll mit einem Kofferaum voller
Dopingprodukte gestoppt wird und man sagt, das alles sei "für die
Schwiegermutter", ist das nie sonderlich glaubwürdig. Im Falle der am 28.Juli
verhafteteten Ehefrau des Tour de France-Dritten Raimondas Rumsas um so mehr,
als sie nicht weniger als 37 verschiedene Medikamente durch die Gegend fuhr, wie
die Pariser Sportzeitung L'Equipe am Donnerstag aufzählt.
Unter den Medikamenten, die Edita Rumsas am Schlusstag der Tour de France von
Frankreich nach Italien, wo die Familie ein Haus hat, bringen wollte, waren
neben erlaubten Vitaminpräparaten insbesondere Dopingprodukte wie Anabolika,
Kortikoide und Wachstumshormone. Gegen die 28-jährige Mutter dreier Kinder läuft
in Frankreich ein Strafverfahren. Die Ehefrau des litauischen Lampre-Rennfahrers
sitzt seit ihrer Verhaftung in Untersuchungshaft. Mehrere Anträge auf
Freilassung gegen Kaution wurden abgelehnt. Sie steht unter Verdacht,
organisierten Handel mit Dopingprodukten betrieben zu haben. Ihr drohen im Falle
einer Verurteilung bis zu sieben Jahre Haft. Raimondas Rumsas weigert sich, nach
Frankreich zu reisen, weil er befürchtet, dort ebenfalls verhaftet zu werden. Er
beteuert, nie gedopt zu haben und verweist auf die "negativen" Ergebnisse seiner
Dopingkontrollen.
Die Liste der 37 verschiedenen Produkte:
- Fläschchen Norditropin penset 24 (Wachstumshormone)
- Fläschchen TAD 600
- Fläschchen Norditropin
- Injektion Actrapid Novolet (Insulin)
- Drei Fläschchen Actovegin
- Eine Packung Spascupreel
- Eine Packung Albumine 20%
- Drei Packungen Testis Compositum (Hormonextrakte)
- Eine Packung Ubichinon Compositum (Ko-Enzym Q)
- Zwei packungen Thyreoida Compositum (Hormonektrakt)
- Drei Ampullen Ketonal
- Zwei Ampullen Koffein
- Eine Ampulle Celestone (Entzündungshemmend)
- Ampulle Benexol B12 5000 (Vitamine)
- Drei Fläschchen Kenacort retard (Korticoide)
- Packung Toco 500 (Vitamin E)
- Flasche Chlorure de sodium 0,9
- 15 Einheiten Durvitan (Koffein)
- 10 Ampullen Pentohexal 300
- Packung MAG 2 (Magnesium)
- 12 Einheiten Ozothine
- 15 Einheiten Optalidon
- 2 Einheiten Eurythrox 50
- 3 Einheiten No Spa Forte
- 6 Einheiten und 1 Ampulle Alphalipon
- 2 Tabletten Stilnox
- 4 Einheiten Oltramp
- 30 Einheiten Bentelan (Korticoid)
- 30 Einheiten/Ampullen Voltaren
- 3 Einheiten Praxilen
- Cafiaspirina (Koffein-/Aspireinpräparat)
- 2 Packungen Immunoferon
- Packung Androderm (Testosteron)
- 2 Packungen Trofalgon
- Fläschchen Geref (regt Produktion von Wachstumshormonen an)
- Ampulle mit sterilem Wasser
- Fläschchen Haes-Steril
Quelle: L'Equipe
Sportmediziner protestieren gegen Anti-Doping-Regel
NEU-ISENBURG (Smi). Zum Jahreswechsel treten die neuen Vorschriften der
Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) in Kraft, die für die überwiegende Zahl der
Profi-Sportler verbindlich sein werden. Danach wird künftig der Einsatz von
Glukokortikoiden vor
ihrer Anwendung genehmigungspflichtig sein.
Das gilt speziell für Injektionen etwa in Gelenke oder an Sehnen. Gegen diese
Änderung der bisher geltenden Anti-Doping-Regel protestieren die Gesellschaft
für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (Gots) und die Verbandsärzte
Deutschland e. V.
"Die medizinisch notwendige Behandlung in Form von intraartikulären oder lokalen
Injektionen mit Glukokortikoiden - wie sie jedem Patienten aus medizinischer
Indikation zusteht - wird damit den Athleten bewußt vorenthalten", heißt es in
einer Stellungnahme der Sportmediziner.
Die Wada geht von einem leistungssteigernden Effekt der verabreichten
Kortisonpräparate aus. Ärzte Zeitung, 17.12.2003
Keine
Leistungsverbesserung bei oraler Gabe von Glukokortikoiden
Glukokortikoide gehören zu den am häufigsten verwendeten “Drogen“ im
Sport. Sie sind vor allem weit verbreitet beim Einsatz gegen muskuloskeletäre
und andere Schmerzen. Da Glukokortikoide auch zu den Dopingsubstanzen zählen,
ist interessant, ob sich bereits eine aus diesem Grund häufig verwendete
einmalige pharmakologische Dosis (20 mg Prednisolon) positiv auf die
Leistungsfähigkeit bei maximalen Ausdauerbelastungen auswirken würde und ob
andere hormonelle Parameter diese Wirkung widerspiegeln. Bei einer Gruppe wurde
die Prednisolongabe noch mit einem β-Sympathikomimetikum kombiniert. Frühere
Versuche liessen vermuten, dass Salbutamol die Zahl zentraler
Glukokortikoidrezeptoren erhöht und so die Wirkung unterstützt. Gleichzeitig
scheinen die Glukokortikoide β-Adrenozeptoren im Muskel zu hemmen. Die erbrachte
Leistung bis zur Erschöpfung bzw. die Belastungsdauer unterschied sich bei den
drei Bedingungen nicht. ACTH war nach Predenisolongabe mit und ohne Salbutamol
während des gesamten Tests gegenüber Plazebo signifikant niedriger. Auch
erhöhten diese Behandlungsregime die Blutglukose in Ruhe und während der
Erholung nicht, aber während Belastung. Das Wachstumshormon wurde nicht
beeinflusst, ebenso die Laktatkonzentration, während Insulin zu allen Zeiten
unter der Kombination von Prednisolon und Salbutamol erhöht war.
Die Ergebnisse sprechen nicht dafür dass die einmalige orale Gabe von
Glukokortikoiden allein oder in der Kombination mit einem β-Sympathikomimetikum
leistungssteigernd wirkt, zumindest bei Belastungen dieser Dauer. Längere
Belastungen sollten vor diesem Hintergrund untersucht werden.
U.K. (Arlettaz A et al: Effects of acute prednisolone intake
during intense submaximal exercise. Int J Sports Med 27 (2006) 673-679)
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