Nandrolon

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Nandrolon - Das Steroid und sein Nachweis    

Nandrolon oder auch 19-Nortestosteron (19-NT) entsteht in kleinen Mengen als Zwischenprodukt bei der Synthese von Estradiol aus Testosteron. Es wird über die Galle ausgeschieden, zum großen Teil in Form von Metaboliten, und erreicht bei gesunden Männern im 24h-Urin eine Menge von 0,03-0,25 ug bzw. Konzentrationen von 0,01-0,32 ng /ml, hier angegeben als der Metabolit Norandrosteron. Andere Arbeitsgruppen ermittelten doppelt so hohe Konzentrationen im 24h-Urin (0,05-0,6 ng/ml).
Nach langer intensiver Belastung steigt die Konzentration von Norandrosteron im Urin um  den Faktor 2-4.
Systematische Untersuchungen gibt es bisher nicht.
Oral aufgenommenes 19-NT wird innerhalb weniger Tage ausgeschieden. Nach i.m. Gaben von Depotpräparaten bleibt die Konzentration über Wochen evtl. Monate erhöht.
19-NT kommt in pflanzlicher Form nicht vor, wohl aber in tierischer. Wenn die Schlachttiere nicht mit 19-NT manipuliert sind,
ist die Konzentration im Fleisch so niedrig, daß nach dem Verzehr keine erhöhten Konzentrationen im Urin nachzuweisen sind. Mögliche Ausnahmen: Kühe perpartal zwischen 18 Tagen vor und 11 Tagen nach der Geburt und ihre Kälber in der ersten Lebenswoche, evtl. auch Eberfleisch und -leber. Fleisch von Tieren, die mit 19-NT behandelt wurden, enthält weniger als 10 ng/g 19-NT. Mit 100gr Fleisch würden also weniger als 1 mg 19-NT aufgenommen. Da die Ausscheidung einige Tage beansprucht, ist nicht anzunehmen , daß die Konzentration im 24h-Urin- selbst bei Kumulierung - die erlaubte Grenze überschreitet. Auch hier fehlen jedoch systematische Untersuchungen.
Dies ist anders, wenn Fleisch von einer Stelle genossen wird, in die ein Depotpräparat von 19-NT injiziert wurde. Hier wurden Konzentrationen im Bereich mg/g gemessen, was zu positiven Befunden führen kann.
19-NT ist ebenso wie die verwandten, ebenfalls anabolen Substanzen 19-Norandrostendion und 19-Norandrostendiol in Deutschland weder als Medikament noch als Nahrungszusatz zugelassen. Trotzdem sind sie leicht verfügbar und weit verbreitet. Im Internet finden sich etwa 30 Angebote ausländischer Firmen. Sie werben unverholen die anabole Wirkung und sind bemerkenswert zurückhaltend mit Hinweisen auf mögliche Schäden durch die Anwendung. 
Probleme bei der Beurteilung erhöhter 19-NT Konzentrationen:
1. Die maximal erlaubte Konzentration von Norandrosteron im Urin ist 2 ng/ml. Diese Grenze wurde aufgrund einer Messung einer relativ kleinen Stichprobe (n= 30) festgelegt. Sie liegt vier Standardabweichungen oberhalb des geometrischen Mittels der Werte in dieser Stichprobe. Es fragt sich ob diese Ergebnisse ausreichend für die Festlegung der noch erlaubten Konzentration im Urin sind.
2. Systematische Untersuchungen zum Einfluß nandrolonhaltiger Nahrung auf die Konzentration im Urin gibt es nicht.
3. Ebenso fehlen systematische Untersuchungen zum Einfluß körperlicher Belastung auf die Konzentration im Urin.
4. In Milchersatzpräparaten für die Aufzucht von Kälbern wurden sporadisch hohe 19-NT Konzentrationen gefunden, die zu positiven Urinproben geführt haben. Die ist wahrscheinlich auf eine Kontaminierung  des Fleisches zurückzuführen, das als Proteinquelle für die Präparate gedient hat.
5.Könnte die nicht ähnlich sein bei sportiven Zusatznahrungen, die außerhalb des Geltungsbereichs des deutschen Lebensmittelrechts hergestellt worden sind?
Der Nachweis und das Verfahren
Der Nachweis von Nandrolon(Nortestosteron, 19-Nortestosteron, 17ß-hydroxy-estr-4-en-3-on) wird anhand seines Hauptmetaboliten Norandrosteron geführt, da die Substanz fast vollständig in der Leber metabolisiert wird. Gleichzeitig entsteht im Metabolismus auch Noretiocholanolon, dessen Nachweis aber auch gelingt, wenn Substanzen wie Norandrostendion und Norandrostendiol verwendet werden. Auch diese Substanzen stehen auf der Dopingliste. Daher kann ein Nachweis von Nandrolon nicht direkt geführt werden, sondern nur der Mißbrauch einer der verbotenen aus der Serie der 19-Norsteroide..Die Identifizierung der Nandrolonmetaboliten erfolgt mit den Methoden de Gaschromatographie/Massenspektrometrie (GC/MS) nachdem der Metabolit aus der Urinmatrix isoliert und anschließend mit der "Doeneke-Reagenz" (N-Methyl_N_Trimethylsilyltrifluoracetamid) derivatisiert wurde. Anhand von maximal gefundenen Konzentrationen bis 0,6 ng/ml wurde ein Grenzwert von 2ng/ml bei Männern und 5 ng/ml bei Frauen festgelegt. Bisher konnte in keiner Studie gezeigt werden, daß durch physiologische Bedingungen ein Wert von 2ng/ml bei Männern überschritten werden kann. Bei Frauen wird der Nandrolonmetabolit allerdings vermehrt in der Schwangerschaft produziert, so daß der 5ng/ml Grenzwert für Schwangere nicht angewendet werden kann.
In Amerika werden Norandrostendion und Norandrostendiol als Nahrungsergänzungsstoffe angeboten. Sie führen zu den gleichen positiven Ergebnissen wie eine Nandrolon oder Nandrolondecanoat- Anwendung. Der Vertrieb derartiger hormoneller Vorläufer (percursor) ist in Deutschland nicht erlaubt. Zur Zeit werden viele dieser Produkte allerdings übers Internet vertrieben.
Bisher wurde festgestellt, daß Nahrungsergänzungsmittel aus dem Ausland auf der Basis von Chrysin-, Tribulus Terrestris aber auch Guarana - Produkte mit diesen Steroiden verunreinigt sein können. In Nahrungsmitteln (Energieriegel) sind in Deutschland bisher noch keine 19-Norsteroide festgestellt worden.
Nandrolon wird im Körper fast vollständig verstoffwechselt , so dass ein Nachweis nicht über Nandrolon selber, sondern über seinen Hauptmetaboliten Norandrosteron geführt wird. Dieser Metabolit ist aber gleichzeitig ein Stoffwechselprodukt  der verbotenen Vorhormone von Nandrolon, nämlich Norandrostendion und Norandrostendiol. Die Analytik weist demnach mit dem Metaboliten Norandrosteron nur nach, dass ein verbotenes 19-Norsteroid missbraucht wurde, die Zuordnung zu einer der drei Wirkstoffe ist nicht möglich aber auch nicht notwendig. Norandrosteron selber wird erst nach Konjugation mit Glucuronsäure in den Urin ausgeschieden. Diese Glucuronsäure wird enzymatisch im Rahmen der Probenvorbereitung abgespalten, so dass Norandrosteron in freier Form isoliert und bestimmt werden kann. Zur Verbesserung der Nachweisempfindlichkeit wird eine zusätzliche Derivatisierung vorgenommen, wobei die Sauerstofffunktionen des Moleküls mit Trimethylsilylgruppen (TMS) umgesetzt werden. (Anmerkung: Eine verbesserte Nachweisempfindlichkeit bei AAS ist deshalb notwendig, da sie nicht im Wettkampf, sondern im Training missbräuchlich angewendet.
werden. Durch den verbesserten Nachweis kann ein Missbrauch länger nachgewiesen werden, womit eine effiziente retrospektivere Beurteilung der Kontrollergebnisse ermöglicht wird.) Die Dopinganalytik hat in den letzten Jahre wesentliche Fortschritte im Bereich des Nachweises von AAS gemacht. Hierzu zählen die Aufklärung von Langzeitmetaboliten häufig eingesetzter AAS, sowie die Anwendung neuerer empfindlicherer Techniken wie die Hochauflösende Massenspektrometrie (HRMS = high resolution mass spectrometry). Eine weitere Verbesserung erfolgte im Nachweis von Doping mit körperidentischen AAS wie Testosteron, wo grundsätzlich zwischen der körpereigenen Produktion eines Hormons und einer Zufuhr von außen, zwecks Doping, zu unterscheiden ist. Mit der Einführung der Kohlenstoff-Isotopen-Massenspektrometrie kann der Missbrauch von verbotenen körperidentischen Steroidhormonen wie Testosteron, aber auch Dihydrotestosteron, Androstendion, etc. besser nachgewiesen werden.
http://www.zeitschrift-sportmedizin.de 
Zeitschrift für Sportmedizin

 


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Die Nandrolon-Seuche: Steigende Zahl der Befunde dank neuer Messtechnik?  
Neue Zürcher Zeitung 20.8.99  Von Arnd Krüger 
Der Autor, einst Mittelstreckenläufer, hat einen Lehrstuhl am Institut für Sportwissenschaft an der Universität Göttingen.  Seit einem Jahr grassiert unter Spitzensportlern verschiedener Sparten die Nandrolon-Seuche. Der Tennisprofi Petr Korda wurde mit einem zu hohen Nandrolon-Wert im Urin erwischt, musste eine Geldstrafe zahlen, verlor ATP-Punkte, wurde aber nicht gesperrt, der Olympiasieger und Weltmeister Linford Christie wurde überführt und erwartet seine Strafe, vier französische Fussballprofis (einschliesslich Christophe Dugarry aus dem Team des Weltmeisters) und Judo-Olympiasieger Djamel Bouras wurden mit zu hohen Nandrolon-Werten getestet. Während Bouras gesperrt wurde, darf Dugarry weiter mit Olympique
Marseille spielen. Seit Mittwoch ist der Fall einer weiteren grossen Athletin bekannt, von Merlene Ottey, deren A-Probe einen zu hohen Gehalt des anabolen Steroids Nandrolon zeigt. Nandrolon war auch die Ursache für die Suspendierung des schottischen 200-m-Europameisters Doug Walker gewesen, der aber in letzter britischer Instanz doch freigesprochen wurde und nun auf sein Verfahren bei der IAAF wartet. Schliesslich ist aus der Schweiz der Triathlet Olivier Bernhard bekannt, der erst vom International Court of Arbitration vom Vorwurf des Nandrolon-Missbrauchs freigesprochen wurde. Die Schwimm-Olympiasiegerin Michelle de Bruin-Smith vertuschte mit Whiskey Nandrolon-Spuren in ihrem Urin und wurde nicht wegen Nandrolons, sondern wegen Vertuschens gesperrt. Es wären weitere, weniger bekannte Namen anzufügen, die Liste ist längst nicht vollständig. 
Liegt die Vielzahl der Befunde an der neuen, verfeinerten Messtechnik - High Resolution Mass Spectrometry (HRMS) -, die seit den Olympischen Spielen von Atlanta eingesetzt wird und nun auch die Metaboliten eines Produktes zeigt und nicht nur die unmittelbaren Spuren des Produktes? Oder liegt es an Nandrolon? Was ist das Besondere an Nandrolon? Nandrolon gehört in die Frühzeit der Verwendung von Anabolika durch Sportler. Da es fettlöslich im Körperfett gespeichert wird, lässt es sich selbst vier Monate nach der Verwendung noch nachweisen. Im internationalen Wettkampfsport wurde es nur zwischen 1959 und 1976 eingesetzt. Mit dem Verbot von Anabolika verschwand es schnell vom Markt der Wettkämpfer. Im Bodybuilding ist es jedoch noch immer weit verbreitet, da es die Leber weniger belastet als andere Anabolika.  Heute gilt Nandrolon als eines der erfolgreichsten Produkte, wenn es darum geht, den körperlichen Verfall infolge einer HIV-Infektion aufzuhalten. Die
Anabolika-Forschung im Sport hat jedoch mit dem Vorurteil zu kämpfen, dass alle, die sich damit befassen, Doping begünstigen wollen. So ist heute über die sportlichen Folgen auch von Nandrolon wenig bekannt. Wegen seiner lang anhaltenden Wirkung ist es jedoch in der Landwirtschaft ein beliebtes Anabolikum in der Rinder- und Kälbermast. In den USA gilt die Verwendung als legal. Nachdem die Europäische Union nun auch den Import von hormonbehandeltem Fleisch zulassen hat müssen, wird die Anzahl dieser Art von Nandrolon-Spuren zunehmen. Fleisch, das mit Anabolika unmittelbar behandelt wurde, überträgt die Metaboliten auf den Konsumenten. Solches Fleisch wird wegen der kristallartigen Spuren nicht als Steak, sondern eher als Hackfleisch - zum Beispiel im Hamburger (NZZ 22. 7. 96) - verkauft. Lenny Paul, Bobfahrer, ein früherer Trainingspartner von
Linford Christie, wurde 1997 vom Vorwurf des Nandrolon-Missbrauchs freigesprochen, weil er glaubhaft machen konnte, dass im Hackfleisch der Spaghetti Bolognese, die er am Tag vor dem Test verzehrt hatte, eben solches Nandrolon hätte sein können. Anderen, die sich auch hierauf oder Ähnliches berufen wollten, wurde die Geschichte nicht geglaubt.  Durch entsprechende Forschung weiss man inzwischen, dass auch der Körper selber Nandrolon produziert. 0,6 Nanogramm/Milliliter (ng/ml) Urin gelten gemäss dem bekannten amerikanischen Pathologen Black als normal, während die französische Sportministerin in einer Anfrage im Senat (19. Mai 1998) sogar von 0,7 ng/ml ausging. Das Internationale Olympische Komitee (IOK) hat daher
Grenzwerte festgelegt, nämlich 2 ng/ml für Männer und 5 ng/ml für Frauen. Was hier so aussieht, als würden Frauen geradezu aufgefordert, sich mit Nandrolon zu «präparieren», hängt damit zusammen, dass die Nandrolon-Produktion im Falle
von Schwangerschaft ganz erheblich ansteigt. Aus diesem Grunde wurden in der DDR und anderswo Sportlerinnen vorzugsweise in den ersten Wochen der dann abgebrochenen Schwangerschaft in den Wettkampf geschickt, da so scheinbar
legal ein starkes körpereigenes Anabolikum eingesetzt werden konnte. Über den exakten Wert bei körperlichen Extremleistungen weiss man jedoch bisher viel zuwenig. 
Im relativ niedrigen Grenzwert für Männer steckt jedoch auch ein statistisches Problem: Vom Mittelwert aus betrachtet hängt die Zuverlässigkeit der Aussage mit der Breite der Streuung zusammen. Diese ist bei Hormonen, die auf Anstrengung
reagieren, sehr gross. Man muss deshalb davon ausgehen, dass die Standardabweichung (SD) vergleichsweise gross ist und wohl etwa bei 0,4 ng/ml Urin liegen dürfte. Innerhalb von 2 SD vom Mittelwert aus wurden 95 Prozent der bekannt  gewordenen Fälle erreicht, für 99 Prozent braucht man 3 SD. Bei einem  Grenzwert von wenig mehr als dem Dreifachen des Normalen besteht nicht einmal eine etwa 99,5prozentige Sicherheit. Das aber heisst, dass bei 1000 Tests 5 falsche positive in Kauf genommen werden, bei 10 000 Tests pro Jahr deren 50. 99,99prozentige Sicherheit gilt aber als eben noch akzeptabel, obwohl auch dies die Sportorganisationen vor den Gerichten teuer zu stehen kommen kann. Der Anwalt des Sprinters Doug Walker hatte zwei Argumente gegen die Sperre seines Mandanten ins Feld zu führen: zunächst die statistische Komponente, gemäss der Walker den zulässigen Grenzwert nur gering überschritten hatte. Der zweite Punkt überzeugte die Richter aber noch mehr: Die Metaboliten von Nandrolon (nach allen Regeln verboten) sind identisch mit den Metaboliten von 19-Norandrostenedion (bis jetzt nicht verboten) sowie 19-Norandrosteniodol (ebenfalls bisher nicht verboten). Nun liesse sich argumentieren, dass diese beiden auch unter die Generalklausel der Dopingbestimmungen fallen, gemäss der ähnlich wirkende
Substanzen wie die in der offiziellen Verbotsliste aufgeführten logischerweise ebenfalls zu verbieten sind. Diesem Argument würden sich aber die für ihre saftigen Strafen bekannten amerikanischen Gerichte kaum anschliessen, denn die
Gesundheitsbehörde (FDA) hat die nicht therapeutische Verwendung von Nandrolon ausdrücklich unter Strafe gestellt, die beiden anderen erwähnten Substanzen jedoch unter die frei verkäuflichen Ernährungszusätze (Supplements)
eingestuft. Übrigens: 25 verschiedene Produkte mit diesen Substanzen sind im Internet angepriesen - jeweils mit dem lakonischen Hinweis versehen, sie seien legal. 
Der Britische Leichtathletikverband übernahm auch deshalb das Urteil der unabhängigen Richter, da er schon einmal wegen eines Laborfehlers sich hatte reorganisieren müssen, um nicht vollständig in den Konkurs getrieben zu werden.
Die Läuferin Diane Mohdahl konnte nach einem langen Prozess nachweisen, dass ihr Urin durch unsachgemässe Behandlung einen zu hohen Testosteron-Wert in einem portugiesischen Labor bekommen hatte. Seit dieser Zeit verlangen Verbandsvertreter, dass Kontrollen durch unabhängige Agenturen durchgeführt werden, damit sie nicht selber den Schaden von Analysefehlern begleichen müssen. Die Zahlungen, die Walker nach acht Monaten scheinbar ungerechtfertigter Sperre einklagen wird, werden noch hoch genug sein. 
Was auf Doug Walker zutrifft, muss nicht bei jedem anderen Athleten der Fall sein. Linford Christie dürfte Schwierigkeiten haben nachzuweisen, weshalb der festgesetzte Höchstwert bei ihm nicht nur um wenige Prozent, sondern um etwa das Hundertfache überschritten wurde. Das lässt sich weder durch sein Ausnahmeerscheinung als Athlet statistisch noch durch die Supplements biochemisch erklären. Aber sein Fall wird sicher die notwendige Forschung weiter vorantreiben. 

Geyer, H., Mareck-Engelke, U., Reinhart, U., Thevis, M., Schänzer, W.
Positive Dopingfälle mit Norandrosteron durch verunreinigte Nahrungsergänzungsmittel
Postive doping cases with norandrosterone after application of contaminated nutritional supplements
Institut für Biochemie, Deutsche Sporthochschule Köln (Leiter: Prof. Dr. Wilhelm Schänzer).

Zusammenfassung
In den USA hergestellte Nahrungsergänzungsmittel, die laut Etikett keine Dopingsubstanz enthalten sollten, wurden auf im Sport verbotene anabole Steroide überprüft. Hierzu wurden die Nahrungsergänzungs-mittel nach Extraktion und Derivatisierung mittels Gaschromatographie/ Massenspektrometrie analysiert. Ebenso wurden die Nahrungsergänzungsmittel an Probanden verabreicht. Die Urine der Probanden wurden vor und nach der Applikation gesammelt und mit der Screeningmethode für anabole Substanzen gaschromatographisch/massenspektrometrisch überprüft. Bei 3 in Kapselform angebotenen Produkten wurden anabol-androgene Steroide sog. Prohormone gefunden, die nicht deklariert waren. In einem Chrysin Produkt wurden die anabolen Steroide bzw. Prohormone 19-Nor-4-androsten-3,17-dion und 19-Nor-4- androsten-3ß,17ß-diol nachgewiesen. In einem Tribulus Terrestris Produkt wurden die anabol-androgenen Steroide 4-Androsten-3,17-di-on, 4-Androsten-3ß,17ß-diol, 5-Androsten-3ß,17ß-diol, 19-Nor-4-and-rosten- 3,17-dion und 19-Nor-4-androsten-3ß,17ß-diol gefunden. Ein Guarana Produkt enthielt die Steroide 4-Androsten-3,17-dion, 5-And-rosten- 3ß,17ß-diol, Testosteron und 19-Nor-4-androsten-3,17-dion. Die anabolen Steroide waren in jeweils 3 unterschiedlichen Chargen der Produkte nachzuweisen. Die Gesamtmengen der Steroide pro Kapsel sowie die Verhältnisse der einzelnen Steroide innerhalb der Kapseln schwankten stark von Charge zu Charge und auch von Kapsel zu Kapsel innerhalb einer Charge. Die Gesamtmengen an Steroiden pro Kapsel variierten zwischen ca. 0,3 µg und 5000 µg. Nach der Applikation von jeweils einer Kapsel der oben genannten Sportnahrung wiesen alle Probanden einen positiven Dopingbefund mit dem Nandrolonmetaboliten Norandrosteron auf. 3-4 Stunden nach der Applikation wurden im Urin Konzentrationen zwischen 4 und 623 ng/ml beobachtet. Ein weiblicher Proband zeigte zudem eine Erhöhung des Testosteron/ Epitestosteron-Quotienten von 0,6 auf 4,2.

Die komplette Studie in der Zeitschrift für Sportmedizin 11/2000:


Deca-Durabolin - Nandrolon Decanoat-Der Mißbrauch  (sog. Anleitung aus dem Internet)  
 Der Fall Baumann

Deca Durabolin ist der Markenname von Organon für Nandrolon Decanoat. Weltweit ist Deca eins der populärsten injezierbaren Steroide. Seine Popularität liegt wahrscheinlich an der Tatsache, daß Deca bedeutende aufbauende Effekte mit minimalem androgenem Nebenwirkungen mit sich bringt. Für viele das beste Steroid (Nutzen/Risiko). Deca wird allgemein einmal pro Woche in einer Dosierung von 200-400mg eingespritzt. Bei dieser Menge ist eine Östrogenumwandlung geringfügig, also ist Gynomastie normalerweise kein Problem. Auch Probleme mit Leberenzymen, Blutdruck oder den Cholesterinniveaus sind gering. Steroidanfänger erzielen mit 200 mg/W gute Ergebnisse und fortgeschrittene sollten ca. bis 400 mg /W gehen. Bei hoher oder höherer Dosierung steigt das Risiko dann aber überproportional an. In HIV Studien ist nicht nur gezeigt worden, dass das Körpergewicht von den Patienten stieg , sondern auch das Immunsystem gestärkt worden ist. Aber Vorsicht an die Wettkampfleute man kann Decas 1 Jahr nach absetzen noch nachweisen (wenn man denn will). Deca ist auch ein verhältnismässig kostspieliges Steroid. 200mg von Deca kostet ca. 30 DM aufwärts auf dem Schwarzmarkt, In Europe eher selten anzutreffen ist die mexikanische Veterinärversion Norandren 50 von Brovel.
Dieses ist ein 50ml Phiole mit 50mg/ml. Labors Brovel hat jedoch Renommee für das Unterdosieren ihre Produkte und d.h. das es ehr 35mg/ml sind. Extraboline und Deca-Durabolin aus Griechenland sind im allgemeinen gut. Extraboline, ist etwas preiswerter als Deca-Durabolin. Retabolil aus Bulgarien (" russisches Deca ") ist auch ein gutes Produkt. Diese Ampullen kommen einzeln in einer Box in den Stärken 25mg und 50mg. Die Ampullen haben kein Band um den Ansatz und keine Rille zum brechen. Die größere Box kommt mit einer Feile um die Ampullen zu öffnen. Die Ampullen gibt es mit verschiedenen Beschriftungen, die erste ist eine leicht weg zu rubbelnde Schrift direkt auf dem Glas (rot/gelb) und die andere ein einfacher Papieraufkleber mit grauem Text. Deca wird leider auch in unzähligen Formen so gefälscht. Vorsicht sollte also walten, wenn man dieses auf dem Schwarzmarkt kauft. Nebenwirkungen: Selten Gyneomastie ehr die üblichen Testosteron Nebenwirkungen wie Steroidakne, Bluthochdruck etc. Vorsicht ist bei blutenden Verletzungen geboten, da Deca die Blutgerinnung hemmt.

Erneuter positiver Dopingtest in Spanien 
07.10.00 - Die Doping-Meldungen aus dem spanischen Radsport reißen nicht ab. Der 30-jährige Alvaro Gonzalez de Galdeano aus dem Team Vitalicio ist am 20. August positiv auf das anabole Steroid Nandrolon getestet worden ist. Das teilte der Weltverband UCI am Samstag mit.  Auch dem Tschechen Jan Hruska, Teamkollege von Gonzalez de Galdeano bei Vitalicio, war während der Vuelta der Missbrauch von Nandrolon nachgewiesen worden. Die Vitalicio-Teamleitung will nach einer Meldung der spanischen Sportzeitung Marca nachweisen, dass die Fahrer ohne ihr Wissen Nandrolon zu sich genommen haben in Energie-Riegeln, die aus den USA stammen sollen. (Red./dpa) 


22. November 2000
Dopingsubstanz in deutschem Produkt gefunden Stuttgart/Beuren
(dpa)
- Erstmals sind in einem Nahrungsergänzungsmittel deutscher Herkunft Spuren der
verbotenen Dopingsubstanz Nandrolon festgestellt worden. Bei einer vom Stuttgarter Landwirtschaftsministerium durchgeführten Untersuchung von Kreatin-Kautabletten der in Beuren ansässigen Firma All Stars Fitness Products wurden zwischen 0,2 und 0,7 Mikrogramm Norandrostendion je Kautablette gefunden. Dies teilte die Behörde am Mittwoch mit. Die Diskussion um die umstrittene Anwendung des Nahrungsergänzungsmittels Kreatin, nach der zuletzt positive Dopingproben bei der Speerwerferin Carolin Soboll (Wattenscheid) und dem Fußballer Manuel Cornelius (Tennis Borussia Berlin) aufgetreten waren, erhält damit neue Nahrung. «Es ist noch nicht bekannt, ob die von uns untersuchten Proben mit Norandrostendion versetzt oder nur verunreinigt waren», erklärte Manfred Edelhäuser, Chemiedirektor des Landwirtschaftsministeriums Baden-Württemberg. Er kündigte zugleich ein «breiter angelegtes Untersuchungsprogramm» an. Dies soll zunächst speziell auf Kreatin- Produkte abzielen. «Dabei dürfte es auf eine Größenordnung von 20 bis 40 Proben hinauslaufen», sagte Edelhäuser.
Der Hersteller in Beuren teilte am Abend mit, dass ein mit minimalen Rückständen behafteter Transportbehälter gemäß einer Stellungnahme des betroffenen Rohstoffzulieferers die Ursache für die Substanz sei. Die Firma bestätigte auch, sie habe das komplette Produktprogramm detailliert analysieren lassen. Nur bei Speed- Creatin-Kautabletten sei die äußerst geringe Menge an Norandrostendion (38 millionstel Gramm pro kg) festgestellt worden. Ein derart geringer Anteil habe keinerlei gesundheitsschädigende Wirkung. Durch so geringe Mengen sei eine Leistungssteigerung ebenfalls ausgeschlossen. Auf Grund der mittlerweile extrem genauen Nachweisbarkeit solcher Stoffe bei Analysen könne es jedoch nach der Einnahme unter bestimmten Umständen zu positiven Ergebnissen kommen. Das körpereigene Mittel Kreatin, das auch in Fleisch und Fisch vorhanden ist, wird als Nahrungsergänzungszusatz von vielen Sportlern angewendet, da es nicht auf der Dopingliste steht. Auch der im Sommer vier Mal positiv auf Nandrolon geteste Kugelstoß-Weltmeister C.J. Hunter, Ehemann der dreimaligen Olympiasiegerin Marion Jones, erklärte die Kontrollergebnisse mit der Anwendung von wahrscheinlich kontaminierten Ergänzungsmitteln. Bestärkt wird er darin durch eine am Dienstag in der Zeitschrift «American Medical Association» veröffentlichten Studie, wonach eine Reihe von nicht rezeptpflichtigen Ergänzungsmitteln verbotene Substanzen wie Testosteron und Nandrolon enthielten. Auf die Klage des für zwei Jahre gesperrten Tübingers Dieter Baumann gegen den Leichtathletik-Weltverband IAAF wird der Fund «keinen
unmittelbaren Einfluss» haben, erklärte Michael Lehner. Der Baumann-Anwalt stellte klar, dass der 5000-Meter-Olympiasieger von 1992 «kein Kreatin genommen hat. Ich würde ja unglaubwürdig werden, wenn ich jetzt plötzlich auf einen anderen Zug aufspringen würde.» Er empfiehlt den Verbänden jedoch, «alle Nandrolon-Fälle auszusetzen». Helmut Digel, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), sieht trotz der neuen Sachlage kaum Möglichkeiten, Kreatin auf die Doping-Verbotsliste zu setzen. «Weil es körpereigen ist, gäbe es bei der Überprüfung erhebliche Schwierigkeiten», nannte Digel den Hauptgrund. Der DLV-Chef gilt seit Jahren als erklärter Gegner des Mittels. «Der Verband kann nicht stolz darauf sein, dass viele Athleten ständig auf der Suche nach leistungssteigernden Mitteln sind. Diese Mentalität steht im Widerspruch zu dem Leistungssport, wie er gefördert werden sollte», erneuerte Digel seine Kritik. Der Soziologie-Professor aus Tübingen machte zudem deutlich, dass es Athleten gebe, die um die Versetzung von Nahrungsergänzungsmitteln mit verbotenen Substanzen wüssten. Dies sei zuletzt bei einigen Nandrolon-Fällen in Großbritannien so gewesen. Er forderte erneut die Unterstützung
des Staates im Doping-Kampf. Im Fall der Speerwerferin Carolin Soboll ist der DLV nun selbst in die Offensive gegangen: Der Verband hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Soboll hatte die am 23. Juni genommene positive Probe auf die Anwendung von Kreatin-Tabletten zurückgeführt.  In dem aus den USA stammenden Produkt wurden bei einer Untersuchung acht unterschiedliche Steroidhormone gefunden.


Ärzte kritisieren Nandrolon-Werte
FLORENZ (mp). Die Ärzte im italienischen Profi-Fußball fordern eine Erhöhung des Nandrolon-Schwellenwertes. Bei Radfahrern seien fünf Nanogramm pro Milliliter Urin erlaubt, bei Fußballern nur zwei. In den vergangenen sechs Monaten wurden bei Dopingkontrollen bei acht Fußballprofis Spuren von Nandrolon gefunden. Zwei Spieler wurden gesperrt.  Bei einem Treffen des Verbandes der Fußballärzte in Florenz sagte der Vorsitzende Enrico Castellacci, er glaube nicht, daß Nandrolon bewußt von den Sportlern eingenommen werde. Auch Nahrungsergänzungspräparate seien als Ursache für den erhöhten Nandrolonwert möglich. Ärzte Zeitung, 12.04.2001
 

 

  

   

 

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Doping ist die Anwendung verbotener leistungssteigernder Wirkstoffe. Im Hochleistungssport wird Doping als "natürliche"
Begleiterscheinung angesehen. Die Medien verurteilen gedopte Sportler, aber das Publikum verlangt nach immer neuen Rekorden und es geht um viel Geld. Der Sportjournalist Martin Krauss beschreibt die Geschichte des Dopings, informiert ausführlich über die Methoden des Dopinggebrauchs und untersucht die sportpolitischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aspekte des Umgangs mit Doping.

Von den 129 in Deutschland angebotenen Produkten waren 15 (11,6 Prozent) «positiv».
IOC Test: 94 von 634 Nahrungsergänzungsmitteln «positiv»
Lausanne (dpa) - Nach einer Untersuchung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hätte die Einnahme von 94 der 634 getesteten Nahrungsergänzungsmittel zu positiven Dopingtests geführt. Dieses Ergebnis hat die Medizinische Kommission des IOC in einer Pressemitteilung zu einer Warnung an die Spitzenathleten veranlasst. «Nach den Regeln der Olympischen Bewegung sind die Athleten strikt verantwortlich dafür, welche Substanzen in ihren Körpern gefunden werden», heißt es in der Erklärung. Die vom Kölner Antidoping-Labor vorgenommenen Untersuchungen der 634 Nahrungsergänzungsmittel von 215 verschiedenen Anbietern in 13 Ländern erstreckten sich vom Oktober 2000 bis zum November 2001. 91 Prozent der Produkte wurden in Geschäften und über Internet angeboten, der Rest direkt vom Produzenten. 94 oder 14,8 Prozent der Nahrungsergänzungsmittel waren verunreinigt, 23 davon enthielten Spuren von Nandrolon und Testosteron, 64 lediglich Testosteron und 7 allein Nandrolon. Von den 129 in Deutschland angebotenen Produkten waren 15 (11,6 Prozent) «positiv». Aus den USA wurden 240 Nahrungsergänzungsmittel getestet, von denen 45 (18,8 Prozent) verunreinigt waren. Die Rangliste führen die Niederlande mit 25,8 Prozent an. Von den 31 Produkten hätten 8 zu einem positiven Test geführt. In der Vergangenheit hatten des Dopings überführte Athleten immer wieder die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, die seit 1997 auf dem Markt sind, als Entschuldigung für Manipulationsvergehen angegeben. Das IOC warnt nun erneut grundsätzlich vor der Einnahme solcher Produkte und weist dabei auch auf mögliche Gesundheitsgefährdungen hin.


tri2b.com
Redaktion am 19.02.2005 Nach Informationen des US-Triathlete Magazine kommt die im November 2004 beim IRONMAN Western Australia genommene positive Dopingprobe von der Australierin Rebekah Keat, die dort in 9:03:37 Std. siegte. Die 27-Jährige frühere Juniorenweltmeisterin soll demnach auf einen deutlich überhöhten Wert (7.7 Nanogramm) des Hormons Nandrolon getestet worden sein. Die Analyse der B-Probe weise ebenso einen deutlich über den Grenzwert von  5 ng/ml liegenden Wert auf. Der Australische Triathlonverband habe Keat daraufhin bis auf weiteres vom Wettkampfbetrieb suspendiert. Im Falle einer Verurteilung droht Keat eine zweijährige Dopingsperre, erklärte der Präsident des australischen Verbandes, Chris Hewitt.
Modedroge Nandrolon
In der Vergangenheit war Nandrolon schon mehrfach bei Dopingfällen ins Blickfeld geraten. In der Zahnpasta-Affäre um Langstreckenläufer Dieter Baumann, sowie bei den Sprintern Merlene Ottey und Linford Christie wurde Nandrolon als Dopingsubstanz festgestellt. Von Athletenseite war dabei mehrfach auf die Möglichkeit verwiesen worden, die Substanz sei
über verunreinigte Nahrungsergänzungsmitteln in ihren Körper gelangt.