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Leistungsfähigkeit nach einmaliger und mehrtägiger Einnahme von Natriumbikarbonat
Mehrere Untersuchungen belegen den positiven Einfluss einer
Bikarbonatgabe vor kurzen intensiven Belastungen, die mit einer deutlichen
Milchsäurebildung einhergehen. Dabei erfolgte die Verabreichung einmalig, meist
ca. 60-90 s vor der Belastung. Eine englische Arbeitsgruppe konnte nun zeigen,
dass auch eine vorherige mehrtägige Gabe von Natriumbikarbonat die
Leistungsfähigkeit erhöht, wobei die positive Wirkung noch zwei Tage nach
Absetzen der Einnahme anhält. 8 Probanden führten eine
90 sekündige maximale
Belastung auf dem Fahrradergometer durch. Die Natriumbikarbonatgabe erfolgte
entweder „akut" (0,5 g/kg Körpergewicht 90 min vor der Belastung) oder
„chronisch" (6 Tage lang 0,5 g/kg KG täglich, in jeweils 4 Einzeldosen). Unter
beiden Testbedingungen kam es infolge der gestiegenen Bikarbonatlevel zu einer
signifikanten Zunahme der Leistung um 1,2-2 kJ. Bei der mehrtägigen Gabe ließ
sich diese auch noch 2 Tage nach
Beendigung der Einnahme nachweisen. Der Körper scheint also in der Lage zu sein, dieses zusätzliche Pufferangebot zu speichern. Die bei chron.
Gabe zu Belastungsende erhöhten Bikarbonatwerte könnten dafür sprechen, dass die erhöhte Leistungsfähigkeit nicht vollends ausgeschöpft wurde. Eine zusätzliche
Rolle bei der Senkung der zellulären H+-Konzentration
könnte bei beiden Versuchsanordnungen die erhöhte Natriumkonzentration im Plasma spielen. Keiner der Probanden berichtete über gastrointestinale Nebenwirkungen, die häufig mit einer Bikarbonataufnahme einhergehen. Empfehlenswert scheint daher die Verabreichung kleiner Mengen in Kapselform.
U.K.
(Mc Naughton
L, Thompson D: Acute versus chronic sodium bicarbonate ingestion and anaerobic work and power
output. J Sports Med Phys Fitness 41 (2001) 456-462) DEUTSCHE
ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN Jahrgang 53, Nr. 1 (2002)
Natriumbicarbonat-/ Soda-Loading -
mehr anaerobe Leistung für Leistungssportler durch Alkalisalze?
19.11.2003 http://www.nutrisport.de
Was versteht man unter "Natriumbicarbonat- Loading" und welche Funktion hat es?
Bicarbonat1) kommt im Körper natürlicherweise vor. Es ist an der Regulation des
Gleichgewichts zwischen Säuren und Basen im Körper beteiligt und zählt damit zu
den Puffern. Die zusätzliche Einnahme (Substitution) von Bicarbonat in Form des
Alkalisalzes Natriumbicarbonat 2) wird als "Natriumbicarbonat-Loading"
bezeichnet. Diese "Beladung" erweitert die körpereigenen Vorräte an Bicarbonat.
Dadurch wird einem sauren Milieu entgegengewirkt und ein alkalisches gefördert.
In diesem Zusammenhang wird auch häufig der Begriff "Alkali-Loading" verwendet
(1). Ein anderes Alkalisalz, das Natriumcitrat, eignet sich ebenfalls gut zur
Puffer-Substitution (2).
1) Synonym für Hydrogencarbonat: HCO3-
2) Synonym für Natrium-Hydrogencarbonat (=Natron = Alkalisalz): NaHCO3
Für welche sportliche Belastung kann eine Natriumbicarbonat- Einnahme sinnvoll
sein?
Interessant ist das Thema Bicarbonat-Loading für Leistungssportler, die
hochintensive, kurze Belastungen (~1-7 Minuten) ausüben und dabei Energie
überwiegend über Milchsäure (Lactat) anaerob, d.h. ohne Sauerstoff, gewinnen (3,
4).
Hierzu zählen bspw. 400 m-Läufe oder 100 m-Schwimmsprints (4). Auch Athleten aus
etwas längeren Belastungsdisziplinen, wie etwa 1500 m-Läufer, 400- 800
m-Schwimmer (3,4) oder 5-km-Radrennsprinter (1), beanspruchen den anaeroben
Stoff-wechsel zwar nicht primär, aber dennoch stark (4).
Generell: Um so stärker es belastungsbedingt zu einer Lactatanhäufung und damit
zu Acidität (=Übersäuerung) kommt, um so mehr kann mit einer
leistungssteigernden Wirkung durch Bicarbonat gerechnet werden (4, 5).
Keine Wirkung zeigte die Mehrzahl der Untersuchungen bei Leistungen unter 30
Sekunden und bei Kraft- und Schnellkraftbelastungen, die nur die lokale
Kurzzeit-Ausdauer betreffen (1). Für eine Aussage zu aeroben Belastungen (über
10 Minuten) sind die Studienergebnisse noch unzureichend. Gesichert ist, dass
aber mit keinen negativen Auswirkungen des Bicarbonats zu rechnen ist (1).
Was ist Bicarbonat (syn. Hydrogencarbonat)?
Hydrogencarbonat (HCO3-) ist das Salz der Kohlensäure (H2CO3). Im Körper kommt
es als Bestandteil des Hydrogencarbonat-Kohlensäure-Puffers vor. Dieser wichtige
Puffer sorgt für einen stabilen Blut-pH-Wert (6).
Bekannt ist Bicarbonat auch aus der Lebensmitteltechnologie und Pharmaindustrie,
in Verbindung mit Natrium, als Bestandteil des Backpulvers (=Natron,
Zusatzstoff-Nr.: E 500) (6) und in Magentabletten als Puffer.
Wie wirkt Bicarbonat?
Anaerobe Belastungen führen zu einer Anhäufung von Milchsäure (Lactat) in der
Muskulatur. Die Folge ist eine stoffwechselbedingte Übersäuerung (=Acidose), die
sich leistungsmindernd auswirkt, indem sie die Energiegewinnung und
Muskelkontraktion behindert (3).
Im Detail:
Folgende physiologische Auswirkungen der Übersäuerung können zur Ermüdung der
beanspruchten Muskeln beitragen: Die Funktionsfähigkeit von wichtigen Enzymen
der Energiegewinnung in der Muskulatur wird eingeschränkt (1, 5). Bspw. das
wichtige (limitierende) Enzym der Glykolyse, die Phosphofructokinase. Wird
dieses entscheidende Enzym für die Energiegewinnung aus Kohlenhydraten gehemmt,
kommt es zwangsläufig zur vorzeitigen Ermüdung (7). Weiterhin können Störungen
im Transport und bei der Bindung von Calcium auftreten oder die Aktin-Myosin-
(Muskelfasern) Interaktion behindert sein (5).
Ein hoher Lactatspiegel zwingt zur Verminderung der Belastungsintensität und
schließlich zum Abbruch der Belastung (1).
Der Körper geht durch ein umfangreiches Puffersystem gegen die Übersäuerung an.
Um die körpereigenen Puffermöglichkeiten zu erweitern, versucht man durch
zusätzliche Gaben von puffernden Verbindungen - wie das Natriumbicarbonat - dem
sauren Milieu entgegen zu wirken (1).
Puffer bauen die Anhäufung von Lactat ab. Damit ist der Körper potentiell länger
in der Lage, anaerobe, also hochintensive Leistung zu erbringen (4).
Der genaue Wirkmechanismus von Bicarbonat ist allerdings sehr komplex und noch
nicht genau erforscht (4).
Um wie viel kann die anaerobe Leistung verbessert werden?
Studien über die Wirksamkeit ergaben sehr unterschiedliche Ergebnisse. Die
größte Wirkung mit einem länger anhaltenden Leistungsvermögen von
durchschnittlich 27% bei Natriumbicarbonatgabe zeigten mehrere, methodisch gut
durchgeführte Studien, die die Belastungszeit bis zur Erschöpfung gemessen
hatten (4).
Durch anaerobes Training lässt sich die Pufferkapazität der Muskulatur erhöhen.
Ein gut trainierter Athlet besitzt dadurch eine angepasste Pufferkapazität an
seinen Belastungsumfang und profitiert unter Umständen von einer zusätzlichen
Einnahme von Natriumbicarbonat nicht. Zwei Studien an Hochleistungsathleten aus
dem Bereich Rudern demonstrieren diesen Zusammenhang: Hier zeigte sich keine
verbesserte Leistung durch Bicarbonat (4). An dieser Stelle muss auch klar sein,
dass nur Leistungs- und Hochleistungssportler und damit Trainierte Interesse
haben, durch Substitution ihre anaerobe Kapazität zu erhöhen. Eine
Leistungssteigerung vorauszusagen, ist demnach sehr schwer und bedarf noch
einiger Forschung (4).
Dennoch, die Mehrzahl der Studien wiesen bei hoher anaerober Belastung eine
signifikant positive Wirkung durch Natriumbicarbonat-Substitution nach (4).
Eine weitere Studie kommt zu dem Schluss, dass neben der Pufferkapazität des
Bicarbonats scheinbar auch oder vielmehr nur das Natrium zur
Leistungsverbesserung beiträgt (1, 3).
Dosierung, Bicarbonatquellen, Zeitpunkt der Einnahme, Nebenwirkungen und
Legalität der Verwendung (Dopingfrage):
Dosierung:
300 mg Natriumbicarbonat pro kg Körpergewicht (1, 4).
Bicarbonatquellen:
Backpulver mit ~1 Liter Wasser vermischt (3) -->~ 4 Teelöffel Backpulver für
eine 70 kg schwere Person.
Oder: Reines Natriumhydrogencarbonat ist in der Apotheke als Pulver (z.B.
Bullrich Salz Pulver) erhältlich.
Bei der Tablettenform sind häufig noch andere Pufferstoffe wie Natriumcitrat
oder/ und Natriumphosphat enthalten, die zwar gut verträglich sind, allerdings
ist der Puffergehalt einer Tablette meist so gering, dass die Einnahme von
etlichen Tabletten notwendig wäre.
Einnahmezeitpunkt: ~1,5 Stunden (bis 3 Stunden) vor der Belastung (4).
Nebenwirkungen: Bei einer Menge von 300 mg pro kg Körpergewicht, die in den
meisten Studien eingesetzt wurde, scheint die Wirksamkeit gegeben zu sein (1,
4). Bei einigen Athleten, insbesondere wenn diese generell zu gastrointestinalen
Beschwerden neigen, kann es jedoch zu Übelkeit und Durchfall kommen. Für diese
Personen ist die Substitutionsmöglichkeit von Natriumbicarbonat begrenzt oder
gar ausgeschlossen (5). Die Verträglichkeit wird etwas verbessert, indem
ausreichend Wasser zu Bicarbonat aufgenommen wird (3). Natriumcitrat könnte
alternativ verwendet werden, die Magenverträglichkeit soll hier besser sein (2,
5) (in der Apotheke zu kaufen).
Diese möglichen negativen Auswirkungen sind aber weder gefährlich, noch ist bei
häufiger Anwendung mit langanhaltenden Nebenwirkungen zu rechnen (5).
Höhere Dosierungen (>400 mg alkalisches Salz pro kg Körpergewicht (2)) können
allerdings zu einer Alkalose (=übermäßige Alkalisierung) führen, die
Muskelkrämpfe, Apathie oder Reizbarkeit nach sich zieht. Vorsicht vor
Überdosierung (1, 7) !
Doping: Bisher steht Bicarbonat nicht auf der Dopingliste (1, 5).
Stephanie Ruf
Dipl. oec. troph.
PD Dr. Dr. Dr. Christoph Raschka
Facharzt für Innere Medizin - Chirotherapie - Sportmedizin
Literatur:
(1) Williams, M.H.: Ernährung, Fitness und Sport. Dt. Ausg. hrsg. von R. Rost,
Ullstein Mosby Verlag, Berlin 1997.
(2) Schek, A.: Ernährungsbezogene Leistungsförderer versus leistungsbezogene
Ernährung. Ernährungs-Umschau, 42, 7: S.243-249, 1995.
(3) Applegate, E.: Effective Nutritional Ergogenic Aids. International Journal
of Sport Nutrition, 9: S.229-239, 1999.
(4) Matson, L. G., Tran, Z. V.: Effects of sodium bicarbonate ingestion on
anaerobic performance: A meta-analytic review. International Journal of Sports
Medicine, 3: S.2-28, 1993.
(5) Maughan, R.J.: Nutritional ergogenic aids and exercise performance. British
Journal of Nutrition, 12: S.255-280, 1999.
(6) Lexikon der Ernährung: in drei Bänden/ Red.: Udo Maid-Kohnert, Spektrum,
Heidelberg 2002.
(7) Bucci, L.R.: Nutrients as ergogenic aids for sports and exercise. CRC Press,
London, 1993.
Natriumzitrat erhöht Leistungsfähigkeit
17 gut trainierte College-Läufer, die zwei Stunden vor einem 5 km-Lauf
0,5g/kg KG Natriumzitrat ( in 1l Flüssigkeit
gelöst) aufnahmen, konnten diesen mit 1153,2±74,1 s signifikant schneller
absolvieren als unter Plazebobedingungen (1183,8±91,4 s). Gleichzeitig
ergaben sich geringere HK- und Hb-Werte, die Laktatkonzentration war mit
11,9±3,0 mmol/l höher als nach dem Plazebolauf (9,8±2,8 mmol/l) und die
Glukosekonzentration leicht niedriger. Die Ergebnisse sprechen für eine
Leistungszunahme durch die verbesserte Pufferung, die eine höhere
Beteiligung anaerober Stoffwechselprozesse ermöglicht.
U.K. (Oöpik V et al: Effects of sodium citrate ingestion before exercise on
endurance performance in well trained college runners. Br J Sports Med 37
(2003) 485-489)
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BUCHTIP
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